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Technisch können wir's wie die Amis - und dramaturgisch?
Back to Gaya (Special Edition + PC-Spiel) (DVD)

Name des Mitglieds: IQIQIQ
Produkt:
Back to Gaya (Special Edition + PC-Spiel) (DVD)
Datum: 02.06.06
Bewertung:
Vorteile: hervorragende Animation
Nachteile: teure DVD, Geschichte nicht wirklich gut gemacht, zu viele dramaturgische Fehler
Nachdem ich schon über eine ganze Menge amerikanischer Trickfilme geschrieben habe, möchte ich heute auch mal einen relativ neuen deutschen Trickfilm vorstellen: „Back to Gaya“ von 2004, der erste deutsche Film, der vollständig computeranimiert ist. Er wurde allerdings von Anfang an für den internationalen Filmmarkt konzipiert und dazu auch auf Englisch produziert.
Die Story:
Im idyllischen Gaya leben die Gayaner in relativem Frieden, der nur immer von den bösen Schnurks gestört wird, die den Gayanern immer wieder Streiche spielen. Doch Zino, der einfältige, aber bärenstarke Nationalheld der Gayaner, schlägt sie mit Hilfe seines schüchternen, feigen, aber schlauen Kumpel Buu immer wieder zurück.
Es scheint auch ausgemachte Sache zu sein, dass Zino eines Tages Alanta, die schöne Tochter des Bürgermeisters von Gaya, heiraten wird. Allerdings hat Alanta da noch ein Wörtchen mitzureden, denn sie ist gar nicht einverstanden, dass sie einfach so verkuppelt werden soll. Viel lieber würde sie selbst Abenteuer bestehen und eine Heldin sein.
Und dann gibt es da noch Zeck, einen der Schnurks, der heimlich in Alanta verliebt ist und nicht immer nur der Bösewicht und Verlierer sein will ...
Eines Tages wird den Gayanern der Dalamit, ein Edelstein, der die Energiequelle des ganzen Landes ist, gestohlen. Die ersten, die einen Rettungsversuch starten, sind ausgerechnet die Schnurks. Das können Zino und Buu natürlich nicht auf sich sitzen lassen, schließlich ist Zino der Held von Gaya! Und auch Alanta will die Jungs nicht schon wieder alleine Gaya retten lassen und stürmt ihnen hinterher.
Die Schnurks und Gayaner landen im „Land der Riesen“ bzw. der Menschen und finden nach und nach heraus, dass sie nur die Figuren einer Fernsehserie für Kinder sind – „Die Abenteuer von Buu und Zino“. Mutig machen die Gayaner sich auf, ihren Schöpfer zu suchen, während die Schnurks zwar den Dalamit finden und an sich bringen können, dann aber in die Gefangenschaft einer bösen Wirtin geraten, die Lösegeld erpressen will.
Schließlich müssen beide Gruppen zusammenarbeiten, um Gaya zu retten. Und auch in Gaya wird sich wohl bald vieles ändern ...
Fangen wir mit dem Positiven an:
Rein animationstechnisch kann er Film ohne weiteres mit den Hollywoodproduktionen von Pixar und Dreamworks mithalten. Wenn ich den Film etwa mit „Madagascar“ vergleiche, würde ich die Animation in „Back to Gaya“ sogar vorziehen. Die Figuren sind knuddelig – eigentlich menschenähnlich, aber mit langen, behaarten Ohren haben sie einen großen Niedlichkeitsfaktor. Sogar perfekter als in manchem Hollywoodfilm sind die Hintergründe, insbesondere die in Gaya, die mit unglaublicher Liebe zum Detail gestaltet worden sind. Aber auch die Menschenwelt ist sehr überzeugend gemacht.
Leider reicht die dramaturgische Umsetzung der Geschichte an die technische Seite nicht heran. Das ist für mich besonders unverständlich, da sogar zwei der ganz großen Hollywooddrehbuchautoren zur Mitarbeit bewegt wurden.
Wenn man den Film analysiert, so scheint es beinahe, dass man das Hollywood-Know-How genau an der falschen Stelle geholt hat: die Figuren sind nämlich zu klischeehaft geworden (wie das – auch so ein Klischee – üblicherweise Hollywoodproduktionen nachgesagt wird), der Storyaufbau entspricht dagegen eher dem europäischen Klischee, sprich: die dramaturgischen Regeln wurden an einigen wichtigen Punkten missachtet.
Ein Beispiel dafür: Eine Grundregel im Drehbuchschreiben lautet: Es kann nur eine Hauptfigur geben. Natürlich gibt es dafür Ausnahmen, etwa in Episodenfilmen, aber dann hat der Film gar keine Hauptfigur (die Verbindung liegt im Ort, Thema o.ä.), oder in sogenannten „Buddymovies“, in denen aber bei guter Konstruktion immer einer der beiden Kumpel als dramaturgische Hauptfigur identifizierbar bleibt. In „Back to Gaya“ vermute ich fast, dass Buu die dramaturgische Hauptfigur sein soll. Aber so recht ist er nicht die Figur, mit der man sich identifizieren kann. Mir ging es so, dass ich mich eigentlich viel stärker mit Alanta identifizieren mochte, mich aber teils auch zu Zeck hingezogen fühlte, denn beide Figuren haben ein viel schärferes Profil und verfolgen viel stärker ein konkretes Ziel als Buu (zwei wichtige Punkte für eine starke Hauptfigur!), aber leider verlässt die Filmhandlung ihre Erlebnisse immer wieder für lange Zeit, so dass man, wenn man sich mit ihnen identifiziert, enttäuscht wird.
Bei Kinderfilmen ist diese eindeutige Identifikationsmöglichkeit noch viel wichtiger, vor allem für kleinere Kinder, denen es ohne so eine eindeutige Hauptfigur oft schwerfällt, der Handlung zu folgen. So konnte ich mit den Kindern, mit denen ich in diesem Film war, die Erfahrung machen, dass sie tatsächlich entweder Alanta oder Zeck besonders mochten und immer unruhig wurden, wenn die beiden längere Zeit gar nicht im Film vorkamen. So kam es dann auch zu Zwischenfragen wie: „Was macht denn Alanta jetzt?“ oder „Kommt Zeck nicht wieder?“
Buu wird eigentlich erst gegen Ende zu einer halbwegs brauchbaren Hauptfigur, aber selbst wenn man den Film dann als „sein Abenteuer“ akzeptiert, bleibt die Frage, was er eigentlich erreicht hat.
Eine weitere Beobachtung scheint mir aus dramaturgischen Fehlern begründet: Die Regeln der Welt in diesem Film scheinen sich immer danach zu richten, was die Story gerade braucht. Als die Gayaner und die Schnurks endlich ihren Schöpfer gefunden haben, verlangt der Anführer der Schnurks beispielsweise, dass die Schnurks von nun an nicht mehr immer nur die Bösewichter in der Fernsehsendung seinen sollen. Die Antwort des „Schöpfers“: das sei nicht möglich. Enttäuschte Zwischenfrage eines Siebenjährigen im Kino: „Warum nicht?“ (genau dasselbe dachte ich in dem Moment auch!). Kurz darauf, quasi im Happyend des Films, ist es dann doch möglich. Wieso? Warum jetzt plötzlich? Tja, das wird leider nicht erklärt. Und so gibt es noch einige (zum Glück ansonsten weniger offensichtliche) Stellen im Film, wo sich die Regeln plötzlich ohne erkennbaren Grund ändern (bei den anderen Stellen haben es wenigstens die Kinder nicht gemerkt!).
Die deutsche Fassung des Films hat einige gute Synchronsprecher, allen voran natürlich Michael Bully Herbig als Buu. Für die englische Fassung konnten allerdings noch prominentere Namen gewonnen werden (u.a. Patrick Steward).
Der Film ist in Deutschland ab 6 Jahren freigegeben. Inhaltlich mag das angehen, aber meine Erfahrung mit Kindern, mit denen ich den Film gesehen habe, war immer, dass er für Sechsjährige zu komplex war und zu viele Figuren hatte. Sie konnten der Story nicht folgen und haben manches missverstanden.
Erst im Nachhinein (aus dem Audiokommentar auf der DVD) habe ich erfahren, dass der Film auch noch nicht wirklich für die Sechsjährigen gedacht ist, sondern für eine Zielgruppe „knapp unter 12“. Das mag zwar ursprünglich ein guter Gedanke gewesen sein, Kindern knapp unter 12 einen spannenderen Film zu bieten als die meisten Filme mit FSK 6, aber erstens ist das von der Zeit überholt – inzwischen gibt es für Filme, die eigentlich FSK 12 haben, eine Altersfreigabe „6+“, bei der die begleitenden Erziehungsberechtigten selbst bestimmen können, ob sie Kinder zwischen 6 und 12 Jahren mit in den Film nehmen wollen, so dass auch Kinder dieser Altersgruppe in FSK 12-Filme gehen können. Und außerdem gibt es nun einmal in Deutschland keine weitere Unterteilung der Altersfreigabe zwischen FSK 6 und FSK 12, so dass man schlicht und einfach nirgends erkennen konnte, dass dieser Film nicht für die Sechsjährigen war! Hätte ich davon etwas geahnt, wäre ich nicht mit Sechsjährigen gegangen!
Ich empfehle aus den genannten Gründen den Film erst ab 10 Jahren.
Die DVD-Ausstattung:
Die DVD bietet den Film leider nur auf Deutsch, wahlweise mit deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte.
Bei einer internationalen Produktion wie dieser hätte ich mir schon mehr erwartet, zumal die englische Audiofassung mit einigen großartigen Stimmen glänzt (Patrick Steward, Emily Watson) und die Originalsprache des Drehs war, was unter anderem auch bedeutet, dass die Mimik der Figuren nach den englischen Dialogen animiert ist.
„Die Welt von Gaya“:
„Back to Gaya – Internationaler Trailer“/“Back to Gaya – Kinotrailer“:
Wie der Name schon sagt, sind das die Trailer, der erste auf Englisch, der zweite auf Deutsch.
„Vom Storyboard zum Film“:
Hier finden sich verschiedene kleine Features, die insgesamt eine Art Making Of ergeben:
„Zeichnen-Model-Scannen“: Hier spricht zunächst Art Director Thies Schwarz über das grafische Konzept für den Film mit den beiden Welten Gaya und der Menschenwelt. Leider redet er nur wenige Sekunden, danach sieht man nur noch unkommentiert Zeichnungen von verschiedenen Schauplätzen, teils im Vergleich mit den fertigen Bildern im Film, und Zeichner bei der Arbeit, dann Zeichnungen und Modelle, Modellierer bei der Arbeit und schließlich jemanden, der Punkte vom Modell in den Computer überträgt sowie was dann im Computer daraus entsteht (Rohmodell). Das alles wäre viel aussagekräftiger, wenn dabei erklärt würde, was da eigentlich passiert!
„Motion Capture“: Hier erklärt der Regisseur Lenard F. Krawinkel, was Motion Capture ist. Mal im Ernst: ich weiß zum Glück, was Motion Capture ist, denn seine Erklärung setzt auf so hohem Niveau und ohne jeden Vorlauf an, so dass man praktisch wissen muss, was das ist, um seine Erklärung auch nur in Ansätzen verstehen zu können.
Auch er spricht nur relativ kurz (eine knappe Minute), dann sieht und hört man ohne weitere Erläuterungen Schauspieler und Team bei der Arbeit an den Motion Capture-Aufnahmen.
„3D-Animatic“: Hier spricht Fabian Müller von der Animationsfirma über die Animation. Er benutzt einiges Fachvokabular, was sicher nicht jeder versteht, ansonsten erklärt er aber wenigstens endlich mal ganz gut und etwas ausführlicher als seine Vorredner.
„Pipeline-Figuren“: Hier sprechen verschiedene Mitarbeiter, die für die Zusammensetzung, Mimik und Aussehen der Figuren im Computer zuständig sind. Am Ende geht es um die Animation der von den anderen zusammengesetzten Figuren. Was man sieht ist teilweise schon interessant, aber die Erklärungen sind für Leute, die davon keine Ahnung haben, nicht wirklich verständlich. Einige der Sprecher schmeißen zudem mit Fachvokabular um sich, was ihre Aussagen natürlich auch nicht verständlicher macht.
„Arbeitsbild und Animation der Sprache“: Hier geht es mal zur Abwechslung mit unkommentierten Bildern los, aus denen man sich grob vorstellen kann, dass es um die Animation von Sprache, sprich: Mundbewegungen geht. Anschließend wird auch das kurz von dem zuständigen Animator kommentiert. Danach sieht man wieder unkommentiert das Team beim Besichtigen und Besprechen von Sprachaufnahmen.
„Multi-Angle Filmsequenz“: Hier kann man eine Filmszene parallel in den vier Stadien Storyboard, Visualisierung, erste Animation und finale Szene sehen. Man kann auf Wunsch auch zwischen den verschiedenen Stadien hin- und herschalten.
Was bei diesem Extra funktioniert, ist, dass man anschließend eine Ahnung hat, wie viel Arbeit in so einem computeranimierten Film steckt. Wirklich verstehen kann man die meisten der Ausführungen aber nicht. Das liegt nicht nur an der Kürze der einzelnen Beiträge (der längste ist nur wenig über 5 Minuten lang), sondern auch an der schwer verständlichen Ausdrucksweise und dem vielen Fachvokabular.
Gerade angesichts der Tatsache, dass „Back to Gaya“ ein Kinderfilm ist, wäre es sicher sinnvoll gewesen, die Erklärung (wenn man denn eine geben will) mehr im verständlichen Stil der „Sendung mit der Maus“ zu geben statt so kompliziert, dass auch die meisten Eltern damit kaum zurecht kommen dürften!
„Sprachaufnahmen & Interviews“:
Hier finden sich Bilder von den (deutschen) Synchronaufnahmen und Interviewfetzen mit Sprechern (Bully Herbig, Vanessa Petruo und Sebastian Höffner) sowie dem Regisseur Lenard F. Krawinkel und dem Drehbuchautor Jan Berger.
Man kann die Szenen einzeln aufrufen oder alle hintereinander abspielen lassen. Insgesamt sind es knapp 20 Minuten.
Was die Interviews angeht, ist Bully Herbig, wie meistens, interessant und unterhaltsam anzuhören. Vanessa Petruo (ehemals „No Angels“) zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie die Figur, die sie selbst spricht – Alanta – mehrfach als „Atlanta“ bezeichnet, bevor sie es dann doch noch richtig hinkriegt, was meine Meinung über Popsternchen nicht gerade wesentlich bessert ;-). Sebastian Höffner spricht zum Glück nur kurz, denn er versucht sich zwar in Selbstdarstellung à la Bully, kommt aber bei weitem nicht an dessen Unterhaltsamkeit ran. Von der Interviews mit Regisseur und Drehbuchautor bin ich nicht so begeistert, was aber womöglich daran liegt, dass mir Regie und Drehbuch, wie oben in meiner Kritik schon zu lesen war, auch nicht sonderlich zusagen. Aber was die beiden sagen, erscheint mir recht banal.
„Die Filmmusik“:
„Filmmusik einspielen“: Hier sind im wesentlichen Bilder von den Aufnahmen mit dem Filmorchester in einem Londoner Aufnahmestudio zu sehen. Die wenigen Sekunden Kommentar, die der Regisseur dazu spricht, bestehen vor allem aus Schwärmerei für das Studio.
„Die Band Frameless“: Hier geht es mit den Tonaufnahmen weiter, nur ist diesmal die Band Frameless mit dem Titelsong dran. Dabei kommen auch Mitglieder der Band zu Wort.
„,Hooray’ von Frameless“: Und hier bekommt man schließlich das Musikvideo zum Titelsong zu sehen.
„Back to Gaya – Premierendokumentation“:
Dieses Feature zeigt Aufnahmen von der Filmpremiere und Interviews mit verschiedenen an der Produktion beteiligten Sprechern, die bei dieser Gelegenheit entstanden.
„Original-Kommentar von Lenard F. Krawinkel und Holger Tappe“:
Der Kommentar wird gesprochen vom Regisseur und dem Produzenten des Films. Gelegentlich kommen dazwischen kurz auch noch ein paar andere Leute zu Wort, um beispielsweise etwas zur Animation zu sagen.
Was der Produzent erzählt, macht einem noch einmal deutlich, wie aufwändig die Herstellung so eines CGI-Films ist, und wenn man sich ein bisschen mit der Technik auskennt, bekommt man von ihm auch grundlegende Informationen darüber. Für alle, die sich aber schon ein bisschen mehr auskennen, ist das, was er sagt, schon wieder zu banal.
Ansonsten finde ich den Kommentar nicht besonders interessant, weder für interessierte Laien, noch für angehende Fachleute.
Allzu oft finde ich, dass der Film und der Eindruck den ich (und natürlich auch die Kids, mit denen ich den Film gesehen habe) davon gewonnen habe, dem widerspricht, was die beiden Kommentatoren so begeistert erzählen.
Wirklich interessant sind eigentlich nur die Auskünfte, die die beiden zur Zielgruppe geben: Sie wollten einen Film für Kinder machen, die in die Filme ab 12 noch nicht reindürfen, sich aber schon zu groß für die Kinderfilme ab 6 fühlen. Ein guter Anhaltspunkt für Eltern! Allerdings denke ich, dass auch diese Kiddies die Hollywoodproduktionen von Dreamworks und Pixar vorziehen dürften.
„,Crank & Ratner’ – 3D-Kurzfilm“:
Als kleine Zugabe bekommt man noch einen computeranimierten Kurzfilm von knapp 6 Minuten Länge, der zwar ganz lustig, aber ebenfalls von der Geschichte her nichts Besonderes ist.
Die DVD ist also recht gut ausgestattet, allerdings ist der Preis dafür mit gut 20 Euro auch wirklich heftig.
Fazit:
Technisch ist der Film ein Augenschmaus, die Geschichte, die erzählt wird, reicht da leider nicht ganz heran. Insbesondere ist der Film für Kinder unter 10 Jahren zu komplex und bietet zu wenig Identifikationspotential.
Meine Bewertung mit gerade noch vier Sternen bezieht sich daher auf eine Zielgruppe von 10-12 Jahren, für alle anderen hätte ich nur drei Sterne vergeben.
Fazit: Animationstechnisch oberster Level, erzähltechnisch höchstens Mittelmaß
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