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Story of Us
Seite an Seite (DVD)

Autor-Name: lannopez
Produkt:
Seite an Seite (DVD)
Datum: 01.11.06
Bewertung:
Vorteile: Realistisch, nachdenklich, humorvoll, geniale Schauspielerkombination
Nachteile: manche sind solchen Filmen nicht sonderlich zugewandt, die verpassen etwas
Nachdem man Bruce Willis hauptsächlich aus scheinbar coolen Action-Filmen kennt, verwundert es ein wenig, dass man ihn in noch so manch anderer Rolle vorfindet. Zum Beispiel spielt er mit Michelle Pfeiffer im Film an deiner Seite ein Ehepaar, das in einer tiefen Ehekrise steht und kurz davor ist, sich scheiden zu lassen
Warum schaut ein 20-jähriger wie ich es bin gerne Filme über Ehen an? Ich kann es mir nicht erklären, aber ich bin einfach hoffnungslos romantisch und fasziniert davon, mein Leben über eine sehr lange Strecke nur mit einer einzigen Frau zu verbringen und dann sind solche Werke natürlich ein gefundenes Fressen für einen geborenen Familienmenschen wie mich.
Altersfreigabe:
- Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben, was ich recht passend finde und denke, dass 12-Jährige sich vielleicht, auch wegen Erfahrungen in der eigenen Familie sich sicher gut in dem Film herein denken können und die Problematik durchaus verstehen. Es geht um eine drohende Scheidung, wie zwei Eltern eine Ehe an die Wand gefahren haben und auch darum, wie die Eltern versuchen, diese Situation vor den Kindern zu verbergen. Ich bin froh, dass meine Eltern immer eine gute Ehe geführt haben und ich nie das Gefühl hatte, dass es einmal so schlecht um meine Eltern stand, dass eine Scheidung möglich gewesen wäre, aber Kinder, die das durchmachen trifft ein hartes Schicksal und das ist vielen Eltern leider nicht bewusst, wie sehr sich die Kinder vielleicht ihren Vater zurückwünschen und wie sehr sie ihn brauchen. Ich erlebe das bei einer Bekannten, die ist inzwischen nahezu erwachsen und muss so etwas miterleben und das macht sie einfach fertig. Wie viel schlimmer ergeht es Scheidungskindern, denen das mit 7 oder 8 Jahren zustößt? Wo in einem wichtigen Teil der Entwicklung z.B. die Vaterrolle unbesetzt bleibt? Wenn sie vielleicht wissen, dass Mami mit einem anderen Mann davongelaufen ist... warum lernen wir Menschen nicht, was der Gang zum Traualtar bedeutet ? Ewige Treue schwören sich da zwei Menschen und immer öfter wird diese gebrochen. Nun denn, ein Film, der Vielen sehr weh tun kann, die diese Situationen sehr gut aus eigener Erfahrung kennen.
Schauspieler:
- Bruce Willis, Michelle Pfeiffer, Rob Reiner, und andere. In dieser Kategorie vergebe ich 5/5 Sterne, denn Bruce Willis und Michelle Pfeiffer spielen exzellent. Sie bringen trotz des ernsten Themas auch viel Situationskomik in dein Film und teils fliegen auch wirklich die Fetzen. Gerade den Schluss sollte man sich zudem unbedingt in englischer Sprache ansehen, denn da merkt man den Unterschied zwischen der originalen Michelle Pfeiffer und deren Synchronsprecherin massiv, was uns sehr gut vor Augen führt, dass Michelle Pfeiffer nicht umsonst diese Rolle bekam und annahm.
Musik:
- Die Musik ist teils sehr melancholisch, oder wirkt sie zumindest irgendwie, aber sie hat auch durchaus Schwung, denn Eric Clapton und Marc Shaiman brachten hier wirklich einen passenden und den Film sehr prägenden Musikstil mit herein. Dass hier nicht alles neu erfunden wurde ist bei Claptons Karriere nur logisch, stört aber nicht, denn der Soundtrack ist dermaßen gut passend, dass man es kaum glauben kann. 5/5 Sterne dafür.
Film:
- Nun also zum Film. Bringt dieser uns neue Erkenntnisse über das komplexe Eheleben? Zeigt er uns, wo unsere Fehler liegen? Zeigt er uns, warum Ehen scheitern können? Ich denke, der Film führt ganz gut vor Augen, was oft in Ehen schief läuft, das Auseinanderleben, das sich nicht mehr Zeit füreinander nehmen, dieses Abstumpfen gegenüber und das ewige Gestreite in manchen Ehen.
Zuerst aber einmal sei Aufschluss darüber gegeben, wie der Film aufgebaut ist. Es geht, wie schon erwähnt um ein Ehepaar, das kurz vor der Scheidung steht. Der Film zeigt eigentlich hauptsächlich die Zeit kurz vor der Scheidung, als man getrennte Wohnungen einnimmt und den sich schon lange andeutenden Weg der Scheidung zu gehen vorhat. Dabei verwendet Regisseur Rob Reiner viele interessante und ungewöhnliche Stilmittel. Sind beispielsweise die immer wieder auftretenden Rückblenden noch als relativ gewöhnlich zu betrachten, so sind die Pseudo-Dokumentar-Sequenzen als sehr interessant einzuschätzen, in denen Katie ( Michelle Pfeiffer ) und Ben ( Bruce Willis ) wie in einem Interview zu Wort kommen. Weiterhin gesellen sich philosophische Gespräche mit einem Freund der Familie zum Film, in denen der Regisseur eben letztlich so manche philosophische Auffassung einer Ehe und Liebe darlegt, die aber keine Lösung der Eheprobleme der beiden darstellen.
Letztlich ist es einfach so, dass die beiden sich klar werden müssen, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und schaut es zu Beginn und auch gegen Ende des Films nicht so aus, als gäbe es eine Lösung, so schafft es letztlich die Erkenntnis der gegenseitigen Liebe, dass die beiden sich trotz aller Umstände in einem dramatischen Höhepunkt, wo alle Erinnerungen aufeinander prallen und die Liebe wieder so hoch kocht, wieder zueinander finden und einen Neubeginn starten. Sicher, ein anderes Ende wäre auch möglich gewesen, aber den Film kann man eben als ein filmisches Plädoyer für die Ehe betrachten.
Es mag einige Ehen geben, die sind so zerrüttet, dass nur noch ein Wunder hilft, aber es gibt viele Ehen, denen es nicht so gut geht, aber in die man einfach wieder mehr investieren müsste, damit es wieder besser läuft. Beziehungen leben davon, dass man in sie investiert. Von nichts kommt nichts, das gilt auch in der Ehe. Wie will man die Früchte einer guten Ehe ernten, wenn man nichts gesät hat? Sicher, man hat nie die Garantie, dass eine Ehe funktioniert, aber wenn man sich schon dieses heilige Versprechen gibt, in guten wie in schlechten Zeiten treu zu bleiben, dann sollte man dieses auch einhalten. Leichter gesagt als getan, aber ich weiß, dass es möglich ist und eine Scheidung ist in den meisten Fällen, speziell mit Kindern nie eine gute Lösung. Die Schäden sind einfach zu groß, als dass man sie leichtfertig hinnehmen könnte.
Der Film skizziert wunderbar den Weg, den die Ehe nahm und skizziert auch wunderbar die entscheidende Rettung. Die Besinnung auf die Liebe und die Bereitschaft, sein Leben weiterhin mit seinem Partner zu verbringen. Liebe ist kein Gefühl, sondern die Entscheidung, zum anderen zu stehen, komme was wolle. Sicher, das mögen große Töne von einem jungen Mann sein, der bisher nicht verheiratet ist, aber wenn sonst keiner mehr den Schritt in die Ehe wagen möchte, da heutzutage eher die Unverbindlichkeit regiert, ich will diesen Schritt wagen und denke, das das der richtige Weg ist.
Wie dem auch sei. Ein zentrales Element des Filmes stellt der sehr gelungene Humor dar, der sich immer wieder in Situationskomik widerspiegelt und eben auch immer wieder Situationen aufgreift, die aus einer echten Ehe stammen könnten. Dabei bleibt das Verhältnis zwischen Humor und Ernsthaftigkeit immer in einem sehr guten Rahmen, dass man einiges zu lachen hat, andererseits aber auch die Schwere erkennt, die auf dieser Situation liegt. Der Film ist nicht unbedingt leichte Kost und viele mögen ihn als langweilig betrachten, aber der Versuch, der ewigen Liebe auf die Schliche zu kommen ist ziemlich gelungen, wobei ich weiß, dass man sein Glück nie in einer Ehe finden wird, sondern ganz woanders, aber eine gute Ehe dennoch erstrebenswert ist. Jemand sagte einmal: Willst du glücklich werden, dann heirate nicht, aber willst du glücklich machen, dann heirate. Das trifft es auf den Punkt und dieses Zitat höre ich viel zu selten, weil meist beide ihr Glück in der Ehe finden wollen und merken, dass es auch nicht das ist, was einen rundum glücklich macht, aber wie gesagt ein anderes Thema, zu dem ich sicher auch noch kommen werde.
Was ich dem Film letztlich gebe? Schwere Frage, wäre ich jetzt objektiv, dann würde er nur 4/5 Sternen bekommen. Da ich nicht objektiv bin, bekommt er 5/5 Sternen :). Falls es im Übrigen nicht herauskam, bei all den Problemen, die der Film anspricht, ist der Film filmisch sehr, sehr schön gemacht und die schauspielerischen Leistungen sind wirklich klasse und auch wie Rob Reiner den Film inszeniert ist wirklich klasse :). Der Film ist wirklich außergewöhnlich und ist in meiner Hitliste sehr weit oben. Das sagt durchaus etwas aus. Auch die Komplexität und der Realismus überzeugen, hier gibt man sich nicht mit einer hirnrissigen romantischen Geschichte ab ;) Erfrischend und nachdenklich machend zugleich.
Bonusmaterial:
Dieses ist eher mäßig und bietet nicht sonderlich viel. Einerseits gibt es die Original-Dokumentation 'Stories Behind Story of Us' zu sehen, andererseits eine relativ öden Kommentar von Regisseur Rob Reiner, der eher langweilt als Informiert. Dafür gibt's 2/5 Sternen
Fazit: Genialer Ehefilm, der Probleme aufzeigt und nicht in einer unrealistischen Romantik schwelgt
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