Der vierte Engel (DVD)
Viel Feuerzauber, fragwürdige Moral - Der vierte Engel (DVD) DVD Video Film

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Viel Feuerzauber, fragwürdige Moral
Der vierte Engel (DVD)

mmatzer

Name des Mitglieds: mmatzer

Produkt:

Der vierte Engel (DVD)

Datum: 28.07.09

Bewertung:

Vorteile: unterhaltsam, spannend, guter Whitaker, gute DVD - Ausstattung

Nachteile: fragwürdige Moral der Selbstjustiz

Als man seine halbe Familie bei einer Flugzeugentführung ermordet und die Killer straffrei ausgehen, nimmt der Journalist Elgin die Gerechtigkeit selbst in die Hand. Nach und nach eliminiert er alle Täter - nur um dann eine böse Überraschung zu erleben.

Filminfos
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O-Titel: The fourth angel, 2001
FSK: ab 16 Jahre
Länge: ca. 92 Min.
Regisseur: John Irvin
Drehbuch: Allan Scott (Autor(Produzent) nach 1 Roman v. Robyn Hunter
Musik: Paul J. Zaza
Darsteller: Jeremy Irons, Jason Priestley, Forest Whitaker, Charlotte Rampling u.a.

Handlung
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Jack Elgin (J. Irons), erfolgreicher Journalist bei einem internationalen Nachrichtenmagazin in London, überrascht seine Familie mit einer Flugreise nach Indien - er will dabei Arbeit und Vergnügen miteinander verbinden. Doch der Jumbojet wird kurz hinter Zypern von Terroristen gekapert. Bei einer missglückten Befreiungsaktion der Polizei muss Elgin mit ansehen, wie seine Frau und ihre zwei Töchter in einem Flammeninferno umkommen. Nur sein 10-jähriger Sohn überlebt.

Wieder zurück in England versucht Jack, die politischen Hintergründe der Entführung aufzudecken. Und ist fassungslos und entsetzt, als die Terroristen straflos freigelassen werden. Mit politischen und publizistischen Mitteln versucht er, Gerechtigkeit zu bekommen - vergebens. Aber er bekommt unter der Hand einen Tipp: Sein Freund Duguay verrät ihm die Adresse einer serbischen Exilzeitschrift. Und ein Mitarbeiter des US-amerikanischen Außenministeriums, ein gewisser Davidson (J. Priestley), signalisiert ihm seine - selbstverständlich inoffizielle - Unterstützung. Seine alte Freundin aus dem Secret Service, Kate Stockton (Ch. Rampling), warnt Jack vor dem, worauf er sich einlässt.

Bei der Exilzeitschrift erfährt Elgin die Adresse eines "sicheren Hauses". Dort eingedrungen, findet er ein Terroristenversteck vor, wehrt sich seiner Haut und entkommt mit knapper Not - und einem Namen. Als er den Kontaktmann treffen soll, findet er lediglich dessen Leiche vor. Offenbar arbeitet jemand im Hintergrund an der Eliminierung der Hintermanner der Flugzeugentführung.

Die Morde in London rufen das FBI auf den Plan. Agent Jules Bernard (F. Whitaker) versucht mit Ach und Krach, mit Scotland zu kooperieren. Bernard gelingt es nach weiteren Morden, Elgin tatsächlich auf die Spur zu kommen, denn da gibt es ein paar Zufälle zuviel.

Doch er kann Elgin nichts nachweisen. Also versucht er Elgin für sich einzuspannen: Auf der Zugfahrt zu einer Konferenz in Paris soll Elgin den Köder für ihn spielen. Mitten auf der Zugreise durch den Eurotunnel kommt es zu einem blutigen Showdown.

Mein Eindruck
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Die Story von "Der vierte Engel" gemahnt stark an Schwarzeneggers Action-Flop "Collateral Damage". Doch der Stoff ist weitaus älter als der Nachhall des 11.September, mindestens so alt wie der Bosnien- und Kosovo-Krieg. Insofern schließt die Story eher an Forsyths Politthriller wie "Der Schakal" und (Zufall?) "Das vierte Protokoll" an.

Neben Thriller und pyrotechnisch verbrämter Action bietet der Streifen natürlich genügend Melodrama, um die familienorientierter beschützerinstinkte in Vätern und Müttern zu wecken. Und nur dieser Anteil ist es, der es möglicherwerweise vermag, das alttestamentarische Gesetz von "Auge um Auge, zahn um Zahn", das Elgin in die Tat umsetzt, zu rechtfertigen, sonst nichts.

Allerdings wird auch diese halbwegs noble und als notwendig hingestellte Haltung ad absurdum geführt, als man Elgin klarmacht, dass die Flugzeugentführer keine politisch motivierten Terroristen, sondern schlichte Raubmörder waren, die hinter den 50 Millionen Dollar eines Regierungskuriers an Bord des Fliegers her waren. Das zeigt, wie leicht sich Ideale missbrauchen lassen - und dieser Zynismus rettet vielleicht den ganzen Film.

Die DVD
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Technische Infos

Bildformate: 2,35:1, 16:9
Tonformate: DD 2.0 und 5.1
Sprachen: Dt., Engl.
Untertitel: Dt. für Hörgeschädigte

Extras:
- Making-of: 1) Die Story, 2) Über Jack Elgins Philosophie 'Auge um Auge', 3) Die Darsteller und der Regisseur (Portraits), 4) Die Dreharbeiten
- Interviews mit Darstellern und Stab
- Fotogalerie
- Animierte Menüs
- Originaltrailer
- Trailershow: Die Männer Ihrer Majestät; Nichts bereuen; Nirgendwo in Afrika; Knallharte Jungs

Die Silberscheibe wartet mit ordentlicher Standardausstattung aus, die man bei einer Major Production erwarten würde. Man ist positiv überrascht. Sound und Bild sind makellos. Das Making-of ist abgerundet, wenn auch nicht ausufernd. Die Statements von Schauspielern, Regisseur und Produzent/Skriptautor sind stets auf den Punkt gebracht. Der Amerikaner J. Priestley fällt unangenehm auf, weil er den "vigilantism" Elgins (genauer: Lynchjustiz) voll und ganz befürwortet, wohingegen die Europäer schwere Zweifel an diesem Konzept äußern.

Unterm Strich
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Zwar mag dem Film der Humor fast völlig abgehen (nur Whitaker spielt seinen FBI-Agenten etwas verschroben), doch die Action und das Drama bescheren dem Zuschauer eineinhalb kurzweilige Stunden, in der sogar eine halbwegs vertretbare Message rüberkommt: Lynchjustiz, die auf Rachedurst und falschen Idealen beruht, lässt sich allzu leicht missbrauchen. Also, lieber Bürger: lass die Finger davon. Aber während du das tust, kannst du ja genussvoll ansehen, wie toll das sein könnte.

Michael Matzer (c) 2009ff

Fazit: siehe Text