Brazil (DVD)
Ein bizarrer Film von Terry Gilliam - Brazil (DVD) DVD Video Film

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Ein bizarrer Film von Terry Gilliam
Brazil (DVD)

furymaster

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Brazil (DVD)

Datum: 20.09.01, geändert am 31.08.04 (634 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Handlung, Ausstattung

Nachteile: Lang

Vorneweg: Dieser Film ist grandios, allerdings keine leichte Kost. So wie "Time Bandits" und der wesentlich später produzierte "12 Monkeys" ist auch dieser Film von Terry Gilliam ein Stück abseits vom Hollywood-Mainstream.

Handlung:

Die Zukunft: Aufgrund eines Irrtums wird am Weihnachtsabend der unschuldige Buttle statt eines gewissen Henry Tuttle von den Beamten des allmächtigen Informationsministeriums verhaftet. Das löst eine Serie von Problemen aus, insbesondere weil Buttle, wie sich bald herausstellt, das "Verhör" nicht überlebt. Betroffen davon ist auch Sam Lowry (Jonathan Pryce ), der - sehr zum Ärger seiner Mutter (Katherine Helmond )- zufrieden damit ist, in seiner unbedeutenden Büroabteilung als Ausputzer für seinen unfähigen Chef Kurtzman (Ian Holm ) zu fungieren und vor dem öden Alltag in die Träume von einer unbekannten Schönheit flieht. Als er, um den Fehler von seiner Abteilung abzuwälzen, der mittlerweile katatonischen Mrs. Buttle einen Entschädigungsscheck vorbeibringt, erwartet ihn jedoch eine Überraschung in Form der Nachbarin Jill (Kim Greist) - in ihr erkennt er die Frau seiner Träume wieder. Um ihre Spur aufnehmen zu können, drängt er seine Mutter dann doch, ihm zu einer Beförderung zu verhelfen - doch das ist erst der Anfang eines Maelstroms sich überschlagender Ereignisse. Ihm stellen sich nicht nur überall die Probleme eines bürokratisierten Überwachungsstaats entgegen, sondern durch Zufall macht er auch noch Kontakt mit dem echten Tuttle (Robert De Niro ), einem der letzten Kämpfer gegen das totalitäre System - und auch seine Jill steht unter Verdacht, einer "terroristischen" Vereinigung anzugehören. Seinem Herzen folgend, gerät Sam in einen Strudel des Irrsinns - und selbst auf die schwarze Liste...

Brazil ist ein Film mit viel Tiefgang - Die Handlung konzentriert sich nicht nur auf ein Subjekt, sondern auf viele parallele Handlungsstränge, die ineinander verwoben sind. Zen
trale Figur aller Handlungslinien ist Sam Lowry, ein Archivangestellter des Ministeriums für Information, Teil einer gewaltigen bürokratischen Maschinerie. Sam nimmt sich in dieser Umwelt zum einen als kleines "Zahnrad" einer gewaltigen Maschinerie wahr - in einer grimmigen Welt voller Papierarbeit, zum anderen entflieht er dieser Welt als Hauptheld seiner eigenen, phantasievollen Träume. Sein Leben und seine Träume beginnen sich zu vermischen ... seine Träume werden immer realistischer, während sein "reales" Leben sich immer mehr von der Wirklichkeit entfernen zu scheint. Vielleicht wird er nur deshalb verhaftet, weil die Regierung ihn der "Verschwendung von Zeit und Papier des Ministeriums" für schuldig befindet - nach der Verfolgung seiner Traumfrau, die irrtümlich wegen terroristischen Aktivitäten gesucht wird.

Produktionsjahr: 1984
Regie: Terry Gilliam (Monty Python, Time Bandits, 12 Monkeys usw.)
Darsteller: Robert De Niro, Ian Holm, Bob Hoskins, Michael Palin, Jonathan Pryce

DVD:
Ausgabe: Criterion Collection
Anzahl DVDs: 3
Anbieter: Criterion
Bildformat: 1.85:1 (nicht anamorph)
Tonformat: Dolby Surround: Englisch
Untertitel: Englisch
DVD-Typ: DVD9 (Seiten: 1, Layer: 2)
Verpackung: Amaray
Sonderausstattung: Animiertes Menü, Auführliches Booklet
Features: Audio Commentary By Terry Gilliam
30 Minute On Set Documentary "What is Brazil ?"
60 Minute Documentary By Jack Matthews: "The Battle of Brazil"
A Study Of The Special Effects Includes Raw Footage Of Unfinished Effects
Composer Michael Kamen Unveils The Sources Of His Score
Costume Designer James Acheson On The Couture Of Fantasy & Fascism
Production Designer Norman Garwood On The Look Of Brazil
Publicity & Production Stills
Screenwriters Tom Stoppard & Charles McKeown On The Script
Storyboards From Gilliam`s Original Dream Sequen
ces, Many Of Which Didn`t Make It Into The Film
Theatrical Trailer
94 Minute Cut Of Brazil "Love conquers all" - Version
Audio Commentary By Gilliam Expert David Morgan

Spieldauer: 142 (Directors Cut, Gilliams Erstversion, auch als European Version bezeichnet - mehr dazu unter den Hintergrundinfos) auf DVD 1, 92 Minuten (die Love Conquers All Version) auf DVD 3

Bild: Das Bild ist relativ gut, wenn man das Alter des Filmmaterials beachtet, an einigen Stellen merkt man jedoch Farbabweichungen. Wie gesagt: Dafür ist im Criterion nicht verantwortlich zu machen.

Ton: Der Ton ist in einem sehr guten Dolby Surround abgemischt. Die Dialoge sind klar und deutlich, die (wenigen) Schüsse und Effects werden sehr gut wiedergegeben.

Hintergrundinfos:

Im Januar 1985 lieferte Terry Gilliam die vollständige Version von Brazil unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Zeit (und Budget...) in den Universal Studios ab. Die komplexe und verwobene Handlung braucht einiges an Spielzeit, um die ganzen losen Enden der Handlungsstränge zu verbinden und Gilliam war über den 142 Minuten Cut des Films sehr glücklich (der später dann als Directors Cut bzw. European Version in die Kinos kam). FOX Pictures International unterschrieb den internationalen Distributionsvertrag ohne Anzeichen von Protest, akzeptierte die 142-Minuten Version, deswegen sah Gilliam auch für die Distribution in Amerika durch Universal keinerlei Hindernisse.

Doch es kam anders. Sidney Sheinberg. der Präsident der Universal Studios interessierte sich für Brazil. Shinberg "gefielen viele Teile des Filmes, und lobte seine Qualität"; doch Sheinberg sah wohl, daß dem Film kommerzielles Potential á la Hollywood fehlte. Dagegen sollte, nach Sheinbergs Auffassung ein Neuschnitt helfen, einer, der verschiedene komerziell wirksame Teile des Films, vor allem Sams Suche nach seiner Traumfrau, das umwerfende Setdesign und Gilliams schrägen
Humor implementierte, und Dinge, die nicht komerziell verwertbar schienen, wegließ, wie zum Beispiel das dunkle Ende, die angedeutete Unmenschlichkeit der Regierung und Michael Kamens witzig und gleichzeitig dunkle orchestrale Musik.

Somit begann eine Schlacht zwischen Terry Gilliam und Sidney Sheinberg um diesen Film. Sheinberg zwang Gilliam eine Provision zu unterschreiben, in welcher stand, daß Brazil nur in der 132 Minuten Version von den Universal Studios akzeptiert werden würde, und auch dann könne, falls die Notwendigkeit besteht, ein Neuschnitt durch Universal durchgeführt werden. Ein Rohschnitt wurde von Gilliams Editor Julian Doyle angefertigt, um den vertraglichen Pflichten gegenüber den Universal Studios gerecht zu werden. Gilliam arbeitete an einer 132 Minuten Fassung, während, Sheinberg selber mit seiner Arbeit am Film begann.

Sheinbergs Cutter Bill Gordean und Steve Lovejoy schufen eine Version, in der die meisten der Traumsequenzen und essentielle Teile der Handlung fehlten, während alle humoristischen Elemente und jeder verfügbare Filmmeter, die mit Sam Lowry und Jill Layton (die Traumfrau) zu tun hatten, zusammengefügt wurden. Doch das war noch nicht schlimm genug. Gordean und Lovejoy schnitten weiterhin das gesamte Ende inklusive Sams Verhör (und den Verlust seines Verstandes), das von seinem Kollegen Jack Lint durchgeführt wird. Stattdessen endet nun der Film mit der Freundschaft zwischen Sam und Jill und ihrer Flucht ins Grüne. Es war auch vorgeschlagen, Kamens symphonische Musik durch Rock zu ersetzen, um mehr Teenager anzuziehen.

Am Ende kehrte diese Fassung den eigentlichen Sinn von Brazil um, machte den Film zu einem futuristischen Märchen über die Suche eines Mannes nach seiner Traumfrau, mit jeder Menge Action und einer Nebenhandlung über Terrorismus. Gilliams eigentliche Botschaft über die Entmenschlichung und über Technik, die den Menschen beherrscht, wurde durch Sheinbergs Version negiert, deren Aussage ja
letztendlich ist: Wenn du das Spiel spielst, und ein liebes, kleines Zahnrad bleibst, dann werden eines fernen Tages deine Träume wahr.

Sheinberg beschloss, nachdem er Gilliams zweite 132 Minuten Version gesehen hatte, seine Studioversion zu testen. Gilliam wollte jedoch mit der nichts zu tun haben. Arnon Milchan, der Produzent des Films begann, öffentliche Statements darüber abzugeben, wie das Studio Gillam den Film weggenommen hatte, nur, weil er ein paar Minuten länger als vereinbart war, und hielt die Kritiker an, den Film in England zu sehen, wo er über FOX International vertrieben wurde. Sheinberg meinte daraufhin, daß sämtliche positive Kritik nicht die Entscheidung des Studios bezüglich Brazil ändern könnte. Gilliam bestand auf einer Entfernung seines Namens aus den Credits, falls die Studioversion des Films veröffentlicht werden sollte und begann darufhin einen öffentlichen Krieg. Gilliam selber:

Dazu Terry Gilliam in einem Interview in der "South Bank Show" vom 29.06.91
"Es war eine Patt-Situation und Arnon Milchen, der Produzent sagte:"Es müssen Anwälte her und wir müssen damit fertig werden." und ich sagte: "Nee, bloß keine Anwälte. Sie haben doch alle Anwälte der der Welt. Sie haben all das Geld. Sie müssen diesen Film nicht veröffentlichen, das wird sie nicht umbringen. Sie können darauf sitzenbleiben. Wir müssen uns auf viel persönlicherem Wege ihnen nähern." Das erste was ich tat, war eine Zeitungsanzeige, bis auf seinen schwarzen Rand, ein weißes Blatt, in dessen Mitte stand:

Sehr geehrter Sid Sheinberg,

Wann wollen sie denn eigentlich meinen Film BRAZIL veröffentlichen?

Terry Gilliam.

Daraufhin waren die L.A. Kritiker sehr interessiert an diesem Film, einige hatten ihn schon gesehen und veranstalteten heimliche Aufführungen in und um Hollywood in den Häusern der Leute. Am Ende des Jahres war die Zeit der Nominierungen gekommen. In keiner der Statuten s
tand, daß man nicht für einen Film stimmen dürfe, der noch nicht veröffentlicht ist, so stimmten sie darüber ab, ab sie über Brazil stimmen dürften. Dies wurde bestätigt. Der Film gewann schließlich Die Kategorien Bester Film, beste Regie und bestes Drehbuch. Die Awards wurden genau zu dem Zeitpunkt bekanntgemacht, als der Film "Out Of Africa", Universals großer Film des Jahres Premiere hatte. Alle Bonzen waren dort und mußten erfahren, daß ihr Film nichts gewonnen hatte, während Brazil, dieser Film, den sie nicht veröffentlichen wollten, alle diese Preise gewann. Nun mußten sie ihn veröffentlichen, und das wunderbare war, ich bekam all diese Telefonanrufe von Leuten, die sagten: "Wunderbare Arbeit, nun geht es endlich vorwärts, weiter so blabla". Natürlich ist es nicht so. Wie in Brazil ändert sich das System nicht, man kann nur in seinen Wahnsinn fliehen, das ist alles."

Universal führte schließlich Gilliams 132 Minuten Version von Brazil in zwei Theatern zu Weihnachten in Los Angeles auf, später wurde er langsam, unter Vermeidung von Werbung, im ganzen Land aufgeführt.

Im Fernsehen wurde übrigens die Universal-Version gezeigt - die allerdings mehr verwirrt als die Originalversion. Im Criterion-3 DVD-Pack ist diese Version auf der 3. DVD enthalten.

Vergleich:
Einen Film wie "Brazil" zu vergleichen, der gleichzeitig in die Genres SciFi, Komödie, Drama und Fantasy fällt ist relativ schwer. Am ehesten lässt er sich noch mit George Orwells "1984" in der Filmfassung vergleichen, wobei "1984" die irren und phantastischen Auswüchse von Brazil natürlich nicht hat. Der Vergleich mit 12 Monkeys liegt relativ nahe, da auch dieser Film relativ schwer einzuordnen ist und ebenfalls skurilen Humor besitzt.
Terry Gilliam selbst hat in seinem Buch "Die Schlacht um Brazil" die Filme "Time Bandits", "Brazil" und "Baron Münchhausen" als Trilogie bezeichn
et, die die Fantasie eines Kindes, eines Erwachsenen und eines alten Menschen darstellen sollen. "Time Bandits" ist an einigen Stellen ebefalls mehr als skuril und das Ende der beiden Filme ist ebenfalls ein "Aha-Erlebnis". Die phantastischen Szenen aus "Baron Münchhausen" erinnern an Sams Träume in "Brazil"

Meinung:
Wem 12 Monkeys gefallen hat und wer mit dem schrägen Humor Terry Gilliams zurechtkommt und gerne über 2 Stunden der beängstigenden Phantasie über eine düstere Zukunft ausgesetzt sein möchte und dabei einige inzwischen zum Kult gewordene Filmszenen sehen möchte, sollte sich diesen Fim unbedingt ansehen. Allerdings sollte man sich Zeit nehmen und den Film in Ruhe ansehen - sonst wird einem nach einer halben Stunde langweilig, weil man die Story nicht mehr versteht.


Fazit: