Magnolia (2 DVDs)
Menschliches Kino von seiner besten Seite - Magnolia (2 DVDs) DVD Video Film

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Neuester Testbericht: ... zwischen einem Polizisten und einer jungen Frau jenseits gesellschaftlicher Konventionen. Erneut nur ein Zufall, dass auch die Titelfig... mehr

Menschliches Kino von seiner besten Seite
Magnolia (2 DVDs)

keysersoze

Name des Mitglieds: keysersoze

Produkt:

Magnolia (2 DVDs)

Datum: 31.01.01, geändert am 31.01.01 (29 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Musik, Story, Schauspieler

Nachteile: englische Version mit festen dt. Untertiteln

"Magnolia", das war im Kinojahr 2000 neben "Sleepy Hollow" und "Dancer in the Dark" der wohl beste Film. Das noch junge Regietalent Paul Thomas Anderson schuf ein bildgewaltige, bizarre Chronik über das Leben in unserer heutigen Gesellschaft. Dort wo "American Beauty" aufhört, fängt dieses Meisterwerk erst richtig an. Wer Robert Altmanns "Short Cuts" kennt und liebt wird sich auch bei diesem Film angesprochen fühlen. Mit 180min Laufzeit und verschiedenen parallel laufenden Handlungsstrengen dir alle miteinander verwoben sind ähnelt er Altmanns Film von 1993.

Eine Handvoll Menschen aus dem San Fernando Valley in Kalifornien erlebt einen außergewöhnlichen Tag. Der Fernsehmogul Earl Partridge liegt auf seinem Sterbebett; seine Vorzeigeehefrau wirft in alarmierender Weise eine Pille nach der anderen ein. Earls Krankenpfleger versucht verzweifelt, Earls einzigen Sohn zu erreichen, den Sex-Guru T.J. Mackey, der kurz vor der Zerstörung seiner sorgfältig konstruierten Vergangenheit durch eine Fernsehreporterin steht. Das Wunderkind Stanley wird von seinem selbstsüchtigen Vater angestachelt, den Rekord der Gameshow "Was wissen Kinder?" zu brechen. Währenddessen hat der bisherige Rekordinhaber, der mittlerweile erwachsene Donnie Smith, seinen Job verloren und leidet zudem unter einer unerwiderten Liebschaft. Und der Moderator von "Was wissen Kinder?", der leutselige Jimmy Gator stirbt ebenso wie Earl an Krebs. Sein Versuch, sich mit seiner zugekoksten Tochter auszusöhnen, scheitert kläglich. Sie selbst ist hin- und hergerissen wegen eines Cops, der ihr gern näherkommen würde, wenn es ihr nur gelänge, für einige Zeit stillzusitzen. Und über all dem droht ein unheilvoller Himmel, aus dem bald mehr als nur Regen fallen wird.

Kernthema des Filmes ist die Suche von Menschen im täglichen Chaos nach einer Form von Liebe und Anerkennung. Dabei sollte man sich nicht allzu sehr von dem Anfang des F
ilmes beirren lassen, da das Thema Schicksal und Bestimmung im späteren Teil nicht konsequent weiter verfolgt wird. Sieht man den Film mag man denken typisch amerikanische Neurosen, doch beim genaueren Überlegen hat der Rest der Welt die selben Problemchen. Der überraschende Schluss sollte auch nicht zu ernst genommen und übermäßig interpretiert werden. Ich denke Anderson zeigt mit dem Froschregen selber viel Sinn für Humor, indem er nach 3 Stunden voll großer Gefühle einen Break macht und Ausdrückt: He Leute lasst den Kopf nicht hängen es gibt auch noch andere Probleme im Leben, nehmt euch nicht zu ernst. Nach seinen eigenen Aussagen sollte der Film durch die Froschszene nur etwas Cooler werden.
Mein Tipp: beim Anschauen einfach treiben lassen und nicht zuviel über Sinn und Unsinn nachdenken. Meines Erachtens nach wurde noch nie in einem Film die Komplexität von Sehnsüchten und zwischenmenschlicher Beziehungen derartig Tief und Hintergründig dargestellt. Immer dran denken "Es passiert, es passiert wirklich...":

Ein so genaues Portrait empfindlich verletzter Seelen verlangt nach einem risikobereitem Darstellerensemble. Anderson arbeitete wieder weitestgehend mit seinem Stammensemble zusammen und schrieb jedem seine Rolle auf den Leib. Da währen: Julianne Moore, Philip Seymour Hofman, William H. Macy, John C. Reilly und Philip Baker Hall. Nicht zu vergessen Jason Robards und Tom Cruise der in diesem Film die Gelegenheit bekommen hat die bisher beste Leistung seiner Kariere zu zeigen. Zu recht hat er den Golden Globe als beste Nebenrolle bekommen, allerdings hätte ihn wohl jeder der auftretenden Darsteller verdient.

Das Herz des Filmes ist die Musik, den alle neun Plotstrenge sind mit Lieder von Aimee Man unterlegt. Beim Schreiben des Drehbuches wurde P. T. Anderson von ihren Songs die er privat immer und immer wieder hörte inspiriert, und baute so die Geschichten zum Teil um die Geschichten der Songs auf. In einer Szene sagt Claudia:
"Now that I’ve met you, would you object to never see me again?". Der Satz ist die erste Zeile den Songs "Deathly" und spiegelt Herz und Seele von "Magnolia" wieder.
Jeder Einstellung ist Anzumerken mit welcher Energie und Freude am Filme machen hier zu Werke gegangen wurde. Höhepunkt ist der Plot der Gameshow mit seinen runden Kamerafahrten und der Musikalischen Untermahlung.

Die deutsche DVD – Release beinhaltet neben dem Hauptfilm eine zweite DVD mit zahlreichen Extras. An erster Stelle muss das making of genannt werden, welches nicht ein stupides, zusammengeschustertes making of wie bei fast allen DVD’s ist. Ein Kamerateam hat die gesamte Produktionsphase von den Produktionsbesprechungen über die Dreharbeiten der Premiere bis zur Auszeichnung mit dem Goldenen Bären 2000 als bester Film auf der Berlinale, begleitet. Selten hat man einen so guten Einblick in die Produktion eines Filmes bekommen wie in dieser über 60minütigen Dokumentation.
Weiterhin noch auf der DVD: Frank Mackey Seminar, Frank Mackey TV-Spot, verschiedene amerikanische Filmteaser, –trailer und TV-Spots und natürlich das Musikvideo "Save Me" von Aimee Man zusammen mit den Schauspielern an den verschiedenen Filmsets. Einziger Kritikpunkt die fehlende Musikuntermahlung im Hauptmenü und die festen dt. Untertitel in der englischen Version.

Nach Schulnoten bewertet gebe ich dem Film eine 1++ !!
Doch Vorsicht für Liebhaber von Blockbuster und kurzweiliger Unterhaltung.




Fazit: