Jenoptik Jendigital JD 5200z3
Ein Kuckucksei aus Jena - Jenoptik Jendigital JD 5200z3 Digitalkamera

Produkttyp: Jenoptik Digitalkameras

Neuester Testbericht: ... sie dadurch (incl. Batterien) um die 350 g. Wenn ich allerdings die zarte Plastikhaut der Jenoptik mit dem festen Plastikgehäuse meiner... mehr

Ein Kuckucksei aus Jena
Jenoptik Jendigital JD 5200z3

Cornie

Name des Mitglieds: Cornie

Produkt:

Jenoptik Jendigital JD 5200z3

Datum: 05.01.05, geändert am 05.04.05 (2706 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Qualitätskomponenten in der Kamera

Nachteile: zu lange Fokussierzeiten

• VORWORT •
Dieser Bericht ist nun schon ein ganzes Jahr alt, aber immer noch top-aktuell, wenn es um eine Entscheidungsfindung für eine Kamera geht. Aus diesem Grunde stelle ich sie auch hier ein und lasse nichts aus.

• PROLOG •
Meine gute alte Digicam von Casio leistete mir nun schon viele Jahre treue Dienste. Leider meldet sie sich nun immer häufiger mit Ausfällen und so beschloss ich, sie bald in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken. Vor dem Kauf einer neuen Kamera sollte aber eine ausführliche Recherche erfolgen, da ich die Kamera neben der Hobbyfotografie auch für meinen Job benötige und eine gute Qualität brauche. Gerade hatte ich mich mit verschiedenen Websites auseinandergesetzt, als mich mein Bruder – übrigens ein passionierter Videofilmer und bis dato mit Digicams nix am Hut– in der letzten Septemberwoche während eines Telefonats damit überraschte, dem Plus-Angebot erlegen zu sein und sich eine Digicam zum Preis von 299 € angeschafft zu haben. Ob es am Namen der Kamera lag und er als waschechter Jenenser Lokalpatriotismus übte, kann ich nur vermuten. Leider fanden wir zu diesem Zeitpunkt keine Daten über die Kamera im Internet, aber die von ihm angesagten Eckpunkte überzeugten mich schnell davon, dass er ein ganz schönes Schnäppchen gemacht haben musste und ich wartete neugierig auf die ersten Ergebnisse in meinem Mailkasten. Umso erstaunter war ich, als er mich wenig später enttäuscht anrief, weil er nicht so recht mit der Kamera zurechtkam. Nun ja – Frauen wissen ja eh immer alles besser, ich mache da keine Ausnahme, und so bat ich ihn, mir die Kamera doch mal ein paar Wochen zu überlassen, da ich ja schon ewig digital fotografiere, ein ausgezeichnetes polytechnisches Grundwissen und ein technisches Studium hinter mit habe! *lach* Ein wenig fasste auch der Hintergedanke Fuß (ja, ich geb’s zu!), ihm diese feine Schnäppchen-Kamera abzukaufen!
Ob ich die Kamera am Ende – nach einem Test auf Herz und Nieren - überhaupt noch wollte und welche unglaublichen Überraschungen mich erwarteten, erfahrt Ihr in meinem Bericht.

• DAS PRODUKT: JENOPTIK JENDIGITAL JD5.2z3 •
Die Kamera mit stolzen 5.0 Megapixel Auflösung, 3-fach optischem Zoom und 2-fach Digitalzoom konnte man Ende September 2003 zum sehr günstigen Preis von 299 € beim PLUS erwerben. Wer der Hersteller der Kamera ist? Das habe ich – allerdings nicht gleich - natürlich für Euch (und für mich) herausbekommen und ziemlich gestaunt. Damit für Euch auch ein bissel Spannung bleibt, verrate ich den Hersteller am Ende meines Beitrages.

• LIEFERUMFANG •
Nun liegt also der Karton – zwar nicht mehr ganz jungfräulich, aber immerhin doch noch fast originalverpackt – vor mir. Die große weiß-blaue Schachtel ist gespickt mit Schlagworten, die die Vorzüge der Kamera preisen und ein großes Foto lässt einen ersten Eindruck gewinnen. Schnell ist alles ausgepackt; zum Lieferumfang gehören: Kamera, Tasche und Tragegurt, Video- und USB- Kabel, ein Netzadapter, 4 AA Alkaline-Batterien, eine Speicherkarte CompactFlash zu 128 MB, 2 CD’s (für PC und Mac) mit der Treiber- und Bildbearbeitungssoftware und ein Handbuch.

• AUSSEHEN •
Das Datenblatt (siehe unten) zeigt die Kamera in voller Schönheit. Der erste Eindruck begeistert mich – sieht aus wie ein Profi-Teil mit dem schicken Objektiv und dem vorwiegend silbernen Gehäuse und erinnert mich in seiner Kompaktheit irgendwie an meine Spiegelreflex. Auf den zweiten Blick finde ich sie aber doch ziemlich groß (sie ist 73 mm hoch, 108 mm breit und 46 mm tief) und auch recht rund. Als ich sie in der Hand halte staune ich, wie leicht sie ist – alles, was an einer Kamera aus Plastik sein darf, ist es hier natürlich auch und so wiegt sie dadurch (incl. Batterien) um die 350 g. Wenn ich allerdings die zarte Plastikhaut der Jenoptik mit dem festen Plastikgehäuse meiner alten Casio vergleiche, fürchte ich doch um die Robustheit des Gehäuses und so mancher Klappe. Auf der Rückseite nimmt die linke Hälfte das angenehm große Farb-LCD Display ein, die Funktionsknöpfe sind rechts daneben leicht erreichbar, groß genug und übersichtlich angeordnet.

• LEISTUNGSUMFANG •
Hier möchte ich nur die wesentlichen Eckpunkte aufzählen, exakte Informationen entnehmt Ihr bitte dem Link zum Datenblatt, das ich hier nicht hineinkopieren möchte.
Die Kamera kommt mit einem 1/1.8" CCD-Sensor daher, die effektive Auflösung beträgt stolze 5 Megapixel. Der optische Zoom ist 3-fach, der digitale Zoom 2-fach, die Brennweite geht von 34 bis 102 mm (das entspricht der Brennweite einer Kleinbildkamera), die Blende von 2,6 bis 3,4 und der Schärfebereich wird von 30 cm bis unendlich angegeben. Makromodus, verschiedene Blitzfunktionen (rote-Augen-Reduzierung), Zeitautomatik und Serienbildfunktion sind bei solchen Modellen ja schon selbstverständlich, die Videofunktion mit Tonaufzeichnung ist eine nette Beigabe. Die Empfindlichkeitseinstellung geht von automatisch, 100, 200, 400 bis 800 ISO. Die Fotos lassen sich in 3 Auflösungen erstellen, bis maximal 2592 x 1944 Pixel, das Video leider nur in einer Auflösung von 320 x 240 Pixel. Das Farb-TFT-Display ist 1,6 “ groß und sehr deutlich, angenehm ist auch der optischen Sucher. (Die Angaben sind dem Datenblatt entnommen.)

• DATENBLATT •
http://www.fotopunkt.de/kameras-kamera607.html

• INBETRIEBNAHME & BEDIENUNG •
Nach dem Aufladen der Batterien und dem Einlegen der CF-Karte (bequem an der Seite) kann es losgehen. Etwa fünf Sekunden nach dem Einschalten ist die Kamera betriebsbereit. Zunächst habe ich die Kamera intuitiv bedient, da ich, hm, prinzipiell keine Bedienungsanleitungen lese. Nun, allzu weit bin ich auch nicht gekommen, obwohl das Fotografieren und Angucken der ersten Fotos klappte. Die Bedienungsanleitung ist soweit übersichtlich und verständlich und bei Vorkenntnissen hat man sich das nötige Wissen auch bald erarbeitet. In der Praxis hat man dann aber doch ganz schön zu tun, die vielen Knöpfe, wovon die drei Funktionsknöpfe mehrfach belegt sind, zu koordinieren.

• SOFTWARE •
Die auf der CD beigelegte Software beinhaltet Kameratreiber, Bildbearbeitungssoftware und das Handbuch als PDF-Datei. Allerdings ist nur noch die Installation unter Windows 98 erforderlich, unter Windows 2000/ME/XP wird nach Anschluss der Kamera über das USB Kabel an den PC diese sofort als Laufwerk erkannt und kann entsprechend gehandelt werden. Die beiden Programme von ArcSoft (Photoimpression und Videoimpression) zur Bearbeitung der erstellten Fotos bzw. Videos sind einfach im Funktionsumfang, aber für den normalen Hobby-Fotografen völlig ausreichend.

• PERSÖNLICHE ERFAHRUNGEN •
Alles, was mir nun vor die Linse kam, habe ich fotografiert – angefangen von Schnappschüssen meiner kleinen Enkeltochter, Nahaufnahmen meiner gerade blühenden Zimmerpflanzen, den Haustieren, den Terrarientieren meiner Tochter, herbstlichen Impressionen im Garten bei Raureif und später bei Schnee, Aufnahmen technischer Objekte für Webpräsenzen, Spaßfotos meines gerade laufenden Kurses ebenso wie Passfotos für Online-Bewerbungen der gleichen Truppe und natürlich kleine Videosequenzen der verschiedensten Objekte. Dank USB waren die Daten blitzschnell auf dem PC und konnten sogleich ausgewertet und – leider – sehr häufíg enttäuscht verworfen werden. Am Anfang zweifelte ich noch an mir selber, da nur relativ wenig Fotos akzeptabel waren, aber allmählich kristallisierte sich heraus, was für die Kamera machbar war und was nicht.
Durch die relativ langsame Fokussierung (zwischen 1,6 und 3 Sekunden) kann man Schnappschüsse (ich gehe davon aus, dass sich das Objekt dabei in irgendeiner Weise bewegt) im Prinzip vergessen, die sind nicht nur schlechthin unscharf, die sind regelrecht verschwommen und zum Teil unkenntlich. Mit der Autofokussierung - Mehrpunkt AF mit 3 Messfeldern, die manuell einstellbar sind (standardmäßig wird auf das mittelste fokussiert) - habe ich so meine Probleme gehabt, da ich bisher das Zulassen einer manuellen Einstellung gewöhnt bin. Nun, dafür meldet sich die Kamera gleich 3 x, wenn die Scharfstellung erfolgt ist: über einen Piepton, eine Leuchtdiode und einer Anzeige auf dem LCD-Display... Aber auch ein stillhaltendes Objekt ist kein Garant für gutes Gelingen. Dann wird vielleicht das Bild scharf, aber die unpassende Beleuchtung bringt die Qualität zum Kippen. Ist bei Innenaufnahmen das Kunstlicht nicht kräftig genug und man verwendet den Blitz, werden die Farben ziemlich heftig entstellt. Rückt man ins Neonlicht, wirken plötzlich die Farben wie mit einem blau-grünen Filter überzogen. Offensichtlich funktioniert der automatischen Weißabgleich der Kamera nicht immer korrekt und eine manuelle Einstellung ist leider nicht möglich. Sucht man sich ein Plätzchen mit Sonnenlicht, entstehen unheimlich harte Kontraste und was nicht von Sonne beschienen wird, ist so dunkel, dass man kaum noch etwas erkennt. Am besten ist helles Tageslicht, aber keine direkte Sonne – da gelingt jedes (statische) Bild.
Ein paar Videos habe ich natürlich auch „gedreht“ - die Zeit läuft, solange der Speicher reicht. Die Aufnahmen, inclusive Ton, sind gar nicht so schlecht, aber eben mit dem Ausgangs-AVI Format und in dieser Auflösung wirklich nur für den Spass.
Um ausreichend lange fotografieren zu können, empfehle ich unbedingt NiMH-Hochleistungsakkus zu verwenden, sonst kommt man kaum 50 Fotos weit...

• ZWISCHENSPIEL •
Mitten in meine Testphase – es war inzwischen Mitte Dezember und ich schon reichlich frustriert – platzte mein Sohn mit der Meldung, beim ALDI gäbe es wohl grad eine tolle Digicam, mit interessantem Innenleben, nämlich das Objektiv von Ricoh und der Sucher von Sony. Also umgehend hin, um das Angebot zu beäugen. Fassungslos schaute ich auf den Karton, auf dem zwar als Fabrikat „MEDION MD 40696“ stand, aber auf dem Bild war eindeutig die Jendigital JD5.2z3!! Auch ansonsten alles gleich: Zubehör, Software, CF-Karte – lediglich ein Ladegerät hatte Medion noch hinzugefügt und wesentlich bessere Akkus lagen bei. Wow – und sogar 3 Jahre Garantie! Also vertreibt Jenoptik nun die Medion oder umgekehrt? Der Schluss lag nahe, aber das Internet belehrte mich eines besseren, als ich wenige Tage später noch einmal recherchierte und diesmal auch auf ganz neue Erkenntnisse stieß!

• HERSTELLER •
Zitatanfang
<< Die Kamera (MD 40696) ist baugleich mit der Jenoptik JD 5.2z3... Hersteller der Kamera ist übrigens weder Medion noch Jenoptik... Der eigentliche "Erbauer" der MD 40696 und JD 5.2z3 ist die Firma Skanhex aus Taiwan, ein so genannter OEM- (Original Equipment Manufacturer) bzw. ODM-Hersteller (On Demand Manufacturer), der im Auftrag von Unternehmen wie Medion, Jenoptik oder namhafter Kamerahersteller wie z. B. Rollei unter anderem Digitalkameras herstellt. Skanhex führt diese Kamera in Fernost auch unter eigenem Namen SX-512z, allerdings wird sie nicht öffentlich auf der Website von Skanhex präsentiert. >>
Zitatende aus „Aldi-Sonderangebot enttarnt! 5-Megapixel-Schnäppchen entpuppt sich als Skanhex-Fabrikat“ von www.digitalkamera.de

• EPILOG & FAZIT •
Ja, ich bin enttäuscht. Nicht nur von der Firma Jenoptik, die irgendwie doch ein Kuckucksei untergeschoben hat, sondern von der Kamera insgesamt. Vielleicht hat die vollmundige Werbung auf der Verpackung meine Erwartungen einfach zu hoch werden lassen. Ich habe sie zurückgegeben und meiner alten Casio versprochen, sie nicht zu bald auszutauschen...
Die JENOPTIK JENDIGITAL JD5.2z3 ist für Objekte geeignet, die sich möglichst nicht bewegen – Naturaufnahmen zum Beispiel; auch unsere Schildkröten kamen noch ganz gut weg. Bei der Fokussierung ist es mir selten gelungen, das geplante Objekt (weder auf dem Display noch im Sucher) exakt scharf zu sehen; verwunderlich dann, dass es auf den Fotos später besser wegkam. Von der Bildqualität hätte ich bei dieser hohen Auflösung einfach mehr erwartet; ich war enttäuscht, die Bilder mit meinem Photoprogramm nach bearbeiten zu müssen. Schade, dass der automatische Weißabgleich mitunter versagt und die Bilder dann einen Farbstich bekommen. Es empfiehlt sich unbedingt, NiMH-Hochleistungsakkus zu verwenden, ansonsten kommt man kaum über 50 Fotos hinaus.
Schade, dass bei all der guten Qualität, die in der Kamera steckt, das Zusammenspiel der Bauteile, gesteuert durch die Elektronik, doch zu wünschen übrig lässt.
Mehr als zwei Sterne bekommt die Kamera von mir nicht.


© Corni


Fazit: