Die Ahnungslosen (DVD)
Eine Welt von ahnungslosen, zauberhaften Feen - Die Ahnungslosen (DVD) DVD Video Film

Neuester Testbericht: ... Welt, zusammen mit anderen Homosexuellen, Transsexuellen, einem Aids-Kranken, einer Türkin, die mehr zufällig in diese Wohngemeinschaft... mehr

Eine Welt von ahnungslosen, zauberhaften Feen
Die Ahnungslosen (DVD)

Posdole

Name des Mitglieds: Posdole

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Die Ahnungslosen (DVD)

Datum: 16.10.09, geändert am 10.04.11 (238 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Siehe Bericht

Nachteile: Keine

Ferzan Ozpetek (»Harem Suare'«, 1999) wurde einem breiteren Publikum bekannt durch seinen Film »Hamam - Das türkische Bad« (»Hamam«, 1997). Mit der großartigen Margherita Buy (»Nicht von dieser Welt«, 1999) und Stefano Accorsi (»Das Zimmer meines Sohnes«, 2001) erzählt er in »Le fate ignoranti« eine Geschichte von zwei aufeinander prallenden Welten.

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Für die Ärztin Antonia (Margherita Buy) ist die Welt in Ordnung. Sie lebt mit ihrem Ehemann Massimo (Andrea Renzi) seit über zehn Jahren in Rom im besten Viertel und ist glücklich. Doch dann stirbt ihr Mann bei einem Autounfall und sie fällt in eine tiefe Depression. Sie kann nicht mehr arbeiten, spricht kaum noch ein Wort, und auch ihre Mutter kann sie aus dieser Lage nicht befreien. Bei ihrem Stöbern in Erinnerungen entdeckt sie auf der Rückseite eines Gemäldes zufällig eine Liebesbotschaft, die offensichtlich nicht ihr gilt. Antonia muss erfahren, dass sie Massimo seit Jahren betrogen hat. Doch das ist nicht alles. Nicht mit einer Frau, sondern mit dem homosexuellen Michele (Stefano Accorsi) hatte er ein Verhältnis.

Michele lebt in seiner eigenen Welt, zusammen mit anderen Homosexuellen, Transsexuellen, einem Aids-Kranken, einer Türkin, die mehr zufällig in diese Wohngemeinschaft hineingeraten ist, und einer liebestollen Heterosexuellen. Antonia will alles wissen. Zutiefst verletzt begibt sie sich auf eine akribische Suche nach dem Leben ihres Mannes, dem Doppelleben, das er nicht in ihrer großbürgerlichen, sondern einer farbigen, chaotischen Welt von Außenseitern geführt hat.

Anfangs reagiert nicht nur sie misstrauisch gegenüber diesem Kosmos. Auch die anderen, allen voran Michele, wollen mit Antonia nichts zu tun haben. Doch sie lässt nicht locker, lernt diese ganz andere Art zu leben kennen, kocht, isst, trinkt, feiert mit ihnen. Und vor allem: Antonia freundet sich mit Michele an, vorsichtig, noch beeinflusst von dem Betrug, von dem sie nichts wusste ...

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Ferzan Ozpetek schildert Gegensätze, sich annähernde, so unterschiedliche Welten, die durch ein tragisches Ereignis und eine für Antonia verletzende Entdeckung zusammengeführt wurden. Der Zuschauer wird in den Bann dieser immer wieder mit Rückschlägen verbundenen Annäherung gezogen, fühlt unmittelbar mit, ohne dass die Sympathien einseitig oder gegen jemanden gerichtet sind. Herrscht bei Antonia anfangs nur Unverständnis für das Handeln ihres Mannes und Ablehnung, so kommt sie an einen Punkt, in dem sie die Realität, das Leben des Toten akzeptieren kann. Sie kann jetzt nachvollziehen, warum sich Massimo und Michele geliebt haben.

Ozpetek schildert keine platte Klischee-trunkene Dreiecksgeschichte oder deren Konsequenzen. Er (er)greift den Zuschauer - sanft, aber bestimmt - und nimmt ihn mit auf eine Entdeckungsreise, auf der sich Menschen begegnen, die - ohne es zunächst zu wissen - gegenseitig ihr Leben verändern. Dabei ist der Film weder aufdringlich, noch rührselig, sondern bleibt realistisch-gefühlvoll. Ozpetek erzählt überzeugend und intensiv den schwierigen Weg zu einer Freundschaft - vielleicht nur scheinbar - unterschiedlicher Menschen, der »ahnungslosen Feen« Michele und Antonia, wie der Regisseur seine Hauptfiguren nennt.

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Margherita Buy hätte für diese Rolle den Oscar verdient. Ich habe in letzter Zeit selten eine Schauspielerin gesehen, die vor allem durch ihre Mimik, ja ihre ganze Person mit Leib und Seele, Kopf und Bauch, ihre Rolle derart überzeugend ausfüllt. In Stefano Accorsi hat sie einen idealen Partner, der seine Rolle als Liebhaber eines verheirateten Mannes, den er nur am Wochenende traf, glänzend meistert. Und auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt.

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Der Streifen ist kein Drama herkömmlicher Art; denn Ozpetek hat den Humor nicht vergessen. Zudem gelang ihm ein Film, der nicht auf die Inszenierung einer falschen Gefühlswelt baut, sondern bei dem Freude, Trauer, Verletzung, Freundschaft und intensive Zuneigung in einer wirklichkeitsgetreuen Erzählung ohne übertrieben psychologisierende Mittel im Zentrum stehen. Endlich wieder einer der seltenen Filme, bei denen man sich in die geschilderte Welt direkt hineinversetzt fühlt.

Wertung: 9 von 10 Punkten.

Die Ahnungslosen
(Le fate ignoranti)
Italien / Frankreich 2001, 105 Minuten (Original mit Untertiteln)
Regie: Ferzan Ozpetek
Hauptdarsteller: Margherita Buy (Antonia), Stefano Accorsi (Michele), Serra Yilmaz (Serra), Andrea Renzi (Massimo), Gabriel Garko (Ernesto), Erika Blanc (Veronica), Rosaria De Cicco (Luisella), Luca Calvani (Sandro), Lucrezia Valia (Mara), Koray Candemir (Emir)

© Ulrich Behrens 2009

Fazit: Ansehen !