
Nicht nur städtisches Chaos
Urban Chaos (DC)

Name des Mitglieds: oliver_geistbeck
Produkt:
Urban Chaos (DC)
Datum: 11.10.00, geändert am 11.10.00 (83 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: nettes Spiel mit einigen Innovationen
Nachteile: Steuerung, Windows-Unterstützung
Urban Chaos: Der neueste Titel von Eidos Interactive, der Gesellschaft, die ja bekanntermaßen mit Windows-Unterstützung PC-Klassiker auf den Dreamcast umsetzt. Bekanntestes Beispiel dürfte die Lara Croft Serie sein, deren fulminantes Ende des mittlerweile IV. Teils die Fans in eine spannungsgeladene Erwartungshaltung versetzen dürfte. Doch ich schweife ab.
Urban Chaos ist ein Spiel, dessen Aufbau ansatzweise an Crazy Taxi erinnert: Ähnlich wie in eben erwähntem Spiel bewegt sich der Protagonist ( an sich sind es deren zwei, doch mit einem – der dunkelhäutigen Schönheit – beginnt man das Spiel) in einer limitierten Umgebung, die in jedem Level gleich ist: Nämlich eine große Stadt. Zum überwiegenden Teil ist diese in dunklen Tönen gehalten, verständlich, denn unsere Helden sind Polizisten, die den zahlenmäßig stark vertretenen bösen Buben das Handwerk legen sollen, und diese Schurken treiben sich nun mal bevorzugt nachts herum. D’Arci Stern (kleiner Lacher am Rande: wer denkt bei einem solchen Namen an Al Bundys gackernde Nachbarin...!?) und ihre ausschließlich männliche Kollegenriege, unterstützt von einem geheimnisvollen Unbekannten, der erst im Laufe des Spiels seine wahre Identität offenbart, sind Polizisten, die in einer äußerst detailliert gestalteten Umgebung auf Streife gehen. Wenn ich von detailliert spreche, ist dies sicherlich keine Übertreibung: Coladosen liegen verstreut auf dem Boden, man kann diese aufheben und werfen, beim Auftreffen geben sie ein äußerst realistisches Geräusch von sich; eben das einer fallenden Coladose. Wind lässt alte, zerfledderte Zeitungsausschnitte durch die Luft flattern, das Straßenlaternenlicht ist recht gut gemacht, und die übrigen Lichteffekte sind ebenfalls wunderschön gestaltet.
Die einzelnen Missionen erweisen sich zumindest zu Anfang als nicht allzu schwierig, es gilt, einen gestohlenen Wagen zurück ins Präsidium zu fahren (Stern kann nicht verschlossene Vehikel zur Fortbewegung nutz
en), einen Schläger zu verhaften, eine Zeugin ausfindig zu machen (ähnlich wie in zelda64 sind sämtliche Passanten interaktiv nutzbar, man kann sie ansprechen, um von ihnen Infos zu erhalten – die meisten reagieren jedoch recht ungehalten, Polizisten scheinen nicht allzu beliebt zu sein...) und dergleichen mehr. Da die Missionen stark unterschiedlich sind, bleibt die Spielmotivation recht hoch, und im Laufe des Spiels lernt man auch, mit der typisch windows-vertrackten Steuerung umzugehen. Durch Drücken des Action-Knopfes beispielsweise kann man die überwältigten Schurken verhaften, d.h. ihnen Handschellen anlegen, wodurch sie bewegungsunfähig werden. Allerdings erweist sich gerade dies im Kampf gegen mehrere Gegner als schwierig, da Stern automatisch auf diese aufschaltet und sich sofort dem nächsten Angreifer zuwendet, daher den am Boden liegenden nicht mehr Handschellen anlegen kann, was dieser nach einer kleinen Erholungspause auch ausnutzt, wieder aufsteht und aktiv ins Kampfgeschehen eingreift. Ärgerlich. Ebenfalls nicht optimal gelöst ist die Kollisionsabfrage, an vielen Kanten bleibt man hängen, und die Steuerung treibt den Spieler gerade an schmalen Kanten auf Hochhäusern oder bei den zahlreichen Sprungpassagen in den Wahnsinn – dies hätte man besser machen können.
Nächster Schwachpunkt: Die Sprachausgabe ist – zumindest was die Qualität angeht – als gelungen zu bezeichnen (andererseits darf man das von einem Spiel dieses Erscheinungsdatums als selbstverständlich voraussetzen), störend ist allerdings ein kleines „Antippen“ (ähnlich dem Geräusch, wenn man die Boxen bei eingeschalteter Anlage an- oder ausschaltet) vor und nach der Sprachausgabe. Als Schmankerl erscheint der gesprochene Text stets als Untertitel, was für die meisten Spieler eine große Erleichterung sein dürfte, da die Sprache nur auf Englisch oder Französisch einstellbar ist. (Der stark übertriebene amerikanische Slang und der zumeist niveaulose T
ext sorgt jedoch an vielen Stellen für eher ungewollte Lacher...) Zudem klappt die Sprachausgabe erstaunlicherweise nicht immer, einige Passanten lassen das „Antipp“-Geräusch hören, der Text erscheint auch als Untertitel, man hört jedoch abgesehen davon nichts.
Der musikalische Hintergrund bewegt sich im Mittelmaß, Außergewöhnliches sollte der Spieler hier nicht erwarten.
Urban Chaos trumpft also mit einem solide geschusterten Gameplay auf, welches dank des Abwechslungsreichtums länger an den Bildschirm zu fesseln weiß. Nichtsdestotrotz fehlt dem Spiel das gewisse Etwas, um ihm einen Ehrenplatz unter den Action-Titel auf dieser Konsole einräumen zu können.
P.S.: Die Eröffnungssequenz ist jedoch phänomenal! Unbedingt beim Händler Eures Vertrauens anschauen.
Fazit:
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