Coraline (Collector's Edition, 2 DVDs)
Ein schaurig-schöner Blick auf die andere Seite - Coraline (Collector's Edition, 2 DVDs) DVD Video Film

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Neuester Testbericht: ... durchläuft. Aber selbständig, neugierig und abenteuerlustig ist sie dennoch, auch wenn sie fast vor Langeweile umkommt und nichts m... mehr

Ein schaurig-schöner Blick auf die andere Seite
Coraline (Collector's Edition, 2 DVDs)

XXLALF

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Coraline (Collector's Edition, 2 DVDs)

Datum: 18.12.10, geändert am 18.12.10 (184 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Tiefsinnige Geschichte

Nachteile: Kein Kinderfilm

Okay, gleich von vorneweg möchte ich klarstellen, dass ich kein großer Freund der Animationsfilme bin, jedoch über den Film "Coraline" einen Bericht schreiben werde, weil mir die Handlung des Films so gut gefällt. Mein Jüngster, der ein wahrer Fan solcher bezauberten, fantastischen, witzigen und gruseligen Aminationsfilme ist, hat sich Anfang des Jahres diese DVD "Coraline" gekauft, die von einem Mädchen handelt, das durch eine Geheimtür in eine Parallelwelt kommt, in welcher die Eltern viel mehr Zeit für sie haben und ihre Wünsche von den Augen ablesen können.

Und da ich die DVD bei der Hand habe, tippe ich heut nur den Covertext ab, damit ich dann gleich zur eigenen Meinung überschweifen kann.

Coraline Jones ist eine aufgeweckte Elfjährige, die sich ganz furchtbar in ihrem neuen Zuhause langweilt - bis sie eine Geheimtür öffnet. Dahinter wartet eine andere, bessere Version ihres Lebens auf sie, in der ihre anderen Eltern immer Zeit für sie haben. Doch diese perfekte Traumwelt entpuppt sich schon bald als gefährlicher Alptraum. Als ihre andere Mutter sie nicht mehr gehen lassen will, muss Coraline all ihren Mut zusammennehmen, um ihre wirkliche Familie mit Einfallsreichtum und Geistesgegenwart zu retten....

So kurz und knapp steht es in der Filmbeschreibung, wobei man eigentlich noch nicht viel von Coraline erfahren hat. Nur so viel, dass sie einen Umzug hinter sich haben, der sie von Michigan nach Oregon geführt hat.

Nun, wenn ein Mädchen, wie Coraline, das sich gerade in der Pubertät befindet, ihre Freunde verlassen muss, fällt es ihr nicht gerade leicht neue Freunde zu finden, zumal es nur einen etwa gleichaltrigen Jungen in der Nachbarschaft gibt, welcher Wybe Lovat heißt. Und diesen findet sie einfach öde, blöd und langweilig, auch wenn er viel quasselt. Na ja, Coraline macht eine schwere Zeit durch, in welcher sie irgendwie mit nichts zufrieden ist. Seien es die extrem übertriebenen britischen Schauspielerinnen Miss Spinks und Miss Forcible, oder der noch mehr übertriebene Russe Mr. Bobinsky die sie nerven, die gleich nebenan wohnen. Niemand kann es ihr recht machen. Aufmüpfigkeit ihrer Eltern gegenüber stehen bei ihr ganz oben an der Tagesordnung. Mit sich selber ist sie auch nicht zufrieden, was sich in ihrer miesen Laune zeigt, wobei sie zu nichts richtig Lust hat, aber sich dennoch totlangweilig fühlt. Langweilig ist für sie alles, auch Dinge die ihr auf geheißen werden zu tun. Na ja, im gewissen Sinn kann jeder und jede sich in Coraline wieder erkennen, zumal diese Phase jeder und jede Mal durchlaufen hat. Coraline wünscht sich Eltern, die Zeit für sie haben, sich mit ihr beschäftigen und ihr nicht sinnlose Aufgaben erteilt, nur damit sie ungestört am PC weiterarbeiten können. Es ist aber nicht so, dass Coraline nicht auch auf eigene Gedanken kommen würde was zu tun, nur sind ihre Gedanken und Pläne total unpassend, wenn man sich die Gegebenheiten dazu vor Augen führt. Denn wer geht schon bei strömenden Regen Blumen säen oder setzen? Coraline würde es tun. Und da erkennt man doch recht genau, was für eine schwierige Phase sie zurzeit durchläuft. Aber selbständig, neugierig und abenteuerlustig ist sie dennoch, auch wenn sie fast vor Langeweile umkommt und nichts mit sich anzufangen weiß. Bis sie einer Maus folgt, die sie in ein Zimmer führt, in welchem sie hinter einer Tapete eine getarnte Tür entdeckt. Und an dieser kratzt sie solang neugierig dran rum, bis sich ein dahinterliegenden Gang auftut, den sie zugleich erkunden muss. Neugierig wagt sich Coraline in den gespenstischen Gang, der jedoch mehr einem Tunnel gleicht, und landet in einer Welt, die ganz ihren geheimsten Träumen entspricht. Obwohl sich die neuen Eltern, die sie am Ende des Tunnels antrifft ihren richtigen Eltern auf den ersten Blick gleichen, sind sie nicht die gleichen. Ihre Neuen Eltern habe schwarze Knopfaugen, was Coraline in diesem Moment recht wenig stört, zumal sie in ihrem Wesen ganz anders sind, zuvorkommend und überaus freundlich und nett. Und außerdem sind sie noch dazu recht attraktiv und elegant gekleidet, was natürlich einem 11jährigen Mädchen schon sehr gefällt. Hinter solch einer Fassade vermutet Coraline eine verständnisvolle Mutter und einen verständnisvollen Vater. Und Recht hat sie.

Spätestens jetzt kommt der Zuschauer ins Grübeln, ob nicht diese überaus fürsorgliche Mutter etwas Böses mit Coraline im Schilde führt. Coraline genießt es, wenn sie ihr Lieblingsessen aufgetischt bekommt, und die Eltern Zeit haben und mit ihr spielen. Wie in einer anderen Welt oder wie in einem Traum, so kommt sich Coraline vor, wo alles viel freundlicher und bunter, viel schöner erscheint, obwohl es jedoch ihre vertraute Umgebung ist. Nur eben in anderen, helleren Farben. Und mit denselben Nachbarn, demselben Haus.

Coraline kommt sich an diesem Tag vor wie in einer endlosen Zirkusvorstellung. Alles dreht sich nur um sie, wobei sie im Mittelpunkt steht. Klar, dass das Coraline sehr gefällt, was ja ihre Neuen Eltern auch damit erreichen wollten. Denn als es Abend wird, bietet die Neue Mutter ihr an, dass sie bei ihnen für immer bleiben darf. Und wie das Sprichwort schon sagt: "Es ist nichts umsonst, sogar der Tod kostet das Leben", muss sich Coraline anstelle ihrer Augen, Knopfaugen annähen lassen. Und weil Coraline dies verneint, und viel lieber zu ihren richtigen Eltern möchte, lernt sie das wahre Gesicht dieser doch überaus "fürsorglichen" Mutter kennen.

Als wahre Hexe entpuppt sie sich, nicht nur in ihrem Wesen, da sie überaus zornig reagiert, sondern auch in ihrem Aussehen. Spindeldürr, mit knöchrigem, spitzen Gesicht und dazu recht lange, spitze Fingernägel.

Okay, sie lässt Coraline gehen, jedoch als sie in ihr richtiges Zuhause kommt, sind ihre Eltern verschwunden. Nun geht Coraline auf die Suche, wobei sie 1 + 1 zusammenzählt und nochmals ihre Neuen Eltern aufsucht, obwohl sie natürlich große Angst hat, was sie nun erwartet und was auf sie zukommt. Denn sie weiß, wie eine verärgerte Mutter reagiert. Jedoch kommt es ganz anders, sie wird mit Geschenken und Liebe fast erdrückt, wogegen sich jedoch Coraline zur Wehr setzt, was ihr allerdings bitter zu stehen kommt.

Nicht dass sie Schläge bekommt, oder so. Nein, Coraline wird zu drei seelenlosen Kindern gesperrt, die ihr von ihren Schicksalen erzählen. Wieso und warum schließlich und endlich die Neue Mutter Coraline wieder frei lässt, hab ich im Film nicht so ganz gecheckt. Auf jeden Fall fordert Coraline ihre Neue Mutter zu einem Spiel heraus, das am Ende nur einer gewinnen kann.

Mehr möchte ich nicht verraten.

Auf jeden Fall folgen noch etliche recht spannende Abenteuer, die es zu bestehen heißt. Zum Teil werden diese recht grausig dargestellt, sodass ich mich frage, warum man solch einen Film ab 6 Jahren freigibt?

Nur weil es sich um einen 3-D-Puppentrickfilm handelt? Ich bin der Meinung, dass allein die ganze Handlung Kinder ab 6 nicht verstehen, obwohl man im entfernten Sinn Parallelen zu anderen Märchen ziehen kann, in welcher statt der Neuen Mutter die "Stiefmutter" ihren Platz einnimmt. Ja, die "Böse" Stiefmutter, die zuerst die Liebe des Kindes mit falscher Liebe gewinnen will, bis sich das Blatt wendet und doch zuletzt das Gute siegt. Oder wie ich es sehe, dass diese Neue Mutter verdammt einsam ist, obwohl sie einen Mann hat, aber keine Kinder, und somit ihre Liebe bei Coraline erkaufen will. Denn lieb ist sie ja zu Anfang zu ihr, jedoch als Coraline den Wunsch äußert, dass sie nun genug hat und nach Hause möchte, reagiert sie ziemlich böse, gibt jedoch dann letztendlich nach, und lässt sie gehen.

Eine gewisse Bewandtnis hat dieser Film Coraline mit "Alice im Wunderland", wobei dieses Mädchen auch auf der Suche nach ihrem Platz in dieser Welt ist. Und was Coraline auf der anderen "Seite" erwartet, das weiß sie und Alice nicht. Im Grunde ähneln sich diese zwei Märchen sehr, denn auch als Alice, im Wunderland gelandet ist, dreht sich alles nur noch um sie. Das genaue Gegenteil kommt zum Vorschein. In der realen Welt bekommt sie kaum Beachtung geschenkt, fast niemand nimmt Notiz von ihr, weil alle so beschäftigt sind. Und dann in dieser "anderen" Welt hinter der Geheimtür, tut sich vor ihr eine Welt auf, in der sich alles nur um sie dreht. Das kann zu Anfang ganz schön sein, was sicher jede und jeder schon selber erlebt hat. Aber mit der Zeit sehnt man sich wieder die Normalität herbei, oder wie man sagt: "Geht zur Tagesordnung über". Und irgendwie, so hab ich zumindest die Vermutung, dass das ganze Coraline doch am Ende zu viel wurde, wobei sie eingesehen hat, dass es keinen Sinn macht mit rein gar nichts zufrieden zu sein, zumal sie begriffen hat, dass alles seinen Preis hat. Deshalb kehrt Coraline in ihr normales, gewöhnliches Leben zurück, das wohl nicht immer angenehm ist, aber sie dafür nicht in einem goldenen Käfig eingesperrt ist. Denn zu viel Liebe kann auch erdrückend sein.

Klar, es gibt sicher auch welche, die sehen diesen Film mit ganz anderen Augen, weil eben die Handlung keine einfache Moral bietet, sondern es sich um ein recht tiefsinniges Märchen handelt, das viel Raum für unausgesprochene Träume und Ängste offen hält.

Na ja, wie mir persönlich der Film Coraline gefallen hat, ist schnell gesagt. Als Coraline aufmüpfig gegenüber ihre Eltern ist, und recht hochnäsig gegenüber dem Nachbarjungen, das alles kann man noch reell nachvollziehen. Als sie jedoch durch diesen blau-roten Tunnel gezogen wird, in die andere Welt, kommt es einem so vor, als ob sie einen Drogenrausch durchlebt. Na ja, und irgendwie fängt ab diesem Zeitpunkt an, dass aus dieser noch real vollziehbaren Geschichte, in welcher sogar ein VW-Beetle drin vorkommt, eine Fantasie Geschichte wird, in welcher ihre Kindheitstraum wahr wird, Katzen reden können, und man über kitzelnde Blumen und Kürbisspringbrunnen nur so ins Staunen kommt. Jedoch werden nicht immer so harmlose Dinge gezeigt, sondern auch ganz derbe, und zum Teil auch ziemlich gruselige. Und deshalb, so meine ich wenigstens, weil eben ein Touch des Unheimlichen im Film existiert, ist es kein Film für Kinder ab 6. Höchstens ab 12, oder eben für Erwachsene, die sich ebenso an solch einer unglaublichen fantastischen, wie auch gruselig-schaurig-schönem Fantasie-Abenteuer erfreuen wollen. Okay, dieser Doppel-DVD liegen eine 2-D und eine 3-D Brille bei, die ich jedoch nicht benutzt habe, weil eben diese DVD nicht mein Eigentum ist, und diese Brillen noch Originalverpackt sind. Über die Farbbrillanz der Bilder kann ich dennoch nicht klagen. Allerdings, Kurzsichtigen nutzen diese beiliegenden Brillen recht wenig, wobei diese beim Optiker auf die Sehstärke abgestimmten, schweineteuer sind.

Daten zur DVD "Coraline"

Regisseur(e): Henry Selick
Komponist: Bruno Coulais
Format: Collector's Edition, Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Türkisch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Russisch (Dolby Digital 5.1), Niederländisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Niederländisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Universal/DVD
Erscheinungstermin: 17. Dezember 2009
Produktionsjahr: 2009
Spieldauer: 97 Minuten

Extras: Unveröffentlichte Szenen, Das Making Of von Coraline, Filmkommentar mit Regisseur Henry Selick und Komponist Bruno Coulais

Mir persönlich hat die Thematik der Geschichte, über den trügerischen Schein des Schönen, das in diesem fantastischen Märchen dargestellt wird sehr gut gefallen, wenngleich ich es mir gewünscht hätte, dass dieser Film mit richtigen Schauspielern besetzt ist. Bis jetzt konnte ich noch keinen richtigen Draht zu Animations- oder 3-D-Puppenfilmen finden, obwohl ich mir so ab und zu einen anschaue, gerade dann, wenn mir die Thematik der Geschichte zusagt, die jedoch einen tiefsinnigen Hintergrund haben muss.

Deshalb werte ich auch nur mit 4 Punkten, weil zum einen Animationsfilme nicht so mein Ding sind, und weil die beiliegenden 2-D und 3-D Brillen nur für Personen nützlich sind, die nicht Kurzsichtig sind. Okay, jetzt werden vielleicht einige sagen, dass man ja diese Pappbrillen über die normale Brille setzen kann, was jedoch nicht das Nonplusultra von einem ungetrübten, brillanten Augenschmaus ist. Deshalb erfreu ich mich auch so an den satten, kräftigen Farben, und an der wirklich wunderschönen Geschichte.

Fazit: Pass auf, was du dir wünschst