Pouch Faltboot RZ96-PVC
Ein Hausboot für die Ewigkeit - Pouch Faltboot RZ96-PVC Boot

Produkttyp: Pouch Boote

Neuester Testbericht: ... auf den Verdeck liegen. Das sieht aus wie ein PKW nach einem Überschlag. Die Reisezweier von Pouch sind aufgebaut 5,50 Meter lang und 90 ... mehr

Ein Hausboot für die Ewigkeit
Pouch Faltboot RZ96-PVC

oldroamer

Name des Mitglieds: oldroamer

Produkt:

Pouch Faltboot RZ96-PVC

Datum: 03.08.08

Bewertung:

Vorteile: Hausrat samt Haus an Bord

Nachteile: Alles tief verstaut

Hier fehlt noch ein Bericht zu einem recht wichtigen oder zu mindestens sehr interessanten Produkt. Es kommt natürlich wie immer darauf an, ob man das wirklich für wichtig bzw. interessant hält bzw. zu halten bereit ist!

Ich möchte jedenfalls erst einmal ein paar grundsätzliche Dinge zum Fabrikat sagen, da ich zwei schon mehrere Jahrzehnte alte Pouch-Boote, allerdings vom Typ RZ85, besitze und so durchaus etwas genauer ins Problem einführen kann. Ganz spezielle Paddler Erfahrung mit dem Typ RZ96 müsste dann ein aktiver RZ 96 -Paddler gelegentlich nachliefern.

Solche Boote sind nämlich eine Investition für die Ewigkeit, was bedeutet, dass noch meine zukünftigen Enkel keine RZ 96 Erfahrung zu erlangen brauchen aber sicherlich RZ 85 paddeln können.

Das Pouch-Boot RZ 96 hat uralte Traditionen schon in den Anfängen des ostdeutschen Sportgerätebaus. Es ist bei dooyoo freilich in der Kategorie Fahrzeuge und nicht bei der Kategorie Sport eingeordnet. Damit müssten wir es also mehr mit dem DKW F8 oder dem Trabi (s. dooyoo dort) als mit dem Benzinkocher Juwel (s. dooyoo dort) vergleichen.

Pouch-Boote sind ungeachtet dessen seit jeher weltweit anerkannt und sie waren nie solch ein jämmerlicher Kompromiss wie der Trabi (Trabant ... PKW-ähnliches, benzinfressendes, stinkendes Gefährt). Die Boote wurden aber von den mächtigen Herrschern des Ostens durchaus kritisch beäugt, da mit ihnen auf Grund ihrer sehr guten Fahreigenschaften eine Flucht über die Ostsee gen Dänemark bei ordentlichem Wetter für den geübten Paddler ohne weiteres zu schaffen gewesen wäre. Entsprechend scharf waren die Kontrollen schon weit vor den Küsten zum Beispiel in den Zügen und besonders dann in küstennahen Gewässern. Das Boot war nämlich auch für die Radaranlagen unsichtbar - da klein und aus Holz gebaut. Viele Gewässer durften so vom normalen Bürger gar nicht erst befahren werden.

Der Hersteller von Pouch-Booten ist heute zu erreichen unter:

Poucher Boote GmbH
Faltbootbau und Tischlerei
Bitterfelder Str. 24
06774 Pouch
Germany
Fon: 03493-55293
Fax: 03493-55231
poucher@poucher-boote.de


Die RZ-Pouch-Boote sind Faltpaddelboote mit einem Holzgestänge (Esche, verleimtes Sperrholz), einer Kunststoffhaut fürs Unterschiff (früher PVC-Gewebe, heute wahlweise PVC-Gewebe oder Hypalon-Haut), einem imprägnierten Baumwolloberdeck und Edelstahlbeschlägen (früher Alu).

Auf eine detaillierte Beschreibung des Konstruktionsprinzips solcher Boote bestehend aus Spanten, Steven, Senten, Süllrandleisten, einer Bodenleiter, speziellen Beschlägen usw. usf. möchte ich hier verzichten, denn dies würde meines Erachtens den Sinn eines dooyoo-Berichtes bei Weitem übersteigen und 99,99 Prozent aller Leser nichts nutzen sondern nur nerven. Interessenten finden zum Einstieg im Internet genügend viele, leicht verständliche schematische Zeichnungen. Die sind besser als tausend Worte und so kann ich mir die vergebliche Mühe sparen.

Die Bezeichnung RZ steht dabei für ReiseZweier und so können die Boote mit dem gesamten Hausrat und einer umfangreichen Campingausstattung ordentlich beladen werden. Offiziell ist bei 300 (RZ 96) bzw. 250 (RZ 85) Kilogramm Zuladung Schluss aber Autotouristen und Radwanderer können nur staunen, wenn die Paddler auf dem Zeltplatz anfangen auszupacken. Der Platz dafür ist in den Spitzen und an den Seiten reichlich vorhanden. Manche Paddler lieben es auch etwas höher zu sitzen und bauen sich dann auf ihren Schätzen ihre eigene Position.

Die Boote sind zusammengeklappt in einem Gestängesack
RZ 96: 150 x 45 x 20 cm und
RZ 85: 165/170 x 30 x 22 cm
und in einem Bootshautrucksack
RZ 96: 77 x 45 x 20 cm und
RZ 85: 80 x 56 x 25 cm
verpackt und 35 Kilogramm (RZ 96) bzw. 29 Kilogramm (RZ 85) schwer. Sie werden am besten auf einem kleinen klappbaren Bootswagen gefahren. Auf diesem können die Boote dann auch aufgebaut samt Gepäck auf einen Schlag aus dem Wasser geholt werden. Die Bootswagen sieht man dann oft kopfüber hinten auf den Verdeck liegen. Das sieht aus wie ein PKW nach einem Überschlag.

Die Reisezweier von Pouch sind aufgebaut 5,50 Meter lang und 90 Zentimeter (RZ 96) bzw. 85 Zentimeter (RZ 85) breit. Beide haben einen Tiefgang von etwa 10 cm. Welcher natürlich je nach Zuladung stark schwanken kann, bei einer Seitenhöhe von 25 cm (RZ 96) und 23 cm (RZ 85) bleibt noch allerhand Reserve. Die größere Breite des neuen RZ 96 ist ein Zugeständnis an die Wohlstandsgesellschaft. Dadurch besitzt das Boot seitliche Luftsäcke und kann wesentlich leichter aufgebaut werden und ist deutlich sicherer gegen Überschlag als der traditionelle Kahn RZ 85. Der Preis dafür ist allerdings sehr hoch. Das Boot wird nämlich wesentlich langsamer und zieht nicht mehr so extrem sauber seine Bahn.

Der Aufbau eines Faltbootes sollte vorher einmal im Garten probiert werden. Er ist dennoch ohne Probleme mit gesundem Menschenverstand zu schaffen und nicht wesentlich komplizierter als der Aufbau eines größeren Zeltes. Beim alten RZ 85 ist es vielleicht noch etwas kniffliger und dauert für den Geübten zirka 20 Minuten. Die längste Zeit nimmt das sachgemäße Verpacken nach dem Zusammenlegen in Anspruch.

Der Hauptvorteil derartiger Faltboote gegenüber Hartschalbooten liegt aber nicht nur in der Faltbarkeit sondern in ihren Fahreigenschaften. Die Boote liegen, wenn man es richtig macht, außerordentlich sanft in den Wellen und schlagen nicht hart gegen diese an. Sie winden sich quasi fast wie ein Fisch. Außerdem verbreitet das Holz und das atmungsaktive Oberdeck ein außergewöhnlich angenehmes Raumklima und es wird auch bei schlechtestem Wetter unter dem Spritzverdeck (gegen Aufpreis erhältlich) im Boot richtig urgemütlich. Natürlich muss man bei Faltbooten in seichten Gewässern immer etwas aufpassen hinsichtlich spitzer Gegenstände knapp unter der Wasseroberfläche. Ich kenne jedoch unmittelbar keinen Deppen, der sich jemals sein Boot aufgeschlitzt hat. Pouch bietet aber auch seit jeher diverses Reparaturzubehör an, was man für eine längere Tour an Bord haben sollte. Echtes Wildwasser ist jedoch nicht die Heimat der Pouch-Boote. Für Ängstliche oder für extreme Anforderungen gibt es spezielle Expeditionshäute.

Die Boote sind eigentlich nicht sonderlich pflegeaufwendig. Sie dürfen nur, wie jede Campingausrüstung, nicht längere Zeit total verdreckt und feucht gelagert werden. Dem Eschenholzgestänge tut nach mehreren Jahrzehnten vielleicht eine Lackierung mit Bootslack ganz gut. Das Sperrholz braucht/darf nicht gestrichen werden. Aufgebaut sollte man es auch nicht unbedingt monatelang ungenutzt unter direkter Sonneneinstrahlung lagern. Am wichtigsten ist jedoch, dass die PVC-Gewebe-Bootshaut im Winter nicht bewegt werden darf!! Sie ist bei tiefen Temperaturen sehr spröde. Es ist vollkommen egal wie geknickt und gedrückt sie liegt. Man darf sie aber keinesfalls anfassen oder anders belasten. Dann haben auch die Urenkel noch ihren Spaß daran. Die teurere und modernere Hypalon-Haut ist in dieser Hinsicht nicht so sehr empfindlich. Sie wird aber dafür längst nicht so alt.

Mit den Pouch-Booten RZ 85 und RZ 96 könnte unter Hinnahme von ein paar Kompromissen auch gesegelt werden, wenn man sich die entsprechende Ausrüstung zulegt. Aber dafür hat dooyoo einen extra Klick vorgesehen. Also werde ich eines Tages ein bisschen darüber schreiben, falls sich nicht jemand anderes findet oder vordrängelt.

Früher wurden solche Boote auch sehr oft mit Außenbordmotor gefahren. Das kommt jedoch nicht nur einer Vergewaltigung dieser schönen Boote gleich, es ist auch eine ökologische Katastrophe und zum Glück nicht mehr so recht zeitgemäß. Die Benzinpreise helfen nun auch den letzten Starrkopf zu belehren.

Natürlich ist der Einstieg erst einmal richtig teuer (meist sehr viel mehr als Zweitausend Euro) und auch die Zubehörliste ist recht lang. Notwendig bzw. zu mindestens beachtenswert für
Wasserwanderer sind zum Beispiel: die Paddel, das Spritzverdeck, die Steueranlage, Sitzpolster, Seitenpacktaschen und ein Bootswagen, für welchen eventuell auch einer für alle reicht, wenn es nicht mit dem Zug wieder nach Hause gehen soll.

Empfehlenswert wäre deshalb immer der Beginn auf dem freien Platz in einer Clique gemeinsam mit ein paar alten Hasen. Beim Paddeln in größeren Gruppen ist es natürlich wichtig in einem langen schmalen Boot zu sitzen um das Tempo der Truppe locker mitfahren zu können, wenn man nicht sowieso riesige Kraftreserven übrig hat.

Das Material spielt beim Paddeln eine viel größere Rolle als beim Radeln. Der traditionelle Kahn RZ 85 liegt da im Vergleich zu anderen Booten ganz bescheiden sehr weit vorn. Das Boot RZ 96 nimmt demgegenüber einen Fahrfehler bei Seegang nicht sofort krumm. Das RZ 85 ist hier erbarmungslos und kennt bei richtigen Schnitzern absolut keine Gnade.

Übrigens laut der Internetseite der Poucher-Bootsbauer (www.poucher-boote.de) scheint es sogar so, dass der alte Kahn RZ 85 nicht ganz vergessen ist, denn er ist dort neben anderen neueren Produkten noch/wieder gelistet. Man kann also recht frei wählen und seinen eigenen Schwerpunkt setzen.

Zum Kauf eines gebrauchten Bootes muss man ebenfalls einen Insider mitnehmen, da auch scheinbar unbedeutende Kleinteile recht teuer werden können. Prinzipiell ist die Ersatzteilbeschaffung aber kein Problem. Alle Boote werden seit anno dazumal durchnummeriert und diese Nummer ist auf dem dritten Spant eingeschlagen.

Fazit: Teuer wie ein kleines Gebrauchtauto aber viel langlebiger