Es geschah am hellichten Tag (1996) (DVD)
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Neuester Testbericht: ... ich aber nicht etwa in einem bunten, französischen Märchen mit Blutfaktor, sondern doch in einem deutschen Spielfilm gelandet bin, w... mehr

Greller Klischee-Krimi
Es geschah am hellichten Tag (1996) (DVD)

Eminencia

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Es geschah am hellichten Tag (1996) (DVD)

Datum: 15.08.09

Bewertung:

Vorteile: Axel Milberg + Spannung

Nachteile: grelle Farben + Klischees + Dialoge

Filmbesprechung zu:

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ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG
(DVD)

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"Greller Klischee-Krimi"


Ein Film mit knallbunten Farben, von der satt-grünen Wiese bis hin zum schrill-gelben Hemd.
Zu welchem Genre könnte solch ein buntes Werk wohl zählen? Handelt es sich vielleicht um einen fantasievollen Träum-Dich-Weg-Film á la "Amélie", um ein quietschiges Kult-Märchen á la "Alice" oder etwa um das Remake eines Krimis - konkret des 1958 entstandenen Klassikers "Es geschah am hellichten Tag"?

Ja, tatsächlich, 1996 hat sich Produzent Bernd Eichinger an ein Remake des viel gelobten Kriminalfilms mit Rühmann und Fröbe gewagt. Unter der Regie von Nico Hofmann wurde eine Schar von ziemlich populären Darstellern wie Joachim Król, Barbara Rudnik, Axel Milberg, Heino Ferch, Hans-Werner Meyer, Martin Lüttge, Monica Bleibtreu, Michael Mendl, u.a. versammelt, um 85 Minuten mit Leben zu füllen.

Was kam dabei heraus? Nun, rein objektiv betrachtet ein Film, der die Geschichte der 58er-Vorlage - leicht verändert - wiedergibt:

Kommissar Matthäus (Król) ermittelt als Polizist in einem bayrischen Nest gegen einen Serienmörder, der bereits drei Mädchenleichen auf dem Gewissen hat.
Der wütende Mob hat sich seinen Täter bereits ausgeguckt - den Hausierer "Bock" (Ferch). Denn der hat die letzte Tote gefunden und ist außerdem für seinen starken Geschlechtstrieb bekannt. Prompt wird der Verdächtigte zwecks Selbstjustiz in ein Jauchebad getaucht. Matthäus, der von Bocks Unschuld überzeugt ist, kann den Hausierer gerade noch retten. Vorm kurz darauf anrückenden selbstherrlichen LKA-Beamten (Meyer) kann er ihn jedoch nicht bewahren. Der prügelt aus Bock schließlich ein Geständnis heraus - der Zwangsgeständige soll wenig später eingekerkert werden, der Fall scheint gelöst.
Während der geplanten Überführung Bocks nach München geht jedoch etwas schief - der Vater (Mendl) des toten Mädchens stürmt herbei und erschießt den Geständigen mit einem Gewehr. Damit ist der Fall für das LKA und den direkten Vorgesetzten von Matthäus erst recht erledigt. Für den skeptischen Dorfpolizisten aber noch längst nicht. Also legt sich Matthäus mit seinem Vorgesetzten (Lüttge) an und gibt während des Streitgespräches sogar freiwillig seine Dienstwaffe zurück, da er fortan selbstständig auf die Suche nach dem wahren Täter gehen will.

Und wie sehe ich den Film? Na ja, abgesehen davon, dass mich der Film von der ersten Minute an mit meiner Meinung nach übersättigten Farben verschreckt hat, finde ich, dass der Versuch gescheitert ist, eine Story, die 1958 gut funktioniert haben mag, im Jahr 1996 neu aufzutischen.

Meiner Ansicht nach mangelt es dem Film an vielem:

Schon in der Eingangsszene, als Bock die Kinderleiche findet, irritieren mich die grellen Farben tatsächlich so sehr, dass ich mich kaum auf den Ernst der Lage konzentrieren kann. Ich fühle mich fast wie in einem 'spacigen Fantasieabenteuer', weniger wie in einem seriösen Kriminalfilm.
Die Farbenleuchtkraft nimmt kein Ende, wird sich durch den ganzen Film ziehen - irgendwann werde ich mich daran gewöhnt haben, als adäquat werde ich sie aber nie befinden.

Dass ich aber nicht etwa in einem bunten, französischen Märchen mit Blutfaktor, sondern doch in einem deutschen Spielfilm gelandet bin, wird mir spätestens dann bewusst, wenn die zum Tatort fahrenden Polizisten in furchtbar plumpem Fäkaljargon daherreden, und ich nicht weiß, ob ich diese in meinen Ohren misslungenen Auswürfe nicht für noch abscheulicher als die Farben halten soll.

Ach überhaupt: Die Monologe erscheinen mir mehr und mehr unbefriedigend. So gefällt es mir gar nicht, wie der Bauer auf die Nachricht vom Tod seiner Tochter reagiert. Einer für meine Begriffe deplatzierten Frage folgt eine unmenschliche Handlung, und auch der Umstand, dass die erste Reaktion seiner Frau die Frage nach dem Täter ist, mag mir gar nicht behagen.
Wo ist da ehrliche Schockiertheit, die den Hals zuschnürt und zu Tränen zwingt?
Aber gut, wir sind in Bayern, irgendwo in einem kleinen Ort. Vielleicht neigt man dort zu derart robust-derben Reaktionen - oder möglicherweise ist eben das die gängige Vorstellung, wie man dort reagieren könnte.

In solch einem 'rustikalen' Umfeld darf natürlich auch der verschwenderische Umgang mit Trachtenkleidung und Dialekt nicht fehlen. Mir persönlich mag dieses Überbayrische, das vor allem zu Anbeginn des Films präsentiert wird, nicht recht gefallen. Es wirkt auf mich ebenso gekünstelt wie unpassend (sicherlich auch deshalb, weil sich nur manche Figuren des Bayrischen bedienen).
Ich bekomme ein wenig den Eindruck, mir gerade eine Art Parodie auf die Heimatfilme der 50er Jahre anzusehen - so altmodisch wirkt so mancher merkwürdige Habitus der Anwohner.

Spätestens der Einblick in Matthäus' Wohnung verkündet mir aber, dass der Film keineswegs in früheren Jahrzehnten spielen soll - denn dort läuft ein Fernseher. Außerdem spielt wenig später in einer Gastwirtschaft ein relativ neumodischer Schlager. Vielleicht aber hätte man den Film tatsächlich lieber in der Vergangenheit spielen lassen. Ich finde, dass die schönen grünen Wiesen und die weite Natur es verdient hätten, sie fernab der scheinbar motorradverrückten Gegenwart anzusiedeln.

So aber scheint die Neuzeit mit dem Altertum zusammenzustoßen. Bis auf seine grellen Farben wirkt der Film auf mich ziemlich altbäuerlich.
Das liegt einerseits am grundsätzlichen Kleidungsstil der Figuren (Matthäus kommt in seinem Lederdress wie ein Kommissar der 70er rüber, während die meisten kleinen Mädchen in ihren Kleidern wie Übergebliebene der Zeit vor der Emanzipation wirken), andererseits klingen auch viele Namen recht altmodisch an (das beginnt bei Matthäus und hört bei Mädchennamen wie "Annemarie" oder "Ursula" auf).
Vielleicht hänge ich einfach schon im Trend-Geflecht unserer 'hippen' Gegenwart fest, aber mir sind noch nie junge Mädels begegnet, die mit solch (vermeintlich) 'altertümlichen' Namen bedacht wurden - aber vielleicht ist das in Bayern anders bzw. man nimmt an, dass es so ist.

Ich möchte nun aber nicht unentwegt auf den Äußerlichkeiten der Neuverfilmung von "Es geschah am hellichten Tag" herumreiten, sondern auch etwas über den Inhalt sagen:

Die Zeit, in der man sich mit dem vermeintlich verdächtigen "Bock" - dessen ständige Anrede mit seinem fragwürdigen 'Spitznamen' ziemlich fragwürdig erscheint - auseinandersetzt, erscheint mir persönlich als zu sehr in die Länge gezogen.
Als besonders enervierend habe ich Szenen empfunden, in denen der arrogante LKA-Schnösel auftritt und sich als großer "Zampano" aufspielen will. Dass er sich sein Geständnis aus Bock herausprügelt, ist haarsträubend, dass der Hausierer schließlich vom verbitterten Vater des toten Mädchens erschossen wird, ist grausam und erschütternd.

Wenn ich ehrlich bin, geht für mich die richtige Geschichte erst danach los, dann nämlich wenn sich der etwas träge und traurig wirkende Kommissar Matthäus auf die Suche nach dem wahren Serienmörder macht. Hierzu bedient sich der Polizist einiger Lügen und Raffinessen - eine Vorgehensweise, die mir während des Filmansehens merkwürdigerweise gar nicht wirklich verwerflich vorkam.
Woran lag es? Vielleicht daran, dass Matthäus tatsächlich sehr ehrlich und 'lieb' wirkte, vielleicht aber auch an dem Umstand, dass aufgrund der relativ langen 'Bock-Zeit' nun alles recht komprimiert und großschrittig gezeigt werden musste.

Die traurige Konsequenz dieser in meinen Augen nicht wirklich glücklichen Zeiteinteilung ist, dass man den wahren Mörder, den Weinhändler Schrott (Milberg) nur wenige Male - dafür aber stets in widerlicher Aktion - zu Gesicht bekommt.
Ich muss an dieser Stelle gestehen, den Film von 1958 nicht gesehen zu haben, ergo weiß ich nicht, ob man "Schrott" dort auch nur so selten hat auftreten lassen. Eigentlich ist das auch völlig egal. Mir persönlich ist jedenfalls nie ganz wohl dabei, wenn mir in Krimis der Mörder nur kurz, und wenn dann nur in den widerlichsten Augenblicken, präsentiert wird. Ich hätte gerne mehr von Schrott gesehen, vor allem, wie er mit anderen Erwachsenen umgeht. Hier wird aber nur sein Umgang mit Kindern angerissen.
Aber gut, das was von Schrott gezeigt wird, reicht völlig aus, um ihn eindeutig als den pädophilen Mörder zu identifizieren - er kommt als 'runder', glaubwürdiger Charakter herüber.

Weitaus weniger glaubhaft wirken meiner Meinung nach die Kinder in diesem Film. Bei denen tut sich manchmal nicht nur eine Kluft im Kleidungsstil (manche Mädchen tragen Hosen, während andere nur mit langen, blonden Gretelzöpfen und in roten Kleidchen herumlaufen), sondern auch Widersprüche bezüglich ihres Habitus, ihres Auftretens und ihrer Intelligenz auf.
Beispiel Annemarie: Manchmal erscheint das Mädchen mit den langen Zöpfen wie ein völlig naives, unschuldiges Wesen, das sich dem Spiel mit Burgen und vielen schönen Vorlesestunden verschrieben zu haben scheint, dann wieder erklärt sie voller Cleverness, dass man doch nicht verheiratet sein müsse, um Kinder zu haben, während sie ein anderes Mal lauthals "Scheiße!" ausruft und in einer anderen Szene Matthäus blitzblank ins Gesicht lügt.
Hier hätte ich mir ein wenig mehr Ausgewogenheit gewünscht - entweder kreiert man ein vollkommen unwissendes Kind oder man verleiht ihm eine Grundintelligenz und lässt es dann nicht zwischendurch völlig stumpfsinnige Fragen stellen.

In diesen Zusammenhang passt auch, dass man Annemarie eine in meinen Augen vorschnelle und übermäßige Sympathie für Schrott, der von Anfang an sichtlich dubios und aufdringlich herüberkommt, verliehen hat.
Warum sollte das Mädchen urplötzlich solch ein starkes Interesse an dem Mann entwickeln? Und, warum zeigt sie nicht wenigstens einen Hauch von Skepsis oder sogar Angst, als sie dem völlig fremden Mann (recht groß gewachsen und im dunklen Ledermantel) allein im Wald begegnet?
Sind Kinder wirklich so naiv? Dürfen sie das heutzutage noch sein? Kann man sie mit einer Kasperlepuppe und einer Kugel Schokolade derart begeistern?
Um Himmels Willen, dann ist meiner Meinung nach unbedingt Aufklärungsarbeit angesagt - dann sollten Eltern vielleicht mal etwas öfter und intensiver mit ihren Kindern reden!
Aber ich will den Film wirklich nicht bis ins kleinste Detail zerreden. Und außerdem ist Annemaries blinde Naivität letztlich sowieso von Nöten, um den Spannungsbogen stramm zu halten und Schrott in ihre Nähe kommen zu lassen.

Um auch mal etwas Positives zu sagen:

Alles in allem besitzt der Film durchaus Unterhaltungspotential. Lässt man sich nicht von der farblichen Übersättigung, ein paar unpassend wirkenden Dialogen und manchen etwas überflüssig erscheinenden Figuren davon abhalten, den Film bis zum Schluss anzusehen, dann erlebt man einen sukzessive stärker werdenden Krimi, der eine in meinen Augen gelungene, weil stimmungsvolle Musikuntermalung bietet. Manche Charaktere überzeugen mehr, manche weniger.

Mir persönlich hat von den Darstellern Axel Milberg am Besten gefallen. Sein Charakter Schrott taucht zwar nur in wenigen Szenen auf, wenn er aber da ist, dann füllt er die Mattscheibe mit einer schaurig-gefährlichen und zwiespältig-ver(w)irrten Präsenz.

Joachim Król taucht als Matthäus am Häufigsten auf und kann als etwas verlotterter Dorfpolizist ohne feste Wurzeln überzeugen. Frau- und kinderlos scheint er nichts Richtiges mit sich anfangen zu können, bis er die Suche nach dem wahren Mörder zu seiner Lebensaufgabe erklärt.

Die unvergessene Barbara Rudnik verkörpert die Mutter der kleinen Annemarie als gleichwohl zauberhafte wie auch starke Frau, die sich Matthäus (auch emotional) immer mehr annähert.

Auch der Rest des namhaften Ensembles weiß in der Regel zu überzeugen, allerdings hätte ich mir gewünscht, die ein oder andere Figur wäre gar nicht in das Drehbuch geschrieben worden. Denn insgesamt wirkt der Film auf mich, als sei er mit Charakteren überfüllt.
Davon abgesehen hätte auch die ein oder andere Szene nicht sein müssen - warum zeigt man beispielsweise, wie der arrogante LKA-Mann am Tatort etliche Liegestütze vollbringt oder wie Matthäus' Vorgesetzter in seinem Büro auf dem Heimtrainer herumsprintet? Soll das die Selbstverliebtheit dieser Figuren unterstreichen? Nun, die hätte ich auch ohne sportliche Verausgabungen bemerkt.

Ebenso wurde von mir bemerkt, dass die DVD mit relativ vielen Extras ausgestattet ist. Als relevante Inhalte sind hier Trailer, Textinterviews, ein Making-Of und Bio-/Filmografien zu nennen. Außerdem fällt auf, dass der Ton sowohl in Dolby Digital 5.1 als auch in DTS 5.1 vorhanden ist.

Mein Fazit lautet: Trotz eigenartiger Colorierung, vielen Klischees und ein paar Ungereimtheiten, halte ich die Neuverfilmung von "Es geschah am hellichten Tag" für sehenswert - vor allem wegen dem beeindruckenden Axel Milberg.

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(c) Eminencia / Divalein, 2009

Fazit: Das Fazit hätte sich weniger Farben und mehr Milberg gewünscht!