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Knobelei auf einer aussterbenden Spielkonsole
Wetrix (DC)

Name des Mitglieds: elisa2
Produkt:
Wetrix (DC)
Datum: 27.10.06
Bewertung:
Vorteile: Spielidee, Spannung, Musikstücke, Spielmodi, Sepzialeffekte, Zweispielermodus
Nachteile: Unübersichtlich, hektisch, schwerer Einstieg erfordert viel Geduld, Genre sicher Geschmackssache
Leider kann man dies wirklich nicht anders sagen, denn als "Wetrix" für den Dreamcast (Segas allerletzte eigene Konsole) erschien, war das Ende nah, sehr nah sogar. Doch ich will an dieser Stelle natürlich nicht über das "wie" und "warum" des Scheiterns des Dreamcasts diskutieren, sondern über ein Knobelspiel berichten, welches sowohl für das Nintendo 64 als auch den Sega Dreamcast erschien. Und unter anderem an diesem Beispiel können wir sehr gut erkennen, dass der DC in technischer Hinsicht ganz locker mit der damalig aktuellen Nintendo-Konsole mithalten konnte (und ganz nebenbei in einer höheren Liga als die alte Playstation spielte). Knobelspiele auf Videospielkonsolen sind jedenfalls besonders hier bei uns – im Gegensatz zu Japan - eher unbeliebt, nur selten hat ein Titel aus diesem Genre großen Erfolg. Als „Wetrix“ von Infogrames für den Dreamcast im Jahr 1999 erschien, kann dies insofern eigentlich schon als Wagnis bezeichnet werden, objektiv gesehen haben wir es jedenfalls mit einem nicht uninteressanten und meiner Meinung nach im Großen und Ganzen auch gelungenen Dreamcast-Titel zu tun, trotzdem dürfte die Zielgruppe relativ klein (gewesen) sein.
Ein motivierendes Spielprinzip, ein großer Spielumfang und zahlreiche unterschiedliche Spielmodi sorgen für wochenlangen Spielspaß, doch der ein oder andere Schwachpunkt ist schließlich dafür verantwortlich, dass es sich zumindest nicht um einen großen Hit handelt. Wer von Euch aber grundsätzlich Spaß an Spielen wie „Tetris“ oder „Bust a Move“ hat, sollte auf jeden Fall einen genaueren Blick auf diesen Titel werfen. Dreamcast-Besitzer also aufgepasst, Ihr solltet mehr als nur einen flüchtigen Blick auf dieses gelungene Videospiel werfen.
Worum geht es in „Wetrix“ für den Sega Deamcast eigentlich?
Zunächst einmal werden Ähnlichkeiten mit dem weltberühmten „Tetris“ ersichtlich, doch wurde nicht so wahnsinnig viel geklaut wie es anfangs den Anschein hat. Zwar fallen die Objekte grundsätzlich von oben auf das 3D-Spielfeld herab, doch ansonsten wurde ein eigenständiges Konzept entwickelt. Jene Objekte, die auf de Boden fallen, lassen wir durch entsprechende Bedienung des Joypads um die eigene Achse rotieren und bewegen diese in unterschiedliche Richtungen. Das Ganze muss natürlich wahnsinnig schnell gehen, denn schon nach wenigen Augenblicken saust das nächste Element nach unten und will von Euch in Windeseile platziert werden. Unter anderem existieren dabei Symbole, welche Mauern errichten oder auch Wasserblasen bilden, welche nach dem Kontakt auf dem Boden für entsprechende Rinnsale sorgen. Diese müssen von Euch durch das Errichten von Mauern und auch Dämmen unbedingt aufgehalten werden, denn sollte zuviel Wasser über den Rand des Spielfeldes hinaus fließen, habt Ihr verloren bzw. erleben wir ein vorzeitiges Ende des Spiels. Bauen die eben genannten „Upper“ die Begrenzungsmauern auf, so gibt es zudem „Downer“, welche jene wieder abreißen, so dass Ihr dem Verlauf des Wassers oft noch gerade rechtzeitig die gewünschte Richtung geben könnt, vorhandene kleine Feuerbälle lassen das Wasser an den besonders bedrohlichen Stellen auf Wunsch verdunsten.
Dies allein klingt schon hektisch genug (ist es auch), doch des Weiteren machen Euch herabfallende Bomben, Minen, schwere Regenfälle oder auch Eishagel zu schaffen, welche regelmäßig dafür sorgen, dass sich die Spielsituation teils dramatisch verändert. Schwierig wird es speziell dadurch, dass ein deutlicher Überschuss an Landmassen, die Ihr produziert, schwere Folgen nach sich ziehen kann, so zum Beispiel schwere Erdbeben, welche für chaotische Zustände sorgen und (merkürdigerweise) am Besten von Euch mit einer Smartbombe zum Stilstand gebracht werden sollten. Auf der ewigen Jagd nach Punkten seid Ihr dabei quasi andauernd, Euer spezielles Ziel ist dabei das Erschaffen eines kunterbunten Regenbogens, welcher erscheint, wenn Ihr ausreichend Wasser auf der jeweiligen Ebene halten konntet. Eine Verschnaufpause ist Euch in einem Abschnitt somit eigentlich nie gegönnt, wobei speziell der Einstieg fast allen von uns ganz schön schwer fallen und für sehr viele Neustarts verantwortlich sein dürfte.
Dass „Wetrix“ für den DC alles andere als einsteigerfreundlich ausgefallen ist, merkt Ihr nämlich schon sehr schnell, dass ein Übungsmodus existiert ist daher absolute Pflicht. In diesem Modus fallen die Objekte erst nach Eurem Kommando von oben herab, so dass Ihr Euch in diesem Fall ausnahmsweise erst einmal in aller Ruhe mit den Begebenheiten auf dem Spielfeld vertraut machen könnt. Außerdem dürft Ihr Euch auf Wunsch vereinzelte Lektionen anschauen, welche Euch grundsätzliche Tipps & Tricks etwas näher bringen, was angesichts des schwierigen Einstiegs auch dringend nötig ist. In den normalen Spielmodi könnt Ihr dann wählen, ob Ihr von Anfang an mit Handicaps loslegen oder die ganze Sache erst einmal ruhiger angehen wollt, wobei Ihr meistens mit der etwas harmloseren Variante ganz sicher besser bedient seid. Erfahrene Knobelspieler bzw. gestandene Profis auf diesem Gebiet kommen schließlich im Herausforderungsmodus voll auf ihre Kosten oder Ihr bekriegt Euch im Zweispielermodus gegenseitig, was im Fall zweier Gleichgesinnter für wochen- und wahrscheinlich sogar auch monatelangen Spielspaß sorgen kann.
Wie sieht „Wetrix“ für den Dreamcast aus und wie hört es sich an?
Ganz sicher ist, dass die Spielidee an sich beziehungsweise der abwechslungsreiche Spielverlauf deutlich mehr Glanzpunkte setzen können als die Präsentation, die von eher nur leicht überdurchschnittlicher Qualität sein dürfte. Gemessen an damaligen Verhältnissen selbstverständlich. Auf jeden Fall hatte ich damals schon wesentlich prächtiger aussehende Dreamcast-Titel gesehen gehabt. Zwar ist dieses Knobelspiel extrem bunt ausgefallen, ja fast schon zu bunt, schillernde Farben und teilweise auch sehr schöne Spezialeffekte (Eishagel, Erdbeben, Blitze, Feuerbälle, glitzernde Seen, Regenbogen) gefielen mir wirklich gut, doch ist diese derart unübersichtlich, dass Ihr oftmals gar nicht genau erkennt, wo Euer Symbol denn genau landen wird und dies hat natürlich speziell beim Bau der Mauern fatale Folgen und führt nicht selten zu ärgerlichen (da von Euch unverschuldeten) Spielsituationen durch den daraus resultierenden Wasserverlust, was auf Dauer sehr nervig sein kann.
Schließlich dürften Euch die kräftigen Farben höchstwahrscheinlich nach einer gewissen Spieldauer richtig in den Augen weh tun, auch dies fördert in Verbindung mit der ohnehin etwas verworrenen 3D-Perspektive früher oder später zu leichten Kopfschmerzen. Die Hintergründe sehen dabei (gewollt) verschwommen aus, was ab und an in der ganzen Hektik zu Schwindelgefühlen fühlen kann, fast schon wie in Trance platziert Ihr manchmal ein Teil nach dem anderen. Die Musik sorgt durch ihre leicht abgedrehten, ja psychedelischen Klänge zusätzlich für eine entsprechende Spielatmosphäre, sie ist auf jeden Fall noch einen Tick besser als die bunte Optik und ganz sicher ein Pluspunkt in diesem DC-Knobelabenteuer.
Kann ich Euch die DC-Version von „Wetrix“ insgesamt empfehlen?
Mit Sicherheit kann ich das. Da gibt es für mich keinen Zweifel. Allerdings ist dieses Videospiel aus dem Knobelspielgenre ganz sicher nicht für jeden von Euch etwas, aber das ist angesichts des doch exotischen Charakters solcher Spiele auch nicht besonders verwunderlich. Wer von Euch einen Sega Dreamcast besitzt und sich gerne mit Spielen wie „Tetris“ oder „Bust a Move“ vergnügt, wird schon nach kurzer Zeit auch in „Wetrix“ aufs Höchste motiviert sein. Anfänger seien aber gewarnt, denn der Einstieg fällt gewaltig schwer, einige blaue Flecken werden sich diese (und wahrscheinlich auch die fortgeschrittenen Spielernaturen unter Euch) holen müssen, bevor die ersten richtig erwähnenswerten Erfolgserlebnisse stattfinden können. Immerhin gibt es zahlreiche unterschiedliche Spielmodi, wobei Übungsmodus und Tutorial zum Glück nicht vergessen wurden. Ebenso nicht außen vor gelassen wurde ein Zweispielermodus, alles andere wäre aber auch fatal gewesen, denn die Berücksichtigung des Multiplayerspaßes ist gerade bei solchen Spielen wie diesen hier quasi Pflicht.
Trotz des schwierigen Einstiegs und der zugegebenermaßen nicht immer geglückten Übersicht und trotz der immerzu sehr hektischen und oft auch chaotischen Spielsituationen (oder vielleicht auch gerade wegen dieser) und auch der etwas zu schrillen Farbgebung kann „Wetrix“ überzeugen. Eine extrem motivierende Spielidee mit einem wahrlich nicht zu unterschätzenden Suchtfaktor, viele unterschiedliche Spielmodi, sehr nett anzuschauende Spezialeffekte und ein gelungener Soundtrack ergeben ein wirklich gutes Knobelspiel für den Sega Dreamcast.
Fazit: Für viel Geduld und Ausdauer werden wir schließlich belohnt, ein wahrer Geheimtipp.
| Bedienkomfort: | ||
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