Des Bäckers Albtraum
Philips HD 9020

Name des Mitglieds: Bookmaker
Produkt:
Philips HD 9020
Datum: 03.04.12
Bewertung:
Vorteile: formschön, einfach zu handhaben, stets frisches Brot zum unschlagbaren Preis
Nachteile: etwas laut während der Knetphase
Der Weg zur Entscheidung
Man sagt von uns Deutschen, dass wir extrem viel Brot essen. Meine Unterhaltungen mit ausländischen Freunden aus nah und fern scheint dies zu bestätigen - und ich selbst gehöre auch zu denen, die dem Duft eines frisch gebackenen Brotes nicht widerstehen können. Als nun ein amerikanischer Freund, welcher demnächst in den hintersten Busch umzieht, anmerkte, dass er dort sein eigenes Brot zu backen gedenke, kam auch bei uns mal wieder die Idee auf, dies ebenfalls zu tun. Vor vielen Jahren hatten wir es mal im Backofen probiert, waren aber vom Ergebnis nicht so begeistert. Bliebe also der Weg über einen Brotbackautomaten, wobei wir auch daran Zweifel hatten. Ein uns ebenfalls vor Jahren vorgesetztes Brot aus einem solchen Gerät war doch arg zerrissen und auf der eher amerikanisch-weichlichen Schiene angesiedelt. Und ist das nicht viel zu teuer, verglichen mit dem simplen Brotkauf im Laden? Aber wozu gibt es das Internet? Wir suchten also ein wenig herum und fanden heraus, dass man heutzutage auch als Daheimbäcker zu guten Ergebnissen gelangen kann.
Die Entscheidung war also gefallen: ein solches Wunderteil musste her. Das Angebot in den einschlägig bekannten Elektromärkten beschränkte sich meist auf ein bis drei Modelle, von denen keines unseren Vorstellungen entsprach. Wir wollten ein Gerät, welches formschön und nicht zu voluminös sein sollte, und die Backform sollte dafür sorgen, dass das Ergebnis nicht wie ein quaderförmiger Pflasterstein sondern schon ein wenig wie ein längliches Brot aussehen würde. Allzu teuer sollte es auch nicht sein. Also blieb auch hier nur die Internet-Recherche, und wir wurden dann bei Cyberport fündig. Wir bestellten einen Brotbackautomaten HD9020 aus der Daily Collection von Philips. Da wir einen Cyberport-Laden in der Nähe haben, konnten wir ihn unter Einsparung der Versandkosten einen Tag später dort abholen.
Der Philips HD9020
Es handelt sich um ein gefällig daherkommendes, nicht allzugroßes Gerät in weiß-lila Plastikdesign. Schnell war es aus der Verpackung befreit, zum Vorschein kamen der Backautomat selbst, die Backform, Meßbecher und -löffel, der Knethaken, ein Metallhaken zum Entfernen des Knethakens aus dem Brot (falls dieser nach dem Backen noch im Brot stecken sollte), eine Schnellstart-Anleitung, eine umfangreiche, mehrsprachige Bedienungsanleitung, ein kleines Rezeptheft sowie eine Garantiekarte.
Die Inbetriebnahme ist einfach und schnell erledigt, vor der ersten Benutzung mussten die Teile lediglich feucht abgewischt werden. Die Bedienung selbst erfolgt über wenige Folien-Drucktasten an der Gehäuseoberseite.
Das Backen
Versuchen wir es also mal mit einem Backvorgang. Zuerst benötigt man natürlich die erforderlichen Zutaten. Diese kann man sich entweder per Rezept einzeln zusammenstellen, oder aber man kauft eine fertige Brotbackmischung, die es in vielen verschiedenen Sorten im einschlägen Lebensmittelhandel zu kaufen gibt. Bei der eigenen Zusammenstellung hat man natürlich mehr Kontrolle über die Zutaten, aber auch die fertigen Backmischungen kann man noch nach eigenem Gusto mit weiteren Zutaten verfeinern. So kann sich sowohl der Biofreak als auch der faule Nebenbei-Bäcker heraussuchen, wie er es denn gerne hätte.
Zuerst wird die erforderliche Flüssigkeitsmenge in die mit dem Knethaken versehene Backform gegeben (all dies tut man am besten an der aus dem Gerät entfernten Backform, damit beim Einfüllen nicht in den eigentlichen Backraum gekleckert wird). Bei der Flüssigkeit kann es sich sowohl um Wasser als auch - je nach Rezept - um Milch und andere Flüssigkeiten handeln. Wir haben zum Beispiel auch einmal Schwarzbier anstatt Wasser verwendet - das Ergebnis war sehr lecker. In den Rezepten wird auch eine Temperatur für die Flüssigkeiten angegeben, diese sollte tunlichst beachtet werden, um nicht entweder einen Ziegelstein zu erhalten oder Gefahr zu laufen, dass der aufgehende Teig den Deckel anhebt. Ein Lebensmittelthermometer hat sich als sehr hilfreich erwiesen. Nun folgen die weiteren Zutaten, wie Mehl, Butter, Ei, je nach Rezept und Belieben. Ist alles nötige in der Backform versammelt, kann diese in den Automaten eingesetzt werden.
Nun also Stecker hinein in die Steckdose, und mit einem Piepton erwacht der Brotbackautomat zum Leben. Das kleine Display zeigt die Nummer des Backprogramms, die erforderliche Zeit, das Brotgewicht sowie den Bräunungsgrad an. Der HD9020 erlaubt als Brotgewicht 500, 750 und 1000 Gramm. Für uns hat sich die mittlere Einstellung als am günstigsten herausgestellt, auch weil viele Rezepte und Backmischungen darauf ausgelegt sind. Der Bräunungsgrad kann in 3 Stufen eingestellt werden, auch hier bevorzugen wir die mittlere Einstellung.
Mit der Programmwahltaste kann man nacheinander durch die 12 verschiedenen Programme durchschalten. Diese reichen von Weißbrot über Vollkornbrot, französiches, süßes und glutenfreies Brot bis hin zur Zubereitung von Pizzateig und sogar Marmeladekochen! Auch das reine Backen von bereits vorbereitetem Teig ist möglich. Für die Basisbrote (weiß und Roggen) gibt es neben dem Normalprogramm auch noch ein etwa um eine Stunde verkürztes Schnellbackprogramm. In den Rezepten bzw. Anleitungen zu Backmischungen wird üblicherweise darauf hingewiesen, welches Programm verwendet werden soll. Für normales Mischbrot verwenden wir das Weißbrot-Schnellprogramm (2 Stunden und 45 Minuten gegenüber 3 Stunden und 55 Minuten im Normalprogramm für ein 750g-Brot mittlerer Bräunung), damit sind wir bisher stets gut gefahren. Ein ebenfalls vorhandenes Extra-Schnell-Programm (58 Minuten) haben wir nicht ausprobiert.
Sind Programm, Gewicht und Bräunungsgrad eingestellt, kann das Backen beginnen. Entweder sofort per Startknopf, oder aber per Zeitvorwahl. Hierbei kann eine Verzögerung für die Fertigstellung von bis zu 13 Stunden eingegeben werden - tunlichst jedoch nicht bei Broten mit frischen Zutaten wie Milch und Eiern! Auf diese Weise kann man das Gerät über Nacht backen lassen und hat dann morgens ein frisches Brot zum Frühstück. Allerdings könnte einen der Duft beim Backen auch schon etwas zu zeitig aus den Federn werfen.
Der Backvorgang beginnt mit dem Kneten des Teigs, und hier kommt ein kleiner Kritikpunkt: dies geschieht ziemlich geräuschvoll. Allerdings ist halt auch zum Teigkneten eine gewissen Kraft erforderlich, da hat der Motor einiges zu tun. Nach 30 Minuten erfolgt ein weiteres Piepen als Zeichen dafür, dass man nun falls erforderlich noch weitere Zutaten hinzufügen kann. Dies können zum Beispiel Rosinen oder Nuss-Stücke sein, durch das spätere Zufügen verhindert man, dass sie beim rigorosen Kneten in der ersten halben Stunden zusehr zermanscht werden. Der Backvorgang läuft automatisch weiter.
Nach dem Kneten folgt die Ruhephase, der Teig hat Zeit, um zu gehen. Das große Sichtfenster im Deckel erlaubt es, ihm dabei zuzuschauen. Oder sollte es erlauben. Durch die Feuchtigkeit und entstehende Wärme beschlägt das Glas recht schnell, und man sieht nur noch in etwa soviel wie ein Brillenträger, der im Winter aus der Kälte in die gutgeheizte Wohnung kommt: gar nichts. Dies ändert sich erst wieder, wenn der eigentliche Backvorgang in der letzten Stunde des Programms begonnen hat. Man kann jedoch vor Beginn dieses eigentlichen Backvorgangs noch den Deckel heben und mal nachschauen, was der Teig denn so anstellt. Dies wird allerdings schnell langweilig, also bleibt der Deckel zu. Wenn das Backen dann begonnen hat, ist das Deckelheben eh tabu, da sonst die Gefahr besteht, dass der Teig in sich zusammenfällt.
Wie bereits erwähnt beginnt das eigentliche Backen erst in der letzten Stunde des gesamten Vorgangs, im von uns meist genutzten Programm Weißbrot/schnell dauert er nur 50 Minuten. In dieser Zeit wird es dann nicht nur dem Brot recht warm, auch das Gerät erhitzt sich, man sollte also tunlichst nur noch mit Handschuhen oder Topflappen zugreifen. Schon bald windet sich ein unwiderstehlicher Duft nach frischem Brot durch die Nasenhaare.
Ist die Backzeit abgelaufen, kündigt das Gerät dies per Piepton an. Nun kann man das Brot noch automatisch bis zu einer Stunde warmhalten lassen, oder aber man schaltet das Gerät aus und entnimmt die Backform. VORSICHT, HEISS! Das Brot darf noch fünf Minuten in der Form ruhen, dann schüttelt man es heraus. Durch die Antihaft-Beschichtung funktioniert das problemlos, bisher mussten wir noch nie dabei nachhelfen (was z.B. durch einen Plastik-Teigschaber möglich wäre). Im Idealfall bleibt der Knethaken in der Backform, er kann aber auch in sehr seltenen Fällen im Brot stecken bleiben (bei bisher etwa 100 gebackenen Broten ist das bei uns bisher dreimal vorgekommen). Für diesen Fall ist ein Metallhaken mitgeliefert, mit dessen Hilfe sich das Problem lösen lässt, man muss nur aufpassen, dass dabei das Brot am Haken nicht zusehr zerrupft wird.
Jetzt sollte man das Brot noch mindestens eine Stunde abkühlen lassen, bevor man anfängt, es in mundgerechte Happen zu zerlegen. Nasenklammern helfen dabei, diese Stunde trotz des irren Dufts zu überstehen.
Reinigung
In der Zwischenzeit (aber erst nach vollständiger Geräteabkühlung) kann man sich um die Reiniung des Brotbackautomaten kümmen, was ebenfalls sehr einfach vonstatten geht. Günstig ist es, den Knethaken gleich nach Ende des Backvorgangs aus der Backform zu entfernen (VORSICHT, HEISS), um ein festkleben zu verhindern. Sollte dies nicht funktionieren, hilft es, die Backform mit Wasser bis zur Bedeckung des Knethakens zu füllen und etwas einzuweichen, danach sollte es keine Probleme mehr geben. Aus- bzw. Abspülen mit wenig Spülmittel sowie leichtes Abreiben mit einem Tuch reichen zur Reinigung vollkommen aus. Die Backform gehört weder in ein Wasserbad noch in die Spülmaschine. Zur Reinigung des Backraums kann der Deckel komplett abgenommen werden.
Brotgenuss und Kosten-Nutzen-Rechnung
Nunmehr sollte auch das Brot abgekühlt sein und es kann an den Verzehr gehen. Ich kann nur sagen: wir sind begeistert! Es geht doch nichts über frisch gebackenes Brot, besonders, wenn man es selbst hergestellt hat. Wir greifen überlicherweise auf Backmischungen zurück, über Misch- und Vollkornbrot, Mehrkorn-, Sonnenblumen-, Weiß-, Bauern-, Vital- oder süßes Brot bekommt man da alles mögliche. Wir verfeinern die Rezepte oft noch mit Nüssen oder beim süßen Brot mit Rosinen. Im Schnitt backen wir alle drei bis vier Tage, und solange hält sich das Brot auch schön frisch - definitiv länger als das, welches wir bisher im Backshop gekauft haben.
Es bleibt nun natürlich noch eine wichtige Frage zum Schluss: lohnt sich das alles? Für uns auf jeden Fall. Eine kleine Beispielrechnung: ein Kilo Backmischung kostet im Supermarkt ab 79 Cent und reicht für zwei Brote zu 750 Gramm. Damit ergeben sich Zutatenkosten (selbst bei Zugabe von Nüssen, Rosinen o.ä.) von unter 50 Cent pro 750-Gramm-Brot. Hinzu kommen die Stromkosten. Das Philips-Gerät hat eine Leistung von 600 Watt, bei einem Backprogramm von 2h45 Dauer ergibt sich theoretisch ein Strombedarf von 1,65 Kilowattstunden zu grob gerechnet 25 Cent, also rund 41 Cent. (Theoretisch deshalb, weil die vollen 600 Watt natürlich nur beim eigentlichen Backvorgang gezogen werden und nicht beim Kneten und erst recht nicht in der Ruhephase - der tatsächliche Verbrauch liegt also noch deutlich niedriger.) Selbst sehr großzügig gerechnet kostet so ein selbst gebackenes Brot dann nur rund einen Euro. Für unser bisher bevorzugtes 750-Gramm-Backshop-Brot müssten wir momentan 2 Euro auf die Ladentheke legen. Die einzige Gefahr ist, dass man anfängt, deutlich mehr Brot zu essen... Der Philips-Brotbackautomat hat uns 90 Euro gekostet, das heißt, dass wir die Investition mittlerweile komplett eingefahren haben und nunmehr bereits im Plusbereich sind.
Fazit
Mittlerweile dürfte jedem klargeworden sein, dass sich der Titel "Des Bäckers Albtraum" mitnichten auf den heimischen Hobbybäcker bezieht, sondern auf den Bäckermeister oder Backshopbetreiber (wobei es den handwerklichen Bäckermeister ja kaum noch gibt, selbst Läden, an denen groß "Bäckerei" steht verwenden meist die gleichen Backmischungen, die unsereiner im Handel erwerben kann). Diese müssen nun nämlich auf unser Geld verzichten, wir backen selbst - und pro gebackenem Brotlaib landet ein Euro im Brotschwein! Der Inhalt dieses Sparschweins wird uns früher oder später ein kleines Extra erlauben, ob im Urlaub oder bei der Anschaffung von irgendwelchen gewünschten Dingen. Unsere Empfehlung also lautet: traut euch, backt selber! Ihr werdet es nicht bereuen. WIR bereuen einzig und allein, mit der Anschaffung solange gewartet zu haben.
Fazit: Es gibt nichts Besseres auf dem Tisch als frisches, selbstgebackenes Brot.
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