
Adel verpflichtet!
Produkt:
Autenrieder Weizen
Datum: 11.09.02, geändert am 11.09.02 (227 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Vollmundig, Süffig, Kräftig
Nachteile: Nur regional verfügbar
Aus beruflichen Gründen befinde ich mich derzeit des öfteren in Günzburg und probiere deshalb gern das Bier aus der Region. Die Schloßbrauerei Autenried liegt nur wenige Kilometer von Günzburg entfernt in Ichenhausen und braut ein Bier, das wahrlich ihrer historischen Bedeutung gleichkommt.
Obwohl in Autenried schon vor dem 30jährigen Krieg Bier gebraut wurde, datiert die Brauerei urkundlich auf das Jahr 1650, nachdem Johann Heinrich Freiherr von Lapiére das Gut Autenried 1649 für über 20000 Gulden an sich brachte und dort ein Brauhaus erbaute. Als seine Linie ausstarb, wurde das Gut in seiner adeligen Verwandtschaft weitervererbt und vergrößert bis es schließlich im 19. Jahrhundert bei Wilhelm von Reck landete. Einem k. u. k. Rittmeister und königlich bayerischen Kammerherrn. Er hinterließ bei seinem Tode 1884 seiner Gemahlin, der gebürtigen Freifrau Clarissa von Geymüller, sieben Kinder und ein Vermögen von damals 100 Millionen Goldmark!! Da seine Kinder für dieses Vermögen offensichtlich nie arbeiten mußten, geschah es, daß - für mich völlig unvorstellbar - seine Söhne diese Summe hauptsächlich durch Spielschulden verbraßten. Die beiden überlebenden Schwestern stürzten sie damit in bittere Armut. Sie mußten 1932 das Schloß verkaufen, verbrachten aber trotzdem den Rest ihres Lebens gänzlich verarmt.
Die Brauerei selbst wurde bereits 1912 an die Stadt Bamberg verkauft und landete 1913 im Besitz der Gebrüder Alois und Eugen Rudolph. Eugen ließ kurz darauf, im ersten Weltkrieg, sein Leben für Kaiser und Vaterland. Und als Alois 1919 zurückkehrte, war es an ihm die Brauerei wieder aufzubauen und durch die Notzeiten der Inflation und Weltwirtschaftskrise zu führen. Er hatte u.a. in Pilsen sein Handwerk gelernt, und war deshalb bereits 1920 in der Lage ein "Pilsner Export" zu brauen. Aber auch seine Ehen blieben kinderlos und so übernahm sein Neffe Leonhard Feuchtmayr schließlich die Brauerei, baute sie aus und brachte sie auf den jeweils neu
sten Stand.
Nach der Währungsreform 1949 wurden nur etwa 2000 hl Bier pro Jahr gebraut. Fünfzig Jahre später waren es 65000 hl und 40000 hl alkoholfreie Getränke. Und daß trotz dieser Expansion die Qualität nicht auf der Strecke blieb, schmeckt man einfach. Das Brauwasser kommt beispielsweise aus bis zu 156 m tiefen Brunnen und erhielt 1994 die Anerkennung als Mineralwasser. Ich habe zwar derzeit nur das Weizen probiert, werde aber alle anderen Spezialitäten demnächst nachholen.
Beim Einschänken des Biers fällt zunächst seine feste Konsistenz auf. Es schäumt kaum über, wenn man das Glas vorher anfeuchtet, sondern gleitet vielmehr ins Glas.
Die Farbe erinnert mich an einen trüben Ockerton, der in Richtung heller Bernstein geht. Es bildet sich ein fester cremiger Schaum, der länger hält als üblich.
Der Geschmack läßt sich schwer beschreiben, ohne auf die Adjektive aus der Bierwerbung zurückgreifen zu müssen: vollmundig, kräftig, süffig. So wollen alle Biere sein. Dieses Bier ist es! Dabei ist es keine Spur bitter, sondern enthält sogar noch etwas Süße.
Der Nachgeschmack ist weich aber voluminös und hinterläßt den Wunsch nach mehr.
Alles in allem ein Weißbier wie man es besser kaum brauen kann. Es zählt ab sofort zu meinen Lieblingen und bestätigt mir mal wieder, daß es sich doch lohnt auf die Produkte der kleinen lokalen Brauereien zurückzugreifen, als sich nur auf den gewohnten Geschmack der Großbrauereien zu verlassen.
Die Homepage der Autenrieder Brauerei ist mehr als ansprechend: http://www.autenrieder.de
Oder für Kontakte vor Ort: Schloßbrauerei Autenried GmbH, Bräuhausstraße 2, 89335 Ichenhausen. Tel.: 08223 9684-0
Fazit:
Name des Mitglieds: speedy13
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21.10.02
Ohne dem lieben Blank zu Nahe treten zu wollen: bei der Hackelberg-Mein ung steht der fast identische Kommentar :)