Pouch Pacific-Segel Profi
"Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehn...." - Pouch Pacific-Segel Profi Boot

Produkttyp: Pouch Boote

Neuester Testbericht: ... Zur Segelanlage gehören nämlich. Ein zweiteiliger Mast: - Pacific-Segelanlage Aluminium - Ur-Pouchanlage. Eschenholz ein Fock- und ein... mehr

"Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehn...."
Pouch Pacific-Segel Profi

oldroamer

Name des Mitglieds: oldroamer

Produkt:

Pouch Pacific-Segel Profi

Datum: 04.09.08

Bewertung:

Vorteile: Man kann so etwas wie Segeln

Nachteile: Recht viele Kompromisse nötig

"Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehn .... Ja das wär schön ..."

Dieses Liedchen von anno 1961 oder so etwas Ähnliches muss den Konstrukteuren wohl durch den Kopf geschwirrt sein, als sie das Segeln mit einem Paddelboot erzwingen wollten. Das Paddelboot gilt nun mal als das Boot des kleinen Mannes, obwohl sich heute der kleine Mann sicherlich kein Paddelboot mehr leisten kann oder vielleicht auch nicht leisten will. Aber es war halt mal das Klischee und es wäre ja auch schön wenn's so wäre!

In unserem speziellen Fall haben wir es mit einem Pouch-Boot zu tun (siehe dooyoo dort) als einem traditionsreichen ostdeutschen Vorzeigeprodukt.

So gibt es also seit ehedem zum Paddelboot eine Segeleinrichtung im Angebot, damit sich der Süße oder die süße Berliner Göre nicht immer anstrengen müssen. Aber wirklich entspannend ist das Segeln mit einem Paddelboot nicht oder zumindest kaum, nämlich nur in dem Fall wenn man voll vor dem Wind segeln kann, weil der Wind glücklicherweise und ausnahmsweise mal achterlich (von hinten) kommt. Das ist meist auch am unkritischsten. Es kann nicht sehr viel passieren und die statische Belastung des Rumpfes ist relativ gering oder zumindest meist noch beherrschbar. Nur der Mast darf nicht überfordert werden.

Aber man muss ja oft wieder zum Ausgangspunkt zurück und das ist dann umso schwieriger. Zwar kann man mit einem Paddelboot auch hart am Wind segeln. Doch beim Kreuzen verliert das sehr lange schmale Boot oft zuviel Fahrt. Das über Stag gehen (das heißt Wenden mit Wind von vorn) muss oft mit Paddelschlägen beschleunigt werden sonst ist die Abdrift zu groß. Dies ist nervig und führt zur allgemeinen Heiterkeit der echten Segler rings herum, was unserer Süßen nicht sonderlich gefallen wird.

Mancher wird nun sagen, dann muss man eben zurück paddeln. Viele echte Segelboote haben ja auch einen Hilfsmotor. Nur wirklich gut Paddeln kann man mit der Segelanlage an Bord auch nach Abtakeln nicht. Zur Segelanlage gehören nämlich.

Ein zweiteiliger Mast:
- Pacific-Segelanlage Aluminium
- Ur-Pouchanlage. Eschenholz

ein Fock- und ein Großsegel
- Pacific-Segelanlage aus Polyanttuch, 5 qm
- Ur-Pouchanlage aus Baumwolle 2.3 qm

Großbaum und Gaffel
- Pacific-Segelanlage aus Aluminium
- Ur-Pouch-Anlage aus Eschenholz

eine Seiten-Schwertanlage

Zubehör zur Montage und zum Handling


Alles ist sehr sperrig. Insbesondere die Schwertanlage und der Großbaum stören beim Paddeln extrem und müssen demontiert und irgendwie weggeräumt werden.

Die moderne Pazific-Segelanlage macht das Boot zwar wesentlich schneller als die Urbesegelung aus Ostzeiten und damit auch wendiger als anno dazumal. Physik bleibt aber Physik und die Belastungen für den Rumpf werden nun enorm groß.

Insbesondere bei böigem Wind sollte man sehr auf der Hut sein. Der Kahn liegt schneller auf der Seite als man denkt. Es bestehen aber gewisse Chancen das Boot wieder aufzurichten, wenn man die Nerven behält.

Vermutlich steht das Wort "Profi" quasi als prophylaktische Ausrede im Namen "Pouch Pacific-Segel Profi" des Segelzubehörs. Es ist nicht vordergründig zum Angeben gedacht, sondern falls das Boot mal auf der Seite landet, so waren die Anforderungen an den Sonntagskapitän halt zu groß. Dumm gelaufen!

Soweit ist unser Eingangslied schon okay. Zu zweit Segeln ist auf jeden Fall von sehr großem Vorteil. Man kann wesentlich besser reagieren und das Boot stabilisieren. Aber ob sich unsere Süße das auch so vorgestellt hat, wage ich stark zu bezweifeln.

Der ganze Spaß ist zudem noch sehr teuer. Für die moderne Pazific-Segelanlage zahlt man so um die 700 Euro
Die simple Urbesegelung war auch zu Ostzeiten für damalige Verhältnisse schon extrem teuer (über 100 Ostmark) und war deshalb nicht sonderlich weit verbreitet. Der Gebrauchtmarkt ist dementsprechend klein. Es gibt im Internet diverse Nachbauten. Für über 200 Euro ist allerdings auch noch nichts wirklich Vernünftiges zu haben.

Es ist eigentlich alles schade ums Geld. Zumal immer die Gefahr besteht, dass so ein Traumboot vorbeibraust und die Süße anschließend trotz aller Mühen erst recht knurrig ist.


Man(n) kommt sicherlich besser, wenn er das Geld über den Winter im Fitnessstudio lässt und anschließend die Süße sich im Boot sonnen und träumen lässt, d.h. dass er sie also allein über die Seen und Kanäle schaukelt. Ohne Paddel kann sie vorn die Beine auch viel besser über den Süllrand in der Sonne baumeln lassen. So schaut sie für das Umfeld auch recht attraktiv drein. In der Regel ist dann eitel Sonnenschein und das obige Liedchen passt auch ohne Segel!

Fazit: War nichts, abgehakt!