Der öffentliche Feind (DVD)
Die Blaupause des amerikanischen Gangster-Filmes - Der öffentliche Feind (DVD) DVD Video Film

Erhältlich in: 2 Shops

Neuester Testbericht: ... Nathan (Leslie Fenton) an und werden durch den illegalen Verkauf von Alkohol reich. Alles läuft für die Vier perfekt, bis Nathan bei ei... mehr

Die Blaupause des amerikanischen Gangster-Filmes
Der öffentliche Feind (DVD)

atrachte

Name des Mitglieds: atrachte

Produkt:

Der öffentliche Feind (DVD)

Datum: 17.10.08

Bewertung:

Vorteile: Leistung der Darsteller, seiner Zeit recht fortschritlich, Stilweisend, authentische Milieustudie,

Nachteile: linear erzählte Geschichte,

In der Regel wird der amerikanische Gangster-Film heute noch hauptsächlich mit "Der Pate" assoziiert, obwohl schon über vierzig Jahre bevor Francis Ford Coppola seine legendäre Familiensaga drehte, die ersten Auswüchse dieses Genres das Licht der Filmwelt erblickten. Anfang der 1930er Jahre war das Medium Film zwar noch ziemlich Jungfräulich und man hatte gerade erst damit begonnen flächenweit vom Stummfilm auf den Tonfilm umzusatteln, da überschwemmte bereits eine erste Welle von Gangster-Filmen die amerikanischen Kinos. Als Urvater dieses schnell Populär gewordenen Genres gilt heute neben "Der kleine Cäsar" mit Edward G. Robinson und "Scarface"mit Paul Munis, "Der öffentliche Feind" mit James Cagney, welcher Wegweisend für dieses noch so junge Genre war und seinen Hauptdarsteller zum absoluten Star des Genres avancieren ließ.

Schon in jungen Jahren geraten die beiden Freunde Tom Powers (James Cagney) und Matt Doyle (Edward Woods) auf die schiefe Bahn, indem sie für den Kleinganoven Putty Nose (Murray Kinnell) Diebstähle und ähnliche Delikte begehen. Einige Jahre später gibt ihnen ihr Boss die Gelegenheit bei einem größeren Ding mitzumachen, doch als bei diesem etwas schief läuft, lässt er Tom und Matt hängen und verzieht sich aus der Stadt. Schnell knüpfen sie Kontakt zu dem Gangsterboss Paddy Ryan (Robert O'Connor), der sie schon seit Jahren im Auge hat und ihnen nun zu weiteren Jobs verhilft. Als die Zeit der Prohibition beginnt, schließen sich die drei dem Gangster Nails Nathan (Leslie Fenton) an und werden durch den illegalen Verkauf von Alkohol reich. Alles läuft für die Vier perfekt, bis Nathan bei einem Reitunfall tödlich verletzt wird. Als die Gruppe auseinander zu brechen droht, kündigt sich zu allem Überfluss auch noch ein Straßenkrieg mit einer rivalisierenden Bande an...
Wenn man den Ausspruch für voll nimmt, das Filme oftmals ein Spiegel der Gesellschaft sind, dann überrascht es wenig das der amerikanische Gangster-Film schon in den 1930er Jahren das Licht der Kinosäle erblickte und in rasender Geschwindigkeit zu einem der populärsten Filmgenres überhaupt aufstieg. Es war die Zeit in der die amerikanische Bevölkerung noch immer im Zuge der Prohibition "trocken" gehalten wurde (zumindestens war dies die Absicht hinter dem Alkoholverbot, welches aber kaum Konsequent durchgesetzt werden konnte), noch immer waren die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu spüren, sodass ein gut bezahlter Job und ein lebenserhaltender Wohlstand als Privileg galten, und es war auch die Zeit in der Gangster wie Gangster Al Capone und Lucky Luciano im Zuge ihrer Machenschaften nicht nur Reich und Berühmt wurden, sondern auch eine Popularität genossen wie angesehene Politiker.

So war es sicherlich die Absicht vieler Filmmacher das Bild des Gangsters zumindestens in den Kinosälen zu schwächen und mit erhobenen Zeigefinger die Taten dieser zu missbilligen, das Gegenteil dieser Intention war aber oftmals die Folge wie man an der Figur des Tom Powers in "Der öffentliche Feind" eindrucksvoll sieht. Um nicht zu zeigen das Max´ wohl für sich keine andere Perspektive als die des Verbrechers sieht, verzichtete Regisseur William A. Wellman zwar komplett darauf die Beweggründe hinter Max´ Einstieg in die Welt des organisierten Verbrechens zu beleuchten, doch aufgrund der fesselnden wie über weiten Strecken sympathischen Darbietung von James Cagney als aufsteigender Gangster ging die Absicht, dem Zuschauer ein negatives Bild des Milieus zu vermitteln, gründlich schief. Dieser gescheiterte Versuch den Gangster als Antisympathisten darzustellen ist aber keinesfalls als negativ zu bewerten, in der Tat haben es sich viele Regisseure schwer getan, das Gangsterum nicht zu glorifizieren. Trotzdem bleibt "Der öffentliche Feind" eine über weite Strecken authentische Studie des Milieus, welcher für seine Zeit überaus fortschrittlich war.
So kommt der komplette Film beinahe ohne die typischen Genre-Klischees aus, Ehebruch wird ebenso angeschnitten wie Homosexualität und auch in der Darstellung von Gewalt, unterschied sich der Film von anderen zeitgenössischen Beiträgen seiner Art. Zwar geschehen die meisten Morde (von denen es sowieso nicht allzu viele gibt) im Off-Screen, allerdings gibt es auch Szenen wo Gewalt expliziter dargestellt wird. Für heutige Verhältnisse sicherlich wenig schockierend, für die Zeit seines Erscheinens war "Der öffentliche Feind" daher aber einer der Ausnahme Filme Hollywoods. Aber auch aufgrund seiner Erzählung diente der Film wohl vielen weiteren Auswüchsen des Genres als Vorbild. So wird die Geschichte des Max Powers am typischen "Rise and Fall" Muster erzählt, sprich der Zuschauer erlebt den Aufstieg des Protagonisten ebenso mit wie dessen letztendlichen Fall zum Ende des Filmes. Dazwischen versucht sich der Film auch an einer genauen Charakterisierung des Antihelden, was ihm zeitweise äußerst gut gelingt. Leider hat der Film nur das Problem das er die eigentliche Komplexität eines Charakters wie den von Cagney gespielten Powers nur schwer in seine 80 Minuten Spielzeit einlflechten kann, zumal der Film auch Nebenplots beinhaltet, etwa die von Max´ Kriegs gezeichneten Bruder Mike, der im übrigen das genaue Gegenteil seines Bruders ist und sozusagen als das gute Gewissen im Filmes dient, und sich der gesamte Plot über mehrere Jahre zieht.

\\ Daten zum Film ////
Original Filmtitel:
The Public Enemy (1931)
Länge des Filmes:
Ca. 83 Minuten

Darsteller:
James Cagne ...Tom Powers
Jean Harlow... Gwen Allen
Edward Woods... Matt Doyle
Joan Blondell... Mamie
Donald Cook...Mike Powers
Leslie Fenton...Nails Nathan
Beryl Mercer... Ma Powers
Robert O'Connor...Paddy Ryan
...
Regisseur:
William A. Wellman

FSK:
Freigegeben ab 16 Jahren
\\ Fazit ////
Wellman´s "Der öffentliche Feind" ist zwar noch lange nicht der Höhepunkt der frühen Gangster-Filme, gilt aber zurecht als einer seiner Väter. Die eigentliche Erzählung ist zwar recht linear, dafür funktioniert der Film aber besonders als authentische Milieuschilderung und auch aufgrund seiner exzellenten Darsteller ist der Film als "Sehenswert" einzustufen.


7/10 Punkten für den Film "Der öffentliche Feind" und somit vier Sterne als Wertung.

Fazit: Gut