F1 World Grand Prix (DC)
Sega im Formel-1-Zirkus - F1 World Grand Prix (DC) Dreamcast Spiele

Neuester Testbericht: ... die Rennstrecken sind authentisch gestaltet, zu ein paar PopUps hier und dort kommt es aber trotz 128 Bit immer noch. Was mir noch beso... mehr

Sega im Formel-1-Zirkus
F1 World Grand Prix (DC)

Yasmina24

Name des Mitglieds: Yasmina24

Produkt:

F1 World Grand Prix (DC)

Datum: 02.03.05, geändert am 02.04.05 (106 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Hübsch anzuschauende Rennwagen, detailreiche Hintergründe, kräftige Farben, tadellose Steuerung und Kamera, Originallizenz, spannende Rennsaison, viele Renn- und Fahrzeugeinstellungen, unterschiedliche Schwierigkeitsgrade

Nachteile: Grafik geht mehr als nur einmal urplötzlich in die Knie, Lizenz nur für Saison aus dem Jahr 1998, oft merkwürdiges CPU-Fahrer-Verhalten

Wieder zurück in einem etwas sportlicheren Bereich der Dreamcastwelt, gehen wir auf neue Rennstrecken des Formel-1-Zirkus, denn in „F1 World Grand Prix“ geht es um nichts Anderes, wie ja auch schon der Name des Spiels „irgendwie“ vermuten lässt. Dieser Racer erschien Anfang des Jahres 2000 auf unserem Markt, also genau zu der Zeit, wo hierzulande die große Dreamcast-Euphorie ausbrach (welche ja leider nicht sehr lange anhielt, nur circa 2 Jahre währte) und es war klar, dass auch Segas Spielkonsole wie bei allen anderen Konsolen ja auch mit Spielen aus dem Formel-1-Bereich überschwemmt werden würde. Da die Dreamcastproduktion ja nur wenige Jahre später eingestellt wurde, erschienen eben doch nicht dermaßen viele Formel-1-Rennspiele, so dass dieser erste Teil hier (ja richtig, es folgte noch ein weiterer), eine nicht geringe Bedeutung bekam.

Gleich zu Beginn des Spiels fällt auf, dass wir es hier mit Original-Strecken und ebenso den Fahrzeugen zu tun haben, die Entwickler dieses Teams müssen also tief in die Tasche gegriffen haben, um die entsprechende Lizenz dafür zu bekommen. Oft ist dies kein gutes Zeichen, da dann im Budget nicht mehr so wahnsinnig viel Geld für ein ordentliches Spiel übrig ist, denn leider reicht es meistens aus, nur mit einem großen Namen die Käufer zu locken, dass das Spiel an sich dann gar nicht so toll ist, stellt sich oft erst später heraus und dann ist es ja bekanntlich schon zu spät. Glücklicherweise ist das hier bei „Formel 1 World Grand Prix“ nicht ganz der Fall, wen ich auch nicht von einem Super-Hit sprechen möchte, den Formel-1-Fan wird es aber so oder so interessieren, denke ich.

Eine kleine Enttäuschung gibt es für jene Zielgruppe aber (wahrscheinlich) auch, denn obwohl das Spiel zu Beginn des Jahres 2000 herauskam, haben wir es nicht mit den Originaldaten der Vorsaison zu tun, sondern gehen noch etwas weiter zurück in das Jahr 1998, was den echten „Formel-1-Freak“ möglicherweise doch etwas ärgern könnte, daher will ich dies bloß nicht unerwähnt lassen. Habt Ihr aber diesen „Schock“ verdaut, werft Ihr einen ausführlicheren Blick auf die Spielmodi, in diesem Punkt kann auch nicht gemeckert werden, denn die Vielfalt ist hier groß.

Natürlich kommt hier sowohl der Einzel- als auch Mehrspielerspaß nicht zu kurz, wobei es hauptsächlich wohl nicht um das Duell mit einem anderen menschlichen Mitspieler geht, sondern der Schwerpunkt ganz sicher beim Bestreiten einer kompletten Meisterschaft liegt. Nachdem Ihr ein paar Proberunden gedreht und Euch möglicherweise auch in dem ein oder anderen Zeitrennen versucht (Ihr dürft Bestzeit und Geisterfahrer jener Runde auf Wunsch abspeichern) und dadurch mit den grundlegenden Dingen der Steuerung vertraut gemacht habt, geht es also ab zum Hauptsächlichen dieses Rennspiels, der gesamten Rennsaison aus dem Jahr 1998.

Zunächst wählt Ihr einen Fahrer aus, zur Auswahl stehen dabei zwölf verschiedene Rennställe, und dann geht es auch schon los, der erste WM-Lauf führt uns dann gleich ins australische Melbourne, wo der Auftakt der insgesamt 16 Rennen umfassenden Saison stattfindet. Schließlich wählt Ihr den Schwierigkeitsgrad aus (Anfänger oder Experte, ich empfehle Euch dabei erst einmal „tiefzustapeln“, um Frustration gleich zu Beginn des Spiels zu vermeiden, denn die Auswahl hat entsprechende Auswirkungen auf das Fahrverhalten Eures Fahrzeugs), schaut Euch auf Wunsch noch ein paar spezielle Daten zu Fahrzeug, Fahrer und Rennkurs an (die Stärke der Computerfahrer kann im Übrigen auch eingestellt werden, vier Stufen gibt es hier, wobei ich Euch hier eine der beiden „mittleren“ Varianten empfehlen würde) und schaltet erst einmal Hilfen ein, welche das Bremsen, Lenken und Beschleunigen betreffen. Wer sich von Euch allerdings als echter Profi fühlt, hat dies natürlich nicht möglich, stellt alles auf Experte ein, verzichtet auf jegliche Hilfen und lässt die CPU-Fahrer extrem gut fahren, insofern ist für jeden etwas dabei, denke ich.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die speziellen Einstellungen, welche das Rennen an sich betreffen. Auch hier dürft Ihr eingreifen und trefft eine Auswahl, welche den Schaden, das Wetter und die Rennlänge betreffen, nun geht es aber endgültig (endlich) an den Start und zwar zunächst einmal zu den Qualifikationsrennen vor dem eigentlichen sonntäglichen Rennen. Es läuft dabei so ab, dass Ihr am Freitag Trainingsrunden dreht, Euch mit Kurs und Fahrzeug besser vertraut macht, Samstag die Qualifikation startet und Sonntag eben das Hauptrennen absolviert. Im Gegensatz zu vielen anderen Formel-1-Spielen seid Ihr hier sogar gezwungen, dies zu machen, Ihr könnt die Qualifikation nicht einfach überspringen, ansonsten fällt das Hauptrennen für Euch flach. Dies ist sicher äußerst selten, mag den ein oder anderen von Euch sicher nerven, doch muss man ganz objektiv sagen, dass nur diese Prozedur so richtig realistisch ist und von daher gesehen, kann ich dies eigentlich nicht verurteilen.

Eine große Bedeutung haben dabei natürlich auch die individuellen Einstellungen an Eurem Formel-1-Flitzer, es kann daher im Vorfeld des Hauptrennens nach Herzenslust herumgeschraubt werden, Tuningfreunde kommen hier sicher auf ihre Kosten, wobei die Auswirkungen wirklich sehr gut auf der Strecke zu spüren sind. Dies verstärkt natürlich den Eindruck, dass hier bei „F1 World Grand Prix“ vieles sehr realistisch abläuft, bis auf die Tatsache, dass Ihr nicht wirklich in einem Rennwagen sitzt (Überraschung), kommt dann auch ein ziemlich authentisches Renngefühl rüber, wie ich fand. Der richtige Formel-1-Fan wird von der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auf jeden Fall begeistert sein, da bin ich mir doch ziemlich sicher.

Die Grafik dieses Dreamcastspiels ist hier ganz gut gelungen, zumindest nach damaligem Standard war sie beeindruckend, ganz besonders im Vergleich zur damaligen Konkurrenz aus dem Hause Sony und Nintendo, aber der Sega Dreamcast hatte ja auch von der Hardware her viel mehr Möglichkeiten als die alte Playstation und das Nintendo 64, von daher gesehen wäre alles Andere auch eine Blamage gewesen. Überragend ist die Grafik aber trotzdem nicht, wenn sich auch viel Mühe gegeben wurde, speziell bei den Hintergründen kann man einige Details wie zum Beispiel fahnenschwenkende Fans, aufkommender Nebel, aufgewirbelter Staub oder sogar qualmende Reifen bestaunen. Darüber hinaus wissen auch die Wagen an sich ganz gut zu gefallen, sie sehen gar nicht mehr so grob und kantig gezeichnet aus wie man es noch von früheren Formel-1-Rennspielen her kennt. Des Weiteren sind mir auch keine richtigen Grafikfehler in Erinnerung geblieben wie beispielsweise plötzlich auftauchende Pop-Ups, dies war ja gerade auf der Playstation öfter einmal der Fall gewesen. Hier bei dieser DC-Version geht allerdings die Bildrate manchmal ziemlich in die Knie, was bedeutet dass die Auflösung und das Spieltempo für ein paar Augenblicke nicht mehr ganz so hoch sind, speziell wenn sich viele Fahrzeuge auf einmal auf Eurem Fernsehbildschirm tummeln. Die Rennwagen sehen somit noch sehr gut aus, die Hintergründe sind detailliert, aber es ruckelt und ruckelt und ruckelt und es wird an manchen Stellen urplötzlich erschreckend langsam und langsamer und langsamer. Und das darf ja eigentlich nicht sein.

Die Begleitmusik ist ganz okay, setzt aber auch keine neuen Maßstäbe, es wird eben das Übliche geboten, was damals so gang und gäbe war, von aufputschenden Klängen oder krachenden Soundeffekten, welche Euch ein extrem realistisches Renngefühl geben, kann jedenfalls nicht die Rede sein, schade eigentlich, hier war sicherlich ein Tick mehr drin gewesen. Über alle Maßen enttäuscht war ich in diesem Punkt aber auch nicht, zumal uns in diesem Fall eine nervige Kommentatorenstimme erspart bleibt. Ihr erfahrt nur zwischendurch öfters einmal in englischer Sprache eine kurze Ansage beziehungsweise Warnung, welche sich auf die Zeitabstände zu den Vorderleuten und Hintermännern und Euren verbliebenen Benzinvorrat bezieht, das war es dann aber auch schon, auf Wunsch können auch deutsche Untertitel eingeblendet werden, was ich jedoch nicht machte, da ich dies als eher störend empfinden würde.

Bei den zur Verfügung stehenden Kameraperspektiven gibt es hingegen überhaupt nichts zu beanstanden, fünf an der Zahl stehen hier zur Auswahl, so dass jeder von Euch seine „Lieblingseinstellung“ finden dürfte. Je realistischer die Perspektive aussieht, umso schwieriger wird natürlich das Steuerung des Fahrzeugs, wählt Ihr eine eher unspektakuläre Sicht von weiter hinten oder schräg von oben, habt Ihr einen sehr guten Überblick, jedoch geht dies auf Kosten eines berauschenden Geschwindigkeitsgefühls. Das ist somit einzig und allein Geschmackssache. Die Steuerung des Rennwagens ist gut gelungen, wobei ich natürlich sagen muss, was Ihr am Anfang aus den schon erwähnten Möglichkeiten eingeschaltet habt und was nicht, denn natürlich fährt es sich mit Brems- und Lenkhilfe wesentlich entspannter als ohne.

Dass „F1 World Grand Prix“ nicht zu einem absoluten Dreamcast-Hit geworden ist, liegt nicht nur an der öfters in die Knie gehenden Optik, sondern vor allem an den teilweise doch sehr merkwürdig agierenden Computergegnern. Diese fahren doch sehr unterschiedlich, einmal sind sie nahezu unschlagbar und manchmal fahren sie wie blutige Anfänger, ganz unabhängig davon, was Ihr vorher für einen Schwierigkeitsgrad eingestellt hattet. Dies führt dazu, dass Ihr Eure eigene fahrerische Leistung eigentlich nie so richtig einschätzen könnt und mehr als nur einmal mit den Achseln zuckt, ein mehr als nur fader Nachgeschmack bleibt da übrig. In manchen Rennen hatte ich das Gefühl richtig gut gefahren zu sein (nach einer gewissen Zeit merkt man das eigentlich ganz gut, kann die eigene Leistung halbwegs anständig einschätzen, denke ich), landete aber nicht auf den vorderen Plätzen, in anderen Rennen war ich mit meiner eigenen Fahrleistung eigentlich weniger zufrieden, konnte aber urplötzlich die superlangsam vor sich hinfahrenden Gegner überholen und einen Platz auf dem Siegerpodest ergattern. Das alles führt dazu, dass dieses Formel1-Spiel meiner Meinung nach einige positive aber auch unerklärliche und somit negative Sachen aufzuweisen hat, es gibt somit ganz eindeutig viel Licht aber auch nicht wenig Schatten, so dass ich Euch dieses Formel-1-Rennspiel für den Sega Dreamcast nur noch so gerade eben noch empfehlen kann.

Fazit: