
Solche fiesen Schlangen!
Fighting Vipers 2 (DC)

Name des Mitglieds: The-Wishmaster
Produkt:
Fighting Vipers 2 (DC)
Datum: 19.01.04, geändert am 19.01.04 (47 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: ...
Nachteile: ...
Hallo liebe Leserinnen und Leser!
Dass Beat'em'Ups zu meinem liebsten Genre im Bereich der Videospiele gehören, habe ich ja bereits mehr als einmal erwähnt, genauso wie die Tatsache, dass ich mir einzig und allein wegen Virtua Fighter 1 & 2 damals Segas Saturn nach Hause geholt habe. Somit stand dann auch nicht zur Debatte, dass ich mir "Fighting Vipers" holen musste, als es bei uns erschien, denn immerhin stammte das Prügelgame auch von AM2, den Virtua Fighter-Entwicklern und man versprach eine ähnliche Steuerung mit etlichen neuen Elementen. Dem war dann auch so: Fighting Vipers erreichte zwar nicht ganz die Perfektion eines Virtua Fighter 2, war aber dennoch gut zu spielen und als dann knappe vier Jahre später - wir sind mittlerweile auf der Dreamcast zu Hause - der zweite Teil als Arcade-Umsetzung angekündigt wurde, begannen meine Augen zu leuchten. Doch irgendwie erschienen damals dermaßen viele gute Games, dass ich Fighting Vipers 2 aus den Augen verlor - erst als ich es etliche Monate später bei Ebay für 20 DM entdeckte, schlug ich zu und wartete gespannt auf das, was mich da erwarten würde...
~ Story ~
Auch wenn es bei Prügelspielen in der Regel sinnlos ist, so hat man sich auch für den zweiten Teil der kämpfenden Schlangenbrut eine kleine Story ausgedacht. Die "Vipers", also unsere Protagonisten, kommen dabei aus allen möglichen Gesellschaftschichten in und um das Städtchen "Blackstone City". Dort herrscht der böse Bürgermeister B.M. ("Black Metal"? "Böser Mann"?) und hat ein paar ihrer Freunde eingesperrt. Im Kampf um ihre eigene Ehre - und um nebenbei ihre Kumels zu befreien - treten sie nun in einem Duell gegeneinander an. Spektakulär, oder?
~ Spielprinzip ~
Das Grundprinzip ist eigentlich recht simpel, wie bei einem Prügelspiel eben so üblich. Man nehme zwei Kämpfer, stecke sie in eine Arena und lasse sie so lange aufeinander einkloppern, bis sich bei einem von beiden die Energieleiste dem Ende neigt. So geschieht das natürlich auch hier, aber gewisse Elemente unterscheiden Fighting Vipers deutlich von anderen Genre-Vertretern. Die Steuerung funktioniert im Prinzip wie beim großen Bruder Virtua Fighter, man agiert also mit lediglich drei Knöpfen - Block, Punch und Kick - und kann diese in sämtlichen Variation zusammen mit den verschiedenen Richtungen auf den Steuerkreuz kombinieren. So ergeben sich neben einfach Schlägen und Tritten eine Reihe an spektakulären Special Moves und ellenlange Combos, die Eurem Opponenten ganz schön zusetzen können. Wer jetzt allerdings fliegende Feuerbälle und sonstigen Schnickschnack erwartet, liegt völlig falsch, denn die Vipers kämpfen im Vergleich zu anderen Kollegen noch relativ realistisch. "Relativ", weil auch hier schon mal etwas fantastisch anmutende Bewegungsabläufe zustande kommen können.
Und weil fast jeder der Kämpfer eine "Waffe" mit sich führt, die viele wohl nicht als alltäglich ansehen würden. Der kleine Skater-Knabe Picky holt nämlich gerne mal sein auf den Rücken geschnalltes Brett hervor und knallt es einem Gegenüber gewaltig ins Fressbrett, Metal-Gitarrist Raxel holt seine E-Klampfe hervor und Neuzugang Charlie zieht seinen Gegner schon mal sein komplettes BMX-Rad über die Rübe. Doch damit nicht genug, die Fighting Vipers besitzen zusätzlich eine Panzerung, die sie anfangs vor schweren Treffern schützt. Jeder Recke hat am unteren Bildschirmrand eine kleine Anzeig in Form eines Körpers, wo man sehen kann, welche Teile der Rüstung eventuell schon beschädigt sind. Konzentriert man sich dann bei seinem Kontrahenten auf diese Körperpartie, schält man ihn praktisch aus der Rüstung, die gerne mal mit einem lauten Knall davon fliegt. Hat ein Fighter seine komplette Rüstung verloren, agiert er zwar ein wenig schneller, verliert bei Treffern dafür aber auch entsprechend mehr Energie. Um das wieder auszugleichen, kann er in diesem Zustand eine Super K.O.-Move vollführen, der seinen Widersacher mit einem einzigen Treffer ins Nirvana schicken kann - aber dieser Move ist natürlich recht kompliziert auszuführen.
Eine weitere innovative Komponente ist der Einsatz von Mauern als Begrenzung der Kampfarenen - zumindest war das beim ersten Teil 1997 innovativ, inzwischen wurde es ja von etlichen anderen Games auch übernommen. Das Problem der Fighting Vipers ist dabei, dass man den Protagonisten keinen Ausfall-Schritt zur Verfügung gestellt hat. Einmal in die Ecke gedrängt kann man sich also nur schwer wieder befreien. Wer einfach um seinen Gegner herumlaufen will hat somit keine Chance. Es gibt zwar Evade-Moves, die sind aber relativ kompliziert auszuführen und gehen mit einem Konter einher, müssen demnach auch noch perfekt getimet sein. Wer seinen Gegner übrigens mit fetten Moves wegbläst und schon mal über's komplette Spielfeld scheuern lässt, kann ihn unter Umständen als eine Art Finishing Move auch durch die Umrandung pusten, die dann krachend zersplittert. Sieht ganz nett aus, ist aber natürlich spielerisch eigentlich nicht von Bedeutung.
Im Spiel selbst steht Euch übrigens nicht nur der herkömmliche Arcade-Modus, sondern auch ein Random-Modus zur Verfügung, die sich nur darin unterscheiden, in welcher Reihenfolge Ihr auf Eure Gegner trefft. Zum Standard geworden sind eigentlich auch der Versus- sowie der Team Battle-Modus, die keine großen Neuerungen bieten und einfach zu jedem Beat'em'Up mittlerweile dazu gehören. Äußerst misslungen ist dagegen der Trainungs-Modus: Wo man sich normalerweise mit der Steuerung der Kämpfer vertraut machen und deren komplizierte Moves erlernen kann, hat man hier aus völlig unverständlichen Gründen auf eine Auflistung der Moves komplett verzichtet. Euch bleiben also nur zwei Möglichkeiten: Entweder Ihr übt so lange, bis Eure Finger bluten und probiert einfach alle nur erdenklichen Tastenkombinationen oder Ihr sucht Euch im Internet eine Move-Liste. Dass Letzteres natürlich die geschicktere und einfachere Lösung sein dürfte, müsste klar sein. Verkorkst hat man übrigens auch die gesamte Präsentation des Games, die zwar im ersten Moment recht bombastisch wirkt, aber insgesamt zu Arcade-lastig wirkt. Das gipfelt darin, dass man nach dem Durchspielen nicht einmal einen Abspann, sondern lediglich eine Ranking-Liste angezeigt bekommt. zu den normalen Kämpfern lassen sich übrigens noch drei versteckte Haudegen erspielen, die sind aber nur schwer zu besiegen und somit freizuschalten. Sorgt aber zumindest ein klein wenig für Langzeitmotivation.
~ Grafik & Sound ~
Grafisch sieht man dem Spiel schnell an, dass es aus der Spielhalle kommt und nicht auf die Fähigkeiten der Dreamcast zugeschnitten worden ist. Das macht sich zum einen an der Auflösung bemerkbar, die recht grob ist und alle Kämpfer etwas pixelig erscheinen lässt. Auch die Kämpfer selbst hätten meiner Meinung nach noch eine Nachbearbeitung vertragen können, da sie doch recht kantig geworden sind und das hätte zu Zeiten eines Soul Calibur einfach nicht sein müssen. Auch was die Animationen angeht muss ich ein wenig motzen, denn die Vipers bewegen sich zwar wirklich teils rasend schnell durch die Arenen, wirken aber in ihren Moves insgesamt oft ein wenig hölzern. Hier hätte man sich ruhig ein wenig mehr Mühe geben und die Charaktere besser animieren können. Die Grafik ist zwar generell recht bunt gehalten, kann aber nicht vollends überzeugen. überzeugen. Dafür treten zu oft Clipping-Fehler während der Kämpfe auf und man hat auch generell nicht den Eindruck, als würde man hier einen wahren Top-Titel spielen. Gut ist sie, ja, aber eben auch nicht mehr - da kann selbst die leicht bekleidete Honey nichts mehr reissen.
Dasselbe gilt für den Sound, der auch so ein zweischneidiges Schwert geworden ist. Die musikalische Begleitung passt nämlich mit flotten Techno-Beats oder rockigen Gitarrenklängen ziemlich gut zu den hitzigen Schlangen-Kämpfen und untermalt das Spielgeschehen passend. Anders dagegen aber die Soundeffekte selbst, die doch recht billig klingen. Wenn ich einen Gegner mit voller Wucht gegen eine Betonmauer knalle oder ihn durch Glas dresche, dann muss das einfach ordentlich krachen und splittern - tut es hier aber leider nur bedingt. Somit auch in diesem Punkt eher ein "befriedigend", weil die Ohren nicht gerade übermäßig verwöhnt werden, leider.
~ Fazti ~
Somit kann ich Fighting Vipers abschließend also nur wirklichen Fans empfehlen. Wer den Vorgänger geliebt hat oder ein Virtua Fighter-ähnliches Game sucht, wird damit sicher eine gewisse Zeit lang seine Freude haben, zumal der Titel über Ebay für mittlerweile unter 10,- zu haben sein sollte. Allen anderen wird das teils unausgegorene Gameplay, die fehlerhafte Grafik und der mittelmäßige Sound bald den Spielspaß verderben, so dass man als Gelegenheit-Klopper lieber zu Dreamcast-Perlen wie Virtua Fighter 3 Team Battle oder dem überragenden Soul Calibur greift. Kurzzeitig Fun macht's aber allemal.
In diesem Sinne...
Stay Dark!
The-Vipermaster
PS: Alle Freunde des schnellen Klicks sollen von einem BMX-Rad getroffen werden... ;)
Shake Heads - Für den Grief!
Fazit:
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