Olympus µ 400
Warum bin ich enttäuscht? - Olympus µ 400 Digitalkamera

Produkttyp: Olympus Digitalkameras

Neuester Testbericht: ... drücken. Ist man eine Hundertstel zu langsam, schaltet man das Display aus. Und genau das passiert mir immer noch jedes zweite Mal. Hier h... mehr

Warum bin ich enttäuscht?
Olympus µ 400

MiKaiser

Name des Mitglieds: MiKaiser

Produkt:

Olympus µ 400

Datum: 15.10.03, geändert am 21.12.04 (1110 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Klein, stabil, unter guten Bedingungen gute Bilder

Nachteile: Teuer, Schwacher Blitz, rauschempfindlicher Sensor

Mit Entscheidungen wie der, welche Kamera zu kaufen sei, tue ich mich nicht leicht. Ich habe mich gründlich informiert, habe bei Feunden die eine oder andere Kamera in der Hand gehabt, habe mir die einschlägigen Testhefte geholt, bin nun 700 Euro ärmer und, ja was eigentlich, nicht unzufrieden, aber enttäuscht. Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht und noch ein, zwei Jahre die Finger von der Digitalknipserei lassen sollen, vielleicht habe ich schlicht die falsche Kamera ausgesucht.
Apropos 700 Euro: 499 für die Kamera und 200 für eine 512MB-xD-Card (wenn schon, denn schon...). Glaube doch bitte niemand, mit der Kamera und einer dazugehörigen 16MB-Card glücklich zu werden.

Aber der Reihe nach. Ich gehe davon aus, dass ihr die technischen Daten und das Design der mju:400 kennt. Ansonsten ist alles unter www.olympus.de besser abgebildet, als ich es beschreiben könnte.

Zunächst möchte ich erläutern, was mich gerade zu dieser Kamera geführt hat:
- Ich habe eine analoge Spiegelreflexkamera, die aber wegen Größe und Zubehör nie dabei ist, wenn wir an interessanten Orten sind. Daher kommen seit Jahren die kollektiven Familienerinnerungen aus einer kompakten Kleinbild-Pentax, vollautomatisch. Das hat mich überzeugt, keine aufwändigere Kamera zu brauchen.
- An der Digitalfotografie gefällt mir besonders, dass ich nahezu beliebig viele Bilder schießen kann, aus denen ich anschließend die "Perlen" wähle und den Rest dem elektronischen Nirwana anheimgeben kann. Bildnachbearbeitung beschränkt sich bei mir auf die Wahl des Bildausschnitts. Umfangreiche Farb- und Motivkorrekturen sind nicht mein Hobby, der Apparat sollte auf Anhieb gute Bilder machen.
- Ein paar Mindestanforderungen habe ich gestellt: Mindestens 3,2 Megapixel, mindestens opt. 3-fach-Zoom, robustes Gehäuse, klein genug für eine ausgebeulte Hosentasche, genug Speicherkapazität, um den Laptop nicht mit in den Kurzrlaub nehmen zu müssen, Gute Akku-Laufzeit, keine Objektivlinsen aus Plastik (Kratzempfindlich), LCD-Monitor mit mindestens 100.000 Pixeln.
Damit schieden diverse Billigheimer der 150-Euro-Klasse schon mal aus.
Schließlich gab das spritzwassergeschützte Gehäuse den Ausschlag gegen die Canon Ixus 400, die in meinen Augen zwar etwas schicker aussieht, aber diesen Vorteil nicht hat.

So, nun habe ich das Teil und stelle fest, das diverse Widersprüche in dem Apparat vereint sind. So ist das Sucherild auf dem LCD-Monitor weder bei Sonne noch bei Dunkelheit zu erkennen. Warum ist das bei meiner absolut durchschnittlichen Videokamera nicht so? Also muß der optische Sucher ran, der ebenfalls extrem dunkel ist und nicht mal über eine Dioptrin-Korrektur verfügt. Warum ist das bei der Kleinbild-Knipsmaschine meiner Frau so viel besser gelöst?
Immerhin, das Gerät fühlt sich gut an macht einen robusten Eindruck. Es kann auch beim Radfahren oder Wandern in der Hosentasche bleiben, ohne dort verbogen oder beschädigt zu werden. Die Objektiv-Abdeckung ist sehr stabil und hält mechanische Belastung sicher von der Linse fern. Leider aber kein Staub, denn zwischen geschlossenem Schieber und Kameragehäuse klafft ein Spalt von fast einem Millimeter. Spritzwassergeschützt, wirklich? Ich habe es noch nicht getestet.
Das Design ist Geschmackssache, der riesige goldene Plastikhügel auf der Schiebekappe hat doch etwas viel Japan-Barock. Aber die Kamera ist ja nicht selbst im Bild, wenn ich knipse.

Also ein paar Aufnahmen gemacht. Die Inbetriebnahme ist narrensicher, das Einschalten durch Wegschieben der Objektivklappe super gelöst. Gemessene 4,5 Sekunden nach dem Einschalten ist der Apparat betriebsbereit. Das ist gut und sogar bedingt Schnappschußtauglich. Auch die Auslöseverzögerung ist gering. Wenn man den Auslöser zunächst nur halb drückt (Kamera speichert Entfernung und Belichtung), kann man anschließend ohne wahrnehmbare Verzögerung auslösen. Das ist für Digitalkameras sehr gut.
Die Kamera stellt die Entfernung durch ein Kontrast-Maximierungsverfahren ein. Dazu braucht sie ein wenig Licht auf dem Motiv. Im Gegensatz zur Canon Ixus hat sie aber keine Leuchtdiode, die bei mangelnder Helligkeit das Motiv beleuchtet. So werden Bilder in zu dunkler Umgebung grundsätzlich mit undendlicher Entfernung geknipst. Und das, obwohl der Blitz bei optimistischer Betrachtung mal gerde 3,6 Meter weit reicht...

Das Objektiv ist, wie bei den meisten Kompaktkameras, nicht besonders lichtstark. Daher funkt der Blitz fast immer mit. Das Automatikprogramm wählt für meinen Geschmack recht lange Verschlusszeiten. Bewegte Motive sind - ausser bei strahlender Sonne - fast immer leicht verwackelt. Ärgerlich ist, dass dem Benutzer hier keinerlei Einstellmöglichkeit gegeben wird. Es werden zwar verschiedene, leicht zu wählende Programme für Landschaft, Dunkelheit, Porträt usw. angeboten, aber keins für bewegte Motive. Nochmal: KEINS für Sport oder so, auch wenn das in manchen Beiträgen behauptet wird. Auch ist auf dem mit dem Bild gespeicherten Datensatz keine Belichtungseinstellung enthalten, so dass ich die Einstellungen nicht mal im Nachhinein prüfen kann. Hier bietet die Canon Ixus eindeutig bessere Möglichkeiten, was mir in dem Umfang leider erst zu spät klar wurde.

Der Blitz ist, wie bei fast allen Kompaktmodellen, ein besserer Witz. Ärgerlich, dass für den Preis kein Blitzschuh auf der Kamera ist. Mein Metz-Leitzahl 40 Superblitz bleibt also arbeitslos. Das war mir zwar vorher klar, allerdings wusste ich vorher nicht, wie verrauscht dunkle Motive sein können. Ich habe in dieser Beziehung keinen Vergleich zu andern Digitalkameras, Tests bescheinigen der mju:400 hier ein gutes Verhalten. Na, dann möchte mal wissen, was in Sachen Dämmerungstauglichkeit schlecht ist...
Jede analoge 35-mm-Knipse ist bei Lichtmangel überlegen. Überspitzt ausgedrückt handelt es sich bei der mju:400 um eine Sonnescheinkamera mit sonnenscheinuntauglichem Display.

Zum Display: 1,5 Zoll ist klein. Auf dieses Display sind dennoch 134.000 Bildpunkte gequetscht, die ich geniessen kann, da ich stark kurzsichtig bin und damit eine "eingebaute Lupe" im Auge habe. Normal- oder Weitsichtige sollten sich das Display vor dem kauf genau ansehen.
Das Display stellt die Farben in beachtlicher Qualität dar. Die Kamera bietet eine sehr einfache Möglichkeit, mit dem Display in die Bilder "reinzuzoomen" und so selbst Details zu begutachten. Wäre da nicht das Problem bei Sonnenlicht, welches die Canon Ixus nicht so ausgeprägt hat und das bei einer Kodak (organisches Display) ganz beseitigt ist, wäre ich voll des Lobes.
Doch auch hier ein kleines Aber: Die Kamera blendet das gerade erzeugte Bild für drei Sekunden auf dem LCD auf, bevor dieses wieder als Sucher dient. Möchte man das Bild genauer betrachten, muss man einen Doppelklick auf einer der Mini-Tasten aufführen, der selbst erfahrenen Maus-Jongleuren den Schweiss auf die Stirn treibt. Derart schnell muss er sein, und derart schwer ist die Winzig-Taste zu drücken. Ist man eine Hundertstel zu langsam, schaltet man das Display aus. Und genau das passiert mir immer noch jedes zweite Mal. Hier hätte Olympus gerne eine eigene Taste spendieren dürfen. Ist die Kamera geschlossen, so kann man ohne die fingernagelgefärdende Akrobatik an die Bilder kommen. Denn jetzt wirkt dieselbe Taste auch bei einfachem Klick.

Nochmal zum Blitz: Obwohl die Kamera mit einem Zoom ausgerüstet ist, hat der Blitz keinen Zoom. Anders als bei der 35mm-Kleinbild-Pentax meiner Frau strahlt er das bisschen Licht, welches er aussendet, immer im gleichen Öffnungswinkel in die Gegend. Sobald ich etwas heranzoome, strahlt der Blitz also einen großen Teil seines spärlichen Leuchtens überflüssigerweise NEBEN den Aufnahmebereich, denn der ausgeleuchtete Bereich muss ja für die Weitwinkelstellung reichen. Das führt zu der Reichweitenangabe von sage und schreibe 2 Metern bei Tele-Zoom. Erröten die Ingenieure nicht vor Scham?
Auch hier habe ich keine Vergleiche zu den Produkten anderer Hersteller. Testberichte scheinen diesem Punkt keine Beachtung zu schenken, was ich nicht verstehe, denn gerade bei lichtschwachen Objektiven und rauschempfindlichen Sensoren ist die Blitzqualität entscheidend! Stände ich nochmal vor der Wahl, würde ich kein Modell ohne externen Blitzanschluss mehr akzeptieren. Der hier eingebaute Blitz ist ausschließlich für Prortraits und kleine Gruppen geeignet. Auch die Aufhellung des Vordergrundes gelingt bei ansonsten guten Lichtverhältnissen.
Nochmal: Bei schlechtem Licht gibt es keine Zimmer-Bilder in großen Räumen, keine Gruppen von mehr als fünf Leuten, keine Aufnahmen des Hochzeitspaares vor dem Pfarrer, keine Schnappschüsse vom neuen Auto bei Dämmerung, es sei denn, es ist ein Smart. Der Hintergrund wäre immer trist-grau bis schwarz.

Mal wieder was Positives: Das Objektiv hat eine gute Abbildungstreue und einen gleichmäßigen, ruckfreien Zoom. Wenn man den Objektschieber halb schließt, wird das Objektiv ins Kameragehäuse eingefahren und liegt dort so, dass die äußere Linse fast bündig mit dem Gehäuse ist. In dieser Position kann man es wunderbar reiningen.

Meine Testaufnahmen (Stativ, gute Ausleuchtung, Entfernung ca. 2 Meter) zeigten keine Verzerrungen und eine hohe Detailtreue des Bildes. Auch die Farben kommen sehr gut rüber. Der automatische Weissabgleich arbeitet bei Kunst- und Tageslicht ausgezeichnet, so dass die angebotenen manuellen Möglichkeiten eigentlich überflüssig sind. Bei guten Lichtbedingungen und einem festen Kamerastandort sind die Bilder also sehr gut. Schade, dass die Kamera so anspruchsvoll ist, was diese Bedingungen angeht.

Die Bilder können ausschließlich im JPG-Format, aber in verschiedenen Qualitätsstufen gespeichert werden. Die Höchste Stufe (SHQ) erzeugt Bilddateien von ca. 3,6 MB, die nächst-niedrige (HQ) braucht für jedes Bild recht genau 888 kB. Zoomt man mit einem
Bildbearbeitungsprogramm in die Bilder rein, so sind hier kaum Unterschiede wahrnehmbar, so dass die werksseitige Standardeinstellung auf HQ völlig ok ist. Weitere Kompressionslevel und Auflösungen hinab bis 640x480 sind für Bilder gut, die ins Web gestellt werden sollen. Für Freaks: irgendwelche RAW-Formate ohne Kompression können nicht erzeugt werden.

Die Kamera bietet einige Aufnahmeformate, wie Doppelbilder (zwei Bilder in einer Datei nebeneinander dargestellt) und Serienbilder. Bei der Serienbildfunktion werden vier Bilder in kurzer Folge gemacht, von denen man sich nacher dasjenige aussuchen kann, auf dem die Augen der Liebsten gerade nicht zugekniffen sind. Das ist ok, wegen solcher Dinge wollte ich in die Digitalwelt einsteigen. Was mir fehlt, ist ein Aufnahme-Timer, der z.B. jede halbe Stunde ein Bild macht. So dass ich meinen Lieblingskaktus beim Blühen knipsen kann oder so. Hat sie eben nicht.

Die Aufnahme kann auch über eine recht simple Infrarot-Fernbedienung (nicht Funk, wie mancherorts zu lesen ist) ausgelöst werden. Das ist nicht nur für Selbstportraits gut, sondern erlaubt auch das erschütterungsfrei Auslösen der stativmontierten Kamera z.B. für Nachtaufnahmen.

Die Möglichkeit, Quick-Time-Movies aufzunehmen, macht meines Erachtens wegen fehlendem Mikrofon keinen Sinn. Externe Mikros sind nicht anschließbar. Was soll ein Video-Clip ohne Ton?

Die Qualität des mitgelieferten Lithium-Ionen-Akkus kann ich noch nicht beurteilen, allerdings habe ich bei Handys und Laptops mit dieser Technik bisher nur Gutes erlebt. Auch das mitgelieferte Ladegerät macht einen ordentlichen Eindruck. Es lädt den Akku ausserhalb der Kamera, was die Möglichkeit gibt, einen zweiten Akku zu erwerben und zu nutzen, während der erste lädt. Ich denke, ohne Zweitakku auszukommen, denn die Ladung braucht kaum zwei Stunden und die Kamera macht dann gut 100 Aufnahmen, meistens mit Blitz, bei eingeschaltetem Display. Das ist sehr ordentlich. Eilige können die Ladung jederzeit unterbrechen bzw. einen teilentleerten Akku weiterladen. Dieser Akkutyp wird dadurch nicht beschädigt.

Das mitgelieferte Programm konnte ich auf WIN XP und WIN Me ohne Probleme installieren. Achtung, auf der CD-ROM ist auch das eigentliche Handbuch als 173-Seiten-pdf enthalten. In Papierform liegt nur eine gut gemachte Quick-Start-Anleitung bei. Das pdf-Handbuch wird bei der Installation des Programms nicht automatisch mit auf die Platte kopiert. Der Download von der Kamera erfolgt über USB-1.2-Kabel völlig problemlos. Allerdings sollte man zuvor im Programm eingestellt haben, wohin die netten Bildchen gehen, sonst sucht man sie auf der Festplatte. Das Programm erlaubt einige simple Bearbeitungsmöglichkeiten wie Zuschneiden, Umbenennen, Farbeinstellungen, Zusammenfügen von Panoramabildern, Rote-Augen-Automatik usw. Das kommt nicht mit einer guten Bearbeitungssoftware mit, aber für mich reicht es. Die Rote-Augen-Geschichte arbeitet allerdings sehr primitiv: Man kreist die Pupillen ein und drückt eine Taste, anschließend wird Rot durch Schwarz ersetzt. Na ja.
Ärgerlich ist, das man bei angeschlossener Kamera keine Möglichkeit hat, Bilder aus der Kamera zu löschen. Dafür ist eine recht komplizierte Tastenfolge auf den Mikro-Tasten der mju:400 erforderlich, und zwar für jedes Bild einzeln. Sollte unbedingt ins Programm eingebaut werden. Abhilfe schafft die Tatsache, dass man die angeschlossene Kamera als Laufwerk ansprechen kann und über den Windows-Explorer natürlich Bilder (sprich: Dateien) löschen kann.

Nur noch eine Bemerkung zu irreführenden Größenangaben. Wer sich mit den technischen Daten der Kamera beschäftigt hat, wird wissen, dass sie einen 1/2,5 - Zoll - CCD-Chip als Bildsensor hat. Gerne glaubt man, der Chip hätte eine Diagonale von 2,5 Zoll. Aber, genau lesen: Es ist Ein Zweikommafünftel. Anders ausgedrückt: Zwei Fünftel. So eine kreativ-idiotische Angabe habe ich noch nie gelesen.
Nun sagt das nichts über die Qualität des Sensors. Testberichte loben ihn, ich finde ihn rauschempfindlich bei schlechtem Licht. Auf jeden Fall ist in meinem Fall keiner der 4 Millionen Pixel kaputt, und das ist ja schon mal was.

Die als Speichermedium verwendete xD-Card ist leider noch recht teuer. Allerdings ist sie schnell und erlaubt daher rasche Aufnahmefolgen. Wie die ganze Kamera, machen auch die Anschlüsse und Einschübe einen soliden Eindruck und sind gut geschützt hinter einer abgedichteten Plastikklappe, die vom Oberflächenfinish perfekt an das Metallgehäuse angepasst ist und daher kaum als solche erkannt wird.

So, nun das Fazit: Ich würde nicht nochmal 700 Euro für dieses Teil (plus Karte) ausgeben. 700 Euro fühlen sich angesichts des Gegenwertes subjektiv falsch an. Ein schaales Gefühl bleibt zurück. Vielleicht bin ich nicht der Typ für Life-Style-Equipment, denn zu diesem Segment zählt Qlympus diese Kamera auf www.olympus.de
Ob meine Enttäuschung aber nun an speziell dieser Kamera liegt, oder ob ich von der 35mm-Kleinbildfilm-Technik (die ja immerhin 40 Megapixel pro Bild hat !!!) verwöhnt bin, weiss ich immer noch nicht.

Ich hoffe, Euch dennoch geholfen zu haben,
Gruß Michael

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