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Vier Sterne Campingplatz in Fünf Sterne Region
Camping Mischabel

Name des Mitglieds: oldroamer
Produkt:
Camping Mischabel
Datum: 26.04.10, geändert am 26.04.10 (292 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Alles topp, was ein Camperherz begehrt
Nachteile: diesbezüglich habe ich keine Idee
Das Oberwallis ist auch so eine der vielen Schweizer Gegenden, wo man aus dem Staunen nicht so schnell wieder heraus kommt. Zugegeben es ist kein Geheimtipp. Aber es ist keinesfalls simpler Massentourismus: Man trifft halt auf eine super touristische Infrastruktur und diese funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk eben. Aber dazu später - zunächst will ich erst einmal den Campingplatz auswählen:
Wer das Oberwallis im Visier hat, der denkt vielleicht zunächst erst einmal an Zermatt und dann an Saas Fee. Zermatt hätte den Nachteil, dass man in ständigen Kontakt mit zahlreichen Tagestouristen, Städtereisenden, Welt- und Europareisenden, Bustouristen und dergleichen käme. Es sei denn eine Aschewolke aus Island ist gerade über Europa. Aktivurlauber sind hier zwar auch zahlreich, dem ungeachtet doch eher als die bestaunte Attraktion zu sehen.
Bei Saas Fee ist der Fall etwas günstiger. Aber es liegt sowieso gleich um die Ecke von Saas Grund.
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In Saas Grund geht es einfach ruhiger zu und es hat außerdem vier attraktive Zeltplätze zur Auswahl. Ich möchte hier keinen Zeltplatzvergleich starten, sondern den von uns gewählten vorstellen. Die übrigen sind bei dooyoo zum Teil schon ausführlich diskutiert worden.
Es ist der
Camping Mischabel
CH-3910 SAAS GRUND (Schweiz)
Tel.: +41 (0)27 957 16 08 (Sommer)
Tel.: +41 (0)27 957 29 61 oder +41 (0)27 17 36
Tel.: +32 (0)15 51 29 84 (NL und B, Niederländisch)
mischabel@hotmail.com
http://www.campingmischabel.com/
Geöffnet ist von Mai bis Oktober.
Der Name des Platzes rührt von dem Blick auf die Mischabelkette her, in welcher der Dom mit 4545 m der höchste "ganz Schweizer" Berg ist, das heißt die anderen Monster der Schweiz (Matterhorn usw. usf.) liegen alle auf der Grenze. Die Schweiz ist nun mal nicht sonderlich ausgedehnt.
Der Campingplatz selbst liegt etwa 1.2 Kilometer außerhalb des Ortskerns von Saas Grund. Es geht dabei leicht bergauf gen Süden entlang der Saasstraße in Richtung Saas Almagell. Gleich nebenan befindet sich der Campingplatz Kapellenweg. Die beiden Plätze gehen faktisch direkt ineinander über. Sie haben aber jeder eigene Zufahrten, Sanitär- und Versorgungseinrichtungen.
Mir schien unsere Einfahrt eigentlich gar nicht sonderlich knapp bemessen. Aber Achtung, für Wohnwagenfahrer erfordert sie offensichtlich schon etwas Umsicht und Geschick! Hin und wieder hörte man jedenfalls einen Hänger kratzen. Vielleicht war auch die Konzentration der Lenker dahin. Schließlich mussten sie mit ihrem Tandem aus dem Rhône - Tal auf 25 Kilometern knapp 1000 Höhenmeter zu uns hinauf krabbeln.
Wie die Zeltplatzdaten verraten ist die Zeltplatzleitung aus Holland. Aber Holländer sind auf Campingplätzen eh allgegenwärtig. Hier kommt nun nur noch die Chefin dazu.
Da die Camper in der Schweiz zum großen Teil Aktivtouristen sind, spart man sich auf vielen Zeltplätzen unnötiges Drumherum und begnügt sich mit drei/vier Sternen. Damit sind die Plätze oft recht preiswert, so wie auch in unserem Fall. Die offiziellen (!!) Preise waren unlängst:
Erwachsene 8.00 CHF
Kinder 5.50 CHF
(Kurtaxe und Umweltkosten inklusive!)
Hund 2.50 CHF
Zelt 4.50 CHF
Caravan 4.50 CHF
Wohnmobil 9.00 CHF
Motorrad 2.00 CHF
Strom 3.00 CHF
Man rechnet in den Euro am besten mit "mal zwei durch drei" um, dann schafft man es auch ohne Taschenrechner oder ohne die Hilfe eines Grundschülers.
Also teuer ist das nicht! Ich wundere mich immer wieder, wenn die Leute zu mir sagen, die Schweiz sei ein teures Urlaubsland. Der ADAC vergleicht nämlich regelmäßig Äpfel mit Birnen. Gerade für Familien mit vielen (2+) Kindern ist die Schweiz richtig billig. Es gibt überall gewaltige Ermäßigungen - so wie ehedem (zu Wendezeiten) in Bayern. Und Coop & Co. mit Aldi & Co. zu vergleichen ist sowieso ein Lacher.
Die Sanitäranlagen auf unserem Platz sind, wie es zu erwarten war, tadellos und in einem sehr guten Zustand. Natürlich ist alles geschlechtsgetrennt. Es existieren auch ein paar Waschkabinen für noch scheue Camper bzw. Einsteiger und Duschkabinen gibt es sowieso. Duschen sind im Preis inbegriffen. Geschirrwaschbecken mit Warmwasser und Waschraum mit Waschmaschine und Trockner sind ebenfalls vorhanden.
Für die Kinderbetreuung müssen die Eltern allerdings zum großen Teil selbst sorgen. Außer einer Tischtennisplatte und einem kleinen Spielplatz ist nicht sehr viel vorgesorgt.
Es gibt einen kleinen Kiosk mit all dem üblichen Service auf Campingplätzen (Eis, Getränke, Grundversorgung, Semmeldienst, Zeitungen, Gas ... ) und einen Aufenthaltsraum mit Fernseher; Radio, Internet als allabendlichen Treffpunkt für den Wetterbericht und den Erfahrungsaustausch. Alle Versorgungs- und Sanitäreinrichtungen sind in einem Chalet gleich im Eingangsbereich des Platzes untergebracht. So herrscht im übrigen Gebiet eine friedliche Ruhe.
Es soll aber auch ein eigenes Kosmetikstudio vorhanden sein. Ich kann aber nicht sagen, wo das sein soll und wer das nutzt. Schließlich ist Schwitzen am Berg eh gut für die Haut und die subkutane Fettschicht und ob die paar Suppen und Wässerchen dann außerdem nötig sind, weis ich noch nicht so genau (Vielleicht werde ich mich demnächst mal bei dooyoo in den geeigneten Kategorien genauer belesen müssen.).
Man spricht deutsch auf dem Platz und in dieser Ecke des Wallis (Oberwallis) sowieso. Offiziell ist der Kanton Wallis aber zweisprachig (vor allem französisch aber auch deutsch).
Der Campingplatz ist in Sektoren für verschiedene Nutzer eingeteilt bzw. diese werden vorsortiert (Gruppen, Familien, Alpinisten, Durchreisende). So können die einen ungestört Feiern und die anderen endlos mit ihren Karabinern klappern und ungerührt schon mitten in der Nacht starten.
Wer sich genau auskennt, der kann offensichtlich auch einen speziellen Stellplatz vorreservieren.
Insgesamt sind etwa 130 Stellplätze vorgesehen. Diese sind auf ebenerdigen Wiesen verteilt und je nach Bedarf sonnig oder schattig. Abends bzw. nachmittags verschwindet die Sonne allerdings sowieso hinter den Bergen.
Die Wege sind grober Kies bzw. feines Geröll je nachdem wie man es sieht und so zu mindestens recht saugfähig.
Der Platz liegt auf 1545 Metern über NN schon ordentlich hoch. So kann es abends und erst recht in der Nacht durchaus mal richtig kühl werden. Man sollte sich also vorher bei dooyoo über die geeignete Ausrüstung belesen (Sitzkissen, Schlafsack...! Vielleicht schreibe ich auch mal gelegentlich selbst etwas darüber).
Es ist hier sehr ruhig. Nur die Gebirgsbäche (Saaser Vispa und deren Zuflüsse) donnern vernehmlich.
Diese sind zum Teil sehr gefährlich! Sie kommen doch von recht weit oben aus den Bergen und da weis man nie genau, wie es dort oben gerade aussieht. Die Abflüsse werden unter anderem zur Stromgewinnung reguliert und können deshalb ganz unterschiedlich viel Wasser führen. Es stehen überall Warnhinweise. Man sollte seine Kinder eindringlich warnen. Der längere Aufenthalt auf den kleinen Brücken ist vorsorglich sowieso untersagt.
Man hört es allerdings schon gewaltig donnern bevor ein Schwupp Wasser kommt. Wer nicht gerade mit MP3-Player im Ohr in der Natur herumläuft sollte sich noch rechtzeitig retten können.
Ich will nur noch darauf hinweisen, dass insbesondere in den sehr frühen Morgenstunden regelmäßig das Wasser am Zeltplatz vorbeipoltert. Langschläfer sollten deshalb lieber ihr Zelt etwas weiter weg vom Bach aufbauen. Dann können sie geruhsam auspennen.
Auf einer Wiese des Campingplatzes steht ein Jahrhundert alter Waliser Speicher. An dem kleinen hochbeinigen Holzbalkenbau kann man erkennen, dass die Wiese in extremen Wettersituationen schon überflutet wurde. Ich denke aber, in der Schweiz ist man als Camper in sehr guter Obhut. In manch anderen Ländern habe ich da eher Bauchschmerzen.
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Die entfernte Straße ist keine Durchgangsstraße und macht so keinen Lärm. Sie endet am Mattmark-Stausee (2197 m). Dort hinauf muss man sich unbedingt mal mit dem Fahrrad quälen. Es ist ein gutes Motivationstraining. Man muss nämlich immer dem inneren Schweinehund widerstehen, weil man die berühmte Staumauer als den höchsten Erdschüttdamm der Schweiz fast die ganze Strecke als nahezu uneinnehmbar hohe, dunkelgraue Wand vor Augen hat. Dunkelgrau kann richtig nervig sein!! Oben angekommen ist der Triumph kolossal zumal man nie alleine an dieser Strecke hängt und schwitzt.
Wer gleich weiter durchziehen will, der kann viel Zeit einsparen und noch ein gutes Stück des Weges zum Monte - Moro - Pass (2853 m) per Rad bewältigen und hoffen, dass er noch einen Blick auf die berühmet Monte - Rosa - Ostwand erhascht. Fast alle kommen jedoch zu spät dort oben an, denn die legendäre Wand verschwindet beinahe täglich im Laufe des Vormittags im Dunst, der aus Italien aufsteigt.
Derart harte Luftmassengrenzen bzw. Wetterscheiden zwischen dem schwül heißen Italien und dem sonnigen, trockenen Wallis kann man hier an vielen Pässen regelmäßig beobachten. Die Berge sind hier halt schon gewaltig hoch, so dass nicht nur wir sondern auch die Wolken und Luftmassen ihre Grenzen aufgezeigt bekommen.
Bei Langschläfern ist vielleicht für einen zügigen Aufstieg zur Ostwand eine Dreiteilung des Weges am aussichtsreichsten: Das erste Stück bis zum Stausee kann man mit dem Postauto ab Campingplatz zurücklegen. Das Postauto nimmt das Fahrrad im Huckepack mit. Sicher bekommt man sein Rad allerdings nur mit weg, wenn man den Bedarf am Abend vorher (telefonisch) anmeldet. Dann wird notfalls (bei vielen Anmeldungen) an das Postauto noch ein Fahrradhänger angekoppelt. Anschließend geht es mit dem Rad am Stausee entlang bis zur Alm am Ende des Stausees. Da hat man mit dem Rad gleich noch eine knappe Stunde Fußweg eingespart.
Eine Taschenlampe oder eine funktionierende Beleuchtung am Rad kann auch nicht schaden, denn man muss auf halbem Wege einen mit Pfützen übersäten Tunnel durchqueren. ..... Dann geht es zu Fuß nur noch hinauf zum Pass. Falls die Monterosa - Ostwand im Nebel liegt, so sieht man es erst kurz vor dem Ziel. Nun ist es fürs Umkehren eh zu spät. Nicht ärgern, bei uns hat es auch nicht geklappt.
Wer vor lauter Frust einkehren will, der könnte dies gleich in der italienischen Malnate - Hütte (Rifugio Città di Malnate, 2796m) am Pass tun und hoffen, dass die italienischen Wolken zumindest kurzzeitig noch einmal aufreisen oder er verweilt schlecht gelaunt noch einmal im Restaurant an der Staumauer des Mattmarksees (2180m).
Man ist mit dem Rad allerdings ad hoc wieder unten und hat noch Zeit für die Planung neuer, toller Unternehmungen.
Hotelgäste könnten auch mit dem Auto bis auf die Krone der Staumauer des Mattmarksees (ca. 2180m) fahren und von dort zu Fuß direkt auf den Monte - Moro - Pass (2853 m) kraxeln. Aber als Camper würde man dann auf dem Platz eindeutig als ein Loser dastehen.
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Viele Wanderungen werden wohl vom autofreien Saas Fee aus starten. Da muss man natürlich auf dem so genannten Kapellenweg immer erst auf 1800 Meter bis Saas Fee hinauf krabbeln. Wem die reichlich 200 Höhenmeter zum Warmlaufen zu mühsam oder zu langwierig sind, der nehme das regelmäßig verkehrende Postauto.
Noch für Normalbürger von Saas Fee aus zu erreichende Hütten der Gegend wären die Britanniahütte (3030 m), die Mischabelhütten (3340 M). Auf der Ostseite des Saastales lockt von Saas Almagell aus die Almagellerhütte (2894 m). Die Hütten wären natürlich nur der Einstieg. Es geht noch ordentlich weiter hoch.
Wem die Auf- oder auch Abstiege zu beschwerlich oder zu umständlich sein sollten, der findet hier im Sommer selbstredend zahlreiche Aufstiegshilfen in Form von diversen Bergbahnen.
Gletscherski ist im Sommer auch kein Problem. Auf die nötige Winterausrüstung und -mode sind die Sportgeschäfte von Saas Fee jedenfalls mitten im Sommer eingerichtet, falls jemand mal etwas vergessen haben sollte.
In Saas Fee sind auch die großen Büros der Bergführer zu Hause. Hier kann man sich beraten lassen und allabendlich sogar seinen Traumbergführer selbst aussuchen, was insbesondere beim weiblichen Geschlecht auf reges Interesse stößt und einen gewaltigen Motivationsschub zu liefern vermag. Auch dem Geschäft scheint es dienlich zu sein.
Der am einfachsten zu besteigende 4000er der Schweiz ist das Allalinhorn (4027 m). Hier kommt man unter sachgemäßer Führung fast im Familien- oder Betriebsausflug hinauf, denn die so genannte Metro Alpin geht bis auf etwa 570 Höhenmeter an den Gipfel heran. Man muss nur noch zwei Stunden durch Eis und Schnee (unter Führung gesichert!!) hinauf stapfen.
Aber wir sind ja im Urlaub und da tun zu viele Verwandte oder zu viele Kollegen eh gar nicht gut.
Natürlich könnte man, falls das Wetter einmal schwächelt und nicht ganz so prickelnd ist, sich vielleicht doch kurzzeitig (körperliche) Ruhe gönnen um mit dem Postauto und dem Zug gen Zermatt zu trödeln. Die Schweizer Bahnen sind schließlich immer wieder toll und gerade hier, auf dem letzten Stück der Brig-Visp-Zermatt-Bahn, wo auch der Glacier-Express zuckelt sind wir in besonders nobler Gesellschaft unterwegs.
In Zermatt bleibt einem zunächst nichts anderes übrig als sich in den profanen, etwas unsanfteren und wohl nicht nachhaltigen Tourismus zu stürzen und "echte" Alpinisten zu begaffen. Es sei denn, man denkt, man sei selber ein solcher und riskiert Kopf und Kragen am Matterhorn. Ob das jedoch die gepriesene Nachhaltigkeit wäre darf bezweifelt werden.
Natürlich bietet Zermatt auch ein riesiges Wandergebiet für sich. Aber das ist ein anderes Thema ..........
Fazit: Ab in den Süden (der Schweiz)!
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