Sylter Hopfen

Ist hier Hopfen und Malz verloren?

Produkt:

Sylter Hopfen

Datum: 31.12.10

Bewertung:

Vorteile: Damit können auch Biertrinker Silvester punkten

Nachteile: Der Preis sagt: kein Alltagsgesöff

ISchon zweimal wurde ich dazu genötigt, ein "Champagner-Bier" zu probieren, und zwar

SYLTER HOPFEN.

Naja, "genötigt" hört sich nicht nett an. Aber ich mag kein Bier, und wenn ich zu das befreundete Ehepaar besuche, die mich ääh, sanft zum Probieren des Sylter Hopfens überredet hat, wird zur Begrüßung erst einmal ein Champagner geöffnet. Von diesem Ritual wurde glücklicherweise nicht abgewichen, jedoch wurde zusätzlich der Sylter Hopfen kredenzt.


-- Hää??? --

Erst dachte ich aufgrund des Namens, es wäre ein Gemisch aus Bier und Champagner (was für eine Verschwendung von Champagner wäre das gewesen), aber das Zeug beinhaltet keinen Champagner, es wird nur so ähnlich hergestellt wie Champagner und die enthaltene Hefe wird normalerweise zur Champagnerherstellung verwendet.


-- Die Verpackung oder in dem Fall: Flasche --

mutet an wie eine Sekt- oder Champagnerflasche. Es handelt sich nämlich um eine 750 ml Flasche, also nicht die gängigen Bierflaschengrößen. Sie besteht aus getöntem dicken Glas. Das Etikett ist in Goldprägung numeriert und hat einen goldfarbenen Rand. Sieht edel aus. Der Verschluss besteht nicht wie bei normalen Bierflaschen aus einem Kronkorken, die Flasche verfügt über einen Kork-Verschluss (kein Plastikkorken wie bei Billig-Sekt), der wie bei Sekt-/Champagnerflaschen mit Draht am Flaschenhals befestigt ist.


-- Der Unterschied zu Otto-Normalverbraucher-Bier: --

Der Hopfen für dieses Produkt wird auf Sylt angebaut, genauer: in Keitum. Sylt ist nicht gerade bekannt als Hopfenanbaugebiet, daher musste erstmal probiert werden, welche Sorte dort gedeihen kann. Eine weitere Zutat, nämlich die Hefe, ist eine spezielle Hefe, die wie schon erwähnt auch bei der Champagnerherstellung verwendet wird und nicht in "normalem" Bier vorkommt.

Eine weitere Besonderheit ist die Gärung. Zunächst erfolgt die Gärung ganz normal in Bottichen, danach wird eine Flaschengärung durchlaufen, eben wie bei Champagner, hochwertigem Sekt oder Cava. Wie bei diesen Produkten wird auch der Sylter Hopfen degorgiert, dass heisst., die Flasche wird nach und nach so positioniert, dass sie über Kopf steht. Dann sammelt sich das Hefedepot im Flaschenhals über dem Korken. Durch eine extreme Kühlung (bei Champagner ist das so um -20° Celsius) gefriert die Hefe im Flaschenhals, es entsteht ein Überdruck und beim Öffnen der Flasche schießt das gefrorene Hopfen-Depot oder Hopfen-Propfen regelrecht heraus. Womit der dadurch entstandene Platz in der Flasche bei diesem Biergetränk aufgefüllt wird, entzieht sich leider meiner Kenntniss.


-- Nun zum Geschmack. --

Das ist schwierig. Da ich kein Bier mag, bin ich für eine Geschmacksbewertung nicht prädestiniert. Ich stehe mehr auf Wein, guten Sekt oder eben Champagner. Aufgrund des Namens "Champagner-Bier" könnten sich eventuell auch andere Nicht-Bier-Trinker zu diesem Testbericht verirren. Wer hier ein Gemisch aus Champagner- und Bieraromen erwartet, wird meines Erachtens enttäuscht sein. Denn die Zutaten sind halt Bier-Zutaten, auch wenn es sich um besondere Hopfen- und Hefesorten handelt. Und so schmeckt der Sylter Hopfen eben nach... Bier. Auch Farbe und Schaum sehen für mich so aus wie bei herkömmlichen Bier. Der Aloholgehalt liegt bei etwas über 6 %.

Das Produkt ist feinperliger als herkömmliches Bier und die Menschen, die es mögen, nutzen lieber ein Sekt-/Champagnerglas als ein Bierglas, um die Perlung und den Geschmack zu optimieren. Ich zitiere hier mal meine Schwester, zu deren Ehren die zweite Nötigung, das Zeug zu trinken, stattgefunden hatte. Die Flasche wurde nicht in ihrem Beisein geöffnet, es war sozusagen eine Blindverkostung. Mein Schwesterlein meinte, dieses Bier würde mehr prickeln (nein, nicht im Bauchnabel!), hätte einen anderen Schaum als und eine undefinierbare weil unbekannte, aber gute Geschmacksnote.


-- Gesamteindruck, Preis-Leistungsverhältnis: --

Nicht alltagstauglich, schon von Preis her, aber für Bierliebhaber mal eine neue Erfahrung. Wer keinen Sekt oder Champagner mag und nur-Bier-Trinker ist, hat zum Jahreswechsel oder zu anderen besonderen Anlässen hier eine Alternative gefunden. Ansonsten ein nettes Mitbringsel von der Insel Sylt.

Der Preis für eine 750 ml Flasche: knapp unter 20 Euro.

Das ist für ein Bier natürlich ziemlich teuer. Jedoch ist der Preis hier nachvollziehbar aufgrund der arbeitsintensiven Herstellungsmethode und der nur kleinen Anzahl der produzierten Flaschen.



-- Zum Schluss noch: --

Sylter Hopfen ist eine eingetragene Marke der:
Westindien Compagnie Seehandelsgesellschaft mbH, Brauereiweg 21, 24939 Flensburg.


Ich vergebe mal 4 Punkte als Sekt-/Champagneralternative für Biertrinker

Fazit: siehe Bericht

Name des Mitglieds: tästpersohn