Jay und Silent Bob schlagen zurück (DVD)
We’re gonna need a bigger budget - Jay und Silent Bob schlagen zurück (DVD) DVD Video Film

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Neuester Testbericht: ... den Comic "Bluntman an Chronic" verfilmen will, für den die beiden die Vorlage lieferten, ändert das. Vor allem weil die beide... mehr

We’re gonna need a bigger budget
Jay und Silent Bob schlagen zurück (DVD)

Jochen

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Jay und Silent Bob schlagen zurück (DVD)

Datum: 27.02.02, geändert am 30.03.04 (83 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: siehe Text

Nachteile: siehe Text

"I think George Lucas is gonna sue somebody!"

Kevin Smith ist sicherlich eine der schillerndsten Figuren des US-Independentkinos. Independent? – Nein, das war einmal. Mit "Jay and Silent Bob Strike Back" hat er jetzt das Guerilla-Filmemachen hinter sich gelassen. "We’re gonna need a bigger budget" heißt der Untertitel auf einem Prerelease-Poster, das Salsa-Soße, Schokobretzeln, Dartspfeile und ähnlich wertvolle Ausstattungsbestandteile seiner vorigen Filme abbildet. Und in der Tat merkt man, dass Kevin Smith alias Silent Bob hier mehr Penunzen zur Verfügung standen als bei der gesamten New Jersey Trilogie ("Clerks", "Mallrats" und "Chasing Amy") zusammengenommen. War "Dogma" ein Exkurs ins Religiöse, ist "Jay and Silent Bob Strike Back" eine Art Fußnote zur New Jersey Trilogie. Bereits das Ende von "Mallrats", das Jay und Silent Bob Hand in Hand mit einem Affen eine Landstraße hinablaufen zeigte, kündigte den aktuellen Smith-Film an. Ärgerlicherweise ist der deutsche Kinostart mehrmals nach hinten verlegt worden, so dass hier die gerade erschienende US-DVD Thema sein wird. Nachdem "Jay und Silent Bob schlagen zurück" ursprünglich für November angekündigt gewesen war, soll er nun am 18. April in deutsche Kinos kommen. Wer will schon so lange warten?

Jay und Silent Bob erfahren, dass das Comic "Bluntman & Chronic" in Hollywood verfilmt werden soll. Da die Helden des Comics auf eben diesen beiden Dumpfbacken basieren und sie dafür nicht entlohnt werden, begeben sie sich auf den Weg nach L.A., um die Produktion zu stoppen. Besonders motiviert werden sie zusätzlich durch das Gespött einer Internetseite von Filmfreaks: www.moviepoopshoot.com (Tipp: die Site kann besucht werden!).

Auf dem Weg nach Hollywood widerfahren den beiden ewig-fluchenden Helden (im Grunde flucht die meiste Zeit nur einer) Abenteuer, die man irgendwo s
chon einmal gesehen hat – ja wo denn bloß? – Richtig: Im Kino. Von "Scooby Doo", "Purple Rain", "Charley’s Angels" und "Good Will Hunting" über "The Fugitive", "Scream" und "American Pie" bis zu den obligatorischen "Star Wars"-Anspielungen ist "Jay and Silent Bob Strike Back" ein Sammelbecken an Filmzitaten. Smith begnügt sich aber nicht damit, aus fremden Filmen zu zitieren. In den besten Momenten tauchen natürlich die Figuren seines eigenen Filmuniversums wieder auf. Und so spielt das Ensemble mit, welches man aus seinen ersten vier Filmen bereits gut kennt: Ben Affleck (in gleich zwei Rollen), der in Hollywood völlig unterschätzte Jason Lee (ebenfalls in zwei Rollen), Chris Rock und einige sehr überraschende Gastauftritte, die an dieser Stelle nicht verraten werden sollen.

Das hört sich alles toll an. Ist es aber leider nur bedingt. Denn "Jay and Silent Bob Strike Back" schreckt nicht davor zurück, sich den Gepflogenheiten des momentan angesagten Rülps- und Furz Humors anzupassen und wirkt deshalb im Gegensatz zu Smiths anderen Filmen furchtbar infantil. Nach einiger Zeit nerven die nicht enden wollenden Aneinanderreihungen sinnentleerter Fluchereien. Nun kann man natürlich einräumen, dass Jay und Silent Bob bereits in den vier vorangegangenen Filmen nicht gerade als Vertreter des subtilen Humors auftraten, dort meist nur kurz vorkamen und jetzt plötzlich im Zentrum stehen, folglich der Film bloß dem Niveau der beiden Protagonisten angepaßt wurde. Dennoch läßt diese Einsicht das Produkt nicht besser werden. Auf einer Kevin Smith Skala kann der Film nicht hoch punkten, insgesamt sticht "Jay and Silent Bob Strike Back" jedoch eindeutig aus der faden Comedy-Masse heraus und wird vermutlich kommerziell der erfolgreichste Kevin Smith Film werden. In Cannes, wo er mit "Clerks" absahnte, hat er hiermit allerdings nichts mehr
zu melden.


ZUR DVD

Generell gilt: Wer sich eine Kevin Smith DVD kauft, begeht keinen Fehler. Bislang waren sämtliche seiner Filme ein Hammer, was Ausstattung und Special Features anbelangt. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Man darf sich nicht die europäischen Scheiben holen, denn auf denen bleibt von der Flut an Specials meist gar nichts übrig.

Legendär sind bereits die Commentary Tracks, die Smith – selbst ein bekennender DVD-Sammler – bis "Chasing Amy" noch für Laserdisc aufnahm und die oft ebenso komisch sind wie seine Filme. Bei "Clerks" beispielsweise kam Jason Mewes alias Jay stockbesoffen zur Aufnahme und bereicherte den Commentary-Track mit seinem Geschnarche. Die "Mallrats"-DVD bietet einem die Möglichkeit, die gesamte Crew, die sich bei der Aufnahme dieser Tonspur hinter einem Berg von Süßkram verschanzt hat, in einem Fenster einzublenden. Die "Jay and Silent Bob Strike Back"-DVD hat also hohen Erwartungen gerecht zu werden. Und das tut sie auch.

Das MENÜ ist nicht animiert und schlicht im Cartoonstil gehalten. Das kommt dem Benutzer aber zu Gute, denn oft soll ein bombastisches Menü über die spärliche Ausstattung hinwegtäuschen oder die vielen kleinen Animationen lassen alles langatmig und unübersichtlich werden. Auf seiner Website www.viewaskew.com betont Smith, wie sehr er animierte Menüs hasse und daß er sich hier bewußt dagegen entschieden habe.

BILD
Das anamorphe Bild ist von exzellenter Qualität. Das Breitwandformat kommt hervorragend zur Geltung. Obwohl Smith alles andere als ein Bilderstürmer ist, kann man sich an den Farben gar nicht satt sehen. Es geht wohl kaum besser.

TON / UNTERTITEL
Auf der kanadischen Ausgabe der RC-1-DVD befinden sich sowohl ein englischer als auch der französischer Dolby Digital 5.1 Track. Im Gegensatz zu den früheren Smith Filmen, die so gut wie keine Actionsequenzen hatten, gibt es in "Jay a
nd Silent Bob Strike Back" einige Actionpersiflagen, die auf der Tonebene den Originalen durchaus Konkurrenz machen könnten. Da der Film in erster Linie dialoglastig ist, werden die Surroundkanäle nicht durchgängig in Beschlag genommen. Die Sprache ist gut abgemischt, nie zu leise und gut mit der Musik in Einklang gebracht. Insgesamt hat der Track auch angenehm viel Bass.

Untertitel gibt es englische und spanische sowie englische für Hörgeschädigte.

EXTRAS
Wo fange ich bloß an? Die meisten Extras befinden sich bei dieser Doppel-DVD wie allgemein üblich auf der zweiten Scheibe. Doch schon Disc Nummer eins ist gut bestückt: Hier gibt’s den Commentary Track mit Regisseur Kevin Smith, Produzent Scott Mosier und Darsteller Jason Mewes. Wie bei allen Smith DVDs lohnt es sich, den Film noch einmal zusammen mit den Machern anzuschauen. Der Track ist mindestens genauso unterhaltsam wie der Film selbst, außerdem bekommt man einen umfassenden Einblick in das gigantische View Askew-Universum vom Meister persönlich. Auf der ersten DVD sind noch einige >Sneak Peek Trailers< von "Jay and Silent Bob Strike Back", "Chasing Amy", "Clerks", den "Clerks Uncensored"-Cartoons und dem etwas deplaziert wirkenden "40 Days and 40 Nights" – anscheinend ein selten dämliches Zelluloidgeschöpf, das man unbedingt verpassen sollte.

Um sich alle Features der Bonus-DVD anzusehen, sollte man mindestens einen langen Abend einplanen! Alleine die insgesamt 42 Deleted Scenes haben mit den individuellen Einleitungen von Smith und Gästen (wie schon auf der Dogma-DVD) ein Länge von circa anderthalb Stunden. Einige dieser Szenen sind lediglich längere Varianten der Kinofassung, die rausgeschnitten wurden, um einem NC-17-Rating zu entgehen (wie etwa Scooby Doos ‚stoner boner’;-), andere wurden aus Längengründen über Bord geworfen. Nicht alle sind erste Sahne – aber schon Smiths Intros sin
d das Anschauen wert.

Neben den gängigen Kinotrailern und TV Spots befinden sich auch zwei Internettrailer auf der DVD, die sich dadurch unterscheiden, dass sie Fluchereien enthalten ... im Internet wird da noch nicht reglementiert, Gott sei Dank!

Außerdem auf der Bonusdisc:

· The Jay and Silent Bob Secret Stash with Intros
· Gag Reel with Intro
· Still Gallery
· Storyboard
· Behind-The-Scenes-Featurette
· Morris Day and the Time – Learnin’ the Moves
· 2 Music Videos: Afroman "I Got High" und Stroke 9 "Kick Some Ass"
· Comedy Central’s Reel Comedy: Jay and Silent Bob Strike Back
· Cast and Crew Filmographies
· Guide to Morris Day and the Time

DVD-ROM-Bonusmaterial

· Open-Mic-Commentary
· Screenplay Viewer
· Cast and Crew Filmographies
· Guide to Morris Day and the Time
· Web Links

Die Auflistung soll reichen – ich will nicht auf jedes Feature extra eingehen. "The Jay and Silent Bob Secret Stash" ist aber noch der Erwähnung wert: Es ist eine lustige Montage verschiedener Varianten einiger Szenen. Smith hat den Schauspielern anscheinend viel Raum für Improvisationen gegeben. Hier kommen wir auf die Kosten der vielen Szenen, die es nicht in den Film geschafft haben.

FAZIT
Wer wie ich nicht auf den späten Kinostart warten und sich außerdem die vermutlich grausame deutsche Synchronfassung ersparen will, der sollte die DVD sofort kaufen! "Jay and Silent Bob Strike Back" ist sicherlich Kevin Smiths schwächster Film aber den stronzdoofen Mainstreamkomödien an Witz noch um einiges voraus. Der Film hat keine fünf Sterne verdient, die Doppel-DVD allemal!

Noch ein Tipp zum Abschluß: Wer den Film lieber im Kino sehen will, sollte die Zeit bis zum Starttermin nutzen und sich vorher (noch einmal) die New Jersey Trilogie ansehen – so hat er bei "Jay and Silent Bob Strike Back"
; garantiert mehr Spaß!

Fazit: