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Neuester Testbericht: ... die nie jemand außer ihr mitbekommt. Welche Rolle spielt der unheimliche Mann, der immer wieder um das Haus schleicht und der jun... mehr
"Sie werden sterben, Mrs. Preston."
Mitternachtsspitzen (DVD)

Name des Mitglieds: Miss_Piper
Produkt:
Mitternachtsspitzen (DVD)
Datum: 21.11.11
Bewertung:
Vorteile: Spannung, Darsteller, ein bisschen Humor
Nachteile: Kaum Extras, reicht nicht ganz an das Vorbild Hitchchock heran
Zur Gliederung des Berichts:
1) Produktinfos
2) Filmfakten
3) Inhalt
4) Bewertung
5) Fazit
1) Produktinfos:
Die DVD kostet um die 8 Euro. Der Film hat eine Laufzeit von 110 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben.
2) Filmfakten:
Erscheinungsjahr: 1960
Regie: David Miller
Doris Day: Kit Preston
Rex Harrison: Anthony Preston
John Gavin: Brian Younger
Myrna Loy: Beatrice Corman
Roddy McDowall: Malcolm
Natasha Parry: Peggy Thompson
John Williams: Inspektor Byrnes
3) Inhalt:
Seit drei Monaten ist die reiche junge Amerikanerin Kit mit dem britischen Geschäftsmann Tony Preston verheiratet. Die beiden leben in London, wo sich Kit eingewöhnt. Sie freut sich auf die Hochzeitsreise nach Venedig, die Tony aus beruflichen Gründen verschieben musste. Auf dem Heimweg durch den dichten Nebel hört Kit eines Abends eine hohe, verstellte Stimme, die sie mit Namen anspricht und ihr ankündigt, sie bald zu töten. Zuhause beruhigt Tony seine panische Frau mit der Vermutung, es handele sich bestimmt nur um einen dummen Scherz.
Aber schon bald erhält Kit einen Anruf, in dem die Stimme erneut ankündigt, sie zu töten. Kit und Tony wenden sich an Scotland Yard. Inspector Byrnes nimmt alles zu Protokoll, spricht gegenüber Tony aber auch die Vermutung aus, Kit könne diese Geschichten erfinden, um sich mehr Aufmerksamkeit von ihrem Mann zu erhoffen.
In den nächsten Tagen häufen sich die Anrufe und Kit wird immer hysterischer. Ihr Mann und ihre Freundin und Nachbarin Peggy versuchen sie zu beruhigen, ebenso wie Kits fröhliche Tante Bea, die zu Besuch ist. Doch während Kit immer hysterischer reagiert, befürchten alle anderen inzwischen, dass sie wirklich krank ist und sich die Anrufe einbildet, die nie jemand außer ihr mitbekommt. Welche Rolle spielt der unheimliche Mann, der immer wieder um das Haus schleicht und der junge Leiter der Baustelle vor dem Haus ...?
4) Bewertung:
Ausgerechnet Doris Day, die Vorzeige-Hausfrau der Komödien der fünfziger und sechziger Jahre in einem Psychothriller? Warum nicht, wenn es wie hier glänzend funktioniert. Der Film, der auf einem Theaterstück basiert, könnte glatt von Altmeister Hitchcock gedreht worden sein und bringt alles mit, was man von einem guten Thriller erwartet: Eine sympathische Hauptfigur, deren Leben in Gefahr ist, das Gefühl, dass ihr niemand glaubt, sich steigernde Spannung und ein dramatisches Finale auf Leben und Tod.
Sehr effektiv ist die hohe Sing-Sang-Stimme, die durch technische Manipulation nichts mehr mit einer normalen menschlichen Stimme gemeinsam hat und die dadurch besonders unheimlich klingt. Es braucht keiner blutigen Geschehnisse, damit man um Kits Leben bangt, es reichen hier schon Anrufe, Stimmen im Nebel und die zunehmende Ungläubigkeit von Kits Umfeld. Anfangs ist Kit Preston eine strahlende Ehefrau, die in ihrer Freizeit ausgiebig shoppen geht, das für sie ganz neue London erkundet und sich auf jede Zweisamkeit mit ihre Ehemann freut. Der Begriff "oberflächlich" wäre zu negativ, aber Kit ist eindeutig eine junge Frau, die das Leben genießt und deren einzige Sorge ist, dass ihr Mann in der Firma zu sehr eingespannt wird. Wie sich diese strahlende fröhliche Frau in ein verängstigtes, hilfloses Wesen verwandelt, wird überzeugend und nicht zu übertrieben dargestellt. Die Bedrohung wird langsam stärker, anfangs ist Kit durchaus noch gewillt, das alles für sehr schlechte Scherze zu halten, doch dann gelingt es ihr nicht mehr, tapfer zu sein. Die Auflösung ist gut inszeniert, plausibel und fügt sich sehr gut in das Gesamtbild ein. Man kann das Ende durchaus früher erahnen, zu offensichtlich ist es aber nicht. Es gibt mehrere Verdächtige, die sich etwas seltsam verhalten: Da ist einmal der attraktive junge Bauleiter, der Kit einmal rettet als sie auf der Baustelle fast von einem Stahlträger getroffen wird. Er ist charmant und hilfsbereit, sein Interesse an Kit könnte aber auch anders gedeutet werden. Dann ist da dieser finster dreinblickende hagere Mann mit Hut, der sich regelmäßig um das Haus herumdrückt, in dem die Wohnung der Prestons liegt und der mehreren Leuten als merkwürdig auffällt. Und dann ist da noch Malcolm, der arbeitsscheue Sohn der Haushälterin, der sich ständig von seiner Mutter Geld erbettelt und Kit mit einer indirekten Erpressung droht.
Die Schauspieler sind ideal ausgewählt: Doris Day kann auch in einer dramatischen Rolle überzeugen und passt sehr gut auf die eigentlich so offene und herzliche Amerikanerin, deren Leben urplötzlich aus den Fugen gerät. Rex Harrison gibt überzeugend den viel beschäftigten Ehemann, der sich zwar um seine Frau kümmert, der dem Zuschauer aber von Anfang an nicht sehr sympathisch ist, erst recht nicht, als er zu glauben scheint, dass sich Kit die Anrufe wirklich ausdenkt. Myrna Loy, vielen sicher vor allem als weiblicher Part neben William Powell aus den "Der dünne Mann"-Krimikomödien bekannt, brilliert als Tante Bea, die in einer Tour reden kann und dabei unterhaltsame Schwänke aus ihrem Leben preisgibt, etwa wie sie vom Maharadscha umgarnt wurde. Roddy McDowall, ehemaliger Kinderstar aus "Lassie" und später vor allem durch "Planet der Affen" berühmt, passt sehr gut auf den schleimigen, hinterhältigen Malcolm, den der Zuschauer genauso unangenehm findet wie es Kit ergeht. John Gavin, bekannt aus "Solange es Menschen gibt" und "Spartacus", spielt den jungen Bauleiter und dann ist da noch John Williams als Inspector Byrnes - eine Paraderolle für ihn, denn so kennt man ihn beispielsweise aus Hitchcocks "Bei Anruf Mord", auch hier als hintergründiger, bedächtiger Scotland-Yard-Inspector mit britischer Förmlichkeit und einer Portion Humor.
Zu bemängeln gibt es nur sehr wenig an diesem Klassiker. Doris Days sehr intensive Darstellung der hysterischen Kit Preston geht manchem Zuschauer vielleicht ein wenig auf die Nerven, gerade wenn sie weint und zusammenbricht und schreit wird auch die deutsche Synchronstimme sehr schrill. Beim großen Finale hilft ein wenig der Zufall mit, indem ausgerechnet zum passenden Zeitpunkt eine Person vorbeikommt, die das Ganze auf die Spitze treibt. Die DVD ist zudem sehr mager ausgestattet, zwar mit Originalton aber ohne Untertitel und ohne nennenswerte Extras, es gibt nur den Trailer und ein paar andere Trailer, aber keine Interviews, kein Making-Of oder sonstige Infos zum Film. Das Bild ist auch natürlich nicht mit heutigen Standards zu vergleichen und nicht gestochen scharf, aber das geht in Ordnung, ist eben ein alter Film.
5) Fazit:
Ein sehenswerter Klassiker, der in bester Hitchcock-Tradition unterhält und bis zum Schluss fesselt. Die Rollen sind sehr gut besetzt, Doris Day überzeugt in einer ungewohnt dramatischen Rolle. Die Ausstattung ist allerdings sehr mager und der Film reicht vielleicht nicht ganz an das Vorbild Hitchcock heran.
Fazit: Ein Thriller-Klassiker

