Vier Jahre Mafia!
Donnie Brasco (DVD)

Name des Mitglieds: Priscalein
Produkt:
Donnie Brasco (DVD)
Datum: 16.06.04, geändert am 17.06.04 (51 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: eine reale Geschichte, interessante zwischenmenschliche Beziehungen
Nachteile: manchmal ein wenig langatmig , teilweise unrealistisch
Heute will ich euch mal wieder von einem Film berichten, den ich neulich auf DVD in der Zeitschrift Audio - Video - Foto - Bild entdeckt habe. Da es sich hierbei nur um eine einfache Heft-DVD handelt, die keine Extras und sonstigen Schnickschnack enthält werde ich mich in meinem Bericht aber weitestgehend auf den Film selbst beschränken.
** DONNIE BRASCO **
Irgendwas klingelte bei mir, als ich den Titel sah, aber genau konnte ich den Film nicht zuordnen. Das war mir aber spätestens dann egal, als mein Blick auf die Namen der Hauptdarsteller fiel: Johnny Depp und Al Pacino. Na, das muss doch was sein, oder? Ich werde euch jetzt erst mal kurz den
** INHALT **
des Films vorstellen und dann meine Meinung darüber verraten. Dann könnt ihr sehen, ob mich der Film enttäuscht hat oder nicht.
Joseph Pistone ist FBI Agent. Seine neueste Aufgabe ist es, sich an Leute der Mafia heranzumachen, um so vielleicht Zugang zu finden zu den strengen Strukturen der "Familien". Joseph gibt sich unter dem Namen Donnie Brasco als Experte für Juwelen aus und tatsächlich: schon bald spricht ihn ein Mafiaangehöriger an und bittet ihn, für ihn einen Ring zu versetzen. Joseph erkennt sofort, das es sich hierbei um eine Fälschung handelt und macht Lefty (so heißt der Mafiaangehörige) darauf aufmerksam. Gemeinsam gehen sie zu dem ehemaligen Inhaber des Rings und Joseph macht ihm unmissverständlich klar, das man ihn nicht übers Ohr hauen kann und das er Lefty statt des (unechten) Ringes doch lieber seinen Porsche überlassen soll.
Lefty ist beeindruckt von Josephs Auftreten und die beiden nähern sich langsam an. Es dauert nicht lange und Lefty führt ihn behutsam an die Mafia heran. Er stellt Joseph als "seinen Freund" vor, was nichts anderes heißt, als das Joseph auf Seiten der Mafia steht und man ihm vertrauen kann. Dabei riskiert Lefty einiges - denn es gibt einen Mafiakodex: macht Joseph einen Fehler, verrät er die Mafia gar, dann wird Lefty als sein "Bürge" dafür büßen müssen.
Langsam aber sicher gerät Joseph immer tiefer in die Mafiastrukturen - und alles, was er hört und sieht gibt er weiter an das FBI. Natürlich ist er sich ständig der Gefahr bewusst, in die er sich begibt - in die er auch seine Familie bringt. Deswegen ist er nur noch selten zu hause, schleicht sich heimlich nachts herein und verschwindet ebenso heimlich wieder. Seine Frau und Kinder entfremden sich ihm. Joseph ist sich bewusst, das das der Preis dafür ist, das er in die Mafia abtauchen kann.
Doch je länger er dabei ist - je mehr zu sehen bekommt - desto mehr begreift er auch, das hinter diesen Strukturen Menschen stehen. Natürlich gibt es den rücksichtslosen, gewalttätigen "Boss" der über Leichen geht - aber vor allem gibt es die "kleinen Lichter" die die Drecksarbeit erledigen und auf einen Aufstieg hoffen dürfen. "Arme Schweine" wie Lefty, der sich finanziell kaum über Wasser halten kann - 26 Morde hat er begangen und doch wird er beim Aufstieg immer wieder übersehen. Er träumt von einem anderen Leben, weit ab der Mafia - ein Schiff möchte er haben und einfach losfahren, nach Norden oder Osten, egal, irgendwo hin ...
Joseph entwickelt echte Sympathie für ihn - und je besser er Lefty kennt, desto schwerer fällt es ihm, seine Rolle weiterzuspielen. Denn er weiß: am Ende wird er Leftys Todesurteil besiegeln - eines Tages, wenn er aussteigt und sich herausstellt, das er vom FBI ist und die Mafia verraten hat ... dann wird Lefty dafür büßen, das er einst für ihn gebürgt hat....
Hui - das ist jetzt aber eine recht lange Inhaltsbeschreibung geworden - dabei bin ich eigentlich gar nicht ins Detail gegangen. Kommen wir jetzt lieber zu meinen
GEDANKEN UND GEFÜHLEN **
bevor ich mich noch weiter auslasse.
Gleich am Anfang des Films war ich ein wenig frustriert, das es sich hier scheinbar um einen Mafiafilm handelt. Mafiafilme vergleiche ich immer unweigerlich mit "Der Pate" - und da kommt fast jeder Film schlecht bei weg. Dann habe ich mich aber doch einfach auf diesen Film eingelassen - und ich habe es eigentlich nicht bereut.
Sicher ist der Film kein normaler, spannender Unterhaltungsthriller - und streckenweise wird er auch mal ein wenig langatmig. Aber dann gibt es wieder Stellen, die mich als Zuschauer regelrecht am Bildschirm haben kleben lassen.
Nein, man kann den Film nicht mit "Der Pate" vergleichen - dieser Film ist ganz anders aufgebaut, hat eine ganz andere Story. Hier geht es vor allem um zwischenmenschliche Beziehungen - die Mafiastory bietet nur das interessante Gerüst darum herum. Ein wenig darf ich als Zuschauer durchaus eintauchen in die Mafia - ich erfahre einiges über den strengen Ehrenkodex innerhalb der Mafia, wo jeder Verrat ( ja, sogar der VERDACHT auf einen Verrat) gnadenlos mit dem Tod bestraft wird. Der Betroffene wird per Telefon zu "einer Unterredung" bestellt - er weiß genau, er fährt in seinen Tod, meistens ausgeführt von einem seiner besten Freunde ... aber es kommt nie der Gedanke auf, sich aufzulehnen, wegzulaufen, sich zu verstecken. Einmal in der Mafia = immer in der Mafia! Es gibt hier kein Entkommen und die Betroffenen wissen das.
Erfahren kann ist hier als Zuschauer auch einiges über die Strukturen innerhalb der Mafia. Denkt man an Mafia, denkt man an viel Geld, an Reichtum, an Macht. Und das steckt sicher auch hinter diesen Strukturen, doch all das befindet sich eben nur in der Hand von einigen wenigen. Die Masse der Mafiamitglieder aber sind nichts anderes als Befehlsempfänger, wie Lefty - sie gehorchen ohne zu denken - sie wissen, ein Versagen wird hart bestraft. Finanziell sind sie nicht sehr gut gestellt, sie müssen sich irgendwie durchschlagen. Und wenn sie Glück haben, fallen sie irgendwann einmal die "Erfolgsleiter" nach oben - und laufen Gefahr, das andere Mitglieder der Mafia ihnen das missgönnen und sie diesen Aufstieg vielleicht sogar mit dem Leben bezahlen.
Was ich als Zuschauer in diesem Film nicht erwarten darf sind viele Informationen über irgendwelche "Mafia Coups". Natürlich wird das eine oder andere erwähnt: da wird eine Bar in Florida aufgemacht - da werden Lastwagen überfallen - da werden Menschen ermordet ... aber das alles ist nicht die Story an sich, sondern nur Mittel zum Zweck. Es zeigt Josephs Veränderung, seine Beziehung zu den einzelnen anderen Personen ...
Und damit sind wir wieder beim wesentlichen des Films: die zwischenmenschlichen Beziehungen. In diesem Zusammenhang kann ich euch auch gleich die
** SCHAUSPIELER **
etwas näher vorstellen.
Da wäre JOHNNY DEPP als Joseph Pistone. Er allein macht seine Sache schon sehr gut, passt sich dieser Rolle perfekt an. Man spürt die Veränderung, die im Laufe des Films mit ihm vor geht. Zuerst ist es nur ein Auftrag - aber dann lernt er Lefty, perfekt gespielt von AL PACINO , immer besser kennen. Er begreift, das Lefty nichts anderes ist als ein "armes Schwein", ein kleines Rädchen im großen Getriebe. Das Schlimmste aber ist es, das Lefty ihm vertraut! Das er ihn einführt in die Mafia - obwohl er weiß, das ein Verrat sein Leben kosten kann. - aber er kann sich nicht vorstellen, das Joseph ihn verraten wird. Sind sie beide doch Freunde geworden ... Das Zusammenspiel der beiden ist wirklich sehr gut gelungen!
Interessant auch die Verbindung zwischen Joseph und seiner Frau Maggi, gespielt von ANNE HECHE. Maggi weiß, das Joseph beim FBI undercover arbeitet - über die genaueren Umstände ist sie aber im Unklaren. Joseph ist immer weniger zu Hause, je mehr er in die Mafia abtaucht. Maggi liebt Joseph, aber sie fühlt sich überfordert - überfordert auch von den Kindern, die immer wieder nach ihrem Vater fragen - und die SIE immer wieder vertrösten muss. Joseph besucht Maggi heimlich und sporadisch - schließlich schleicht er sich Nachts ins Haus, nur um eine Jacke zu holen, ohne Maggi zu wecken. Es ist, als wenn er die Nähe zu seiner Frau nicht mehr ertragen kann. Maggi überlegt, sich scheiden zu lassen...
Etwas möchte ich euch zu dem Film auf jeden Fall noch verraten. Dieser Film erzählt nämlich eine
** REALE GESCHICHTE **
1978 wurde Joseph Pistone von dem FBI als Undercoveragent in die Mafia eingeschleust. Das Material, das er in über vier Jahren sammelte (vorgesehen waren ursprünglich 2 - 3 Monate !!!), führte schließlich zu über 200 Verhaftungen und über 100 Urteilen!
Joseph Pistone lebt heute mit seiner Familie unter einem anderen Namen an einem geheimen Ort. Denn noch heute sind von der Mafia über 500.000 Dollar Belohnung auf seinen Kopf ausgesetzt!
Wie weit sich der Film an der Realität orientiert vermag ich allerdings nicht zu sagen. Manches kommt mir durchaus realistisch vor - anderes dann wiederum weniger. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, das ein Undercover Agent sich in das Haus seiner Familie schleicht! Natürlich dient das dem Film, da es neben der Beziehung Lefty - Joseph noch eine zweite interessante Konstellation schafft, nämlich die zwischen Joseph und Maggi. In der Realität frage ich mich aber, wie kann ich als Agent so verantwortungslos sein?! 100 % unter Kontrolle der Mafia musste Joseph doch damit rechnen beobachtet zu werden und damit seine Frau und Kinder in große Gefahr zu bringen, ganz abgesehen davon, das seine Tarnung so ganz schnell auffliegen könnte. Aber okay - das ist eben Film - und es ist gut möglich das hier ein wenig künstlerische Freiheit am Zuge war.
Jetzt noch ein paar nackte
** FAKTEN **
zum Film.
gedreht in den USA 1997
Lauflänge 122 Minuten
FSK 16 Jahre - eine Altersfreigabe, die ich völlig in Ordnung finde. Der Film enthält zwar wenige brutale Szenen, aber sie sind durchaus vorhanden.
Preis: 12,99 Euro als Original DVD bei Amazon. Wenn ihr aber schnell seit (und keinen gesteigerten Wert auf irgendwelchen Schnickschnack legt), dann empfehle ich euch die Audio-Video-Foto-Bild mit der DVD. Diese Zeitschrift kostet 3,30 Euro und dürfte noch bis Anfang Juni im Handel zu bekommen sein!
** MEIN FAZIT **
Ein durchaus interessanter Mafiafilm, den man sich gut einmal ansehen kann.
@ Prisca - Mai 2004 - ich schreibe für Ciao und Yopi, manchmal auch für Dooyoo
Fazit:
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