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Verbrecherjagd unter der Stadt
Der dritte Mann (DVD)

Name des Mitglieds: XXLALF
Produkt:
Der dritte Mann (DVD)
Datum: 02.09.10
Bewertung:
Vorteile: Eine Mixtur aus Thriller, Liebesgeschichte und Kriminalfilm
Nachteile: Sind mir keine bekannt
Den ersten Kontakt mit der Musik und der Geschichte von dem "Dritten Mann" hatte ich, als ich 12 Jahre alt war, und noch im Gitarren-Orchester mitspielte. Damals, ich kann mich noch sehr gut erinnern, spielte unser Orchesterleiter dieses Stück, das "Harry-Lime-Thema", das sonst auf einer Zither gespielt wird, auf seiner Gitarre uns vor, was sich wirklich sehr überwältigend anhörte. So phänomenal, dass wir nicht nur mit offenen Augen und Ohren gebannt der Musik lauschten, sondern ihn daraufhin betteten, uns die Noten dazu zu geben. Und weil er merkte, dass er uns neugierig gemacht hatte, erzählte er uns dazu noch recht spannend die Geschichte, wie sich Harry Lime, der der dritte Mann war, sich in der Kanalisation in Wien verschanzt hatte usw. Nun kann sich ja jeder denken, wie ich Woche für Woche das Fernsehprogramm studiert habe, ob nicht "Der Dritte Mann" auf irgend einem Sender ausgestrahlt wird. Na ja, zum ersten mal sah ich diesen Film tatsächlich im Fernsehen, wobei ich nun auf diese DVD "Der Dritte Mann" gestoßen bin, von welcher sich mein heutiger Bericht handelt.
Nun zum Filminhalt
Dieser Film spielt in der Hauptstadt Österreich, das sieben Jahre lang zu Hitlers Deutschland gehört hat, und genauso wie Deutschland von Alliierten besetzt und von vier Besatzungsmächten verwaltet wurde. In unmittelbarer Nachkriegszeit 1945/46, als Wien weitgehend zerstört war, wuchs aus den düsteren Trümmern das Schwarzmarktleben, wobei in diesem Umfeld, meiner Meinung nach einer der besten Thriller gedreht wurde, nämlich "Der dritte Mann", in welchem der britische Regisseur Carol Reed Regie, nach dem Drehbuch von Graham Greene führte.
Ja, und in dieses Wien, das vor langer Zeit die Hauptstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie war, jetzt jedoch die Stadt der österreichischen Nazis geworden ist, kommt der amerikanische Westernautor Holly Martins (Joseph Cotten). Sein alter Freund Harry Limes (Orson Welles) hat ihn eingeladen, da er für ihn einen Artikel über eine Fürsorgeeinrichtung, die er ins Leben gerufen hat schreiben soll. Doch als Holly Martins seinen Freund treffen will, erfährt er, dass er von einem Lastwagen überfahren wurde, woraufhin er noch rasch zur Beerdigung auf den Zentralfriedhof eilt, wo er dort von dem britischen Offizier Callowy (Trevor Howard) erfährt, dass Lime einer der übelsten Schieber auf dem Schwarzmarkt gewesen sei, und was er getan habe, sei schlimmer als Mord.
Holly glaubt Callowy kein Wort.Vielleicht aus dem Grund, weil Holly diese Wahrheit nicht wahrhaben will, vielleicht aber auch, weil er nicht vom "Unfalltod" seines Freundes überzeugt ist, versucht er, dessen Tod aufzuklären. Er trifft sich mit zwei Bekannten von Harry, einem Baron Kurtz (Ernst Deutsch) und dem Rumänen Popescu (Siegfried Beuer), die ihm den Unfall schildern, wobei es jedoch noch einen weiteren Zeugen gibt, der den Unfall gesehen hat. Überall sonst wo er nachfragt, überall, wo er Freunde von ihm trifft, wird er bitter Enttäuscht, weil ihm keiner die Wahrheit sagen will. Holly hegt den Verdacht, dass der ganze Wiener Umkreis versucht, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, alles aufzuklären, der Sache auf den Grund zu gehen. Nur eine Person, der Hausmeister (Paul Hörbiger) glaubt, dass er drei Personen vom Fenster aus gesehen hat, die bei Harrys Leiche standen. Deshalb verabredet sich Holly mit ihm, nur kommt er leider zu spät, denn dieser Mann wird mit durchgeschnittener Kehle gerade abtransportiert.
Im Theater trifft Holly mit der Geliebten von Harry zusammen, der Schauspielerin Anna Schmidt (Alida Valli), die den Totgesagten nicht vergessen kann. Holly verliebt sich in Anna, die dann von der internationalen Polizei verhaftet wird, weil ihr Pass gefälscht ist, und sie sich als tschechischer Flüchtling in Wien nicht aufhalten darf. Calloway schützt Anna deswegen vor seinem russischen Kollegen, weil er sie für weitere Ermittlungen, im Falle "Harry Lime" noch benötigt.
In einem Wiener Krankenhaus muss Holly erkennen, was sein Freund Harry mit dem Verkauf des gepanschten Penicillin angerichtet hat, das bei den Kindern und Kranken zu schweren Folgekrankheiten führte. Schockiert darüber, was sein Freund angerichtet hat, beabsichtigt er Wien zu verlassen, woraufhin er sich von Anna verabschiedet, die jedoch weiterhin zu ihrem totgeglaubten Freund hält. "Ich liebe ihn nicht mehr, aber er ist ein Teil von mir für immer". Nun siegt sein Gewissen gegenüber dem, der Freundes-Liebe, woraufhin er nun Jagd nach Harry Lime macht, der nach wie vor lebt, aber sich versteckt hält.
Holly streunt im sowjetischen Sektor durch die nächtlichen Straßen Wiens, um den Stephansdom, wobei er seinem scheinbar toten Freund nach spioniert, welchem er dann tatsächlich hinter einem Tor begegnet. Harry lebt, und dass Holly ihn entdeckt hat, ist reiner Zufall, denn in dem dunklen Hauseingang, in dem sich Harry versteckt hat, schnurrt das Kätzchen von Anna ihm über seine Schuhe. Plötzlich erhellt das aufleuchtende Licht in einem vis-á-vis liegenden Haus das Gesicht von Harry Lime. Jedoch bevor Holly mit ihm sprechen kann, ist er auch schon wieder durch die Wiener Kanalisation verschwunden.
Calloway lässt kurze Zeit später das Grab öffnen, indem angeblich Harry beerdigt worden ist. Jedoch nicht Harry liegt in diesem Sarg, sondern ein anderer, Harbin, ein bedeutsamer Informant der Polizei. Holly trifft Harry am Riesenrad des Wiener Praters, woraufhin es dort zu einer Unterredung kommt, die einer kalten Dusche gleicht, die Holly abbekommt. Satirisch verteidigt Harry seine Verbrechen, für welche er auch seine Geliebte, Anna, wie ein Instrument benutzt hat.
Harry hat seinen eigenen Tod in Szene gesetzt, weil ihm die Polizei auf den Fersen war. Holly ist entsetzt über Harry und über das Elend, das er aufgrund des gepanschten Penicillin in einem Wiener Spital gesehen hat. Aus diesem Grund lässt er sich als Lockvogel von der Polizei anheuern, um Harry aus der russischen Zone in die amerikanische zu locken. Es beginnt eine atemberaubende, dramatische Hetzjagd durch das Labyrinth der Wiener Kanalisation, die begleitet ist von einer Spannung, der immer weiter anschwellenden Zithermusik. Als Harry einen Kanaldeckel aufmachen will, weiß er, dass er seinen Verfolgern todsicher in die Hände fallen wird, und als er sich umblickt, ist ihm der Fluchtweg versperrt, zumal ihm sein Freund Holly gegenüber steht, und ihm in die Augen blickt. Dieses letzte mal sich gegenüberstehen, ist noch einmal von dem einst gewesenen beeinflusst, jedoch in dieser letzten Sekunde, von einem außerordentlichen Verstehen zwischen den beiden geprägt. Holly tötet nicht nur seinen ehemaligen Freund, sondern er verliert auch seine Liebe, zumal Anna ihm nie den Verrat an ihrem Freund verzeihen kann.
Das erkennt man in der letzten Szene, die der ersten gleicht und auch auf dem Zentralfriedhof spielt.
Nur Anna, Holly und Calloway, wohnen der Beisetzung von Harry bei, woraufhin Anna einer langen, schier endlos erscheinenden Allee gestutzter Bäume davon eilt. Als jedoch Holly mit ihr reden will, reagiert sie nicht, sondern geht wortlos, mit einer stummen Verachtung, an ihm vorüber. Er weiß nun, dass diese Frau für ihn für immer unerreichbar ist.
Nun zur eigenen Meinung
"Der dritte Mann" ist ein Film, der den Zweiten Weltkrieg zugegebenermaßen nicht zum Thema hat, ihn aber auch nicht abstreitet, wie es zu dieser Zeit oftmals deutsche oder österreichische Produktionen taten. In voller Absicht wird die bedrückende Atmosphäre der zerbombten Wiener Trümmerkulisse um die Hofburg, dem "Sacher", dem rostigen Riesenrad, dem Stephansdom usw. genommen, zumal die Figuren recht lange Schatten in die düsteren Straßen werfen, die dann überlebensgroß und drohend wirken, was dann der ganzen Szenearie in dieser Geschichte, in welcher es um Spionage und Verrat geht, den richtigen Rahmen verleiht. Das prestigeträchtig Prater-Riesenrad ist nicht nur Tummelplatz glücklicher Liebespaare, zumal seine Gondeln leer sind und die Stimmung auf dem Nullpunkt ist, bis es für Holly und den Zuschauer zu einem hochdramatischen und riskanten Schauplatz wird, da mit der Funktion des Kamerakrans die Szene, das Bild, in Bewegung kommt, sodass ein Schwindelgefühl der Raumlosigkeit aus dem Raumgeschehen heraus spürbar wird. Sozusagen hat man das Gefühl, so als ob man selbst in dieser Gondel säße.
In den Straßen und Gassen wimmelt es nur so von Händlern, die ihre Ware schwarz unter die Leute bringen. An dieser Stelle eine Spionagegeschichte anzusiedeln, ist eine großartige Idee. Große Klasse, jedoch auch außergewöhnlich ist die Filmmusik von Anton Karas, die inzwischen längst ein Ohrwurm, ein Weltschlager, geworden ist. In erster Linie wird ausschließlich mit einer Zither Musik gemacht, was ein traditionell österreichisches Saiteninstrument ist, auf welchem seit jeher fast nur Volksmusik gespielt wird. Regisseur Carol Reed entdeckte den Komponist Anton Karas mehr durch Zufall in einem Wiener "Beisel" als er seine Musik hörte, in welcher verborgene Melancholie mitschwingt. Das war sie, nach die er suchte, die seine grandiosen Erkennungs- und Begleitthemen, auf makabere Weise mit einer bedrohlichen Stimmung untermalte. Diese Musik hat nichts mit der Wiener Gemütlichkeit gemein, sondern hat in diesem Film eine tödliche Fratze bekommen und ist unsterblich geworden.
Es gibt einige Szenen in diesem Film, die beinahe unvergesslich sind. So z.B. als der leicht naive Westernautor, bei der kulturellen Begegnung, auf das elementar grundlegende Kulturgeschwafel der "Umerziehung" stößt. Oder der erste Auftritt des totgeglaubten Harry Lime, wie er im dunklen Hauseingang steht, und das Kätzchen von seiner Freundin um seine Schuhe schnurrt, und dann plötzlich sein lächelndes Gesicht ins Licht gerät. Oder aber auch die Riesenradfahrt auf welcher Harry seine zynische Nachkriegsmoral los wird: "Im Italien unter den Borgias herrschten 30 Jahre lang Terror, Mord und Blutvergießen, aber die Zeit brachte Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance hervor. In der Schweiz herrschten brüderliche Liebe, 500 Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben sie hervorgebracht? Die Kuckucksuhr".
Der Film erreicht seinen Höhepunkt, als Holly den Lockvogel spielt, um Harry aus der sowjetischen Zone zu locken. Und es dann mit einer Verfolgungsjagd durch die labyrinthischen Gänge der Wiener Kanalisation, durch welche eine tosende, rauschende Kloake rinnt, und der Widerhall der Suchtrupps erschallt, sowie der Atem als Rauch aufsteigt, weitergeht. Gruselig, ja schaurig empfand ich diese Szene, als Harry schließlich die Hände in einer ausdrucksstark gefilmten Verzweiflung vergeblich, und zum letzten mal durch einen Kanaldeckel schiebt, und dann auf ein Kopfnicken Harrys hin, Holly ihm den Gnadenschuss gibt.
Orson Welles verkörpert die geheimnisvolle und erschreckende Figur des Harry Lime, also des dritten Mannes, der schattenartig, mit hochgeschlagenem Mantelkragen durchgehend irgendwo auftaucht und dann am Schluss wie ein räudiger Hund niedergestreckt wird.
Der Film, der ein hochkarätig besetzter Kriminalreißer heute noch ist, ist ein "Muss" für jeden Cineasten, da er in einer greifbar geschilderten politischen Umgebung spielt, die der Regisseur mit einem ausgeprägten Sinn für Tragik und Ausweglosigkeit in Szene gesetzt hat. Ganz kurz: Harry ist ein Verbrecher von Format, dessen Grundsatz, die blutige Herrschaft....(die Rede beim Riesenrad) ist. Seine Verbrechen werden dabei wohl nicht verschönert oder verniedlicht, sondern geben seiner ganzen Erscheinung Glanz und den Charme des Bösen, der in seinen Augen funkelt. Verdammt teuflisch, kann man auch dazu sagen, dem nicht nur sein Freund Holly unterliegt, sondern auch Anna, die zu ihm hält und über den Tod hinaus liebt. Eben diese Liebe, und die durch nichts zu besänftigenden Trauer dieser selbstbewussten Frau, verleihen der Geschichte eine tiefe psychologische Dimension, die über das Genre des Thrillers weit hinaus geht, da er mit einer unglaublichen Mischung aus Politthriller, einer seltsamen, absonderlichen Liebesgeschichte, einem unheimlichem Krimi und bedrückender Schwarzweiß-Romantik zusammengesetzt ist.
Nun die Daten zum Film und der DVD "Der Dritte Mann"
Originaltitel: The Third Man
Hauptdarsteller: Joseph Cotten, Orson Wellers, Trevor Howard, Alida Valli
Regie: Carol Reed
Buch: Graham Greene, Alexander Korda
Kamera: Robert Krasker
Musik: Henry Love, Anton Karas
Produktion: Hugh Perceval, Carol Reed
Produktionsland: Großbritanien
Kinostart: 1949
Länge: 104 Min. s/w
Handlungsort: Wien
Drehorte: Wien, London
Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Deutsch (Mono), Englisch (Mono)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Kinowelt GmbH
Erscheinungstermin: 1. Oktober 2001
Extras: Trailer, Starinfos als Texttafeln, mit Hörfilm-Fassung für Blinde (Audiodeskription)
Bild- und Tonqualität entspricht voll meinen Ansprüchen, wobei man von Mono nicht viel erwarten kann. Aus den Extras erfährt man nichts, wie der Film gedreht und entstanden ist usw., sondern nur etwas über die Stars. Deshalb auch "Starinfos".
Für mich zählt der Film "Der dritte Mann" zu den Favoriten, die ich mir noch heute recht gerne ansehe. Ein Erstklassiger und recht spannender Thriller, dem ich die volle Punktezahl gebe, und ihn für sehr sehenswert einstufe.
Fazit: Ein echter Kriminal-Klassiker
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