Toy Commander (DC)
Meuterei im Kinderzimmer! - Toy Commander (DC) Dreamcast Spiele

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Meuterei im Kinderzimmer!
Toy Commander (DC)

The-Wishmaster

Name des Mitglieds: The-Wishmaster

Produkt:

Toy Commander (DC)

Datum: 19.01.04, geändert am 01.12.04 (65 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: ...

Nachteile: ...

Hallo liebe Leserinnen und Leser!



Und weiter geht's mit einem neuen Game-Bericht, diesmal durfte wieder ein etwas unbekannterer Titel für Segas Dreamcast herhalten: "Toy Commander" nennt er sich und wurde meines Wissens nach im Jahre 1999 veröffentlicht. Den damaligen Preis kann ich leider nicht mehr benennen, spielt aber auch keine Rolle, da es das Game über Ebay mittlerweile für ca. 5 - 10 Euro zu erwerben gibt. Das war auch übrigens der Grund, warum ich vor ein paar Monaten beim Stöbern auf der Auktionsplattform zugeschlagen habe. Inwieweit sich diese Investition gelohnt hat, erfahrt Ihr in den folgenden Zeilen...



~ Story ~

Ob Ihr es glaubt oder nicht, das Spiel hat eine Story. Diese ist zwar mehr als bescheiden, aber ich will sie Euch dennoch nicht vorenthalten. Guthy, ein kleiner Junge und fortan Protagonist des Games, war ziemlich böse zu seinen Spielsachen und hat diese recht schlecht behandelt. Die Konsequenz? Die Metall-Autos und Plastik-Flugzeuge beginnen eine Meuterei unter der Leitung des Teddybären Hugolin. Eure Aufgabe ist es nun, sich der Spielzeug-Revolution zu stellen und letztlich auch den aufmüpfigen Bären wieder in seine Schranken zu weisen. Klingt nach einem echten Killer-Game, oder? Aber halt, urteilt nicht zu voreilig, immerhin stammt das Game aus der Spieleschmiede "No Cliche!", also keine Klischees bitte!



~ Spielprinzip ~

Das Game ist im Prinzip unterteilt in den Einzel- und den Mehrspieler-Modus, die sich beide von Grund auf unterscheiden. Zuerst möchte ich deswegen kurz auf den Einzelspielermodus eingehen. Hier wird die eigentliche Story weitergeführt und Ihr müsst Euch nach und nach durch die verschiedenen Räume des Hauses arbeiten und dabei das feindliche Spielzeug besiegen. Ihr beginnt dabei in einer Art Einleitungs-Mission nach einem netten Intro in der Küche und müsst dort die ersten Aufgaben erfüllen. Dies erledigt Ihr mit den verschiedensten Fahrzeugen, wobei die Produktpalette vom Jeep über einen Panzer bis hin zu Helikoptern. Düsenjets und Doppeldeckern reicht. Die Aufgaben bestehen dabei aus den kuriosesten Aufträgen, die man sich nur vorstellen kann. Das bedeutet, dass Ihr beispielsweise mit einem Hubschrauber Zuckerstückchen aufnehmen und diese nach einem kleinen Flug in eine Kaffeetasse fallen lassen müsst. Hierzu steht Euch immer nur ein knappes Zeitlimit zur Verfügung, welches vom "Boss" der Stufe aufgestellt wurde und unterboten werden muss. Nur dann kommt Ihr weiter - und das ist mehr als schwierig. Dabei sind es nämlich weniger die extrem abwechslungsreichen Missionen, sondern vielmehr das stets recht knapp bemessene Zeitlimit, welches Euch zum Scheitern bringen wird.

Nach und nach wird aber mit entsprechender Übung die einzelnen Aufgaben bewältigen können. Frust kommt meiner Meinung nach nur selten auf, da die verschiedenen Missionen allesamt ziemlich motivierend und auch so unterhaltsam sind, dass man unbedingt die nächste Aufgabe und bald auch den nächsten Raum sehen will. Hier wurde im übrigen an alles gedacht, was man sich in einem großen Haus so vorstellen kann. Neben der Küche gibt es somit noch ein Wohnzimmer, Bad, Kinderzimmer, Schlafzimmer und selbst an Keller, Garage, Dachboden und einen Wintergarten wurde gedacht. Am Ende eines jeden Zimmers steht Euch dann noch ein ganz besonders harter Brocken in Form des Obermotzes vor, mit der richtigen Taktik und genug Ausdauer lässt sich aber auch dieser bezwingen.

Wem der Einzelspielermodus dennoch irgendwann zu langweilig wird, wer diesen bereits durchgezockt hat oder gefrustet etwas Abwechslung im Multi-Zock mit ein paar Freunden sucht, der begibt sich am besten in den Multiplayer-Modus. Hier lassen sich drei verschiedene Spieltypen wählen: Deathmatch (mit allen Mitteln den Gegner vernichten), Capture the Flag (eine Flagge für das eigene Team sichern) oder Cat and Mouse (eine Art Fang-Spiel). Am interessantestens ist hierbei der Deathmatch-Modus, deswegen möchte ich diesen noch etwas näher erklären. Hier könnt Ihr mit bis zu vier Spielern im Splitscreen antreten und aus den im Hauptspiel bereits freigeschalteten Zimmern Eure Kampfarenen wählen. Vor dem Match wird noch Euer Gefährt bestimmt, dann kann es losgehen.

Wie bereits erwähnt habt Ihr nun nur noch das Ziel, Eure Gegner zu vernichten. Ihr startet hierbei immer in einem Hangar, egal ob Ihr Euch für einen Helikopter, ein Ufo, ein Flugzeug oder einen Panzer als Schlachtschiff entschieden habt. Von dort aus startet Ihr Eure Mission und es bleibt völlig Euch überlassen, wie Ihr dabei vorgeht. Ihr könnt entweder direkt auf die Suche nach Euren Kontrahenten gehen oder Euch erst einmal im Level umsehen, Euch vielleicht an einem geeigneten Platz wie in einem Hinterhalt verstecken oder versuchen für Euer Fahrzeug ein paar Upgrades aufzusammeln. Denn neben den Standard-Maschinengewehren könnt Ihr Eure Gefährte noch mit allerlei anderen Waffen aufrüsten wie beispielsweise herkömmliche Rakten, zielsuchende Raketen, Granaten, Minen oder Bomben. Diese Waffen sind übrigens allesamt in Spielzeug-Manier gehalten, wundert Euch also nicht, wenn Ihr mit Reißzwecken, Bleistiften, Radiergummis oder Kugelschreiberhüllen attackiert werdet.

Glaubt aber nicht, dass Ihr jetzt einfach drauf losballern und Eure Gegner platt machen könnt, so einfach ist das nicht. Nein, das Deathmatch erfordert ein weit strategischeres Vorgehen. Vergesst aber nicht, dass Ihr jederzeit in Euren Hangar zurückkehren könnt und auch müsst. Denn hier kann Euer Treibstoff wieder aufgefüllt werden und auch Schäden am Fahrzeug lassen sich hier reparieren. Genau aus diesem Grund ist es auch witzig, einem vielleicht schon von Euren Mitspielern geschächten Gegner vor dessen Hangar aufzulauern, um ihm dann den Rest zu geben. Achtet aber darauf, dass in der Zwischenzeit nicht Eure eigene Basis angegriffen und zerstört wird, sonst seid Ihr ganz schön aufgeschmissen. Ihr könnt hier übrigens auch das gewählte Fahrzeug wechseln, solltet aber immer bedenken, dass dann die bereits gesammelten Upgrades verfallen und Ihr wieder von vorne anfangen müsst.

Um die Chancengleichheit zwischen den Boden- und den Lufteinheiten zu wahren, können die flugunfähigen Fahrzeuge übrigens an allen Wänden und selbst der Decke entlang fahren. Und was den Spielspaß weiter erhöht sind in den Zimmern verteilte Geschütze, die Ihr durch kurzen Beschuss auf Eure Seite bringen und dann zusehen könnt, wie sie Eure Kontrahenten angreifen - aber vorsicht, die haben natürlich dasselbe vor und können Euch diese fleißigen Gesellen auch ganz leicht wieder wegnehmen. Somit ist für stundenlangen Spielspaß alleine mit diesem Modus gesorgt, da es unzählige taktische Möglichkeiten gibt und man auch vor allem bei der Erschaffung der einzelnen Räume ein mehr als geschicktes Händchen bewiesen hat. Überall verbergen sich geheime Gänge, Holzscheite, Sessel und Tischbeine - nahezu alles kann als Versteck genutzt werden, um einen umherstreifenden Gegner aus dem Hinterhalt zu attackieren. Das garantiert heiße Multiplayer-Gefechte und durchzockte Nächte, darauf könnt Ihr wetten!



~ Grafik & Sound ~

Wer die Abschnitte über das Spielprinzip bisher verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, dass wir es hier mit allen anderen als einem Spiel für Kleinkinder zu tun haben. Betrachtet man sich das Game aber auf Bildern, so könnte man genau diesen Eindruck bekommen. Alles ist derart detailliert und liebevoll gestaltet, dass es eine wahre Pracht ist und somit wirken die Spielzeuge natürlich auch entsprechend echt. Mit heutigen Games kann sich "Toy Commander" zwar nicht mehr messen, für Dreamcast-Verhältnisse ist die Grafik aber durchaus als sehr gelungen zu bezeichnen. Ein paar Effekte hätten dem Game zwar nicht geschadet und auch manche Objekte hätten noch ein paar Polygone mehr vertragen können, dem Spielspaß tut dies aber keinen Abbruch. Lobenswert zu erwähnen ist an dieser Stelle aber auf jeden Fall, dass der Begriff "Slow-Down" ein absolutes Fremdwort im Vierspieler-Modus ist, was den Programmierern hoch angerechnet werden muss.

Der Sound verdient dann im Allgemeinen auch ein Lob. Die leicht beat-lastige Hintergrundmusik ist meiner Meinung nach zwar recht belanglos, stört aber das Spielgeschehen nicht, im Gegenteil. Und die Soundeffekte sind in jedem Fall gelungen, denn hier krachen die Explosionen und es geht richtig heftig zur Sache, was die kriegerische Atmosphäre der Spielzeugschlachten nur noch mehr anheizt und den kleinen Sadisten in den Spielern weckt. Es ist einfach herrlich, wenn man seinem Gegner die Bleistift-Raketen um die Ohren blasen kann und diese dann bei ihm entsprechend einschlagen.



~ Fazit ~

Letztlich muss hier ganz klar darauf hingewiesen werden, dass die Spielzeug-Optik auf den ersten Blick gewaltig täuscht: "Toy Commander" ist ein knackig schweres Einzelplayer-Game mit einem hervorragenden Multiplayer-Modus, der mit taktischen Finessen und großem Unterhaltungswert aufwarten kann. Einzelspieler werden aufgrund der happig schweren Missionen entweder gefrustet das Pad in die Ecke feuern oder verbissen bis zum letzten Obermotz kämpfen, dazwischen gibt's einfach nichts. Aber vor allem wer auf actiongeladenen Multiplayer-Schlachten steht kommt hier voll auf seine Kosten. Marginale Schwächen im technischen Bereich können den Spielspaß nur bedingt trüben und dank des extrem günstigen Kaufpreises über Ebay vergebe ich gute vier Sterne und eine Kaufempfehlung an alle Dreamcast-Fanatiker.



In diesem Sinne...

Stay Dark!

The-Toymaster



PS: Alle Freunde des schnellen Klicks sollen von einer Bleistift-Rakete getroffen werden... ;)


Shake Heads - Für den Grief!



Fazit: