Sagres
Ein Mann, ein Auftrag, ein Bier! - Sagres Bier

Neuester Testbericht: ... bezieht sich auf eine 0,33 l. Flasche, denn in dieser Größe wird das „Sagres“, so der Name des Zielo... mehr

Ein Mann, ein Auftrag, ein Bier!
Sagres

cyranorick

Name des Mitglieds: cyranorick

Produkt:

Sagres

Datum: 21.12.00, geändert am 04.11.04 (1517 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Fehlanzeige

Nachteile: siehe Text

Vielleicht haben sich einige gewundert, warum ich in der letzten Zeit des Öfteren Biere getestet habe. (Und auch weiterhin tun werde...ich werde erst ruhen, wenn ich jedes verfügbare Bier getestet habe...)

Nun, das hat natürlich nichts damit zutun, daß ich gerne Bier trinke. Es ist auch keine Ausrede dafür, mich unbehelligt den weltlichen Genüssen hingeben zu können. Nein, es ist ein Auftrag.....

Doch laßt mich vorn vorn erzählen:

Es ist schon ein paar Wochen her. Wie üblich saß ich in meinem stickigen, verrauchten Büro. Die Herbstsonne schien durch das Fenster hinein. Ich mußte der kleinen Blondine im Vorzimmer wohl mal wieder einen Lappen in die Hand drücken, denn im dunstigen Gegenlicht konnte ich sehen, wie dringend das Fenster geputzt werden mußte.
Nur einen Lappen! Wie hatten sich die Zeiten geändert! Früher brauchte man keine Putzfrau..wozu hatte man Sekretärinnen. Damals war sie für alles da...heute braucht man extra Putzfrauen, einen Masseur....und manchmal mußten sogar Bordsteinschwalben Arbeiten übernehmen, die früher die Sekretärin erledigte.

War ich schon so alt geworden? Hatte der Lauf der Zeit mich überholt?
Während ich meinen Gedanken nachhing, saß ich hinauf zu dem Deckenventilator, der sich träge drehte und den aufsteigenden Qualm meiner Luckies zu spiraligen Rauchsäulen verwirbelte.

Meine rechte Hand ließ den billigen Bourbon im Becher kreisen, und es wurde wieder Zeit, einen Schluck zu nehmen. Schließlich war es schon fast halb zehn, und die Menschen im Gebäude kamen zur Arbeit.

Der billige Fusel trieb mir die Tränen in die Augen. Drunten auf der Straße hupte ein Auto.

Es klopfte an der Tür.

„Komm rein, Schätzchen!“ rief ich Brenda zu, deren Silhouette sich wieder einmal verführerisch hinter der Rauchglastür abzeichnete. Ich konnte sehen, daß sie wieder diesen verdammt kurzen Rock anhatte, der ihr so gut stand, und der mich verdammtnochmal irgendwann
um den Verstand bringen würde.
Meine Sekretärin Brenda (oder „Schätzchen“, wie eigentlich alle Hasen) trat ein, und nach ein paar Sekunden war mein Blick auch in ihrem Gesicht angekommen.
„Rick...hier ist ein Mr. Doe, der sie sprechen möchte!“
Bevor sie ausgeredet hatte, drängte sich „Mr. Doe“ auch schon durch die Tür. Ganz grau und abgehetzt sah er aus, gehetzt schaute er sich auch im Büro um. Er öffnete den Mund, doch ich unterbrach ihn.

„Schon gut, Brenda-Häschen!“, sagte ich, warf noch einen letzten Blick auf ihren hübschen, runden Hintern, als sie den Raum verließ, und sah meinen neuen Klienten an.

„Setzen Sie sich, John!“ Natürlich wußte ich, daß er seinen Vornamen mit „John“ angeben würde...schließlich war ich lange genug im Geschäft, und ich hatte schon fast so viele John Doe´s kennengelernt, wie ich in tiefe, dunkle Revolvermündungen gesehen hatte, oder wie ich Flaschen billigen Fusels getrunken hatte.

„Sie müssen mir helfen!“, sagte John Doe.
„Falsch! Ich KANN Ihnen helfen, da bin ich mir sicher! Aber nun beruhigen Sie sich, und erzählen Sie mir, um was es geht.“
Erneut blickte er sich suchend um, und ich konnte sehen, wie sich wie in einer Zeitlupeneinstellung ein Schweißtropfen von seiner Stirn löste, und langsam in Richtung meiner Tischplatte fiel...dort zerplatzte er dann in unzählige weitere, kleinere Tropfen, die irgendwo in meinem Büro landeten. Ich kannte diese Menschen...eigentlich kannte man alle John Doe´s, wenn man einen kannte. Dieser war harmlos, und ich war mir sicher, daß er ein an und für sich lächerliches Problem hatte.
Ich sollte Recht behalten.
Es stellte sich heraus, daß John Doe ein kleiner Kneipenwirt war, der lediglich etwas verschreckt war, und Angst um die Zukunft seiner Pinte hatte. Viele Gäste hatten ihm gesagt, seinem Laden würde das gewissen etwas fehlen..und außerdem schmecke
sein Bier nicht.
Und nun sollte ich seine Pinte retten, indem ich die besten Bier für ihn fand, die aufzutreiben waren.
Natürlich war ich Feuer und Flamme, aber es gefiel mir, den kleinen Mann mit der Halbglatze, der mir gegenüber saß, noch etwas zappeln zu lassen. Also rief ich Brenda noch einmal hinein, um meinem Klienten einen Kaffee bringen zu lassen, und um ihr noch einmal ausgiebig auf das Fahrgestell zu starren.

Natürlich mußte ich dem Mann helfen. Sind kleine Kneipen doch der einzige Ort, wo ein Mann noch ein Mann sein darf. Der einzige Ort, in dem man verstanden wurde, und vor allem der einzige Ort, wo ein Bourbon noch unter DM 5.- kostete.

Also erklärte ich ihm die Regeln, das heißt meine Preise, die Höhe des Vorschusses, und die Haarfarbe meiner Erfolgsprämie.

Und nun bin ich unterwegs....unterwegs, um eine kleine Kneipe zu retten. Eine kleine Kneipe, und ihren kleinen, kahlköpfigen Besitzer mit den Sorgenfalten.

Soweit zur Vorgeschichte, die sicher erklärt, warum ich gezwungen bin, so viel Bier zu
trinken.

Gerade hatte es mich nach Portugal verschlagen....ich habe gehört, hier soll es ein brauchbares Bier geben.

Hier also in Auszügen der Bericht an Mr. Doe:

„Hallo Mr. Doe....ich habe das Zielobjekt entdeckt. Es steht direkt vor mir.
Anbei die Ergebnisse meiner Observation und der akribischen Untersuchung:

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Die Flasche:

Die Flasche ist in schlichtem Braun gehalten, sowie handelsüblich geformt. „Handelsüblich“ bezieht sich auf eine 0,33 l. Flasche, denn in dieser Größe wird das „Sagres“, so der Name des Zielobjektes, verkauft.

Wie üblich befinden sich drei Etiketten auf der Flasche. Das Halsetikett ist schlicht gehalten, lediglich die Worte „Cerveja Sagres“, sowie ein unaufdringliches, kleines Wappen, welches aus Schilden zusammengesetzt scheint.

D
as Bauchetikett ist an den Seiten rot, Der Hauptteil des Etiketts ist von einem goldenen Oval umschlossen, in dem in etliches Sprachen das Wort „Bier“ geschrieben steht, sowie ein Hinweis, daß es sich hier um ein Qualitätsbier handelt.
In diesem Oval wiederholt sich die Optik des Halsetikettes. Darunter stehen in Portugiesisch die Zutaten des Bieres. (Darauf gehe ich gleich ein, wenn ich über das Rückenetikett spreche..denn da steht es dann in Deutsch drauf!  )
Wieder darunter findet sich eine goldene Ähre, sowie drei Medaillen aus Paris, Brüssel und Genf. Auf der einen Medaille (Brüssel) kann man erkennen, daß es diese Medaille für die Qualität gab.

Ganz unten dann noch einmal die Inhaltsangabe (33cl), sowie den Alkoholgehalt (5,1 Volumenprozent)

Auch auf dem Rückenetikett wiederholt sich zuerst einmal das Motiv der Halsbinde.
Dort drunter werden in diversen Sprachen die Inhaltsstoffe des Bieres angegeben.
Als da wären:
Wasser, Malz., Mais, Reis, Hopfen, Stabilisatoren: E-405, Papaín, Antioxidationsmittel E-224

Am unteren Ende des Etikettes finden sich noch einmal die Hohlmaßangaben in den verschiedenen gebräuchlichen Maßeinheiten wie cl, l, fl. Oz.....
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Mir war schon klar, daß dies in der Pinte keinen Interessierte. Wenn auf dem Zettel vorne kein Weib drauf ist, liest sich auch keiner den annern Kram durch!
Also schrieb ich weiter:

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Das Öffnen, die Farbe, der Geruch, das Einschenken:

Hurra! Dieses Bier „ploppt“ etwas beim Öffnen...mit etwas Glück würde es nicht so schnell in sich zusammenfallen, wie die vorherigen. Nach dem Öffnen steigen eine mittlere Anzahl von Kohlensäurebläschen nach oben.

Der Geruch ist einem deutschen Pils nicht unähnlich. Vielleicht nicht ganz so frisch, aber ähnlich.
Auch nach längerem und wiederholtem Riech
en kann ich keine besondere Note, nichts Auffälliges feststellen.

Beim Eingießen entwickeln sich sofort eine große Menge Bläschen und Schaum; man hört es direkt Rauschen. Leider hat mich meine Hoffnung getrogen, und die Krone ist bald schneller zusammengefallen, als sie entstanden ist. Auch beim Nachschenken rauscht es kurz, wird oben weiß...und löst sich auf.
Kein guter Anfang, aber sehen wir weiter.

Die Farbe des Bieres ist sehr hell, erinnert an eine sehr dünne Apfelschorle. Dieses Bier ist wirklich SEHR hell....dafür aber auch sehr klar. Wem das ein Trost sein sollte.....

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Hmmm..das Zeug rotierte im Bierglas..schaumlos, heller, als mein Bourbon. Komisches Gesöff. Naja..aber es war auch sogar noch billiger als mein Bourbon, also mußte ich es probieren.
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Der erste Eindruck, Geschmack

Bah!
Das ist das erste Wort, was mir einfällt. Wie erwartet, schmeckt „Sagres“ im ersten Moment wie ein schales deutsches Bier. Ganz kurz hat man den Eindruck in der Tiefe des Geschmackes einen positiven Moment zu erhaschen, dann stellt man fest, daß es eigentlich keinen wirklichen Geschmack hat. Keine Frische, keine Würze und auch sehr bald sind nicht einmal mehr Bläschen im Glas zu sehen. **Vielleicht hätten die sich am Anfang nicht so beeilen sollen, und nicht versuchen sollen, so imposant zu zischen.**
Kurz wollte ich sagen, „Sagres“ erinnere vom Geschmack her am ehesten an mexikanische Biere, jedoch möchte ich hier keinem Bier zu nahe treten.
Auch beim nachgießen entsteht kein Schaum mehr..dieses Bier schafft es, in 6-8 Minuten völlig abzustehen.
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Hmm...nix für unseren kahlen Mr. John Doe. Da bin ich mir sicher....hier mag das gehen. Aber wenn man das in unserer Stadt den Jungs vorsetzen würde, dem armen Mr.
Doe würde die Pinte zerlegt werden.
Muß ich mich wohl noch weiter in der Weltgeschichte rumtreiben.
Und jetzt brauche ich einen Bourbon!
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Fazit:
Einen ganz, ganz kurzen Moment dachte ich, ich hätte so etwas wie den Hauch eines Aromas, eines Geschmackes entdecken können. Leider Fehlanzeige. Genau so langweilig, wie es riecht, schmeckt es auch.
Es ist in etwa so, als wenn Sie aus Versehen ein Glas erwischen würden, das nicht Ihnen, sondern einem Gast gehört, der vor zwei Stunden bereits gegangen ist.
Ein trauriges Bier.
Definitiv KEINE Kaufempfehlung, notgedrungen ein Stern.
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Sauzeug! Diesen Geschmack wird mir unser Johnny extra bezahlen müssen. Und wo ist Brenda...irgendwo muß mir die Fusseln von de Zunge entfernen, die der Schal, den jemand in der Flasche vergessen haben muß, hinterlassen hat.
Und hier hänge ich jetzt fest in Portugal, an der Central de Cervejas, S.A. EST. Alfarobeirra, Vialonga, Portugal.
Da kommt diese Suppe nämlich her.
Und ich sehne mich nach meinem Zuhause...dem stickigen Büro, dem billigen Fusel, und vielleicht hat Brenda ja schon die Fenster geputzt.
Es muß gut ausgesehen haben, wie ihre Beine im Gegenlicht durch den dünnen Stoff dieses verdammten Rock geschimmert haben.
„Ober! Einen Bourbon bitte! Aber den billigen!“
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[gimmick/off]

Tja, was soll ich Euch sagen....das Bier ist leider echt nichts.
Allerdings muß ich zur Ehrenrettung des „Sagres“ sagen, daß ich es frisch gezapft in einigen Tapa-Bars getrunken habe, und es mir dort stets ausgezeichnet schmeckte. Ob es am Zapfen lag, daran, daß ich stets einen leckeren Oloroso dazu trank, oder woran auch immer, vermag ich nicht zu beurteilen.
Meine Bewertung bezieht sich also lediglich auf das Flaschenbier 
;Sagres“.
Wer mal in einer Tapa Bar landet, indem Sagres frisch gezapft wird, solltet ihr ruhig mal einen Schluck riskieren. Aber laßt die Finger von der Flasche.

Ich melde mich wieder, wenn es wieder heißt:

Neues von John Doe


(Danke, Sven)


Fazit: