
Neuester Testbericht: ... es werden namhafte DJs und LiveActs eingeladen, die dann in eigentümlich grottiger Atmosphäre eine relativ "harte" Klangwelt e... mehr
Zwangsbesuche im MAU
MAU

Name des Mitglieds: Stadtkind
Produkt:
MAU
Datum: 15.07.02, geändert am 05.04.04 (220 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Gute DJs, Tolle Akkustik
Nachteile: magere Location, "seltsames" Publikum
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Da ich in Zukunft wohl noch den ein oder anderen Club unter die Lupe nehmen werde, habe ich mich dazu durchgerungen für die einzelnen Kategorien ein Wertungssystem von 1 (miserabel) bis 10 (überragend) einzuführen und am Ende den Durchschnittswert als "Endnote" zu errechnen.
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Lange ist es her (es muss wohl Mitte 1997 gewesen sein), da sprang das noch sehr junge Stadtkind völlig peil-und ahnungslos durch die Clubs und Diskotheken Norddeutschlands. Nun, etwa 5 Jahre nach seinem Einstieg in die Techno-Szene ist es weise geworden, hat sich von "normaler" Musik vollkommen losgesagt und sich von dem ewigen Streit um die Kommerzialisierung der Szene distanziert. Mit der Einsicht, dass es keinen Unterschied zwischen kommerzieller-und antikommerzieller, sondern nur zwischen guter und schlechter Musik gibt tingelt das Stadtkind nun allerorts im "Ass-Shake-Style" durch angesagte Clubs und hat einfach nur seinen Spass.
Als ich vor fast einem Jahr meinen Wohnsitz studienbedingt nach Rostock verlagerte, sah ich mich schon als König der Rostocker Technoszene das Nachtleben unsicher machen, aber: Pustekuchen! Nach eingängigem Studium zahlloser Flyer und Aushänge musste ich feststellen, dass mir diese Stadt lediglich eine geradezu winzige Auswahl an Clubs bieten konnte, in denen Techno gespielt wurde.
Die Erklärung dafür mag darin liegen, dass Rostock ein extrem hohes Studentenaufkommen hat, so dass sich findige Unternehmer lieber auf "studentenfreundlichere" Locations spezialisieren und wir Techno-Fraggels leidigerweise auf der Strecke bleiben.
Soweit mir bis heute bekannt ist, gibt es nicht einen "reinrassigen" Technoclub in Rostock, weshalb man sich ziemlich auf Mundpropaganda verlassen muss, um
immer auf dem neuesten Stand der hiesigen Sub-und Clubkultur zu bleiben. Lediglich an 3 Locations finden hier einigermaßen regelmäßig Parties nach meinem Geschmack statt: im "Speicher", auf der "MS Stubnitz" und im "MAU". Zumindest zur Stubnitz werde ich mich in einem späteren Bericht noch äußern, da sie eine einzigartige Location bietet: man hat beim Feiern keinen festen Boden unter den Füßen, sondern befindet sich auf einem ausrangiertem Schiff, dass im Rostocker Stadthafen vor Anker liegt.
Heute soll aber das MAU der Gegenstand meiner Betrachtungen sein, da es scheinbar auch außerhalb der Stadtgrenzen ziemlich an Popularität gewonnen hat. Einmal im Monat steigt in einer alten Lagerhalle am Rostocker Stadthafen, nahe der Innenstadt die Sause schlechthin: es werden namhafte DJs und LiveActs eingeladen, die dann in eigentümlich grottiger Atmosphäre eine relativ "harte" Klangwelt erzeugen, in der sich die Generation X(TC) badet.
Da sich viele der dooyoo-User sicher nicht zu den eingefleischten Techno-Hörern zählen, will ich auch nur kurz die DJs auflisten, die ich bisher im MAU life erlebt habe (es sind bisher auch nur 3, im Laufe der Zeit, werden aber sicher noch Aktualisierungen folgen). Dazu ein kurzer Eindruck und wenn möglich ein Vergleich zu anderen Parties, auf denen ich die betreffenden Personen schon erlebt habe. Wer sich nicht für die Szene interessiert, wird mit nachfolgendem Text nicht viel anfangen können. Wenn Einige also den Abschnitt überspringen wollen: es sei ihnen verziehen ;)
t.raumschmiere - Marco Haas aus Köln legte in seiner gewohnt minimalistischen Weise auf. Trotz seines fast schon dickköpfigen Styles, der wohl aus seiner Hardcore-Vergangenheit stammt, hat mich kaum ein DJ jemals so abgeschickt wie er. Lediglich auf der Fusion 2002 in Lärz hab ich ihn mal ungewöhnlich psychedelisch erlebt. Im MAU konnte er von Anfang an begeistern, vor allem war es aber ein guter Start für mi
ch ins Rostocker Nachtleben (als er auflegte war ich zum 1.Mal im MAU)
ellen allien - es war der 16.Februar, als ich meine Lieblings-DJane zum ersten Mal life erlebte. Sie legte wie immer sehr eigentümlich auf, oder wie ich es vor kurzem irgendwo mal gelesen habe: "Ihr geht es um die klangliche Darstellung urbaner Räume in ihrer Musik. Das klingt immer leicht düster und pessimistisch, entgleitet aber dank der trockenen, abstrakten Beats nie ins Pathetische." Ich glaube ihr Auftritt im MAU war mein bisher schönstees Erlebnis im selbigen, vor allem auch, weil sich die Leute an diesem Abend sehr vom sonstigen Publikum unterschieden. Dazu aber später mehr.
acid maria - auch bekannt als supa mezi morales oder mit bürgerlichem Namen Anki Lepper legt Techno im weitesten Sinne auf. Eine deutliche Tendenz zu House ist erkennbar, aber wirklich beschreiben lässt sich ihr Stil nicht. Man muss sie einfach erlebt haben. Leider hat sie im MAU nicht allzulange aufgelegt und ist dann zwischen den feiernden Massen verschwunden. Ich habe sie etwas später in einer ruhigeren Ecke wiedergefunden und mit ihr erstmal eine geraucht. An dem Abend war keine allzu gute Stimmung im MAU, aber von Anki als Person hab ich jedenfalls einen guten Eindruck gewonnen ;)
QUALITÄT DER DJs: 9
Das waren die Highlights meiner Zeit im MAU. Sicher gab es auch Lokalgrößen, die sich im MAU versucht haben. Leidigerweise ist aber kaum jemand von ihnen seinem Stil wirklich treu geblieben, was vor allem am relativ anspruchsvollen und unflexiblen MAU-Publikum liegen mag, was meiner Meinung nach zu sehr auf "Knarztechno" fixiert ist. Sobald auf dem Hauptfloor mal etwas chilligeres läuft, ist die Stimmung im Keller und nichts geht mehr. Einzige mir bekannte Ausnahme stellte Ellen Allien dar. Das aber aus einem ganz einfachen Grund: da sie fast weltweit ihre Fans hat, war der Andrang von außerhalb auf das MAU natürlich sehr groß. Diese Leute wussten natürlich
, was sie in dieser Nacht musikalisch erwartete und die Leute, die keinen Spass an der Musik hatten sind relativ schnell wieder verschwunden.
Ansonsten musste ich publikumstechnisch aber feststellen, dass sich im MAU immer mehr "Plasteschlaghosenträger" und Pillenschmeißer rumtreiben. Deshalb von mir für das
PUBLIKUM: 6
Wenn man sich das MAU als Location betrachtet, sieht man ihm leider seine sonstige Verwendung an. Wie bereits angedeutet gibt es in Rostock keinen reinrassigen Techno-Club. Das MAU bildet da keine Ausnahme: nur einmal im Monat finden die hier beschriebenen Parties statt. Die restliche Zeit ist das MAU eine reine Rock & Metal-Location. Irgendwie behält das MAU diese Atmosphäre auch bei den Techno-Parties bei, was einerseits sehr gewöhnungsbedürftig ist, andererseits aber eine willkommene Abwechslung bietet. Der Eingangsbereich ist ziemlich groß gehalten, er beinhaltet die Kasse, Kleiderabgabe und den (ziemlich schmuddeligen) Toilettenbereich. Von hier aus erreicht man den Hauptfloor, bestehend aus der erhöhten DJ-Station, der Tanzfläche und einer ca. 40qm großen Plattform, auf der einige Sofas stehen und man mit besserem Überblick über die Menschenmenge feiern kann. Für die ruhigeren Klänge gibt es den Housefloor, der aber sehr klein ist, stark ausgeleuchtet ist und deshalb wenig zum Tanzen anregt. Da das MAU eigentlich eine Lagerhalle ist, wurden mit Holz und Planen Zwischenwände gezogen, so dass der Eindruck eines sehr verwinkelt angelegten Clubs entsteht. Genau diese Wände sind aber für mich ein Kritikpunkt, da man (so doof es klingen mag) sich nicht besonders gut an sie anlehnen kann. Hinzu kommt ein eklatanter Mangel an Sitzgelegenheiten, so dass man kaum Möglichkeiten hat, die Füsse von ihrer bierbäuchigen Last zu befreien.
Ansonsten bietet das MAU wie schon gesagt eine einzigartige Atmosphäre, die aber sicher nicht jedermanns Geschmack sein mag. Durch die Größe der Location und das kräftige Soundsystem wird
ein ziemlich guter Klang erzeugt, der auch im höheren Dezibelbereich noch voll überzeugen kann.
Lichttechnisch sollte man bei einem Besuch im MAU keine allzu hohen Ansprüche stellen. Bisher habe ich zumindest keine Scanner oder Lasersysteme entdecken können. Lediglich die altbekannten automatischen Scheinwerfer, ein paar Lichterketten und optikschaffende Stroboskope bringen etwas Licht ins Dunkel. Ich habe aber von einer Bekannten gehört, dass das MAU zu seinen Hochzeiten über ziemlich gute Deko und Lichttechnik verfügte. Heute ist davon aber nicht mehr viel zu sehen.
LOCATION: 7
SOUND: 9
LICHT: 4
GESAMTNOTE: 7
Problematisch am MAU ist, dass es in Rostock kaum eine ausgeprägte Techno-Szene gibt. Das Publikum stellt sich vornehmlich aus Hobby-Techern, Prolls (je höher der Kragen, desto besser) und Junkies zusammen. Schade, denn ein gutes Publikum ist schon die halbe Miete für eine tolle Atmosphäre.
Was das MAU soundtechnisch gutmacht, wird durch die mangelhafte Anzahl an Lichteffekten und die etwas eigentümliche Art der Dekoration kaputtgemacht. Einzig die Vielfalt an DJs sind für mich ein Grund noch regelmäßig ins MAU zu gehen. Wer die Wahl hat, sollte lieber mal einen Abstecher in die Papierfabrik (Burg Stargard/Neubrandenburg), das Tankhaus (Stavenhagen) oder das Kesselhaus (Altentreptow) machen.
Ansonsten ist das MAU lediglich 2. Wahl.
PS: Eine Aktualisierung der DJ-Liste folgt nach und nach, also bei Interesse mal öfter reinschauen!
Euer Stadtkind alias Jethro_Skull
Fazit:
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