Intimacy (DVD)
Intim und authentisch - Intimacy (DVD) DVD Video Film

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Neuester Testbericht: ... oder weniger abbruchreifen Bude. Claire, Schauspielerin in einem kleinen und wenig bedeutenden Provinztheater in London (wo die Geschichte ... mehr

Intim und authentisch
Intimacy (DVD)

Jochen

Name des Mitglieds: Jochen

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Intimacy (DVD)

Datum: 09.06.01, geändert am 27.06.01 (108 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: siehe Text

Nachteile: siehe Text

Jeden Mittwoch zur gleichen Uhrzeit am gleichen Ort geschieht es: Eine Frau und ein Mann vögeln. Das Bemerkenswerte daran: Sie kennen sich nicht wirklich, sprechen fast gar nicht miteinander – Sex ist, was sie verbindet. Er heißt Jay (Mark Rylance) und arbeitet als Barmann in einer versnobten Londoner Kneipe. Sie heißt Claire (Kerry Fox), spielt im Kellertheater eines kleinen Pubs die Laura in Tennessee Williams „Glasmenagerie“ und leitet einen Workshop für Laiendarsteller. Jay ist geschieden und hat einen Sohn. Claire ist verheiratet und hat einen Sohn. Beide haben anfänglich Spaß an dieser ungewöhnlichen Mischung aus Intimität und Anonymität. Doch irgendwann hält Jay es nicht mehr aus. Er ist verliebt und folgt Claire an einem Mittwoch, als sie seine abgewanzte Wohnung verläßt.

Aufsehen erregte „Intimacy“ als er den Goldenen Bären der diesjährigen Berlinale gewann, handelt es sich doch um einen Film, dem man vorgeworfen hatte, pornographisch zu sein. Ist er es wirklich? Ich meine nein. Zwar zeigt Regisseur Patrice Chéreau mehr Details als man gemeinhin in anderen Filmen sieht, dennoch ist er von der Sportfickerei und Close-Up-Verliebtheit des Porno-Trashs weit entfernt und könnte wohl nicht einmal den Vergleich mit Tinto Brass’ „Caligula“ standhalten. Trotzdem ist der Film erst ab 18 freigegeben. Dabei zeigt er den Sex weniger verlogen als man es im Kino gewohnt ist. Alles wirkt authentisch.

Unter dem Blickwinkel des Tabubruchs erklärt sich wohl auch die Berlinale-Auszeichnung. Die Jury wollte ein Zeichen setzen, mithelfen die Grenzen des „guten Geschmacks“ in die richtige Richtung zu bewegen. Denn filmisch ist „Intimacy“ bieder. Die Story ist geradlinig, die wackelnde Handkamera ist seit den Dogma-Filmen auch nicht mehr das innovativste aller möglichen Stilmittel und die Bildkompositionen wirken schlicht. Sicherlich ist „Intimacy“ handwerklich gut gemacht, gege
n die damalige Berlinale-Konkurrenz, wie z.B. „Traffic“, jedoch vergleichsweise enttäuschend.

Vermutlich muß man 35 Jahre alt sein, ein Kind haben und in einer unglücklichen Beziehung stecken, um „Intimacy“ für ein Meisterwerk zu halten. Der Film ist es nämlich meines Erachtens nicht. Als Gegner von Tabugrenzen im Kino, weiß ich „Intimacy“ allerdings sehr zu schätzen. Mir wäre es lieber, wenn Filme wie „Pearl Harbor“ wegen versuchter Militärpropaganda mit einem FSK-18-Siegel belegt würden, als jene, die die Komplexität der Beziehungen zwischen den Geschlechtern auszuloten versuchen und bei dieser Gelegenheit Sex ausnahmsweise mal realistisch darstellen.

Fazit: