Der Totmacher (DVD)
Der Totmacher Fritz Haarmann - er wollte ein Denkmal und irgendwie hat er es geschaft. - Der Totmacher (DVD) DVD Video Film

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Neuester Testbericht: ... und zu Fritz Haarmann geschickt, die genaue Rolle von Hans Grans ist jedoch bis heute nicht ganz geklärt. Nach vielen Morden, ... mehr

Der Totmacher Fritz Haarmann - er wollte ein Denkmal und irgendwie hat er es geschaft.
Der Totmacher (DVD)

YinYangMeister

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Der Totmacher (DVD)

Datum: 07.05.08, geändert am 09.05.08 (1367 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Einfach einmalig spannender Film

Nachteile: Kann schocken und Alpträume hervorrufen.

Ich hatt' einen Kameraden,
einen bessern finst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
er ging an meiner Seite,
in gleichem Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen,
gilt es mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
er liegt mir vor den Füßen,
als wär's ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
bleib du im ew'gen Leben,
mein guter Kamerad.

Mit diesem Lied, welches im dritten Reich auch von der Waffen-SS benutzt wurde, beginnt der 1995 entstandene Romuald Karmakar Film "Der Totmacher" mit Götz George in der Hauptrolle.

Bei dieser Aufnahme, annähernd Schellackplattenqualität, fühlt man sich augenblicklich in die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts zurück versetzt. Schade, dass die Geräusche einer kratzenden und auf der Platte schleifenden, schweren Grammophonnadel, sowie das Tuckern des Plattentellers und das Sirren des Aufzugswerkes bearbeitet, bzw. entfernt wurden.

In dieser Zeit lebte Fritz Haarmann, vollständiger Name Friedrich ( hieraus abgeleitet Fritz ) Heinrich Karl Haarmann. Er wurde am 25. Oktober 1879 in Hannover geboren. Schon in sehr jungen Jahren wurde Fritz Haarmann homosexuell, er nahm immer wieder junge Männer mit in seine kleine Wohnung in der Roten Reihe Nr. 8, in der er viele von ihnen bei den Liebesspielen umbrachte. Die Leichen zerstückelte er, Knochen warf er in die Leine, das Fleisch, Muskeln und innere Organe soll er zu Fleisch- und Wurstwaren verarbeitet haben.

Somit zählt Fritz Haarmann zu den schrecklichsten Massenmördern. Da er einige seiner Opfer am Halz regelrecht totgebissen hatte, wurde er auch der Werwolf oder Vampir von Hannover genannt.

Haarmann hatte einen Komplizen, dessen Name war Hans Grans. Dieser hatte Jungen angesprochen und zu Fritz Haarmann geschickt, die genaue Rolle von Hans Grans ist jedoch bis heute nicht ganz geklärt.

Nach vielen Morden, es waren zwischen 1918 und 1924 über zwanzig, wurde Fritz Haarmann schließlich festgenommen. Paradoxer Weise, war er selber über lange Zeit Spitzel der Polizei und es wird gemunkelt, dass es schon einige Zeit lang Vermutungen gab, dass es sich bei dem Serienmörder um Haarmann handeln musste.

Haarmann soll bei den Vernehmungen durch Folter, Boxhiebe in den Oberkörper, sowie Fußtritte in die Genitalien geständig gemacht worden sein. Nach dem Geständnis wurde Haarmann für sechs Wochen nach Göttingen überstellt, wo der Psychologieprofessor Dr. Ernst Schultze ein Gutachten über seine Schuld- bzw. Zurechnungsfähigkeit erstellen sollte.

Es war noch überhaupt nicht klar, was Haarman eigentlich war, Psychopat, Simulant, geistesgestört, ein Monster oder was auch immer. Dies sollte in Göttingen geklärt werden, und davon handelt auch der Film. Er spielt nur in einem einzigen Raum, einem karg ausgestatteten Vernehmungszimmer, und hält sich weitestgehend an die Vernehmungsprotokolle aus der damaligen Zeit.

Der Film ist nichts für Leute mit schwachen Nerven, insbesondere einige Dialoge, gehen richtig unter die Haut. Je öfter man diesen Film jedoch sieht, destobesser versteht man die in ihm enthaltene damalige Wirklichkeit, Man entdeckt immer neue Betonungen, Spitzen in den Antworten Haarmanns und diese Antworten sind super heftig krass. Mit einmal ansehen dieses Filmes ist es bei weitem nicht getan.

Der Professor stellt Fragen und Haarmann antwortet - immer anders, als man es erwartet.

"Nennen Sie eine Schlacht aus dem Kriege". "Schlachter"?

"Wie wird Bouillon hergestellt"? "Aus Fleisch und Knochen, aber kein Schweinefleisch".
"Woraus denn noch Fritz" ? " Ach ich weiß wohl was Sie wollen, Sie meinen Menschenknochen, ne ne das gibt's nicht".

"Sie haben gestohlen, geheelt, gemordet und mit Hans die Kleidungsstücke der ermordeten Jungen verkauft"! "Ich weiß gar nicht, was ihr wollt. Ich bin anständig":

"22 rechte Oberschenkel hat man in der Leine gefunden". "Das war'n meine nich alle".

"Keiner kann so beissen, dass einer stirbt". "Doch, die war'n aber tot".

"Wenn die Jungs tot da lagen, konnten sie dann noch sehen"? "Wenn man tot ist soll man alles noch sehen können".

"Wieso denn Sachverständiger"? "Der Ahrberg, der hat doch die grosse Schlachterei in Hannover, der hat zu mir gesagt, auf dem Schützenfest hätte er gar keine Geschäfte mehr gemacht. Die wollten alle Haarmanns Würstchen".

Das sind noch einige der harmloseren Fragen und Antworten. Wem jetzt schon etwas anders geworden ist, soll den Film lieber sein lassen. Alle anderen erwartet 110 Minuten knisternde Spannung, aber vorsicht, es wird im Film super heftig tabulos und das ist nicht jedermanns Sache.

Eins ist aber klar: Genau so wie nur Heinz Rühmann den "Hauptmann von Köpenick" spielen kann, ( Harald Juhnke ist bei der Neuverfilmung gnadenlos abgestürzt ), so kann nur Götz George den Haarmann spielen. Ich jedenfalls kann mir keinen anderen vorstellen, der diese Leistung hätte bringen können, außer vielleicht Gerd Fröbe, aber der weilt ja leider nicht mehr unter uns.

Der Vollständigkeit halber sei nun noch erwähnt, dass Fritz Haarmann am 19. Dezember 1924 zum Tod durch das Fallbeil verurteilt wurde und am 15. April 1925 im Gefängnishof des Landgerichtes Hannover enthauptet wurde.

Fritz Haarmann selbst hatte den Klagesmarkt und viel Publikum vorgezogen, er wollte berühmt sein und nicht nur das. Er wollte ein ewiges Denkmal, ein Denkmal mit großen Buchstaben:

DEM MASSENMÖRDER FRITZ HAARMANN

Heute ist dies alles nur noch eine Geschichte, der Kopf Haarmanns befindet sich zu Forschungszwecken in Göttingen, vier Hirnschnitte sind in München.

Es wurde sogar aus dem Lied "Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt auch das Glück zu dir" eine Version über Fritz Haarmann gemacht, die ich hier auch nicht vorenthalten will, die geht so:

In Hannover an der Leine,
Rote Reihe Nummer acht,
wohnt der Massenmörder Haarmann,
der die Jungen umgebracht.

Warte, warte nur ein Weilchen,
dann kommt Haarmann auch zu dir.
Und mit seinem Hackebeilchen
klopft er dann an deine Tür.

Oder auch:

macht er Leberwurst aus dir,
macht er Hackefleisch aus dir.

Aus den Augen macht er Sülze,
aus dem Arsch da macht er Speck,
aus den Därmen macht er Würste
und den Rest den schmeißt er weg.

Warte, warte...

Haarmann hat auch nen Gehilfen,
Grans heißt dieser junge Mann.
Und der lockte mit Behagen
viele junge Männer an.

Warte, warte...

Das Lied kommt heute sehr gut auf Partys, an das Leid denkt keiner mehr. Vielleicht ist dieser Humor aber auch nur die Möglichkeit mit so etwas fertig zu werden, wer weiß ?

Eins aber ist immer wieder merkwürdig: Beim Tod eines Einzelnen sind die Menschen betroffen. Der Tod von Mehreren, vielleicht sogar Vielen, berührt sie eigentlich kaum.

Fazit: Nur ansehen mit starken Nerven, das Leid und die Toten aber niemals vergessen.