Black Dynamite (DVD)
Groovy - Black Dynamite (DVD) DVD Video Film

Erhältlich in: 2 Shops

Groovy
Black Dynamite (DVD)

atrachte

Name des Mitglieds: atrachte

Produkt:

Black Dynamite (DVD)

Datum: 06.11.10

Bewertung:

Vorteile: siehe Bericht,

Nachteile: siehe Bericht,

Eine der Folgen der US-Amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre war vor allem die Entstehung einer neuen, bisher nicht bekannten Form von Selbstbewusstsein in der afroamerikanischen Bevölkerung. Als Reaktion darauf entwickelte sich in eben diesen Jahren mit den zumeist sehr kostengünstig produzierten Blaxploitation Filmen ein Subgenre, welches das neue Bewusstsein der Afroamerikaner für die eigene Kultur ausdrückte und sich loslöste von den zumeist noch immer sehr konservativen Hollywood Studios, welche farbige Schauspieler in der Regel nur in Nebenrollen besetzten. Klassiker wie "Shaft" (1971), "Coffy" (1973) und "Foxy Brown" (1974) wurden gar weit über der angepeilten Zielgruppe bekannt und entwickelten sich zu absoluten Kultfilmen. Auch Regisseur Scott Sanders ("The Last Bandit") wurde von eben jenen Filmen der 60er und 70er Jahre geprägt und zollt ihnen mit seiner auf diversen Filmfestspielen umjubelten Persiflage "Black Dynamite" gebührenden Tribut.

Er ist schwarz, verdammt cool, ein schonungsloser Weiberheld und Meister in so ziemlich jeder Kampfsportart der Welt - Black Dynamite (Michael Jai White), Vietnamkriegsveteran und ehemaliger CIA-Agent, der mittlerweile für Recht und Ordnung im Viertel sorgt. Daher ist er natürlich auch alarmiert, als in seinem Viertel eine neue Droge im Umlauf ist, welche von den Verantwortlichen vor allem an unschuldige Waisenkinder vertickt wird. Dem nicht genug, haben eben diese Dealer auch noch Dynamites jüngeren Bruder Jimmy (Baron Vaughn) auf dem Gewissen. Klar, das Dynamite dies nicht auf sich sitzen lassen kann. Gemeinsam mit einigen örtlichen Aktivisten der Black Power Bewegung beginnt der schwarze Superstar den Kampf gegen die weißen Säcke und kommt dabei einer groß angelegten Verschwörung auf die Spur...

"Black Dynamite" ist vollkommen skurril, stellenweise geradezu absurd, klischeehaft, überzogen und trashig. Da sieht man Mikrophone im Bild, der Plot wird von Minute zu Minute abstruser, die Kampfszenen sind einfach nur billig choreografiert und die Oneline und Dialoge so peinlich schlecht, das man aus dem lachen nicht mehr herausfindet. Doch es ist genau diese Mischung, die bereits das Blaxploitation-Kino von vor über vierzig Jahren ausgemacht hat. Damals waren genannte Umstände natürlich mehr Kosten bedingt und in den seltensten Fällen gewollt, während sie in "Black Dynamite" sehr wohl beabsichtigt sind und einzig und allein der Unterhaltung dienen. Dabei ist "Black Dynamite" natürlich vor allem ein Film für Fans des Genres, welche stetig mit Insidern und Verweisen an die alten Tagen erinnert werden. Man merkt Regisseur Scott Sanders aufgrund der liebevollen Inszenierung deutlich an, das er ebenfalls zu den vielen Anhängern des Blaxploitation-Kinos gehört, ist seine filmische Hommage an Detailversessenheit doch nur schwer zu überbieten und lässt das Fanherz geradezu im Sekundentakt höher schlagen. Alles ist drin, von schlechten Afro-Perücken, über bunte Zoot Suits, amateurhaften Kung-Fu Kämpfen bis hin zu vollkommen sonderbaren Charakteren, wie einen Nunchaku schwingenden Richard Nixon (James McManus) oder einen grandiosen Dr. Fu Manchu rip-off mit Namen Dr. Wu (Roger Yuan). Das ganze ist für ein Publikum, welches noch nie einen Film der Blaxploitation-Ära gesehen hat, selbstverständlich eine ziemliche Reizüberflutung, weshalb die Zielgruppe für "Black Dynamite" sicherlich sehr überschaubar sein dürfte.

Fans des schwarzen Kinos werden aber zweifelsohne ihre helle Freude an dieser äußerst komischen Hommage haben, zumal sich der Film nur selten mit unnötigen Längen aufhält und sein Programm ansonsten sehr straff und diszipliniert durchzieht. Das die Rahmenhandlung dabei insgesamt doch auf sehr schwachen Füßen steht, ist eher Nebensache, denn was hier zählt ist eine stimmige Inszenierung und diese bekommt man. Nicht zuletzt auch, durch den kongenialen Soundtrack, welcher die alten Tage dank entsprechender Funk und Soul Klänge wieder aufleben lässt.

Was die Schauspieler angeht, so finden sich vornehmlich unbekannte Namen auf der Besetzungsliste. Machen alle Darsteller ihre Sache insgesamt sehr gut und overacten wo es nur geht, ist es natürlich vor allem Hauptdarsteller Michael Jai White ("Spawn", "Universal Soldier") als Black Dynamite, der diesen Film von Anfang bis Ende dominiert und seinen Vorbildern im Geiste, wie etwa Shaft, vollkommen gerecht wird.
"Black Dynamite" ist also eine gelungene und vor allem liebevolle Hommage an das Blaxploitation-Kino, welches zwar die ein oder andere Länge besitzt, jedoch sämtliche kleineren Mängel durch seinen ungeheuren Charme absolut vergessen macht.

Daten zum Film:
Originaltitel: Black Dynamite (USA, 2009)
Laufzeit: ca. 84 Minuten
FSK: Ab 16 Jahren
Regie: Scott Sanders
Darsteller: Michael Jai White (Black Dynamite), Arsenio Hall (Tasty Freeze), Tommy Davidson (Cream Corn), Kevin Chapman (O'Leary), James McManus (Richard Nixon), Nicole Sullivan (Patricia Nixon)...

7/10

Fazit: Gut