Augsburger Puppenkiste - Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer (DVD)
Eine Insel mit zwei Bergen ... - Augsburger Puppenkiste - Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer (DVD) DVD Video Film

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Neuester Testbericht: ... Scheinriesen Turtur und einem Halbdrachen, mit dessen Hilfe es ihnen gelingt die Tochter des Kaisers von China zu befreien und den bösen Dr... mehr

Eine Insel mit zwei Bergen ...
Augsburger Puppenkiste - Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer (DVD)

Miss_Piper

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Augsburger Puppenkiste - Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer (DVD)

Datum: 20.03.11

Bewertung:

Vorteile: Humor, Spannung, lehrreich, Charaktere

Nachteile: Quasi keine Extras

Zur Gliederung:
1) Produktinfos
2) Der Autor
3) Inhalt
4) Bewertung
5) Fazit


1) Produktinfos:

Die Serie wurde 1976 gedreht und hat eine Laufzeit von 115 Minuten. Der Preis beträgt um die 10 Euro. Es gibt keine Altersbeschränkung. Regie: Manfred Jenning


2) Der Autor:

Michael Ende, 1929-1995, ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Sein schriftstellerischer Durchbruch gelang ihm mit dem Roman "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" von 1960, auch "Momo" und "Die unendliche Geschichte" sind heute Klassiker der Kinderbuchliteratur und auch als Verfilmungen sehr populär.


3) Inhalt:

Irgendwo im weiten Ozean liegt die kleine Insel Lummerland. Nur ein paar Einwohner leben hier, abgeschieden vom Rest der Welt. Da ist König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte, der seine Zeit am liebsten mit Telefonieren verbringt, der gutmütige Lokomotivführer Lukas mit seiner alten Lokomotive, die er liebevoll "Emma" nennt, der vornehme Herr Ärmel, ein Fotograf, und die mütterliche Frau Waas, die einen Kaufmannsladen führt. Eines Tages bringt der Postbote, der regelmäßig mit seinem Boot die Insel besucht, ein kleines Paket zu ihnen. Der Adressat ist eine gewisse "Frau Maalzahn", als Absender steht dort nur "13" und der unleserliche Ort scheint "Lummerland" zu bedeuten, auch wenn man den ersten Buchstaben nicht entziffern kann. Da es auf Lummerland aber keine Frau Maalzahn gibt, erhält ersatzweise Frau Waas das Päckchen. Überraschend entpuppt sich der Inhalt als kleiner schwarzer Babyjunge. Weil niemand weiß, zu wem das Kind gehört, beschließt Frau Waas, ihn zu adoptieren. Sie nennen den Kleinen Jim Knopf.

Jim wächst auf der Insel zu einem klugen und freundlichen Jungen heran. Vor allem zu Lukas und seiner Lokomotive besitzt er ein enges Verhältnis. Oft fährt er mit den beiden umher und führt mit seinem großen Freund lange Gespräche. Frau Waas ist wie eine Mutter zu ihm und Herr Ärmel eignet sich hervorragend zum Streiche spielen. Niemand ahnt, dass sich der König heimlich Sorgen macht, je älter Jim wird. Eigentlich ist die Insel für einen weiteren Untertanen nämlich viel zu klein. Schließlich wird Jim eines Tages ein eigenes Haus bauen wollen. Schweren Herzens unterrichtet der König Lukas davon, dass seine alte Emma den Platz für Jim räumen muss. Lukas ist schwer getroffen, seine Emma ist für ihn wie eine gute Freundin. Da er sich nicht von seiner Lok trennen will, beschließt er, heimlich die Insel mit ihr zu verlassen. Als Jim davon erfährt, steht für ihn fest, dass er mit ihm kommt. Er hinterlässt Frau Waas einen Brief und die Freunde schippern auf der seetüchtig gebauten Emma aufs nächtliche Meer hinaus, auf der Suche nach einer neuen Heimat.

Nach einigen Tagen stranden sie am Ufer eines seltsamen Landes. Am Baustil der Häuser erkennt Lukas, dass sie sich wohl in China befinden. Beim Kaiser erfahren sie, dass seine Tochter entführt wurde und seitdem verzweifelt gesucht wird. Augenblicklich beschließen sie, die Prinzessin zu befreien. Auf der Suche nach der kleinene Li-Si fahren sie durch die Wüste, wo sie den netten Scheinriesen Herrn Tur-Tur kennen lernen, sie geraten in die gruselige Drachenstadt, lernen einen netten Halbdrachen kennen, trotzen allen möglichen Gefahren und erleben wilde Abenteuer - und erhalten nicht zuletzt wichtige Informationen über Jims Herkunft ...


4) Bewertung:

Schon die Buchvorlage von Michael Ende gehört zu Deutschlands modernen Kinderbuchklassikern, erst recht seit der vierteiligen Verfilmung der Augsburger Puppenkiste. Die Serie gliedert sich in die Folgen Von Lummerland nach China, Von China in die Wüste, Von der Wüste in die Drachenstadt und Von der Drachenstadt nach Lummerland, die jeweils dreißig Minuten dauern.

Von Lummerland nach China ist zum größten Teil die Einführung, in der Lummerland und seine Bewohner dem Zuschauer nähergebracht werden. König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte ist ein guter König, der allerdings nicht wirklich viel zu regieren hat bei seinen dreieinhalb Untertanen (denn Jim ist ja noch nicht ausgewachsen) - trotzdem ist er König mit Leib und Seele, trägt stets seinen Mantel und seine Krone und wenn er nicht gerade mit irgendjemandem telefoniert, ruft er gerne Versammlungen ein. Ein wenig zerstreut ist er und meldet sich daher oft mit "Der Dings ist hier!" am Telefon, abr er meint es immer gut. Frau Waas ist die gute Seele der Insel. In ihrem Tante-Emma-Laden gibt es so ziemlich alles, was das Herz begehrt, von Laritze über Lebertran bis hin zu Kuckucksuhren, schade nur, dass sich die Kundschaft logischerweise sehr in Grenzen hält. Frau Waas ist eine rundliche nicht mehr ganz junge Frau, die gerne strickt und sich in der Muterrolle sehr wohl fühlt. Herr Ärmel ist Fotograf und liebt es, auf der Insel nach tollen Motiven Ausschau zu halten und anschließend sorgfältig in seinem Labor zu entwickeln. Daher trifft man ihn auch nie ohne seine Kamera an. Dazu ist Herr Ärmel ein recht distinguierter Herr, der immer korrekt gekleidet ist, vom Regenschirm bis zur Melone. Lukas ist Lokomotivführermmit Leib und Seele. er trägt seine bequemen Latzhosen, scheut sich nicht vor harter Arbeit, hat Bärenkräfte und technischen Verstand. Seine alte Emma ist ihm nicht nur Fahrzeug, sondern auch Gesprächspartnerin, auch wenn sie nur mit Pfeifen antworten kann. Jim Knopf sorgt natürlich für viel frischen Wind auf der Insel. Der kleine Kerl wächst schnell heran und ist sehr clever und wissbegierig. Schon früh hilft er Frau Waas im Laden aus, am liebsten aber dreht er zusammen mit Lukas seine Runden auf Emma. Wie eng die Freundschaft zwischen den beiden ist, zeigt sich, als Jim Lukas auf der großen Reise ins Unbekannte begleitet. Zwar wird er die anderen auch sehr vermissen, vor allem natürlich seine "Mutter" Frau Waas, aber noch schlimmer ist der Gedanke für ihn, dass sein bester Freund und Emma wegen ihm die Insel verlassen haben. Die erste Folge endet recht abrupt mit der Ankunft in China.

Von China in die Wüste beginnt mit viel Exotik. Hier treffen so ziemlich alle Klischees zusammen, die man von China kennt, aber in liebenswerter Weise. Die Chinesen essen vor allem reis und so seltsame Gerichte wie Vogelnester und hundert Jahre alte Eier, sie haben zahlreiche Kinder, einen ehrwürdigen Kaiser, den sie sehr verehren und tragen exotische Kleider. Zunächst wird es aber für die beiden Freunde brenzlig, denn sie haben kein Geld, um sich Essen zu kaufen. Sie wollen mit Lokomotivfahrten die Leute begeistertn, aber die fürchten sich eher vor der pfeifenden Emma. Ihre Rettung heißt schließlich Ping-Pong, der jüngste Sohn des kaiserlichen Kochs, der sich um ihr leibliches Wohl kümmert. Von ihrem erfahren sie auch vom Kummer des Kaisers. Um zum Kaiser zu gelangen, müssen sie aber erst an den Bonzen vorbei und vor allem der Oberbonze will das verhindern - er hat es nämlich auf die Prinzessin abgesehen, die derjenige heiraten soll, der sie befreit. Die Bonzen verlangen unzählige bürokratische Schritte von den beiden, die angeblich strengste Vorschrift sind und da Lukas und Jim nicht einmal einen Ausweis besitzen, gibt es sie logischerweise auch gar nicht - so zumindest die böse Logik des Bonzen. Dank Ping-Pong kommen die Freunde aber endlich doch zum Kaier und erfahren, dass Li-Si am Strand auf ein Schiff entführt wurde. Sie schickte eine Flaschenpost, in der sie davon sprach, dass "die 13" sie entführt haben und dass sie nun in der Drachenstadt bei Frau Mahlzahn gefangen gehalten wird. Das lässt die Freunde natürlich aufmerken - denn die 13 und Frau Mahlzahn deuten auch auf Jims Herkunft hin. Nun haben die beiden noch einen weiteren Grund, diese ominöse 13 zu finden - doch der Weg ist gefährlich ...

Nach einer gefahrenvollen und dramatischen Reise, über die nicht zuviel verraten werden soll, landen die Freunde in der Wüste. Dort verlieren sie natürlich trotz aller Vorsicht bald die Orientierung und drohen zu verdursten, ehe sie von Herrn Tur Tur gerettet werden. Herr Tur Tur ist eine der besten Figuren überhaupt - ein liebeswerter Scheinriese nämlich. Normale Menschen werden optimisch immer kleiner, je weiter man sich von ihnen entfernt. Schreinriesen dagegen erscheinen immer größer, je weiter man von ihnen weg ist. Aus der Ferne sieht der feingeistige Herr Tur Tur mit dem langen weißen Bart und der sanften Stimme also groß wie ein Gebirge aus und bisher ist jeder vor ihm geflüchtet - nur Lukas schenkt den Worten des fremden "Riesen" glauben und überredet Jim dazu, sich ihm zu nähern. Herr Tur Tur lebt in seiner Wüstenoase, weil er hier die geringste Wahrscheinlichkeit hat, jemanden zu verschrecken und ist nur zu gerne bereit, seinen neuen Freunden den Weg in die Drachenstadt zu zeigen. Wer Herrn Tur Tur ins Herz geschlossen hat, wird ihm in der Nachfolgeserie "Jim Knopf und die Wilde 13" wiederbegegnen.

Von der Wüste in die Drachenstadt geht die Reise weiter, wieder wird es sehr gefährlich und Lukas muss sich einiges einfallen lassen, damit sie den Weg mit Emma passieren können. Kurz vor der Drachenstadt treffen sie im Land der tausend Vulkane den liebenswerten Halbdrachen Nepomuk, dessen Mutter ein Nilpferd war, weshalb die reinrassigen Drachen ihn nicht ernst nehmen. Mit seiner Hilfe können sie sich nach Kummerland, die Drachenstadt, einschleichen. Nepomuk kann mit seiner quengeligen Art und dem ständigen weinen, das ein bischen an das I-Aaaah eines Esels erinnert den Zuschauer ein wenig nerven, abr er hat ja nur eine kleine Nebenrolle. Die Freunde sind vorgewarnt, dass die Drachen keinen Spaß kennen mit Fremdlingen und es höchst gefährlich ist, sich dort einzuschmuggeln - aber sie haben keine andere Wahl ... Von der Drachenstadt nach Lummerland bildet den abenteuerlichen Abschluss voller Dramatik und Gefahr. Für kleine Kinder könnten die Drachen tatsächlich etwas unheimlich sein, sie sehen teilweise ziemlich finster und fremd aus, einer hat ein einziges Auge in der Mitte, ein anderer sieht wie ein wandelndes Gerippe aus, auch ihr schauerliches Lied, das sie imemr von einem "Hihi, haha, hohooo" begleiten, trägt dazu bei. Hier treffen die Freunde Frau Mahlzahn, eine äußerst sttrenge Drachenlehrerin, hier treffen sie Li-Si und andere Kinder und es gibt ein turbulentes Finale. Wie es ausgeht, wird nicht verraten, aber fast alle offenen Fäden laufen gut gelöst zusammen und dennoch wird, um die Spannung zu erhalten, nicht alles um Jims Herkunft geklärt - das ist dann Aufgabe der Fortsetzung.

Die Serie mischt wunderbar schöne Lehren zu Tugenden wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Tapferkeit mit einer sowohl spannenden als auch witzigen Handlung. Dezent gibt es auch immer wieder Hinweise, dass man sich nicht zu Vorurteilen wegen "Andersartigkeit" hinreißen lassen soll - Jim ist ein schwarzer Junge (zeitgemäß noch "Negerjunge" genannt, ohne dass das böse gemeint ist), Herr Tur Tur wird wegen seiner Scheinriesenhaftigkeit bislang gemieden, Nepomuk wird als Halbdrache von den reinrassigen ausgeschlossen. Ein Abenteuer reiht sich ans andere, sodass keine Minute Langeweile aufkommt. Kinder können sich hervorragend mit dem kleinen Jim identifizieren, der sehr mutig ist und an dessen Stelle sie sicher oft gerne wären, aber manchmal ist er erfreulicherweise auch etwas ängstlich und damit kein Überheld. Das Titellied über "Eine Insel mit zwei Bergen ..." hat inzwischen Kultstatus erreicht und die prächtige Ausstattung der Augsburger Puppenkiste sorgt für überzeugende Atmosphäre. natürlich haben die Marionetten das Manko, dass sich ihre Gesichtszüge nicht verändern und sie immer lächeln, egal was sie gerade sagen - aber dafür überzeugen die Sprecher sehr und gemeinsam mit den ausdrucksstarken Bewegungen hauchen sie den Figuren Leben ein, sodass die fehlende Mimik fast vergessen wird.
DVD-Daten:

Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1
Studio: S.A.D. Home Entertainment GmbH
Erscheinungstermin: 9. Oktober 2009
Länge: 135 Minuten

Ton- und Bildqualität sind ordentlich, wobei man schon sagen muss, dass die Qualität natürlich von 1976 ist und der Standard damals eben ein anderer war, aber das fällt nur auf, wenn man direkt mit heutigen Produktionen vergleicht. Mit Extras sieht es leider sehr mau aus. es gibt einen rund 20-minütigen Bonusfilm zum Thema "Natur und Technik: Wie ist das mit dem Telefon?", der ursprünglich von 1974 stammt. Aus dieser Reihe gibt es noch andere Folgen, die kindgerecht bestimmte technische Dinge oder Phänomene der Natur erklären - ganz lehrreich, aber hier hätte man nun wirklich etwas Passenderes einbringen können, vor allem natürlich Blicke hinter die Kulissen wären toll gewesen.


5) Fazit:

Eine wunderschöne Kinderserie, die auch für Erwachsene sehr reizvoll ist. Der Kinderbuchklassiker erfährt hier eine tolle Marionetten-Verfilmung voller Spannung, Abenteuer und Humor, die man sich immer wieder anschauen kann. Die DVD-Ausstattung ist zwar mehr als mager, aber das fällt nicht weiter ins Gewicht.

Fazit: Sehr schöne Mini-Serie.