
Neuester Testbericht: ... etwas ändern will (50Hz/60Hz Mode, Schwierigkeit usw.), muß dies praktisch immer tun, wenn er ein -neues- Spiel anfängt, da die VMU d... mehr
Ein Stundenfresser mit langer Geschichte
Gauntlet Legends (DC)

Name des Mitglieds: T*E*D
Produkt:
Gauntlet Legends (DC)
Datum: 20.08.11
Bewertung:
Vorteile: Graphik, Steuerung, Spaßfaktor
Nachteile: Sound, KI, Sprache
Gauntlet Legends - ein Spiel, das ich euch in diesem Bericht vorstellen möchte, wie es in letzter Zeit kaum eines schaffte meine Aufmerksamkeit länger auf sich zu ziehen. In Zeiten modernerer "Games", die meiner Würdigung kaum noch wert sind (Graphik ist halt nicht alles!), denke ich, daß sich auch einige noch für einen kleinen Klassiker interessieren könnten. Ich möchte hier v.a. auf die Dreamcast-Version zu sprechen kommen.
= Gauntlet =
"Gauntlet" dürfte vor allem der älteren Spielergeneration ein vertrauter, sicherlich nicht von allen geliebter, Name sein. Gauntlet gehörte zu den ersten einigermaßen ernstzunehmenden Dungeon-Spielen in der Spieleautomatenszene. Man nannte sie damals "Arcade-RPG"(RolePlayGame), denn aufgrund der Tatsache, daß man mit einem Helden, der sich durch verschiedene Klassensysteme von seinen bis zu 4 echten Mitstreitern unterscheidet (Zauberer, Krieger, Bogenschütze, Walküre), verschiedene Höhlensysteme von Monstern reinigt, kamen diese Titel den Begriffen eines Rollenspieles sehr nahe. Gauntlet-Spiele wurden neben den Automaten für praktisch alle Plattformen realisiert - bis heute. So waren von C64 zu Amiga bis hin zum NES alle zu genüge befriedigt. Heute würde man das "Rollenspiel" eher als "Hack´n´Slay" bezeichnen, da das stupide töten von Monstermassen und durch Gänge herumirren mit dem heutigen Rollenspielebegriff wenig zu tun hat. Mit "Gauntlet Legends" wurde 2000 für die neueren Plattformen so einiges gewaltig verfeinert, trotzdem blieben Midway-Games dem alten Prinzip grundsätzlich treu.
= Der Dreamcast, N64 und PSone =
Grundsätzlich möchte ich mich hier auf die Dreamcastversion beschränken. Trotzdem wage ich hier einen kleinen Seitenblick. So mancher Retro-Gamer hat ja schließlich gerne mal mehrere Konsolen zu Hause und da stellt sich derweil schon die Frage, welche Plattform für "Gauntlet Legends" geeigneter ist: Immerhin ist der nahezu exakt gleiche Titel für 3 Plattformen erschienen. Es wird kaum überraschen, daß ich der Dreamcast einfach den Vorzug gebe. Es war zu dieser Zeit einfach die mit Abstand leistungsfähigste Konsole: Die PSone hat natürlich eine etwas einfachere Graphik, weniger Levels und läuft typischerweise natürlich nur maximal mit 2 Spielern. Die Nintendo-Version ist der DC fast würdig. Man benötigt immerhin ein Expansion-Pack, muß sein liebstes Stück also tunen, und hält graphisch also gut stand. Allerdings ist es etwas langsamer. Daß die Dreamcast nicht alleine die Creme de la Creme ist, möchte ich hier natürlich nicht verschweigen (näheres im Bericht), man muß nunmal abwägen bzw. sehen, welche Plattform man selber überhaupt hat.
= Anschaffung =
Über Amazon und co ist Gauntlet Legends sehr leicht für wenig Geld zu beschaffen. Es lohnt sich praktisch für jeden Dreamcastbesitzer sich den Titel zu besorgen. Mehr als maximalst 20 Euro muß man kaum berappen. Und dafür ein so gutes Spiel - da staunt so mancher PS3-Spieler nur. Den Weg in die Stadt kann man sich getrost sparen: Abgesehen von einigen An- und Verkauf - Läden vielleicht führt keiner mehr Dreamcast-Titel.
= Installation =
Gauntlet Legends ist wie alle anderen Dreamcast-Titel sehr leicht funktionsüchtig zu machen. Wer ein Vibration-Pack hat, kann dieses benutzen, obwohl sich Gauntlet Legends mit Ruppelattacken äußerst zurückhält. Die VMU benötigt für einen Charakter nicht sehr viel Speicher, da man aber ziemlich viele Charakter trainieren kann, steigt der Verbrauch natürlich stetig an. Wer an den Optionen etwas ändern will (50Hz/60Hz Mode, Schwierigkeit usw.), muß dies praktisch immer tun, wenn er ein -neues- Spiel anfängt, da die VMU die eigenen Einstellungen nur an bereits benutzten Helden speichert. Das ist aber keine große Sache. Wer mit bis zu 4 Leuten die Welt von GL erkunden will, der schließt natürlich entsprechend viele Controller an (sie brauchen keine eigene VMU). Mit "Start" klinken sie sich in das Spiel ein. Ein bißchen Schade ist es, daß GL keinen automatischen Speichermodus hat. Man muß also selber daran denken das Spiel ab und zu zu speichern.
= Graphik =
Die Graphik ist für die Zeit meiner Meinung nach gut gelungen und kann durchaus mit einigen großen Titeln mithalten, wenn auch nicht gerade mit Phantasy Star Online oder Metropolis Street Racer. Die Figuren sind mit wenig Polygonen gestaltet, dafür ist aber die Umgebung äußerst detailliert. Ich kann mir nicht helfen, aber manchmal erinnert mich die Graphik stark an Warcraft 3 - das ist aber nur gut! Die Bewegungsabläufte sind ordentlich. Wunder darf man nicht erwarten, auch wenn die Zauber meiner Meinung nach auch sehr schön gestaltet wurden.
= Sound =
Ja, das ist eigentlich so ein kleiner Haken bei der Dreamcast. Der Sound ist extrem dumpf und baßlastig, wirkt gerade zu unwürdig billig. Das ist schade, denn so mancher Musiktitel ist echt episch. Man muß aber schon ordentlich aufdrehen, sonst ist der Genuß da schnell futsch. Ausgeglichen wird dies aber mit einem äußerst epischen deutschen Sprecher (der ziemlich viel kommentiert), bei dem man bei so mancher Aussage schon schmunzeln muß.
= Steuerung =
Ein Spiel wie GL macht zwar einen relativ komplexen Eindruck, die Steuerung könnte aber einfacher nicht sein: Mit dem Analog Stick (oder Steuerkreuz) lenkt ihr natürlich euren Helden. Mit A schlagt ihr zu und mit X nutzt ihr einen Zauber. Das ist für den Anfang mal alles (das kann man jedem Freund gut erklären). Die wenigen Spezialbewegungen (z.B. R+A für den Turboangriff) sind schnell erlernt.
= Handlung =
Das Spiel besitzt wenig Handlung: Man muß Runensteine finden, um damit den mächtigen Dämonen Skorn zu besiegen. Um aber überhaupt seine Welt betreten zu können, muß man wiederum aber nur 4 Scherbenteile finden, die zum Fenster des Zaubererturms gehören. Sie werden zufälligerweise von den Endgegnern der 4 Welten bewacht. Insgesamt gibt es also 4 Welten + Skorns Kathedrale. Jede Welt hat 6 Level und unterscheiden sich vom Stil und Aussehen gewaltig: Während man am Anfang mit Orkartigen Wesen in der Unterwelt oder über Tage zu kämpfen hat, muß man wo anders im gewaltigen Walkürenschloß rummetzeln oder findet sich plötzlich in Ägypten wieder. Um aber jeweils eine neue Welt betreten zu können muß man nicht die einzelnen Endgegner besiegen - diese kann man sich auch getrost später vornehmen - , sondern muß jeweils 4 Obelisken finden und aktivieren: Dann kann man eine neue Welt betreten.
= Charakter =
Es gibt 8 Charakterklassen, die sich durch Angriff, Verteidigung, Geschwindigkeit und Magie voneinander unterscheiden: So kann der Krieger heftig angreifen, bleibt aber in der Magie stärker zurück als der Magier. Der Bogenschütze ist an Schnelligkeit kaum zu überbieten, kann aber mit der Rüstung einer Walküre kaum mithalten. Im Gegensatz zu den alten Arcade-Spielen kann man seinen Charakter aber trainieren: So gibt es ein Levelsystem, mit dem man seinen Charakter in den 4 verschiedenen Eigenschaften verbessern kann. Außerdem kann man ihn für bares Geld ein bißchen aufwerten. Das Charktersystem gefällt mir wegen der Einfachheit, die aber durchaus fordernd ist, sehr gut.
= Gegenstände? =
Gauntlet hatte noch nie mit großen Inventaren geprotzt und dies tut GL auch nicht: Im Grundegenommen gibt es nur 2 verschiedene Items:
-Zum einen sind es die Schlüssel: Mit denen kann man Truhen oder Türen öffnen. Dabei passen alle Schlüssel zwar in jedes Schloß, aber man hat ja vielleicht gar nicht genug Schlüssel dabei (derer man nur 9 maximal mitnehmen kann)! Darum sollte man gut überlegen, ob die ein oder andere Tür wirklich dringend zu öffnen ist oder ob eine Truhe wirklich das erhoffte Item mit sich bringt (Diverse Gegenstände können die Entscheidung erleichtern).
- Ein weiteres mitzutragendes Item sind die Tränke. Von denen gibt es zwar verschiedene, aber man kann sie in ihrem Gebrauch nicht ordnen: Sie werden genutzt, um magische Zaubersprüche loszulassen, die oft verheerende Wirkung haben. Einen besonderen Gegner kann man sogar nur mit dieser Magie vernichten... den Tod selbst!
- Alle anderen Gegenstände werden nicht dauerhaft mitgeführt, sondern sind nur temporäre Upgrades. Davon gibt es viele: Verschiedene Waffen, Angriffshilfen usw. Sie werden automatisch ausgelöst. Auch "Essen", was die Gesundheit ansteigen läßt, kann eingesammelt, aber nicht aufgehoben werden.
Somit hat GL ein extrem einfaches aber effektives Itemsystem, das einfach Spaß macht.
= Gegner, KI =
Die Gegner sind meistens scharen von Ungetümen, die, wenn erblickt, sofort auf einen zustürmen. Die meisten Gegner sind sehr schwach, aber eben zahlreich: Sie werden nämlich (meist) mit Generatoren immer wieder erzeugt: So kommen aus einem Stolleneingang immer wieder neue Orkhorden oder aus einem Sarkophag wandeln stets neue Untote heraus. Diese Generatoren kann man schwächen oder zerstören. Die Gegner verhalten sich dabei sehr dumm: Sie laufen gegen Mauern, da sie versuchen in Luftlinie den Helden zu erreichen, auch stellen sie den Angriff ein, wenn der Held weiter weg ist. Durch die Masse stellen sie aber eine ziemliche Gefahr da.
Eine weitere Gegnerart sind die großen Zwischengegner wie Golems o.ä. Besonders am Anfang sind die fürchterliche Gesundheits-Biester, die man mit viel Mühe besiegen muß. Wenn man seinen Helden weiter trainiert, sind diese aber auch keine große Sache mehr.
Der Tod persönlich bleibt einer der nervigeren Gegner. Meist versteckt er sich in irgendwelchen Truhen oder ist im Level fest eingebaut. Dabei ist er am Anfang eine versteinerte Umhang-Figur (wie man sich den Tod halt vorstellt, nur ohne Sense). Bei einer Angriffsreaktion des Helden aber erwacht der Tod und saugt einem stetig Erfahrung weg, so daß einem sogar Level abgezogen werden können. Hier heißt es cool bleiben: Der Tod verfolgt einem auf Schritt und Tritt und man kann ihn nur mit Magie besiegen. Darum sollte man immer einen Trank übrig haben, damit man, falls der Tod haust, sofort einen Zauber loslassen kann. Dann nimmt die Bedrohung durch ihn auch schlagartig ab.
Die Endgegner sind stationäre übergroße Biester, die besonders durch ihre vielen HP schwer zu meistern sind. In den einzelnen Leveln verstecken sich individuelle Geheimwaffen, mit denen man diese wirklich harten Brocken etwas leichter besiegen kann. In der Regel hilft das wirklich gut. Beim Kampf gegen diese Biester sollte man viele Gesundheitspunke, Tränke und Spucke mitnehmen!
Wem das alles keine Herausforderung ist, der kann in den Optionen die Schwierigkeit regulieren. Dabei sind die schweren Grade durchaus eine Herausforderung. Aber wie gesagt eben weniger aufgrund der Finesse der Gegner als durch reines Zermürben der Heldenkraft.
= Leveldesign =
Ich halte die Level für meist hervorragend: Sie sind immer linear aufgebaut, d.h. man hat de facto einen vorgegebenen Pfad, den man nur durch Abkürzungen etwas individuell gestalten kann. Da Runenteile oder Obelisken manchmal ein bißchen versteckt sind, muß man dennoch in den Levels nach geheimen Schaltern oder Mechanismen suchen. Die 4 Welten unterscheiden sich im Leveldesign erheblich und es macht Spaß, diese Umgebungen zu untersuchen, auch, wenn das stupide suchen nach Schaltern oft ganz schön nerven kann. Die Kameraeinstellung ist derweil alles andere als perfekt und man läuft z.b. immer wieder in dieselben Fallen rein, weil man diese erst im allerletzten Augenblick sieht. Da die Abschnitte manchmal sehr eng werden, schaltet de Kamera dann in eine sehr gewöhnungsbedürftige Vogelperspektive um, so daß man sich nur mit geratenen Schlagrichtungen behelfen kann. Trotzdem sind die Levels klasse zu spielen und so manchem stattet man mehr als einen Besuch ab!
= Menüführung =
Über das ganze Spiel hinweg wird man mit relativ wenig Text belastet: Vom guten Magier Somnul kann man sich in die Geschichte von GL ein bißchen einführen oder Tipps geben lassen. Kleinere Tutorialmeldungen und das war es eigentlich schon (von den Optionen usw. mal abgesehen). Trotzdem merkt man, daß es mit der Eindeutschung des Spieles nicht unbedingt gut ging: So wird ständig von "Nichttoten" gesprochen, hinter der "Personenauswahl" versteckt sich das Laden-Speicher Menü und einige Einstellungen werden "durchstriffen". Das man den "Tod töten" muß ist auch nicht allzu gewählt ausgedrückt. Insgesamt hat man oft das Gefühl, da ist jemand mit dem Google-Übersetzer durchgegangen. Mit einem Augenzwinkern kann man darüber aber getrost hinwegsehen.
= Multiplayer =
Das Spiel ist besonders mit bis zu vier Leuten eine Wucht: Dabei ruckelt es bei der Dreamcast nur selten. Ein bißchen muß man sich mit den Helden zwar absprechen, da man dennoch nur auf einem Bildschirm spielt, der nur scrollt, wenn man sich auf die ungefähre Richtung einigt, aber es bereitet das ganze wenig Probleme und eine Menge Spaß. Besonders toll ist die Möglichkeit beliebige trainierte Helden hochzuladen und zu benutzen: Man muß sich also bei einer Partie nicht auf eine bestimmte Gruppe einigen. Vom Speicherstand wird der Charakter, der am weitesten ist, berücksichtigt. Wenn man einer Gruppe also die "ganze" Story von GL nicht vorenthalten will, sollten alle einfach von vorne anfangen. Das ist aber wohl nur fair. Das Spiel bleibt das gleiche, nur, daß mehr Gegner erscheinen. Für Multiplayer-Sessions ist GL also durchaus zu empfehlen!
= Fazi=
"Gauntlet Legends" ist ein Hack`n`Slay Abenteuer mit schmucker Graphik, das zwar keine Hammerstory bietet, aber mit seinem Konzept dennoch stundenlang fesseln kann. Trotz der vielen Erneuerungen blieb das Gauntlet-Prinzip sich treu und das Leveldesign ist einfach phantastisch. Einige Leute meckern ein bißchen über fehlende Abwechslung. Das ist schon wahr: Man tut im Endeffekt immer dasselbe. Aber die Art, wie es hier in Szene gesetzt wurde ist erstens so schön und zweitens ist dies bei einem Arcade Titel "Gauntlet" so denkbar, daß ich dafür keinen Abzug machen möchte.So kann man über die Negativen Punkte in der KI, dem Sound und der Sprache durchaus hinwegsehen. Dreamcast-Spieler sollten diesen Titel unbedingt ausprobieren! PSone oder N64-Veteranen dürften ihre eigene Version wohl sicher auch gut nutzen dürfen.
Fazit: Gauntlet ist Kult!
| Bedienkomfort: | ||
| Grafik: | ||
| Sound: | ||
| Schwierigkeitsgr.: | ||
| Spaßfaktor: |
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