Dressed to Kill (DVD)
The 80’s Fashion in Murder - Dressed to Kill (DVD) DVD Video Film

The 80’s Fashion in Murder
Dressed to Kill (DVD)

Jochen

Name des Mitglieds: Jochen

Produkt:

Dressed to Kill (DVD)

Datum: 01.09.01, geändert am 01.09.01 (259 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: siehe Text

Nachteile: keine

Bevor „Dressed to Kill“ offiziell ins Kino kam und bevor er das erste Mal der MPAA (der amerikanischen FSK) vorgelegt worden war, hagelte es bereits Proteste aufgebrachter Feministinnen: Es handele sich um ein frauenverachtendes Werk und müsse boykottiert werden! Obwohl diese empörten Damen den Film noch gar nicht gesehen hatten, half ihre Propaganda dabei, ihn in der vom Regisseur vorgesehenen Fassung nicht ins Kino zu bringen. Mehrere Szenen mußten gestutzt werden, bevor die Sittenwächter ein für die amerikanische Bevölkerung erträgliches Maß an Sex und Gewalt attestieren wollten, das sich in einem R-Rating (frei ab 17) niederschlug. Später wurde diese bereits verstümmelte Fassung nochmals für das Fernsehen „behandelt“. Diesen Prozeß des mehrfachen Beschneidens kann man heute auf der frisch veröffentlichten US-DVD nachträglich miterleben: In einem Split-Screen laufen die R-Rated und unrated-Fassung parallel, anschließend gibt es als Abschlußlacher immer noch die gestauchte TV-Fassung zu bestaunen. Ein wirklich gelungenes Special Feature!

21 Jahre nach dem Kinostart von „Dressed to Kill“ haben diese Szenen nicht mehr die schockierende Wirkung, die sie damals offensichtlich hatten. Der Film bleibt aber ein Meilenstein nicht nur im Schaffen Brian De Palmas, sondern im Genre des Thrillers allgemein.

INHALT
Die sexuell frustrierte New Yorker Hausfrau und Mutter Kate Miller (Angie Dickinson) wird nach einem Seitensprung beim Verlassen der Wohnung des Liebhabers von einer sonnenbebrillten Blondine im Fahrstuhl mit einem Rasiermesser aufgeschlitzt. Die Edelhure und Zeugin Liz Blake (Nancy Allen) versucht zusammen mit Kates Sohn Peter (Keith Gordon), die eiskalte Killerin ausfindig zu machen. Sie nehmen an, daß es sich um eine Patientin von Kates Psychiater Dr. Elliott (Michael Caine) handelt...

STIL
Viele De Palma-typischen Themen und Techniken sind in dieser „directorial tour de force“
(L.A. Times) zu finden. Beispielhaft sei die etwa 9minütige Museumsverfolgung angeführt, in der Kate auf ihre Bettbekanntschaft für den Nachmittag stößt. In einer Serie von exzellent choreographierten Steadicamfahrten durchqueren wir die Gemäldegalerie auf der Suche nach dem Unbekannten. Ursprünglich war für diese Szene ein Voice-over geplant, das die widersprüchlichen Gedanken Kates erklären sollte. Doch die schauspielerische Glanzleistung Angie Dickinsons verbunden mit der wundervollen Kameraarbeit ließen dieses Hilfsmittel überflüssig werden. So muß großes Kino sein: Laßt Bilder nicht Worte sprechen! Abgewandelt kann man diese dialoglose Szene übrigens in „Body Double“ und „Mission: Impossible“ wiederfinden.

DVD
Nun aber zur DVD! In diesen Tagen erscheinen insgesamt fünf De Palma Filme auf DVD für Region 1 (USA & Kanada). Drei, darunter auch „Dressed to Kill“ und „Carrie – 25th Anniversary Edition“, werden von MGM vermarktet. Glücklicherweise wurde dem langjährigen De Palma Fan und Autor von Büchern wie „The De Palma Cut“ und „Ultraviolent Movies“ Laurent Bouzereau die Aufgabe übertragen, sich um die Ausstattung dieser DVDs zu kümmern. Vergleicht man diese Discs mit dem, was bisher von De Palma auf DVD erschienen ist, muß das Urteil bravourös ausfallen.

BILD
Der neue anamorphe Transfer des Films ist eins a. Daß „Dressed to Kill“ – wie viele Horrorstreifen der Spätsiebziger – unter Verwendung eines Weichfilters gefilmt wurde, hat die Bildbearbeitung sicherlich nicht erleichtert. Zwar erkennt man den qualitativen Unterschied zu heutigen Produktionen, dennoch überzeugt das Bild insbesondere in den Farbtönen. Das Schwarz ist sehr tief und die in kaltem Blau gehaltene Sequenz im Irrenhaus ist verglichen mit meiner TV-Aufnahme eine wahre Offenbarung. Mehr kann man nicht verlangen, zumal in England und Deutschland keine Widescreen-Version des
Films erhältlich ist.

TON / UNTERTITEL
Extra für diese DVD wurde ein neuer Dolby Digital 5.1 Mix abgemischt. Dieses Remaster hat bei einigen Puristen für Empörung gesorgt. Auslöser war die heruntergeregelte Musikbegleitung. Besonders in der oben erwähnten Museumssequenz bemerkt man, daß die Hintergrundgeräusche im Vergleich zum alten Mix zu Lasten von Pino Donaggios Begleitung stärker in den Vordergrund gerückt werden. Die Kritik an der neuen Tonspur führt letztendlich zu der grundlegenden Frage, ob man Filme, die nie für Surroundanlagen konzipiert wurden, nachträglich hochrüsten sollte? – Ich meine ja und finde den Track gelungen, weil er das vorhandene Tonmaterial gut aufgreift und neu interpretiert. Es finden sich keine künstlich wirkenden, extralaut eingefügten Rearspeaker-Effekte, wie es bei manch anderem Remix der Fall ist. Ferner bin ich sogar froh darüber, daß dem Zuschauer Donnagios wunderbare Musik nicht überlaut (das war nämlich vorher der Fall) in die Ohren geblasen wird. Warum sich die Filmpuristen auf dem De Palma Discussion Board beschwert haben, kann ich aus einem weiteren Grund nicht nachvollziehen: Der original Monotrack befindet sich nämlich sowohl auf Englisch als auch Französisch zusätzlich auf der DVD. Ferner gibt es französische und spanische Untertitel.

EXTRAS
Das eingangs erwähnte Special Feature, in dem man die drei unterschiedlichen Fassungen direkt miteinander vergleichen kann, ist meines Wissens bislang einmalig für eine DVD. Man hat zusätzlich die Möglichkeit, den gesamten Film entweder in der R-Rated oder der unrated-Fassung zu gucken. Dank der „seamless branching“-Technik, die letztes Jahr bereits auf der „T2-Ultimate Edition“-DVD mit Erfolg eingesetzt wurde, bemerkt man beim Anschauen nichts davon, d. h., es gibt keine plötzlichen Bildsprünge oder Stillstände. In einer zusätzlichen Dokumentation mit dem Titel „Slashing Dressed to Kill“ kommentieren De Palma und einig
e Schauspieler die von der MPAA befohlenen Schnitte. So erfährt man, daß „Dressed to Kill“ in Europa von jeher ungeschnitten gelaufen sei. An dieser Stelle bringe ich jedoch berechtigte Zweifel an. Die deutsche Fassung war in einigen Gewaltszenen definitiv gekürzt und daß die prüden Engländer die einleitende Traumsequenz, in der Kate unter der Dusche vergewaltigt wird, unangetastet gelassen haben, kann ich mir ebenfalls nicht vorstellen.

Laurent Bouzereau hat außerdem eine etwa 40minütige, aufschlußreiche Dokumentation mit dem wenig originellen Titel „The Making of Dressed to Kill“ gedreht, in der neben De Palma und Dickinson auch Dennis Franz und andere Crewmitglieder zu Wort kommen und den Thriller aus verschiedenen Perspektiven (Budget, Casting, Technik etc.) beleuchten.

Außerdem gibt es „An Appreciation by Keith Gordon“; eine Kurzdokumentation, in der Gordon (mittlerweile auch als Regisseur tätig) einige stilistische Besonderheiten des Films analysiert und seine Bewunderung für De Palmas Regiekunst zum Ausdruck bringt.

Zusätzlich werfen eine Photo Gallery, der original Kinotrailer und ein dünnes Booklet weiteres Licht auf die Produktion.

FAZIT
Insgesamt kann ich jedem, der diesen Film kennt und zu schätzen weiß, zum Kauf raten. Eine qualitativ bessere Version gibt es nicht und mit umgerechnet knapp 47 Mark ist diese RC1-DVD gemessen an der Ausstattung ein echter Preisknüller.

Fazit: