Ein melodramatisches Meisterwerk
Dancer in the Dark (DVD)

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Dancer in the Dark (DVD)
Datum: 22.05.02, geändert am 22.05.02 (32 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: siehe Text
Nachteile: siehe Text
Bis aufs Blut bekämpften sich der radikale Regisseur und seine nicht minder exzentrische Leading Lady am Set. Es gab Nervenzusammenbrüche, Ausrüstung wurde zertrümmert. Und am Ende, hat Lars von Trier gesagt, sei der künstlerische Konflikt in ein Psychodrama entglitten. Wenigstens hat es sich ausgezahlt. Lohn der Qualen bei den Dreharbeiten von "Dancer in the Dark" sind die Goldene Palme von Cannes für den dänischen Regisseur, der Darstellerpreis für den isländischen Popstar Björk und für die Cineasten ein Meilenstein der Filmgeschichte. Von Trier ist immer für eine Überraschung gut. Ausgerechnet mit einem melodramatischen Musical triumphiert der Initiator der Dogma-Lehre vom reinen, unverfälschten Kino. Für ihn kein Widerspruch, solange nur die Überdosis an Emotionen echt und frei von dramaturgischer Spielerei ist.
Niemand soll wissen, daß Selma langsam erblindet. In der Fabrik arbeitet die allein erziehende Mutter Doppelschichten, um im Wettlauf gegen die zunehmende Dunkelheit das Geld für die Augenoperation ihres Sohnes zusammenzukratzen. Um jeden Preis will sie den Zehnjährigen vor dem ererbten Schicksal bewahren. Glücksmomente in Selmas kargem Leben sind ihre kleinen Fluchten in Musicalwelten. Wenn ihre Amateurtruppe probt, vergißt sie alles um sich herum. Ihr reicht das Stampfen der Stanzmaschinen oder auch nur ein Bleistift, der über Papier kratzt, um sich in ihre Klangwelten hineinzuträumen. Irgendwann kann sie die anderen nicht mehr täuschen, ihre zunehmende Hilflosigkeit wird offenbar. Als ein guter Freund sie ausnutzt und ihre gesamten Ersparnisse stiehlt, nimmt die Tragödie ihren tödlichen Lauf.
Souverän bewegt sich Lars von Trier ("Breaking the Waves") im Spannungsfeld zwischen klassischem Melodrama und stilistischer Experimentierfreude. "Dancer in the Dark" ist sentimental bis ins herzzerreißend tragische Finale, dabei aber nie kitschig. Handkamera und Videomaterial sorgen für eine authentische Atmosphäre
. Gleichzeitig entstaubt die hochmoderne Choreographie der mit (naja) hundert Digitalkameras gedrehten Musicalszenen das Genre. Neben der glänzenden Regie fasziniert vor allem Björk in ihrem ersten und, wie sie stets betont, letzten Film. Rückhaltlos hat sie sich in die Rolle gestürzt und Selma damit eine emotionale Tiefe und Wahrhaftigkeit gegeben, die den Zuschauer mitten ins Herz trifft.
Fazit:
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