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Im Weltall hört dich keiner schreien
Alien Anthology (Blu-ray)

Name des Mitglieds: HeiderSV
Produkt:
Alien Anthology (Blu-ray)
Datum: 31.12.10, geändert am 01.01.11 (133 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: ALLES
Nachteile: NICHTS
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Wir schreiben das Jahr 1979, die Welt ist scheinbar zweigeteilt in Ost und West, der Nato-Doppelbeschluss ist gefallen, euer Autor hat seine erste Staatsprüfung bestanden und verdient erstes Geld. In eben diesem Jahr erscheint ein neuer Science-Fiction-Film, der sich von der Star-Wars-Hysterie abhebt. Ein Film, der in der ZEIT eine Top-Bewertung bekommt -und das wollte damals was heißen! Euer Autor musste da natürlich rein und es passierte ihm zum ersten und einzigen Mal in einem Kino, dass er selbst Angst bekam. Es geht nicht um das Erschrecken bei entsprechend aufgebauten Szenen, das passiert vielen und oft. Aber wirklich richtig ANGST empfinden, mit den Protagonisten, das war eine mir bis dato und auch später unbekannte Erfahrung. Damit wurde ich natürlich zum Fan aller Alien-Filme, auch wenn da mit Teil 2 eine echte Gurke darunter gemogelt wurde.
Vorbemerkung
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Was ist eigentlich eine Anthologie? Vom ursprünglichen Wortsinn der "Blumen- oder Blütensammlung" ist es ein Begriff für eine Sammlung an sich geworden. Ich halte seit Weihnachtenn die "ALIEN-Anthologie" als Blue-Ray in meinen Händen und komme kaum noch dazu etwas anderes zu tun als zu schauen, zu staunen und mich zu freuen.
Fakten gefällig?
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Titel: Alien Anthology, BD, limited edition
Inhalt: 6 Blue-Ray Discs mit den 4 Alien-Filmen in 7 (8) Versionen und zwei Discs mit Zusatzmaterial
Preis: Geschenk - und einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
FSK 16
Spieldauer: so viele Stunden, dass es sich nicht lohnt, die hier zusammenzuzählen
Hauptdarstellerin: Sigourney Weaver spielt Lieutenant Ripley in allen 4 Teilen, auch wenn sie in Teil 4 kaum etwas mit dem Dienstgrad anfangen kann. Da in den Teilen 1-3 eigentlich immer alle um sie herum sterben, gibt es nur ein einmal ein kurzes Wiedersehen mit einem bekannten Gesicht.
Regie: 4 Filme - 4 Regisseure - das ist mutig, sowohl von den Produzenten (hier geben sich drei Herren ständig die Hände) als auch von den Regisseuren selbst. Schließlich müssen sie sich immer mit ihren Vorgängern vergleichen lassen. Im Original hat sich Ridley Scott einen Namen gemacht, Teil 2 machte James Cameron 7 Jahre später dann auf seine Art "bombastisch", er war gerade durch Terminator (1) bekannt geworden, David Fincher inszenierte weitere 6 Jahre später dann Teil 3 und beendete "eigentlich" die Trilogie. Ripley stirbt und der letzte Alien mit ihr. In Teil 4 setzte der Franzose Jean-Pierre Jeunet 5 Jahre später neue Akzente und ließ sogar Platz für mögliche Fortsetzungen. Doch der unübersehbare Altersfortschritt der Hauptdarstellerin lässt das nicht zu und so hat es nur "Alien vs Predators" gegeben. Decken wir den Mantel des Schweigens über diese Filme.
Besonderes: Diese 6 BDs sind intelligent miteinander verknüpft. Wenn man den entsprechenden Button drückt, dann kann man beim Schauen eines Filmes mit einem Klick festlegen, welches Zusatzmaterial man auf der Zusatz-Disc 5 sehen will bzw. man kann innerhalb des Filmes die Audiokommentare nahtlos z- oder abschalten. Legt man die Zusatzdisc danach ein, muss man sich nicht mehr mühsam durch das Menü bis zur gewünschten Sequenz durchwühlen, sie erscheint sofort. Dieses "Wunder" wird leider mit einem permanenten Overlay auf dem Film erkauft, das macht keinen Spaß, wenn man den Film im Ganzen sehen will.
Vor der Filmkritik
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Da es Blue-Ray-Discs sind, ist die Erwartungshaltung was Bild- und Tonqualität angeht, sehr hoch. Zudem erwarte ich bei den 6 Discs auch eine angemessene Extra-Ausstattung. Beide Erwartungen erfüllt diese Anthologie. DTS 5.1 als Tonformat, das hat schon Kinofeeling, die Bildqualität ist erwartungsgemäß spitze, auch wenn das letzte I-Tüpfelchen bei den etwas älteren Filmen natürlich nicht heraus gekitzelt werden kann. Doch im direkten Vergleich zur DVD ist ein Unterschied klar erkennbar.
Die Zusatzausstattung ist überwältigend, unterschiedliche Audiokommentare, beide Filmfassungen mit dem besonderen Highlight, sich in der neuen Fassung die neu eingefügten Szenen extra markiert anzeigen zu lassen, befinden sich auf den 4 Film-Discs, zudem kann man sich die Filmmusiken isoliert anhören, auch hier gibt es manchmal verschiedene Versionen.
Die Fülle an Extras auf den beiden zusätzlichen Scheiben kann dich erschlagen. Disc 5 ist direkt mit den 4 Film-Scheiben verbunden (siehe oben). Zu jedem Film gibt es um die 10 Zusatzteile, über die Story, das Casting, Tricks, Ton usw. Die sechste Scheibe ist mit "Archive" überschrieben, auch hier gibt es nach den Filmen sortiert jede Menge Zusatzinformationen. Diese Disc ist aber nicht mit den anderen verbunden. Hier sieht man z.B. noch mehr "entfallene Szenen", Szenen, die auch später nicht in die "extended" Versionen aufgenommen wurden und jede Menge mehr. Ich nenne exemplarisch die "Geburtsszene" im ersten Teil. Das Alien verschwindet rasch vom Tisch. CGI gab es 1979 noch nicht, also wie machte man das? Das Modell fuhr tatsächlich auf den Schienen einer Spielzeugeisenbahn über den Tisch, durch den Kamerawinkel und die vielen wahllos verstreuten Gerätschaften auf dem Tisch sieht niemand die Schienen. Die Schauspieler aber mussten so tun, als ob sie schockiert waren, dabei war es für sie eher eine Lachnummer, dieses Gummivieh da auf einer Eisenbahn sitzend über den Tisch fegen zu sehen, besonders, da es in der ersten Einstellung eine Schüssel vor sich herschob.
Die 4 Alien-Storys in Kürze
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ALIEN: Der Raumfrachter Nostromo verarbeitet automatisch Erz, während er zur Erde zurückfliegt. Die Mannschaft liegt im Kälteschlaf. Als sie geweckt wird, denkt sie, der Erde nah zu sein. Doch tatsächlich wurde sie zu einem Planeten umgeleitet, um dort ein extraterrestrisches Signal zu verfolgen. Ein Alien nistet sich im Körper eines Besatzungsmitgliedes ein und tötet nacheinander alle anderen. Nur Lieutenant Ripley kann entkommen, den Frachter in die Luft sprengen und den Alien ins All befördern.
ALIENS: Jahrzehnte später wird Ripley im Kälteschlaf gefunden, der Planet des Aliens wird besiedelt. Doch plötzlich Funkstille. Hat Ripley, der man ihre Geschichte nicht geglaubt hat, doch Recht? Eine schwer bewaffnete Truppe Elitesoldaten zieht los, mit Ripley als Beraterin und einem Vertreter des Unternehmens, dass die Kolonie aufbauen wollte. Sie finden Kampfspuren, dann die Aliens und werden von diesen Mann für Mann erlegt. Ripley und das kleine Kolonistenmädchen, das bis dahin versteckt überleben konnte, zerstören die Brut der Alien-Königin und letztendlich endet diese wie in Teil 1 im All.
Alien³: Das Schiff der Marines, auf dem nur noch Ripley, das kleine Mädchen und ein schwer verletzter Soldat im Kälteschlaf sind, stößt den Trakt mit den Menschen ab. Die Bruchlandung auf einem Sträflingsplaneten überlebt nur Ripley. In diese raue Gesellschaft platzt ein Alien, das mit an Bord war. Es gibt keine Waffen, die Kolonie wird Mann für Mann getötet, aber Ripley wird verschont. Denn sie trägt bereits das Ei einer neuen Königin in sich. Sie stürzt sich in das flüssige Blei, um das letzte Alien zu töten.
Wiedergeburt: 200 Jahre sind seitdem vergangen, an Bord eines militärischen Forschungsraumschiffes wird aus Ripleys Blut eine Kopie von ihr geklont. Im 8. Versuch kann man ihr die Königin entfernen und beginnt jetzt, Aliens zu züchten und zu zähmen, wie erwartet mit dem einzigen Erfolg, dass diese entkommen und alles töten oder als neue Brutkörper verwenden wollen. Ripley, die nur teilweise menschlich ist, flieht mit den letzten Überlebenden durch das Schiff, doch sie kann ihrem Schicksal, ihrem "Kind" nicht entkommen. Es endet wie fast immer, alles fliegt in die Luft, der letzte Alien wird ins All geschleudert ...
Disc 1: ALIEN
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Die Geschichte ist erzählt, jetzt zu den Details. Das Raumschiff steht im krassen Gegensatz zu den Star-Wars-Schiffen. Dieses hier ist schmutzig, alt, abgenutzt, hier geht ständig etwas kaputt, es ist dunkel, die Horror-Atmosphäre kann sich bestens ausbreiten. Der Film arbeitet sehr stark mit der Angst und kaum mit Splattereffekten, abgesehen von der extrem blutigen Szene, in der John Hurt das Alien gebiert. Aber die Angst und Verzweiflung in den Gesichtern der Schauspieler, allen voran Veronica Cartwright als Lambert, und am Ende Ripley, als sie den Alien in ihrem winzigen Rettungsboot entdeckt. Überhaupt ist der ganze Film klaustrophobisch angelegt. Egal wie groß das Raumschiff ist, es ist überall eng, unübersichtlich. Bereits der einleitende, quälend langsame Aufbau des Filmtitels, mit der Filmmusik von Gerry Goldsmith unterlegt, erzeugt reines Gänsehautfeeling.
Der Film treibt auch seine aus Horrorfilmen bekannten Späße mit dem Publikum. Zweimal erschrickt man sich zu Tode, aber es ist nur die Katze, die da plötzlich auftaucht und faucht. Und natürlich gibt es auch hier den "willigen Helfer" des Monsters, der Wissenschaftsoffizier hat Anweisung, das Exemplar unter allen Umständen lebend zur Erde zu bringen, denn: "die Besatzung ist entbehrlich". In der Film-Persiflage des MAD-Heftes wird er demnach auch mit OWEIA abgekürzt, der "Offizier für Wahnwitzige Einfälle Im All". Er entpuppt sich als Android, war also vor dem Alien ziemlich sicher.
Die wenigen handelnden Personen haben alle ihre eigenen Charaktere. Der Captain ist eher zurückhaltend, aber nicht feige, der Wissenschaftsoffizier Ash verbirgt seinen geheimen Auftrag geschickt und schindet Zeit, wo er nur kann. Ripley ist jung, forsch und wächst mit der Aufgabe. Kane ist der Optimist, dem seine Neugierde zum Verhängnis wird, Lambert kann mit der Situation nicht umgehen und die beiden "Arbeiter" Brett und Parker wirken ein wenig wie Dick und Doof.
Noch ein Wort mehr zu Sigourney Weaver als Ripley: Ripley war der erste weibliche Actionheld in der Filmgeschichte, sie (!) durfte überleben und hat das Monster letztlich durch ihre Schläue besiegt, nicht mit Körperkraft.
Hansruedi Giger hat mit dem Alien und mit dem fremden Raumschiff und dessen Interieur eine so fremdartige Welt erschaffen, wie es sich für dieses Alien auch gehört. Da steckt nicht einfach ein Kerl in einem Gummikostüm, da ist jede Nuance bedacht. Den Oscar hat er sich wahrlich verdient. (Und wer den Film "Kondom des Grauens" gesehen hat, erkennt Teile vielleicht wieder!)
Man kann die 12 Minuten längere Fassung ansehen und bekommt so ein paar mehr Einzelheiten zum Leben an Bord mit und die wirklich neue und dem Buch entlehnte Szene, in der Ripley den vom Alien eingesponnen Captain Dallas findet, der sie anfleht, ihn zu töten.
Im Audiokommentar erfährt man, dass John Hurt als Kane die Rolle zunächst ablehnte, dann aber zwei Ereignissen seine Mitwirkung verdankte. Erstens erkrankte der Ersatzschauspieler gleich am ersten Drehtag so ernsthaft, dass an ein Weitermachen nicht zu denken war und zweitens wurde John Hurt die Einreise nach Südafrika, wo er eigentlich drehen sollte, verweigert. Tatsächlich stand sein Kollege John Heard auf der schwarzen Liste des Apartheid-Regimes, aber ausgesprochen klingen beide Namen identisch.
Disc 2: ALIENS
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Hier sollte man unbedingt die Langfassung sehen, denn einige der neuen Szenen machen den Film zumindest erträglich. Denn eigentlich ist das nichts als eine blöde, fast sinnentleerte Ballerorgie voller logischer Fehler. Und dann wird auch noch das Ende von Teil 1 schamlos kopiert.
So konzentriere ich mich in der Besprechung auf den Zusatznutzen, den die Zusatzsequenzen bringen. Das beginnt mit dem Gespräch von Ripley mit Burke. Ripley erfährt (nach 57 Jahren im Kältewschlaf!), dass ihre Tochter im Alter von 66 Jahren inzwischen verstorben ist -und sie hatte ihr versprochen, zu ihrem 11. Geburtstag zurück zu sein.. Jetzt wird ihre bedingungslose Hinwendung zu dem kleinen Mädchen Newt erst verständlich und ihre Freude, als Newt sie "Mami" nennt. Dann werden automatische Waffen aus dem Wrack geborgen und in Stellung gebracht. Deren Dauerfeuer bis zur letzten Patrone wird eindrucksvoll und hat die Aliens gezwungen, einen anderen Weg zu suchen. Sehr dramatisch gedreht, die ersten beiden feuern bis zum letzten Schuss, man sieht sie nur ballern bzw. sieht in der Zentrale, wie ihre Munition gnadenlos gegen Null läuft. Bei den anderen beiden dagegen sieht man das zwar auch, aber zusätzlich sieht man, wie Alien auf Alien von den Geschossen zerfetzt wird. Nur noch 10 Geschosse bleiben in der letzten Waffe, aber das wissen die Aliens bei ihrem Rückzug nicht.
Ansonsten ist der Film kaum sehenswert, waffenstrotzendes Geballere und Heldentod statt Horror bestimmen seinen Verlauf. Das Raumschiff der Soldaten sieht selbst wie eine riesige Handfeuerwaffe aus.
Die "Einführung" des Mutteraliens allerdings ist gelungen. Besonders die Szene, wo Ripley mit der kleinen Newt auf dem Arm die Höhle der Königin erreicht und zunächst das neu gelegte Ei sieht. Ihr Blick (und die Kamera) verfolgen das eierlegende Hinterteil im Halbrund, der Blick erreicht den riesigen Körper und mit einer letzten Drehung und Blick nach oben schauen sich die beiden "Mütter" in die Augen. Diese Sequenz ist absolut spitze. Ebenso der darauf folgende Verrat von Ripley an der Königin, die für freies Geleit das Gelege vor dem Flammenwerfer verschonen wollte. Die Königin schickt brav ihre Soldaten zurück, doch Ripley verbrennt das Nest trotzdem und jagt der Königin Granaten in den gebärenden Unterleib.
Disc3: Alien³
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In diesem Film unterscheiden sich die Kinofassung und die "extended" nicht allein in der Länge sondern ziemlich im Inhalt. In der Kinofassung wird der Hund Opfer des Alien-Eis und der Alien selbst wird kleiner und eher vierbeinig dargestellt. In der Langfassung dagegen haben die Häftlinge große Zugochsen und von denen wird einer vom Alien befallen. Hier sieht man die übergroßen Läuse, von denen in der Kinofassung nur die Rede ist, immer wieder. Und auch die "Geburt" des Aliens findet vor der Kamera statt. Natürlich wird auch dieses ein Vierbeiner.
In beiden Filmen führt das dazu, dass die Fortbewegung des Aliens neue Möglichkeiten bietet. es läuft die Wände entlang oder sogar an der Decke, mit subjektiver Kamera gefilmt rennen dann die Menschen entsprechend um 90° oder gar 180° versetzt weg. Das ist sehr gut in Szene gesetzt.
Zurück zu den unterschiedlichen Versionen: in der Kinofassung wollen die Menschen das Alien in den Schächten verbrennen, in der Langfassung wollen sie es mit dem Feuer in einen Raum mit 2-Meter dicken Türen treiben und dort einsperren. In beiden Filmen schlägt das Alien vorzeitig zu und viele Menschen verbrennen, in der extended aber wird es dennoch in dem Raum eingesperrt. Doch ein durchgeknallter Sträfling meint, dieses Wesen befreien zu müssen, weil er zweimal zuvor nicht gefressen wurde. So befreit er es und bezahlt das mit seinem Leben.
In diesem Film (beide Versionen) wird viel Wert auf Einzelcharaktere gelegt. der Kommandant ist selbstgefällig, arrogant und ignorant, sein Helfer (von den Häftlingen als "85" verspottet - 85: so hoch ist sein IQ) hoffnungslos überfordert. Arzt hat selbst eine böse Vorgeschichte und lebt dennoch sein eigenes Leben in Opposition zum Kommandanten. Er hilft Ripley, er klärt sie über die Männerwelt und den dort herrschenden Glauben auf. Und wenn er der nackten Ripley sagt, dass die Männer hier seit Jahren keine Frau gesehen haben und dann sich abwendend hinzufügt "Ich übrigens auch nicht." dann wird auch die wenige Erotik, die zwischen diesen beiden in diesem Film vorkommen wird, gut eingeleitet. Auch der Prediger, ein hünenhafter Schwarzer, Mörder und Vergewaltiger, macht sehr deutlich, wie sein Glaube zu verstehen ist. Mit einem Brecheisen haut er Ripley aus einer Horde Männer heraus, die über sie herfallen wollen. Er hat sich zum Glauben bekannt und weigert sich, Ripley zu töten, so lange noch eine Chance besteht, das Alien zu erlegen und sie zu retten. Auch der verrückte Golic und Aaron als braver Jünger sind eindeutig bestimmbar. Damit versucht Alien³ sich an das Original anzulehnen, keine Waffen, kaum Chancen.
Zum Schluss dann kommt es zum "Wiedersehen" mit dem Androiden aus Teil 2 ("Ich bin zwar synthetisch, aber nicht blöd!"). Hier kommt das menschliche Original, um Ripley zu überzeugen, das Alien in ihrem Körper -eine Königin- der Gesellschaft zu übergeben. Man wird sie retten und lockt sie mit der Hoffnung auf eigene Kinder (siehe den extended Teil von Film 2). Doch Ripley glaubt ihm nicht und tötet sich und das gerade aus ihr schlüpfende Alien. Hier ist die Kinofassung genauer, im Fallen kommt es aus ihr heraus und sie umfasst es scheinbar liebevoll, wie eine Mutter, nur um mit ihm ins flüssige Blei zu tauchen.
Disc 4 Wiedergeburt
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Wie soll es weitergehen? Die Geschichte ist doch erzählt und beendet? Doch da sich in der realen Menschheitsgeschichte mit dem Klonschaf Dolly so einiges getan hat, da war doch die Idee, Ripley aus Blutresten vom Sträflingsplaneten zu klonen, für einen Science (!) Fiction Film nicht abwegig. Der Unterschied von Kinofilm zur Alternativversion ist marginal, ein anderer Vorspann und eine zusätzliche Schlussszene sind die einzigen nennenswerten Differenzen. Mir gefällt der Originalvorspann viel besser, weil er einerseits ein "Déjà-Vu" im Film vorbereitet und andererseits das Alien in seiner Monstrosität einführt. Die zusätzliche Schussszene dagegen hat was und fügt sich auch logisch besser in den Film ein. Denn sie schaffen es ja tatsächlich bis zur Erde, also warum nicht für ein paar Einstellungen und letzte Worte dort verweilen?
Der Film: In gewisser Weise erzählt auch Teil 4 die Geschichte von Teil 1 (und 3): Überlebende versuchen, den Aliens zu entkommen, Ripley ist immer dabei. Aber doch ist die Geschichte anders, ganz anders. Die Überlebenden sind moderne Piraten, die im Kälteschlaf liegende Menschen an die Forscher verkauft haben. Die Forscher haben aus Ripley die Königin operativ entfernt und versuchen jetzt, die Alien-Soldaten abzurichten. Mit flüssigem Stickstoff als Strafe scheint die Bändigung auch tatsächlich erste Erfolge zu zeigen. Doch wie Ripley ganz trocken bemerkt: "Sie werden alle sterben!". Auch hier ist ein Android mit von der Partie, ein "Auton", ein von Robotern entwickelter Roboter, einer der letzten seiner Art, weil diese einfach zu eigensinnig agieren. Er (Sie) hat sich unter die Piratenmannschaft geschmuggelt um Ripley zu töten, bevor das Militär anfangen kann, Aliens zu züchten. Die lebende Ripley ist ihm/ihr ein völliges Rätsel, wird aber letztlich akzeptiert: "Du bist wenigstens teilweise menschlich." Angedacht war diese Rolle als actiongeladene Kämpferin, ähnlich Vasquez aus Teil 2, aber als der Regisseur Wynona Ryder dann sah, meinte er nur: "Du rennst weg!" So sorgt besonders Ripley für tote Aliens.
Ripley selbst ist zwiespältig, sie ist nicht ganz Mensch und doch kein Alien. Aber sie kann dem Schmerzensschrei ihres "Kindes" nicht entgehen, liebevoll liebkosen sich die beiden. Trotzdem will Ripley nur eins: Die Aliens töten und raus aus dem Schiff. Leider muss dieser Film hier wie in Teil 1 und 2 erneut das letzte Alien mit auf das rettende Schiff bringen, damit es in die Leere des Alls befördert werden kann. Immerhin wird diese Szene hier völlig neu aufgebaut, Ripleys säurehaltiges Blut schmilzt ein Loch in ein Außenfenster und das halb menschliche Alien-Kind wird mit dem Rücken an dieses Loch gerissen. Weinend sieht Ripley zu, wie es Stück für Stück aus dem Raumschiff gesogen wird. So verliert sie ihr letztes Kind, zwar gewollt aber dennoch ein Verlust.
Auch die lange Sequenz, in der Ripley ihre Vorgängerinnen 1-7 (1-6 in Flüssigkeit haltbar eingelegt, 7 schon fast fertig auf ein Bett geschnallt) findet, ist für den Film wichtig. Natürlich waren die ersten Klonversuche nicht erfolgreich, Mensch und Alien vermischten sich stark und mit jedem weiteren Versuch weniger. Die Trennung gelingt erst mit Modell 8, doch auch hier eben nicht vollkommen. Ripley hat Aliengene in sich und die Königin legt nicht nur Eier, sondern gebiert ein richtiges Alienkind, mit Presswehen, wie ein menschliches Weibchen.
Und zum Schluss noch ein kleiner Gag aus dem Film, der die Reihe der ironischen Momente dieses Filmes zu einem würdigen Abschluss bringt: Ripley übernimmt das Steuer an Bord des Piratenschiffes, da beide Piloten tot sind. Sie wird von Johner gefragt, ob sie so ein Ding überhaupt fliegen kann und antwortet darauf: "Diese Mühle ist älter als ich!" Wo ist da der Witz? Dann rechnen wir doch mal: In Alien ist Ripley ungefähr 30, danach 57 Jahre Kälteschlaf, und dann 200 Jahre später ihre Wiedergeburt, dieses Raumschiff soll also 300 Jahre alt sein?
Disc 5: Verknüpftes Zusatzmaterial
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Hier kann man jede Menge Interviews bzw. Statements anhören/ansehen und erfährt so unter anderem viel über die Zusammenhänge vieler Filme der 70er und frühen 80er Jahre. 2001 - Total Recall - Dark Star - Alien - Dune - Gremlins. Auch das Casting, die Visualisierung -ich mache es kurz: schlichtweg ALLES, was man zu einem Film nachträglich sagen kann, sind in den "Blue-Ray-Specials" zu sehen und zu hören. Lustig ist die Sequenz mit Parker und Brett beim Reparieren des Shuttles. Sie improvisieren ihre Texte in jedem Take neu, müssen sich aber an ein paar Fixpunkte halten.
Wirklich kritische Stimmen sind naturgemäß nicht zu hören, aber interne Streitigkeiten, Rivalitäten und ähnliches werden nicht verschwiegen. Damit hebt sich dieses Material positiv von dem üblichen "making-of"-Gelaber ab, wo jeder jeden lobt. Um die Urheberrechte des Original-Drehbuches wurde jahrelang gestritten, britische Schauspieler akzeptierten James Cameron nicht, der die Regie sowieso nur unter der Bedinguing erhielt, dass sein Film Terminator erfolgreich sein würde, Teil drei wurde von vielen Mitwirkenden im Nachhinein als "schwierig" oder gar als "nicht beendet" beschrieben, was wohl eine höfliche Umschreibung dafür sein sollte, dass sie nicht zufrieden waren. Und mussten wirklich so viele Verträge mit den vielen externen Helfern bei Teil 4 auf eine Woche begrenzt sein, d.h. dass sie innerhalb einer Woche einfach hätten gefeuert werden können? Hilft das bei der Motivation?
Ausblick und Abschluss
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Dass diese Box von mir die Höchstpunktzahl erhält, dürfte keine Leserin und keinen Leser überraschen. Ich bin begeistert.
Und es gibt Gedanken, keine weitere Fortsetzung sondern eine Vorgeschichte zu entwickeln. Eine Geschichte, die evtl. genau da endet, wo Teil 1 beginnt. Denn so vieles ist ja noch gar nicht thematisiert worden: Wie sieht der Planet der Aliens aus? Provokativ gefragt: Wie sehen deren Supermärkte, Krankenhäuser oder Autos aus? Oder konkreter: der Space-Jockey, der in seinem Körper eine Alien auf den unwirtlichen Planetoiden getragen hat, der muss doch auch irgendwo her gekommen sein. ja, hier gibt es noch Möglichkeiten, den einen oder anderen Alien-Film zu drehen, der dann auch auf Sigourney Weaver verzichten kann. Oder wird ihre Geschichte auf der Erde weitererzählt? Wie kann sie, bzw. KANN sie überhaupt auf der Erde unter Menschen weiterleben, mit ihrem genetischen Material? Ist sie die nächste Evolutionsstufe der Menschheit? Wird der homo sapiens durch sie und ihre Nachkommen zum Neandertaler, der zum Aussterben verurteilt ist?
Lassen wir uns überaschen.
Fazit: Nicht nur für Fans ein Muss
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