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Neuester Testbericht: ... gute Besetzung für diesen grandiosen Film und da fangen wir doch mal bei der Hauptrolle sozusagen an, nämlich bei Tom Hanks. Ihn ... mehr
Müssen Kriegsfilme denn wirklich sein????
Der Soldat James Ryan (DVD)

Autor-Name: "428804
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Der Soldat James Ryan (DVD)
Datum: 20.02.01, geändert am 20.02.01 (52 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: keine
Nachteile: erschreckend real
Normandie, Nordfrankreich, 6. Juni 1944, Landungsabschnitt Omaha, gegen sechs Uhr morgens. Eine Kette von Landungsbooten hält auf die Küste zu. In den Booten stehen, schwitzend, betend und kotzend, amerikanische Soldaten. Einer hat das Gesicht von Tom Hanks. Dann werden die Bugklappen heruntergelassen. Sofort knattern Maschinengewehre los. Die vorne Stehenden werden niedergemäht. Einige Soldaten springen in Panik ins Wasser und mit ihnen die Kamera. Das Gewicht ihrer Ausrüstung zieht die zappelnden Körper nach unten. Und immer noch schlagen die Kugeln ein. Das Meer färbt sich rot von Blut.
Weiter oben am Strand haben sich die Überlebenden der ersten Landungswelle hinter Panzersperren, sogenannten spanischen Reitern, verkrochen. 8,8-cm-Flakgranaten schlagen zwischen ihnen ein. Die Salven der schweren MGs peitschen den Sand. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Ein amerikanischer Soldat hebt seinen abgeschossenen Arm vom Boden auf. Ein anderer hält sich die aus seinem Bauch quellenden Gedärme. In den Hügeln kann man die Stellungen der deutschen Verteidiger erkennen, die pausenlos feuern.
Und wieder sehen wir Tom Hanks. Seine Hände zittern, sein Gesicht ist vor Angst verzerrt. Eine Granate schlägt dicht neben ihm ein. Sofort kippt der Ton um, alle Geräusche werden dumpf, unwirklich. Vom Hörschock gelähmt, kriecht Hanks strandaufwärts zu den anderen Männern. Viele sind tot, andere verbluten gerade, einem sind die Beine weggeschossen, einem anderen das Gesicht. Hanks läßt sich von einem der Männer einen Kaugummi geben. Damit klebt er einen Taschenspiegel an die Spitze seines Karabiners, um ein deutsches MG-Nest beobachten zu können. Dann gibt er den Angriffsbefehl. Handgranaten werden geworfen, grüne Gestalten stürmen zwischen Rauchschwaden die Hänge hinauf. Langsam, unendlich langsam kommt die alliierte Invasion am Omaha Beach in Gang.
So ungefähr kann man die ersten zwanzig Minuten von Steven Spielbergs Der Soldat James Ryan zusammenfassen. Aber noch w
ichtiger als die Handlung der Szenen ist das Drumherum: Chaos, Schreie, Heulen, Wimmern, Krachen, Blitze und Blut. Diese zwanzig Filmminuten drücken vor allem eines aus: Hilflosig-keit. Absolutes Ausgesetztsein. Denn es gibt keinen Schutz vor den feindlichen Kugeln und Granaten, kein richtiges oder falsches Verhalten, keinen Unterschied zwischen Helden und Feiglingen. Am Omaha Beach sind alle gleich, weil alle in der gleichen Falle sitzen. Ob einer stirbt oder überlebt, ist Zufall. Also weg mit dem Gerede von Tapferkeit, Bewährung unter Feuer, Mannesmut und Kameradschaft, das wir aus den alten Kriegsfilmen kennen. Bei Spielberg sieht man, was von den hohen Idealen und großen Sprüchen übrigbleibt, wenn man sie ernsthaft auf die Probe stellt: eine Handvoll blutiger Sand.
Der Soldat James Ryan ist nicht irgendein Soldatendrama. Steven Spielberg wollte auch diesmal wieder etwas Endgültiges und Einmaliges schaffen: nämlich den Krieg so zu zeigen, wie er wirklich war. Dazu hat er Bücher gelesen, Filme geguckt, mit Veteranen von damals gesprochen, sich Augenzeugenfotos angeschaut die übliche Recherche eben. Aber Spielberg hat noch etwas anderes getan: Er hat sich ein paar Tricks überlegt, mit denen er dem wirklichen Erleben der Soldaten filmisch nahekommen konnte. Er hat seinen Kameramann Janusz Kaminski ins Wasser geschickt. Er hat ihn mit der Handkamera zwischen den Statisten herumrennen lassen, mit hastigen Bewegungen, wie einen Mann in Panik. Er hat die Schutzblende von Kaminskis Objektiv abmontieren lassen, so daß die Aufnahmen die verwaschene Grau- und Olivtönung alter farbiger Wochenschauen bekamen. Und er hat durch Shutter-Effekte unmerkliche Lücken in den Fluß der Bilder gerissen, bis sie etwas Irreales, Traumhaftes, Gehetztes hatten wie die Wahrnehmungen von Menschen in Todesgefahr.
Und über all das hat Spielberg eine Soundkulisse gestülpt, die an Raffinesse kaum zu überbieten ist. Er hat das Sirren der Kugeln unter Wasser, das fiese Klatschen
der Einschläge in menschliches Fleisch, das Pfeifen der Granaten und das Zischen der Querschläger so vollkommen imitiert, wie ein Digitalton die Wirklichkeit nur imitieren kann. Eben deshalb ist sein Film so authentisch. Nicht weil er so gnadenlos ehrlich und echt, sondern weil er so kunstvoll ist. Sauberes, technisch perfektes Kino über das dreckigste aller Themen: den Krieg.
Schon der achtjährige Steven soll mit seiner Super-8-Kamera Kriegsfilme gedreht haben. Der Highschool-Schüler Spielberg ließ dann seine Klassenkameraden antreten, um mit Hilfe von Flugzeugmodellen und Feuerwerkskrachern die Weltkriegserinnerungen seines Vaters, der als Bomberpilot im Pazifik mitgeflogen war, zu bebildern. Im New Hollywood der frühen siebziger Jahre, wo Spielberg Karriere machte, war derlei Geknalle nicht mehr so angesagt. In seinem Fernseherstling Duell ist vom Krieg ebensowenig die Rede wie in seinem Kinodebüt Sugarland Express. Aber schon in Der weiße Hai wird mit der Erzählung des alten Seebären Robert Shaw, der vom Überlebenskampf gegen die Japaner und die Haie berichtet, das Kriegsthema wieder angeschlagen.
Von da an taucht der Krieg mit schöner Regelmäßigkeit in Spielbergs Filmen auf. Im Reich der Sonne kämpft sein Held gegen die Japaner, in der Indiana Jones-Trilogie gegen die bösen Nazis, die sich mal die Bundeslade, mal den Heiligen Gral unter den Nagel reißen wollen. In 1941 zittert Hollywood vor der japanischen Invasion, und selbst in Schindlers Liste spürt man den Einfluß und die Faszination der Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Sequenz, in der die SS das jüdische Ghetto von Krakau räumt, ist fast genauso gedreht und geschnitten wie ein Wochenschaubericht von damals nur noch schneller, noch rauher und böser als die Originale in den Archiven. In Der Soldat James Ryan hat Spielberg diesen filmischen Reportagestil weiterentwickelt und auf einen anderen Schauplatz übertragen. Vom Krakauer Ghetto zum Gemetzel am Omaha Beach ist es in Spielbergs
Werk nur ein kleiner Schritt.
Daß mit Der Soldat James Ryan das totgeglaubte Kriegsfilmgenre noch einmal aus der Grube fahren würde, hätte allerdings bis vor kurzem niemand vorhersagen mögen. Viel zu ausgelaugt und abgestanden erschienen die Geschichten von den großen grünen Männchen auf ihrer ewigen Jagd nach dem Feind. In den achtziger Jahren, nach dem Erfolg von Oliver Stones Platoon und Stanley Kubricks Full Metal Jacket, hatte das Genre in seiner Vietnam-Variante noch einmal eine kurze Blüte erlebt. Aber dann war Schluß. Golfkriegs-Klamotten wie Navy S.E.A.L.s und Teenagerfilme wie Top Gun gaben dem Thema den Rest. Ganz zuletzt hinkte noch ein deutscher Nachzügler hinterher, Joseph Vilsmaiers Stalingrad, der sich sozialdemokratisch-brav als Antikriegsfilm ausgab. Für die meisten Zuschauer freilich sah er wie ein ganz gewöhnliches Landserdrama aus, wortlastig, schuldbewußt und natürlich ohne Happy-End. In Deutschland muß das so sein. Aber müs- sen Kriegsfilme überhaupt sein?
Fazit:
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