Erstklassiger Auftakt einer Krimireihe
Jesse Stone: Night Passage (DVD)

Name des Mitglieds: larshermanns
Produkt:
Jesse Stone: Night Passage (DVD)
Datum: 23.08.10
Bewertung:
Vorteile: Tom Selleck in einer Glanzrolle | tolle Charakterstudie | tolle Kulisse
Nachteile: keinerlei Extras | wenig zur Kriminalistik
***** Allgemeine Informationen: *****
Filmtitel: Jesse Stone: Night Passage
Originaltitel: Jesse Stone: Night Passage
Regie: Robert Harmon
Land / Jahr: USA 2006
Genre: Kriminalfilm
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 86 Minuten
Hauptdarsteller:
Tom Selleck, Saul Rubinek, Viola Davis, Kohl Sudduth, Polly Shannon, Mike Starr, Brittany Robertson, Stephanie March, Stephen Baldwin, uvm.
***** Informationen zur DVD: *****
Sprachen:
Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch (jeweils Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Arabisch, Bulgarisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Hindi, Holländisch, Isländisch, Italienisch, Kroatisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Schwedisch, Slowenisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch
Bildformat: 16:9 Widescreen, 1.85:1
Extras:
außer Szenenanwahl (28 Kapitel) nichts vorhanden
***** Im Vertrieb von: *****
Sony Pictures Home Entertainment GmbH
Ickstattstraße 1
80469 München
www.sphe.de
***** Der Filminhalt: *****
Nach der Scheidung von seiner Frau greift der Polizist Jesse Stone mehr und mehr zum Alkohol. So kommt es, dass ihn der Polizeichef des LAPD wegen Trunkenheit aus dem Morddezernat entlässt, und Jesse sich gezwungen sieht, einen neuen Job fernab von seiner Vergangenheit anzunehmen. Zusammen mit seinem treuen Hund Boomer begibt er sich daher auf die lange Fahrt mit dem Auto quer durch die USA von Los Angeles nach Paradise in Massachusetts, wo ihm der Posten des Polizeichefs angeboten wird. Gleich sein erster "Einsatz", ein Fall von häuslicher Gewalt, zeigt Jesse nach und nach, dass etwas viel größeres in Paradise am Ablaufen ist, und dass von einem Paradies auf Erden wahrlich nicht die Rede sein kann. So kommt er durch diesen Einsatz indirekt einem Geldwäschering auf die Spur, an dem offensichtlich der Bankdirektor und Stadtratsvorsitzende Hasty Hathaway (Saul Rubinek) beteiligt zu sein scheint. Doch wer steckt noch alles dahinter?
***** Meine Meinung zum Film: *****
Wer Tom Selleck noch in seiner Paraderolle des Privatdetektivs Thomas Magnum kennt, wird ihn hier in der Rolle des dem Scotch on the Rocks zugewandten Polizeichefs eines Provinzstädtchens kaum wiedererkennen. Nicht nur der Zahn der Zeit hat immens an dem einstigen Traummann vieler potenzieller Schwiegermütter genagt, auch die Art der Rolle unterscheidet sich doch sehr von dem, was viele von uns noch von ihm kennen werden. Dazu kommt die musikalische Untermalung des Fernsehfilms, die dermaßen häufig eingespielt wird, dass sie nahe allgegenwärtig erscheint. Eine ruhige, wenn auch traurig anmutende Weise, die auf doch schöne Art Jesses Empfindungen und die neue Umgebung sinnvoll wiedergibt.
Wer in bei diesem Film brachiale Action, reißerische Verfolgungsjagden oder gar wilde Schießereien erwartet, wird definitiv enttäuscht werden. Nicht ohne Grund ist der Film bereits ab 12 Jahren freigegeben und lief im amerikanischen Fernsehen. So steht hier keine Action im Vordergrund, sondern ganz klar das triste Umfeld des aus dem gewohnten Leben gerissenen Police Detectives Jesse Stone des Morddezernats von Los Angeles. Dies spiegelt sich meiner Meinung nach sehr gut in der Art des Films selbst wider. Die Farben sind nur selten richtig klar und auch sonst sieht man nur selten Einstellungen mit strahlendem Sonnenschein. Die meiste Zeit über wirkt alles wie mit einem grauen Schleier der Tristesse überzogen, was mit der musikalischen Hintergrunduntermalung (es wird immer nur ein- und dieselbe Melodie gespielt) vermutlich das triste Leben des verlassenen Protagonisten unterstreichen soll.
Tom Selleck brilliert hier in der Rolle des schwermütigen Police Detectives, der die Scheidung von seiner Frau nicht überwinden kann und Trost im Scotch on the Rocks sucht. Einzig Johnny Walker und Boomer, sein treuer Hund, sind ihm geblieben, nachdem man ihn wegen Trunkenheit im Dienst vom LAPD entlassen hat. Die schauspielerische Leistung des 1945 geborenen Mimen ist wirklich bravourös. Sehr überzeugend spielt er den von der Liebe seines Lebens verlassenen Mann, dessen weicher Kern ihm offensichtlich zum Verhängnis geworden ist. Auch hier ist wieder ein überdeutlicher Unterschied zu Sellecks Paraderolle des Privatdetektivs Thomas Magnum zu sehen: Während Magnum praktisch ständig nur am Erzählen war (als Erzähler seiner eigenen Abenteuer), sieht man Tom Selleck nunmehr in einer eher schweigsamen Rolle. Oftmals kurz angebunden und in sich gekehrt, hat er lediglich die Eigenschaft, Frauen anzuziehen, mit Magnum gemein. Mir gefällt diese Rolle für Tom Selleck sehr gut, da sie sich deutlich von vorherigen Rollen des Schauspielers abhebt. Und ad hoc wüsste ich auch keinen anderen Charakter, der dieser Rolle gerecht würde. Vor allem seine rührende Liebe zu seinem Hund macht die Rolle des Jesse Stone noch viel sympathischer, wenn man im Gegenzug dazu die Abneigung Magnums gegen die beiden Dobermänner Zeus und Apollo in Erinnerung hat.
Stephen Baldwin dürfte vielen als Bruder von William und Alec Baldwin bekannt sein. In der Vergangenheit hat der Schauspieler zwar sehr viele Filme gedreht, konnte meines Erachtens nach den großen Wurf nie landen. So sah man ihn zwar mal in der Rolle des Barney Geröllheimer in "Flintstones: Viva Rock Vegas" oder als Stuart in "Einsam, Zweisam, Dreisam", jedoch sind mir keine sonst nennenswerten Rollen bekannt. In Jesse Stone glänzt er in der Rolle des schmierigen Joe Genest, der gleich zu Jesses erstem Einsatz wird. In dieser Rolle überzeugt er durchaus und zeigt, dass er in der Rolle des eiskalten und skrupellosen Charakters durchaus überzeugen kann.
Polly Shannon spielt die junge Stadträtin Abby Taylor, die Jesse hilfreich zur Seite steht. Die 1973 geborene Kanadierin ist mir selbst aus keiner nennenswerten Rolle bekannt, sorgt in diesem Film aber ganz klar für das optische Highlight der Männer. So lockert sie die Geschichte ein wenig auf und sorgt auch dafür, dass die Gefühle nicht nur in Richtung Liebeskummer und Trauer gehen.
Saul Rubinek wurde 1948 in Deutschland geboren und ist in der Rolle des Stadtratsvorsitzenden und Bankiers Hasty Hathaway zu sehen, der Jesse Stone den Job des Polizeichefs von Paradise besorgt hat. Er spielt überzeugend die Rolle des Mannes, der von seiner Frau in aller Öffentlichkeit Hörner aufgesetzt bekommt. Während Cissy Hathaway ('''Stephanie March''') amouröse Abenteuer mit allen möglichen Männern sucht, scheint Hasty in dubiose Geschäfte verstrickt zu sein. Irgendwie gelingt es Rubinek, seiner Rolle eine Mischung aus Verschlagenheit und Gewitztheit zu geben. So tritt er im Film anlässlich eines Empfangs im Yachtclub mit einer kitschigen Fliege mit Glühbirnchen auf, scheut ansonsten aber vor Bestechung nicht zurück.
Viola Davis spielt die farbige Polizistin Molly Crane, die Jesse anfangs nicht gerade mit offenen Armen empfängt. Auch wenn die 1965 geborene Schauspielerin schon in diversen Rollen zu sehen war, ist sie mir selbst nicht wirklich bekannt. Hier überzeugt sie auf jeden Fall in der Rolle der zunächst ruppigen Polizistin, der die Trennung von ihrem ehemaligen Polizeichef äußerst schwer fällt,
und die anfangs nicht wirklich an einer Zusammenarbeit mit Jesse interessiert zu sein scheint. Während des Films ist jedoch ein Sinneswandel klar zu vernehmen, der letztendlich fast schon in einer Art Freundschaft endet. Sie spielt ihre Rolle überzeugend, und vor allem ihre anfänglichen spitzen Bemerkungen haben mir persönlich sehr gut gefallen.
Neben diesen Schauspielern gibt es noch einige weitere, die alle namentlich zu erwähnen den Rahmen sprengen würde. Zumindest ist deren Zusammenspiel in diesem Film überzeugend und sorgt für einen spannenden und interessanten Ablauf, der diesen Kriminalfilm deutlich von der Masse abhebt. Hier spielen die unterschiedlichen Charaktere und die für den Kalifornier ungewohnte Umgebung die Hauptrolle, die eigentlichen Handlungen geraten in den Hintergrund. Immer wieder schweift die Geschichte vom eigentlichen Kriminalfall ab und führt zu diversen Nebenschauplätzen, die den gesamten Ablauf dennoch mehr und mehr verdichten. Ideal, um die verschiedenen Personen vorzustellen und einen Eindruck dessen zu vermitteln, was in Jesse vorgehen muss.
Wichtig zu erwähnen ist, dass es sich bei Jesse Stone: Night Passage zwar chronologisch um den ersten Teil einer Reihe handelt, dieser jedoch erst als zweites verfilmt worden ist (2005 erschien der chronologisch zweite Teil "Stone Cold"). Somit war der Regisseur Robert Harmon darauf angewiesen, die Ereignisse vor "Stone Cold" zu erklären und natürlich auch die Personen entsprechend vorzustellen. Dies gelingt ihm trotz der gelegentlichen Handlungswechsel vorzüglich, ohne dass die Geschichte zu konstruiert wirken würde. Auch wird hierdurch z.B. klar, weshalb Jesse seinen Mitarbeiter Luther stets "Koffer" bzw. in späteren Folgen "Suitcase" nennt, oder weshalb Jesse überhaupt dem Alkohol so sehr zusagt.
Ich bin durch Zufall auf den Film aufmerksam geworden, während ich im Internet nach ganz anderen Filmen gesucht hatte. Der Titel war für mich absolut nichtssagend, nur der Protagonist war mir natürlich ein Begriff. Durch die kurze Inhaltsangabe bin ich neugierig geworden und muss sagen, dass ich froh bin, mir die drei derzeitig in Deutschland erschienenen DVDs der Reihe gekauft zu haben. Preislich lagen alle drei bei jeweils 8,95 Euro, was ich für angemessen halte.
Diese Filme begeistern mich, weil sie für Spannung und Unterhaltung sorgen, ohne dabei immer nur auf Action und besondere Special Effects angewiesen zu sein. Man merkt ihnen zwar deutlich an, dass sie für das amerikanische Fernsehen produziert worden sind, jedoch macht gerade dies vielleicht sogar ihren besonderen Reiz aus. Immer wieder merkt man anhand etwas eigenartiger Szenenwechsel und -schnitte, dass man hier vermutlich einen Werbeblock angedacht hatte. Dies fällt jedoch nur bei näheren Betrachtens wirklich auf, da der Szenenabschluss immer kurz wie eingefroren wirkt.
***** Meine Meinung zur DVD: *****
Die DVD-Ausstattung ist äußerst mager. Außer dem Startmenü mit den Auswahlmöglichkeiten "Film starten", "Sprachen", "Untertitel" und "Szenenauswahl" gibt es nichts, was man auswählen könnte. Keine Teaser, Trailer oder Dokumentationen, was ich sehr schade finde. Dafür ist das Auswahlmenü zumindest ansprechend gestaltet und zeigt das DVD-Cover im 16:9 Format. In den Untermenüs sind jeweils verschiedene Szenenausschnitte zu sehen, was optisch noch für eine gewisse Abwechslung sorgt. Nach der Auswahl der Sprache und/oder Untertitel kann es dann auch schon los gehen (Englisch ist voreingestellt).
Die Bildqualität ist sehr gut, was aufgrund der TV-Produktion umso erstaunlicher ist. Lediglich in einer einzigen Szene wirkt der Hintergrund ein bisschen körnig. Und zwar in der Szene, in der sich Jesse mit Joes Tochter im Scheunentor unterhält und sie einen weißen Hintergrund im Bild hat. Davon abgesehen, habe ich nichts Negatives über die Bildqualität zu sagen. Dass das Bild an sich immer recht trist liegt, dürfte, wie anfangs bereits erwähnt, an der Aufnahmeart selbst liegen. Dadurch wirkt alles noch viel melancholischer und düsterer, als es die Melodie im Hintergrund allein bewerkstelligen könnte.
Der Sound ist mit Dolby Digital 5.1 für alle Tonspuren wirklich beeindruckend gut, vor allem, wenn man immer wieder im Hinterkopf hat, dass es sich um eine Fernsehproduktion handelt. Kein unnötiges Rauschen oder Knistern. Der Klang kommt über meine alte Thomson 5.1 Anlage sehr gut zur Geltung und macht den Filmgenuss beinah zu einem Kinoerlebnis. Eben genau so, wie es sein sollte (und was man selbst bei manchen Kinoproduktionen noch immer nicht auf die DVD gebrannt bekommt). Schade ist nur, dass man lediglich eine einzige Hintergrundmelodie hört. Diese ist zwar schön und passt absolut zur Stimmung des Films, jedoch hätte ich mir ein wenig mehr Abwechslung gewünscht.
***** Mein Fazit: *****
Mein Fazit dürfte niemanden wirklich verwundern. Ich finde den Film Jesse Stone: Night Passage einfach gut und empfehle ihn gern weiter. Für einen Kriminalfilm geht er mir lediglich etwas zu wenig auf die Ermittlungen ein, dafür gebe ich - zusammen mit den nicht vorhandenen DVD-Extras - einen Punkt Abzug. Wer jedoch einen guten Film für einen gemütlichen und nicht allzu langen Fernsehabend sucht, ist mit Jesse Stone definitiv gut beraten.
© Lars Hermanns (16.01.2010)
Fazit: Sehr empfehlenswert!
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