ein gottverdammter Western!!!
800 Bullets (DVD)

Name des Mitglieds: David1980
Produkt:
800 Bullets (DVD)
Datum: 29.09.09
Bewertung:
Vorteile: Toller Film, wenn man Western und Humor mag
Nachteile: Meistens ein sehr ruhiger Film
Ich persönlich konnte Western ja schon immer relativ gut leiden, aber, und das war immer das spannendste an der Sache, ich mochte sie immer am meisten, wenn sie sich nicht so bitter ernst genommen haben. Da war natürlich dieser Film von Iglesia ein Muss, denn der ist nie ernst und außerdem in Spanien war das mit den Cowboys doch immer ein wenig anders. Wie anders, klärt hoffentlich dieser Bericht! Viel Spaß beim Lesen
Inhalt:
Der kleine Carlos hat es nicht leicht. Seine Mutter ist eine knallharte Business Frau und die Oma eine Schnapsdrossel, die nur über die Mutter, den toten Vater und ihren leider noch nicht toten, aber verschwundenen Ehemann lästert. Bzw. im Suff mal wieder andeutet, dass man doch irgendwie weiß wo Opa ist, aber man ihn da besser lässt und vor allem auch eigentlich nie darüber spricht, welche Schande er eigentlich ist. Aber Schande hin oder her, für Carlos wäre das endlich mal ein männlicher Verwandter, der vielleicht auch mal ein wenig was mit ihm unternimmt und so bricht er anstelle zum Snowboard fahren in den Süden Spaniens auf, genauer Almeria, wo der Großvater Filme drehen soll. Naja zumindest mal hat, denn Almeria ist eine heruntergekommene Wild West Stadt in der viele große Stars wie Clint Eastwood ihre berühmten Western drehten und wo der Opa Julian hängen geblieben ist und mit einem kleinen mehr verarmten als talentierten Team für Touristen eine Wild West Show darbietet. Naja zumindest wenn mehr als fünf Leute mal erscheinen.
Aber für den kleinen Carlos ist das der Himmel auf Erden. Lauter wilde Männer und schöne Frauen in Kleidern, bei denen die Brüste oben beinah schon wieder rausspringen!
Das Leben kann so schön sein, wenn da nicht die Schnapsdrossel und die Mutter auch noch ein Wörtchen mitzureden hätten. Denn die finden es ja gar nicht toll wo der Junge steckt und holen den prompt auch wieder zurück und obendrein beginnt die Mutter des Jungen das Geländer der Wild West Show für ein riesen Einkaufszentrum mit Vergnügungspark zu verhökern.
Das ist dann zu viel für Julian. Man kann ihn beschimpfen, man kann ihn beschuldigen, man kann ihm sagen das er schlechter Einfluss ist, aber sein Leben kann man ihm nicht nehmen und so rafft er sich mit all seinen Freunden zusammen und verbarrikadiert die Stadt. Ihre einzige Hoffnung, dass sie durch die Show auch gelernt haben mit echter Munition umzugehen, denn die Knallpatronen werden nun durch 800 richtige ersetzt und die Belagerung durch Polizei und Spezialeinheit kann beginnen.
Doch der größte Feind in einem Team ist immer der Zweifel und gerade unter Druck ist es dann wichtig an die Geschichten von Julian glauben zu können. Doch was, wenn der wirklich nur ein altes Stuntdouble ist? Dann wird wohl die alte Serviette mit Clint Eastwoods Nummer auch wohl nur ein Fake sein und selbiger niemals am Grab von Julian eine Reden halten? Oder ist dies der Stoff aus dem wahre Männer sind?
Stab
Regie: Alex de la Iglesia
(El dia de la bestia, Perdita Durango, ein ferpektes Verbrechen, Oxford Murders)
Julian: Sancho Gracia
(Donkey Xote, Mala uva, Allein unter Nachbarn, Inferno, der Blick des Anderen)
Cheyenne: Angel de Andres Lopez
(El kaseron, Tapas, 99.9, Huevos de Oro, die Dinge der Liebe)
Laura: Carmen Maura
(Wunder dauern etwas länger, Volver, Free Zone, Pakt des Schweigens)
Scott: Eusebio Poncela
(Harmanas, Remake, Intacto, Sagitario, Tödlicher Winter)
Carlos: Luis Castro
(Siete)
Technische Daten:
Herstellungsland: Spanien (2002)
Laufzeit: 121,02Min
Altersfreigabe: FSK 16
Bildformat: 2,35:1
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital Stereo 5.1)
Spanisch (Dolby Digital Stereo 5.1)
Untertitel: deutsch
Extras:
Making Of (20:10 min)
8 Deleted Scenes
Alternatives Ende (3:28 min)
Interview mit Alex de la Iglesia
Interview mit Sancho Gracia
Interview mit Angel de Andres
Interview mit Carmen Maura
Kinotrailer (1:31 min)
Teasertrailer (1:08 min)
TV-Spots
Fassung:
Der Film ist in Deutschland bei E-M-S erschienen und uncut.
Kritik:
*Story*
Natürlich hat es Iglesia weder einmal geschafft genau das zu verfilmen, worüber jeder schon mal nachgedacht hat, und sich jeder hämisch darüber gefreut hätte, wenn genau das mal passiert wäre. Die großen Westernstars sind in Wirklichkeit nur hängen gebliebene Double und irgendwelche tollen Frauen die dummerweise in kleinen Käffern wohnen und den Absprung nie geschafft haben, bis alle samt, durch die große böse Industrie eigentlich abgeschafft werden sollen. Das dann aber in einem großen Finale gipfeln zu lassen und den Leuten ihre Anerkennung zu geben, das schafft nur dieser Film. Denn man lacht, man freut sich mit ihnen und ist neidisch auf einen kleinen Jungen, der bei einer Bardame mit Traummaßen seine Unschuld verliert. So muss eben ein Film aussehen und man darf getrost auch wieder stolz darauf sein, dass es Menschen gibt, die an etwas hängen, denn dieser Film beweist auf schöne und spielerische Art, dass es sich doch lohnt!
*Regie*
Alex de la Iglesia ist schon immer ein Fall für sich gewesen und hat sich besonders dadurch ausgezeichnet, dass er sich Zeit lässt. Die Filme sind nie mit ach und krach auf 90Minuten getrimmt, sondern erzählen in schönen Bildern, was in den Personen vorgeht, was so allgemein das Leben von den Figuren hält, oder sie es sie einfach ignoriert. Das ist so selten geworden, dass man eigentlich heulen könnte! Aber man freut sich dann natürlich über fast jedes Werk dieses Filmemachers, denn jedes Mal, zeigt er in einem anderen Genre, was er drauf hat, und vor allem wie viel Spaß man eigentlich in dem besten Beruf der Welt haben kann!
*Kamera*
Die Kamera ist tatsächlich ein Brüller! Denn wer auch nur ein wenig sich im Bereich Western auskennt, der weiß natürlich auch, dass es hier eine ganz spezielle Methode gibt Dinge in Szene zu setzen. Die aber dann noch vermischt mit modernen Aufnahmen, die gerade in den Szenen mit dem Sonderkommando aussehen wie ein Musikvideo, und das Herz strahlt vor Freund und lacht sich innerlich kaputt. So muss das sein und man kann obendrein sicher sein, dass man jede Szene mit einem Optimum an Darstellung versorgt wird!
*Schauspieler*
Sancho Gracia ist die ideale Verkörperung für einen Western, da er einfach so aussieht, als würde er tatsächlich jeden Tag im selben Shirt rumlaufen und ne Flasche Whiskey zum Frühstück verdrücken. Wenn es sei muss sogar samt Glasflasche, und das macht ja einen richtigen Mann im Wilden Westen aus. Er trinkt schneller als sein Schatten bricht und haut drauf wie Lukas! Passender geht das einfach nicht darzustellen und man bekommt obendrein sogar noch nostalgische Gefühle dafür, wie die ganzen Leute doch damals im Film aussahen.
Carmen Maura ist wohl das spanische Pendant zu Ornella Muti. OK, sie ist nicht so sexy wie die Dame aus Italien, aber sie ist genau so viel Feuer und Temperament, dem man sogar noch die sengende Hitze der ariden Zonen anmerkt. Gegerbt aber doch weiblich, so muss es sein und für viele Männer die auf diesen Typ Frau stehen sicherlich eine Augenweide. Für mich aber immerhin auch eine sehr gute Schauspielerin, die hier ihre Rolle hervorragend macht.
*Tricktechnik*
Wenn es knallt und raucht spricht man ja heute schon kaum mehr von Tricktechnik. Dann ist das ja schon viel mehr verkommenes altmodisches Zeug, das ja leider so gar nicht digital ist! Und das ist Gott verdammt gut so, denn die neumodische unreife Kacke will kein Mensch mehr sehen und kann man getrost so niederen Regisseuren wie Quentin Tarantino überlassen! Hier wird noch richtig gezeigt was es heißt eine große Show abzuziehen und das soll so bleiben und wird hoffentlich ein paar Leuten irgendwann auch wieder klar, dass sowas einfach unersetzlich ist!
Fazit:
Ein Klasse Film mit Tiefgang, Humor und vor allem Sprüchen, die selbst im Wilden Westen den Huren die Ohren schlackern ließen! Folglich, ein Muss für jeden Mensch, der heutzutage ein Pferd nur von weiten gesehen hat und der vielleicht sein Handy schneller zieht als ich darüber lachen kann. Fünf Sterne sind hier einfach Pflicht, denn man sieht einen gut gemachten Film mit schönen kreativen Ideen und Schauspieler, die trotz der recht langsamen Erzählweise den Zuschauer auf einen spannenden Trip mitnehmen. Wunderbar, so muss das einfach sein!
Fazit: Siehe Text
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