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Rarität im Dreamcast-Reich
Evolution 2 (DC)

Name des Mitglieds: Yasmina24
Produkt:
Evolution 2 (DC)
Datum: 29.10.06
Bewertung:
Vorteile: Knallbunte Grafik, einsteigerfreundlich, sympathische Figuren, durchaus motivierend gestaltet
Nachteile: Insgesamt zu simpel, einfallslose Dungeons-Hintergründe, deutlich zu kleine Spielwelt
Fast schon unbemerkt schlich sich ein Videospiel für den Sega Dreamcast auf den Markt, welches vom Genre her kaum Konkurrenz hatte. Dies in erster Linie nicht im Hinblick auf eine etwaige Qualität, sondern hinsichtlich der Quantität. Ich möchte mich jetzt zwar nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, doch wenn ich mich halbwegs richtig erinnere, war unter anderem einer der gewichtigen Gründe für das Scheitern des Sega Dreamcast, dass neben der mangelhaften Unterstützung großer Entwicklerfirmen viel zu wenig Rollenspiele in Japan erschienen, eine Tatsache, die im RPG-verrückten fernen Osten fatale Folgen nach sich ziehen muss. Mir sind neben „Grandia 2“ (welches wesentlich besser als der entsprechende Teil für die Playstation ist) und „Skies of Arcadia“ überhaupt keine bemerkenswerten Titel bekannt, die jemals für Segas leider letzte Spielkonsole erschienen sind, bis auf eine Ausnahme. Über genau diese Ausnahme möchte ich Euch nun berichten, der Name des RPGs lautet „Evolution 2“, womit Ihr dann auch gleich wisst, welche vier Rollenspiele (den Vorgänger dieses Spiels dann natürlich inklusive) wir überhaupt nur für den DC zu Hause herumfliegen haben, eine jämmerliche Ausbeute, wie ich finde. Insofern konnte ich aber überhaupt froh sein, dass es wenigstens Titel gab, die überdurchschnittlichen Spielspaß auf dem RPG-Sektor versprachen, „Evolution 2“ ist zwar auf jeden Fall bei weitem nicht so beeindruckend gut gelungen wie die vorhin erwähnten anderen RPG-Vertreter, trotzdem entwickelt es einen angenehmen eigenwilligen Charme, der Rollenspiel-Fans (erst recht die ausgehungerten Dreamcast-Besitzer/innen) zumindest für einige Tage oder auch wenige Wochen in den Bann ziehen dürfte.
Sehr angenehm war der damals schon erstaunlich niedrige Preis, Mitte des Jahres 2002 mussten wir nur 29€ für dieses DC-Abenteuer bezahlen, was ja nun wirklich nicht viel ist. Dass kein Mehrspielermodus bei diesem von Ubisoft entwickelten Rollenspiel berücksichtigt wurde und die Langzeitmotivation daher möglicherweise nicht ganz so gewaltig groß ist (dafür aber vielleicht der Wiederspielfaktor), ist daher nicht ganz so wahnsinnig tragisch, zumal der Multiplayerspaß bei RPGs ohnehin eher Seltenheitswert hat. Der Spielumfang ist jedenfalls für ein RPG nicht besonders groß und der Schwierigkeitsgrad nicht gerade hoch, Neulinge wird die Einsteigerfreundlichkeit sicher freuen, RPG-Veteranen eher nicht, glaube ich. Dass es vergleichsweise wenig unterschiedliche Orte gibt, die Ihr im Laufe des Abenteuers aufsucht, ist auch nicht gerade ein Vorteil, doch damit sind wir praktisch auch schon am Ende unserer Negativliste, denn ansonsten hat „Evolution 2“ doch zumindest gute Ansätze zu bieten und vielleicht für den ein oder anderen von Euch auch etwas mehr als nur das. Insgesamt war ich auf jeden Fall froh darüber, dass dieser zweite Teil zum Zeitpunkt des Aussterbens des Dreamcasts (das klingt hart, war aber wirklich so) überhaupt noch herauskam und sogar bei uns in Deutschland veröffentlicht wurde, der erste Teil war im Übrigen zum Start der Sega-Spielkonsole erschienen.
Kennern des ersten Teils wird die Gruppe der Hauptcharaktere sehr bekannt vorkommen, erneut seid Ihr mit den Heldenfiguren zu Beginn dieses zweiten Teils nämlich auf dem Weg nach Museville. In jener Stadt ist eine Forschungsgesellschaft zu Hause, die Ausschau nach besonders talentierten Personen hält, die eventuell in der Lage sein könnten, das Mysterium, welches rund um eine uralte Hochkultur herrscht, zu lüften beziehungsweise Licht in das Dunkel bringen zu können. Wie ansatzweise schon erwähnt ist die Spielwelt in „Evolution 2“ für ein Rollenspiel nicht gerade riesig groß, lediglich diese eine Stadt und einige Dungeons in näherer Umgebung spielen hier eine Rolle. Während Ihr Euch in der Stadt erholt und das wichtige Zwischenspeichern natürlich bloß nicht vergessen dürft, Euren Proviantvorrat wieder auffüllt und mit den Einwohnern das ein oder andere Schwätzchen haltet, geht es in den Höhlen weitaus weniger harmonisch und friedlich zu. In den weitverzweigten Verliesen macht Ihr in erster Linie Jagd auf wertvolle Schätze und seid dabei besonders gierig nach magischen Artefakten, die natürlich nicht nur einen ideellen sondern auch einen materiellen Wert haben. Meistens nehmen wir Aufträge von Stadtbewohnern an, für die wir etwas in den düsteren Dungeons zu erledigen oder besser gesagt aufzutreiben haben, selber trauen sich diese aus verständlichen Gründen nicht in jene Höhlengebiete. Dort wimmelt es nämlich nur so von schrecklichen Monstern, was unseren mutigen Helden natürlich nur sehr wenig ausmacht, so wie es sich eben für tapfere Hauptdarsteller eben gehört.
Ihr erkennt Eure Feinde zumeist schon von weitem, kommt es zum Kampf, wird auf traditionelle Art und Weise in einen speziellen Kampfbildschirm umgeschaltet, woraufhin es zu rundenbasierten Auseinandersetzungen kommt. Dies bedeutet, dass sowohl unsere drei Helden als auch die jeweiligen Gegner brav nacheinander an die Reihe kommen und je nachdem Ihre Aktionen ausführen, die Reihenfolge ist dabei natürlich von den jeweiligen Talenten abhängig. Neben physischen Attacken kommen selbstverständlich auch zahlreiche magische Aktionen zur Geltung, je nach momentaner Spielsituation bieten sich dann Offensiv-, Defensiv- oder Heilzauber an. Ansonsten setzen wir uns nicht mit der bloßen Faust zur Wehr, mitunter greifen wir zurück auf Pistole und Gewehr aber auch Küchenutensilien wie zum Beispiel eine Bratpfanne kommt auf etwas unübliche Art und Weise zur Geltung. Insgesamt muss ich allerdings sagen, dass die Kämpfe an sich relativ einfach strukturiert sind, keine komplizierten Manöver zur Anwendung kommen und das Ganze mir einen Tick (oder vielleicht auch mehr) zu unspektakulär abläuft. Zwar finden sich auch Einsteiger relativ schnell zurecht, doch richtig mitreißend sind die Auseinandersetzungen jedenfalls nicht, hier dürft Ihr auf jeden Fall keine Hochspannung erwarten. Geht Ihr erfolgreich aus dem Kampf hervor, gibt es (wie bei RPGs so üblich) wertvolle Erfahrungspunkte, durch die Eure einzelnen Helden nach und nach stärker werden und sich somit Eure Grundtalente immer weiter verbessern. Zu erwähnen sind schließlich noch die sogenannten Taktikpunkte, durch die es Euch im Laufe der Zeit möglich ist, gänzlich neue Talente zu erlernen. Nicht zuletzt dies sollte die meisten Fans von Rollenspielen ausreichend anspornen, trotz der unspektakulären Machart dürfte genügend Motivation vorhanden sein, um dieses Rollenspiel trotz des fehlenden Tiefgangs und dem meiner Meinung nach zu einsteigerfreundlichen Spielverlauf brav bis zum Ende durchspielen zu wollen.
Meiner Ansicht nach ist die hübsch anzuschauende Optik ein Grund dafür, dass ich mich die ganze Zeit über eigentlich ganz wohl fühlte und ich insofern von einem eigenwilligen Charme beziehungsweise einem sympathischen Flair sprechen möchte. Zunächst einmal haben wir die Auswahl zwischen einer unspektakulären aber dafür übersichtlichen Vogelperspektive und einer Third-Person-Perspektive, bei der wir den Figuren praktisch über die Schulter schauen. Dies fördert zwar nicht unbedingt die Übersicht, doch habt Ihr hier viel mehr das Gefühl, mittendrin im Spielgeschehen zu sein. Darüber hinaus könnt Ihr dann noch viel mehr die knallbunte Grafik betrachten und die schön detailliert gezeichneten und zudem angenehm groß geratenen Spielfiguren beobachten. Nirgendwo wirken die Figuren irgendwie kantig oder sonst wie unwirklich gezeichnet, ganz im Gegenteil, abgerundete und weiche Texturen bestimmen die Szenerie, gelungene Animationen inklusive. Besonders positiv sind mir in dieser Hinsicht die unterschiedliche Mimik mancher Charaktere in Erinnerung geblieben, diese ziehen nämlich je nach Spielsituation sehr witzige Fratzen, was die Identifikation mit ihnen erheblich erleichtert und für eine sehr angenehme Grundstimmung im Hinblick auf die Spielatmosphäre sorgt.
In den Dungeons selber sieht es dann leider bei weitem nicht mehr so hübsch aus wie eben beschrieben, damit meine ich aber nicht die auftauchenden Figuren, sondern vielmehr die triste Umgebung, die Hintergrundtexturen sind einfallslos ausgefallen und bieten so gut wie gar keine Abwechslung. Schon nach ziemlich kurzer Zeit habt Ihr Euch daran satt gesehen und konzentriert Euch dann fast ausschließlich auf die teils ganz witzigen Spezialeffekte im Kampf. Immerhin werden wir zwischendurch von einigen Zwischensequenzen verwöhnt, die wirklich gut animiert sind und durchweg nett anzuschauen sind, dies hat mir persönlich sehr gut gefallen. Sogar eine Sprachausgabe existiert, die bei unserer Version (ich weiß nicht, ob kurz darauf noch eine andere erschien) allerdings in japanischer Sprache daherkommt, insofern ich nicht immer voll auf der Höhe war, leider. Überhaupt gefiel mir der Soundtrack dieses Rollenspiels sehr gut, die Begleitmelodien klingen durchweg sehr schön, langweilen zu keinem Zeitpunkt, wiederholen sich auch nicht unangenehm oft und passen eigentlich immer zum jeweiligen Spielgeschehen, lediglich die Soundeffekte (zum Beispiel beim Wandern in der Stadt, den Gesprächen, Durchforsten der Dungeons und speziell in den Kämpfen) hätten von mir aus ruhig noch etwas spektakulärer ausfallen können, zufrieden bin ich allerdings trotzdem.
Alles in allem ist „Evolution 2“ aus meiner Sicht ein klar empfehlenswertes Rollenspiel und dies keineswegs nur deswegen, weil so erbärmlich wenige RPGs überhaupt für Segas Dreamcast erschienen. Trotz der mir zu kleinen Spielwelt, der unspektakulär aussehenden Dungeons, den insgesamt etwas zu langweilig ablaufenden Kämpfe und insgesamt dem mir etwas zu unkomplizierten und zu einsteigerfreundlichen Spielverlauf ist mir dieses RPG irgendwie ans Herz gewachsen. Mit „Grandia 2“ und erst recht nicht „Skies of Arcadia“ kann es zwar nicht mithalten, trotzdem gefielen mir Dinge wie die knallbunte Optik, die detailliert gezeichneten und sehr sympathischen Charaktere und nicht zuletzt die Zwischensequenzen so sehr, dass ich jedem Fan von Rollenspielen dieses Abenteuerspiel aus dem Jahr 2002 eigentlich bedenkenlos empfehlen kann. Schade jedenfalls, ja sehr schade sogar, dass so wahnsinnig wenig Vertreter aus diesem Spielgenre für Segas letzte Spielkonsole erschienen.
Fazit: Für Rollenspiel-Fans mangels Alternativen ein klarer Pflichtkauf. Insgesamt wirklich nett.
| Bedienkomfort: | ||
| Grafik: | ||
| Sound: | ||
| Schwierigkeitsgr.: | ||
| Spaßfaktor: |
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