Appaloosa (DVD)
Ein moderner Western... - Appaloosa (DVD) DVD Video Film

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Neuester Testbericht: ... sich der Aufgabe widmen, Bragg festzunehmen. Dies wäre für sie allein vielleicht noch kein großes Ding, hätte sich Cole nicht zwischenzei... mehr

Ein moderner Western...
Appaloosa (DVD)

Hollgo

Name des Mitglieds: Hollgo

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Appaloosa (DVD)

Datum: 07.08.10

Bewertung:

Vorteile: + gute Darsteller + guter Plot

Nachteile: - phasenweise Langeweile - spannende Western gehen anders...

... ist "Appaloosa" eigentlich eher weniger. Lediglich ist wohl zuzubilligen, dass dieser Film nicht aus den "goldenen" Westernzeiten der 50´er bis frühen 70´er Jahre stammt, sondern anno 2010 gerade einmal zwei Jahre alt ist. Die Handlungsmuster und - stränge sind, soviel sei vorweg genommen, allerdings absolut "westernlike", nur die Hauptdarsteller dieses Filmes, Ed Harris und Viggo Mortensen, geben in diesem Streifen ihr Western-Debut, genauso wie Renee Zellweger und Jeremy Irons.
Ist von diesen "Laien" des Genres aber auch ein guter Western zu erwarten, besonders auch eingedenk der Tatsache, dass Hauptdarsteller Ed Harris zugleich der Regisseur dieses Streifens ist ?
Lest selbst...

=== Die Vorgeschichte ===

"Ed Harris ("Abyss","Enemy at The Gates" ), der doch immer eher dezent arbeitende, heimliche Superstar Hollywoods im Duo mit "Herr der Ringe"-Star Viggo Mortensen in einem Western - kann das gut gehen ? "
Diese Frage stellte ich mir auch, bevor ich die den Film enthaltende DVD für den Saturn - Angebotspreis von 6,99 Euro bezahlte. Also legte ich die DVD in den Player, drückte "Play" und harrte der Dinge, die da in den nächsten knapp 100 Minuten da so über den Bildschirm kommen sollten.


=== Darum geht es in "Appaloosa" ===

Zwei alternde Westerner, Virgil Cole ( _Ed Harris_ ) und Everett Hitch ( _Viggo Mortensen_ ) ziehen durch die Lande, immer auf der Suche nach "Aufräum"-Gelegenheitsjobs als Ordnungshüter in einer von Kriminellen bedrängten Western-Stadt. So hangeln sie sich durch von Job zu Job. Ist die Aufgabe auf Zeit erledigt,d.h. die Stadt vom größten Übel bereinigt, geht die Reise weiter, immer von Stadt zu Stadt. In der Wahl ihrer Mittel sind die beiden nicht zimperlich - wer nicht spurt, bezahlt dies mitunter teuer. Auch in der abgelegenen Kleinstadt Appaloosa ist dies nicht anders. Bedrängt vom selbstherrlichen Rinderbaron Randall Bragg ( _Jeremy Irons_ ), der den Bezirksmarshall und zwei seiner Gehilfen kurzerhand umlegte, als dieser einen seiner Männer verhaften wollte,sehen sich die Stadtoberen bald außer Stande, ihm und seinen Männern Einhalt zu gebieten. So kommen die Dienste von Cole und Hitch dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Appaloosa nur gelegen. Gegen ein gutes Salär bekommt so Cole einen Posten als Sheriff und Hitch den Posten des Deputies, wobei sie vom Rat der Stadt freie Hand bei der Wahl ihrer Mittel belassen bekommen.
In der Folge läuft der Auftrag auch ziemlich routinemässig ab - einer von Braggs Männern nach dem anderen wird entweder in einem Duell erschossen oder verhaftet. Als klar wird, dass Cole und Hitch die Oberhand behalten und in der Stadt ordentlich aufräumen, bietet sich schließlich einer von Braggs Männern als Kronzeuge bei den Beiden an, der genau gesehen hat, wie Bragg persönlich den Marshall erschoss. Dies will er auch vor Gericht aussagen. Nun müssen Cole und Hitch zum einen dafür sorgen, dass dem neuen Kronzeugen auch nichts zustösst und sich der Aufgabe widmen, Bragg festzunehmen.
Dies wäre für sie allein vielleicht noch kein großes Ding, hätte sich Cole nicht zwischenzeitlich in die charmante, ein wenig vornehme , dabei aber leider total abgebrannte Witwe Mrs. French ( _Renee Zellweger_ ) verliebt, die erst vor kurzem in den Ort gezogen ist und sich im einzigen Saloon der Stadt als Pianistin verdingt....

=== Die Darstellerinnen und Darsteller.... ===

.... sind, wie schon eingangs erwähnt, zwar schon rechte Hollywood-Granden, aber im Genre des Westerns doch eher unbeleckt. So ist dieser Western für alle Fans dieses Genres doch eher einer der etwas anderen Art. Der abgrundtief coole, sagen wir besser: gemütsmässig mehr als zurückhaltende Cole ( _Ed Harris_ ) tut nichts weiter als seinen Job und wirkt gegenüber Mrs. French fast ein wenig wie ein verliebter Schuljunge. Dann und wann stellt sich eine merkwürdige Sprechstörung bei Cole heraus - mitten in einem Satz kommt er ins Stocken und muss seinen Freund Everett fragen, nach welchem Wort er sucht. Erst danach kann er normal weiter sprechen. Sein Freund Everett ( _Viggo Mortensen_ ) ist ihm gegenüber immer absolut loyal , auch den durchaus heftigen Annäherungsversuchen der dann doch nicht so zurückhaltenden Mrs. French ( _ Renee Zellweger_ ) gibt er nicht nach. Ed Harris wirkt auf mich als Sheriff von Appaloosa mit seiner ganzen eher in sich gekehrten Art fast schon als ein wenig zu blaß in seiner Rolle, die man eigentlich schon als Hauptrolle bezeichnen müsste. Dagegen wirkt Jeremy Irons Darstellung des Schurken Bragg schon echt interessanter. Wie es sich für einen richtigen Banditen gehört, scheut er quasi vor nichts zurück - nichtmal vor den Hütern des Gesetzes. Viggo Mortensen als Everett Hitch, der den langjährigen Weggefährten und Freund des Sheriffs Virgil Cole gibt, bleibt für mich fast ebenso blaß wie Ed Harris in seiner Rolle, er dient in den doch eher psychographischen Filmteilen, die diesen Film stark prägen, wie der "Anspielpartner" von des von Ed Harris dargestellten Charakters. Der Film ist für mich vornehmlich eher eine Art Blick ins Seelenleben einer Männerfreundschaft, die an einem Scheideweg angekommen zu sein scheint und - nebenbei - auch eine Art von Western. Fast wirkt es so, als gehe eine lange Reise für die beiden zu Ende...

=== Was macht diesen Western aus ? ===

Vom ganzen Plot dieses Filmes her, der auf einer Romanvorlage des gleichnamigen Romans von Robert B. Parker basiert, ist dieser Western eigentlich ein Prototyp seines Genres. Die Darsteller dieses Filmes lassen sich meiner Einschätzung nach, für einen Westernfilm viel zu lange und teilweise auch langatmig in ihr Innenleben schauen. Diese Tatsache mag es auch erklären, warum die eigentlich vom Handlungsaufbau her doch recht interessante Westerngeschichte teilweise von derart viel Gefühlsduselei ausgebremst wird. Natürlich beherrschen beide Hauptdarsteller (Harris und Mortensen) absolut ihr Können und schaffen es auch, stimmige und auch authentische Charaktere darzustellen, aber , warum auch immer, dieser Aspekt wird einfach für einen Western, der auch viel von Spannung, Abenteuer und -nicht zuletzt- auch Action lebt, übertrieben.
Dazu muss man sich vor Augen halten, dass die beiden Charaktere dazu eben einfach recht stille Naturen sind, die nur sehr zögerlich und, besonders Ed Harris´ Charakter, nur sehr langsam ihre Gedanken austauschen. Dabei hat der Film aber durchaus auch einige spannende Momente zu bieten, beispielsweise gibt es eine Art Zugüberfall, eine Verfolgung durch die Wildnis, ein Zweckbündnis unter Gegnern und auch ein, wenngleich kurzes "Shootout" zu sehen, aber irgendwie rechnet man vom ganzen in diesem Film gebotenen Timing schon fast nicht mehr mit solchen Szenen. Ich hätte es auf jeden Fall für besser gehalten, die eine oder andere psychologische Innenansicht aus diesem Film ganz einfach zu streichen. Renee Zellweger sorgt da in ihrer Rolle schon für die eigentliche Unruhe und wird auch in der 2. Hälfte dieses mit 114 Minuten Spielzeit doch recht langen Westerns so etwas wie eine Antriebsfeder der weiteren Handlung dieses Filmes, der auch seine aktionsreicheren Stellen dann und wann zu bieten hat. Auch Jeremy Irons, im Film der Bösewicht schlechthin, trägt das Seinige dazu bei, was seine Rolle hergibt, um auch mal ein wenig Leben in diesen Film zu bringen. So ist dann auch der Teil des Films, wo die beiden Alt-Westerner auch mal ein wenig mehr gefordert werden, für mich die gelungenste Passage dieses Streifens. Hier kommt der Film zumindest meinen Vorstellungen , was einen Western ausmacht, ganz gut entgegen.


=== Detailverliebt ===

Bei der Ausstattung des Filmes hat man sich, wie man einem Beitrag in einem Bonusfeature in englischer Sprache mit zuschaltbaren, deutschen Untertiteln entnehmen kann, recht viel Mühe in Puncto Authentizität gegeben. Das sieht man diesem Film auch an. So hat man versucht, auch optisch ein realistisches Bild einer Westernstadt der frühen 80´er Jahre des 19. Jahrhunderts abzuliefern. Die im Film sichtbare Lokomotive allerdings stammt aus dem Jahr 1907, wurde also ganze 25 Jahre nach dem Jahr der Filmhandlung gebaut, ist allerdings baugleich mit einem Loktyp, der just um die Zeit auch im Westen der USA im Einsatz war.
Dennoch ist mir kein großes, neues Detail aufgefallen, welches diesen Western aufgrund dieser Vorsorge groß optisch von seinen Vorgängern unterscheiden würde. Die Stadt Appaloosa hat es so allerdings nie gegeben und ist eine reine Filmfiktion, wenngleich auf historischen Vorlagen zurückgehender Filmausstattung aufgebaut.

== Die DVD ==

=== Bild & Ton ===

Das Bild ist für PAL-Verhältnisse perfekt zu nennen. Knallscharfe Bilder, stimmige Farben , auch bei dunklen Lichtsituationen, passt. Der Ton steht dem nicht nach. Die in Dolby Digital 5.1 gemasterte, deutschsprachige Tonspur besticht in Shootout-Szenen durch gut ortbare Geräuschkulissen bei stetiger Sprachverständlichkeit. In Bezug auf diesen Punkt gehen beide Daumen daher hoch - von meiner Seite aus, wenigstens.

=== Technisches & Fakten ===

* Genre: Western
* Bild: PAL, 16:9; 2,35:1
* FSK: ab 12 Jahren
* Darsteller (Hauptrollen) : Ed Harris, Viggo Mortensen, Renee Zellweger
* Regie: Ed Harris
* Tonformat: DD 5.1: Deutsch, Englisch
* Untertitel für Gehörlose: Deutsch, Englisch
* Spielzeit (Film) : 114 Minuten

=== Bonusmaterial ===

In diesem Punkt wiederum weiss die DVD durchaus zu überzeugen. In einem stilistisch passend aufgemachten DVD-Menu kann man folgende Bonus-Features, neben dem während des Filmes auf einer separaten Tonspur laufenden Audiokommentar von Ed Harris und Drehbuchautor und Produzent Robert Knott, aussuchen:

* Nicht verwendete Szenen

_ Szenen, die es, warum auch immer, nicht in den Film geschafft haben, kann man sich in diesem Feature - mit optionalem Audiokommentar von Ed Harris/Robert Knott (mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln) - anschauen. _

* Die Charaktere zum Leben erwecken

_Ed Harris und Viggo Mortensen philosophieren über das Selbstverständnis ihrer Charaktere und wie sie die Darstellung im Film angelegt haben._

* Die historische Genauigkeit von Appaloosa

_Hintergrundinfos zu der Ausstattung des Filmes, zu Requisiten und Gebäuden, die extra für diesen Film aufgebaut wurden / besorgt wurden_

* Die Stadt Appaloosa - Dean Semlers Rückkehr zum Western

_ Die Vorstellungen Dean Semlers, der ein paar der Gebäude, die in diesem Film eine Rolle spielen, aufgebaut hat, über eine typische Westernstadt werden in dieser Kurzdoku zusammengefasst und vorgestellt. _

=== Fazit ===

Dieser Western hätte wirklich gut werden können - der Plot ist gut ausgedacht, die Darsteller sind eigentlich allesamt top (wenn wir von ihren bisherigen Leistungen in Hollywood-Produktionen ausgehen, zumindest), aber leider haben alle Beteiligten noch nie einen Western gespielt. Irgendwie scheint dieses Genre zumindest für den Hauptdarsteller und Regisseur Ed Harris einfach nicht das richtige Terrain gewesen zu sein, die Herangehensweise jedenfalls finde ich nicht geschickt. Ein Western, in dem fast die Hälfte der Filmzeit mit psychologischen Innenansichten in Dialogen - teilweise auch Monologen - abgehandelt wird, dazwischen dann und wann eine vielversprechende und solide, westerntypische Szene - das trägt auch die Dauer einfach nur einem Gefühl Rechnung, welches bei Längen in der Handlungs- und Schnittfolge eines solchen Films dann und wann aufkommt, und für einen Western, wie auch für jeden Film eigentlich, tödlich ist: '''Langeweile ! ''' Ist der Zuschauer erst einmal sanft entschlafen, kann auch ein sonst eigentlich gut ausgedachter Plot nichts mehr retten. Es ist zwar keine extremste Langeweile, die mich phasenweise befallen hat,da habe ich schon drögere Werke gesehen, aber dass so etwas wie Langeweile überhaupt auftritt, ist einem solchen Film einfach nur abträglich. Trotz solider schauspielerischer Leistungen, eines guten Plots und toller Akteure - Appaloosa ist wirklich nur sehr bedingt empfehlenswert. Ich gebe noch so gerade 2 Sternchen und keine Empfehlung. Schade, ich muss sagen, dass ich schon enttäuscht bin...

Fazit: Auch all die tollen Darsteller konnten das Aufkommen von Langeweile bei mir leider nicht verhindern.