Schöne Immer-Dabei-Kamera
Ricoh Caplio RX

Name des Mitglieds: fotogalaxis
Produkt:
Ricoh Caplio RX
Datum: 04.06.05
Bewertung:
Vorteile: echtes Weitwinkel - geringe Auslöseverzögerung - Stromversorung mit Standardbatterien - preiswert
Nachteile: Bildrauschen bei erhöhter Empfindlichkeit - Sucherausschnitt stimmt nicht
Ich habe die RX jetzt etwa ein Jahr und nutze sie privat und dienstlich, habe sie daher fast immer dabei. Da sie z.B. in die Hemdentasche paßt, ist dies auch kein Problem. Mit ihrer mattschwarzen Oberfläche sieht sie trotzdem noch aus wie neu, das Display habe ich mit einer Folie geschützt. Nur die schwarzen Gehäuseschräubchen des schwarzen Modells werden schnell blank.
Ich hatte mich für dieses Modell entschieden, nachdem ich früher mit einer Kyocera ständig leere Akkus hatte, die ich auch nicht außerhalb der Kamera aufladen konnte, und bei der ich mich über die lange Auslöseverzögerung ärgern mußte. Gerade eine Immer-Dabei-Kamera sollte schnappschußtauglich sein und einen ganzen Tag durchhalten.
Und da ich noch immer kein allzu großer Freund der Digitalfotografie bin, wollte ich auch nicht viel Geld ausgeben.
Da ich gerne Landschaften fotografiere und dienstlich in Innenräumen, ist mir außerdem der Weitwinkelbereich besonders wichtig, der bei Digitalen fast immer noch nicht ernsthaft vorhanden ist, weil es halt technisch mühsamer ist, als ein längeres Tele einzubauen.
All das paßt bei der Ricoh. Mit der Auslöseverzögerung wird von Ricoh nicht übertrieben, nur die Aufnahmebereitschaft würde ich mir schneller wünschen (bis das Objektiv ausgefahren und die Kamera bereit ist, vergehen doch 4-6 Sekunden, und wenn man den Blitz nicht abgeschaltet hat, dann kommt man auf 11 Sekunden).
Ich nutze die Kamera mit einer 1 GB-MMC-Karte, da passen in höchster Qualität mindestens 580 Bilder drauf. Das reicht mir sogar für einen Kurzurlaub. Als Stromversorgung nutze ich Standard-Akkus mit 1800 mAh. Wenn ich davon einen zweiten Satz vollgeladen mitnehme, komme ich auch bei intensivem Gebrauch einen ganzen Tag lang aus. Notfalls kann man am nächsten Kiosk Batterien kaufen.
Ich habe mit Ausnahme der Contax TVS noch keine Kompaktkamera kennengelernt, bei der der Blitz eine vernünftige Leistung bieten würde. Das ist auch hier so. Es reicht aber als Notbehelf. Sobald man etwas größere Entfernungen ab 2 m überbrücken muß, sollte man die Empfindlichkeit hochstellen. Damit handelt man sich zwar erhebliches Farbrauschen ein, was aber besser ist, als nichts auf dem Foto zu erkennen. Mit der Möglichkeit, die Empfindlichkeit bis 800 ISO zu stellen, geht Ricoh sogar einen Schritt weiter als die meisten anderen Hersteller, bei denen oft bei 400 Schluß ist. So lange es geht, erhöhe ich lieber die Empfindlichkeit, als daß ich den Blitz einsetze.
Das Display ist mit 1,8 Zoll gegenüber dem Vorgängermodell (womit ich sowohl meine eigene vorherige Digicam, als auch Ricohs G4 wide meine) erfreulich gewachsen und reicht für eine Beurteilung ganz gut aus. Bei hellem Licht kann es wie immer bei Displays zu Schwierigkeiten beim Betrachten kommen und dann ist man froh, den Bildausschnitt mit dem optischen Sucher auswählen zu können. Leider stimmt dort der Bildausschnitt nicht, auf dem tatsächlichen Foto ist viel mehr drauf, als man vorher im Sucher gesehen hat. Zum Display ist noch zu sagen, daß es nicht nur abgeschaltet, sondern auch mit einem Gitternetz zur Bildgestaltung versehen werden kann und die fototechnischen Daten und ein Life-Histogramm eingeblendet werden können. Letzteres auch bei der Wiedergabe.
Die Aufteilung der Einstellfunktionen auf 3 Bereiche finde ich ganz gut gelungen. Grundeinstellungen, die man nicht täglich braucht, werden mit der Setup-Funktion am Wählrad aufgerufen. Bestimmte Einstellungen wie die Auflösung, Belichtungsmessung, verschiedene Reihenfunktionen etc., die für eine ganze Bildserie gelten, werden über die Menütaste angewählt. Für häufige Einstellungen, die von Bild zu Bild wechseln können (Belichtungskorrektur, Weißabgleich, ISO-Wert und eine weitere wählbare Funktion), gibt es die Adjust-Taste. Auch sonst stimmt die Ergonomie. Die Kamera läßt sich mit der rechten Hand komplett bedienen und liegt für die geringe Größe gut in der Hand. Die Steuerung der Zoomfunktion könnte gerne etwas feinfühliger sein.
Verarbeitung:
Daran gibt es fast nichts zu bemängeln. Durch die Leichtbauweise ist natürlich auch das Metall sehr dünn und wenn man die Kamera drückt, gibt an einer Stelle das Blech mit einem leichten Knacken nach. Die Plastikklappe für das Karten- und Batteriefach hat auf mich nicht ganz den überzeugenden Eindruck gemacht, ist aber bis heute einwandfrei. Am Tubus des Objektivs tritt gelegentlich etwas Schmierfett aus.
Bildqualität:
Wenn ich die Fotos ausgedruckt habe (bis Din A4) war ich immer zufrieden, aber die meisten habe ich sowieso nur auf CD gespeichert. Die Farben erscheinen mir weitgehend natürlich, die Schärfe stimmt. Störende Verzeichnung ist auch im Weitwinkelbereich nicht erkennbar.
Im Übrigen läßt sich da viel über den Weißabgleich, die Belichtungssteuerung und die Regelung der kameraeigenen Scharfzeichnung beeinflussen.
Sonstiges:
Die Kamera zeichnet auch kurze Videos mit Ton auf, aber nicht in besonders guter Qualität und auf jeden Fall nicht lange genug, um diese Funktion wirklich zu nutzen. Nach 15 Sekunden ist Schluß. Außerdem gibt es die Möglichkeit zur Tonaufnahme, die ebenfalls qualitativ nur eine Zugabe ist, aber als Diktiergerät ausreicht. Zeitlich ist die Funktion nicht begrenzt, so daß man auf Konzerten die Kamera in die Höhe halten kann, bis der Arm abfällt. Es besteht auch die Möglichkeit, zu Fotos Kommentare zu diktieren.
Eine besondere Stärke ist die Makrofunktion. Die Kamera kann bis auf 1 cm ran.
Bei dem Verfassen dieses Berichtes habe ich es erstmals geschafft, die Kameraelektronik zum Absturz zu bringen. Aus der Bildvorführung war sie nicht mehr zu stoppen, der Ausschalter und das Wählrad waren deaktiviert. Erst nach Entnahme der Batterien tat sie es wie gewohnt. Ob es daran lag, daß auf der Karte mehr als 500 Aufnahmen waren?
Resümee:
Nach den Erfahrungen mit der vorhergehenden Generation von Digitalkameras habe ich mit der Ricoh erstmals richtig Spaß am Fotografieren mit Digital gehabt und meine Spiegelreflexen öfter zu Hause gelassen. Dies auch wegen der für meine Zwecke idealen Brennweite. Für eine Kamera von einem renommierten Kamerahersteller ausgesprochen preiswert und daher auch für Einsteiger gut geeignet, sofern man sich nicht an der Funktionsvielfalt stört.
Fazit: schöne Mitnahmekamera mit echtem Weitwinkel und Schnappschußtauglichkeit, flexible Stromversorgung
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