Verkäufer/in
Der Traum vieler Jungs  -> Automobilverkäufer <-- - Verkäufer/in Beruf / Tätigkeit

Neuester Testbericht: ... "Holzhacker". Die Konditionen waren lukrativ und auch die Aussicht auf einen Geschäftswagen ließen ihn einwilligen und er war ... mehr

Der Traum vieler Jungs -> Automobilverkäufer <--
Verkäufer/in

Sofafa

Name des Mitglieds: Sofafa

Produkt:

Verkäufer/in

Datum: 01.06.09, geändert am 15.08.10 (2977 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: Kohle

Nachteile: siehe Bericht

Heute schreibe ich mal über den Beruf meines Partners

Er verkauft Autos bei einem Premiumhersteller.

Wir kennen uns nun schon seit ca. 13 oder 14 Jahren und hier kommt ein wenig aus dem Nähkästchen:

Er war gerade 23 Jahre alt und kam irgendwie auf das schmale Brett er wolle nun Autoverkäufer werden. Keine Ausbildung im Autohaus, keine kaufmännische Lehre.
Gut er hatte zur Zeit der Wende ein wenig mit Autos gedealt, kannte das Haustürgeschäft, da er damals als Handelsvertreter im Geschäft an der klassischen Haustüre unterwegs war. Seine Voraussetzungen waren aber wirklich bescheiden.

Was macht ein junger Mann, der von sich überzeugt ist? Er beginnt ganz oben. Seine erste Wahl war Porsche - ist doch klar - die mussten ja einfach auf so einen warten. Also, so erzählt er heute, nahm er ganz einfach das Telefon in die Hand und wählte 0711-911 0 und verlangte die Personalabteilung. Das Gespräch war kurz und knapp, aber für ihn sehr aufschlussreich. " Was haben Sie studiert? ....... Äähhhhh..... Dann passen Sie wohl eher nicht zu uns."

Man muss ja nicht gleich aufgeben und so entschloss er sich auch bei Mercedes-Benz sein Glück zu probieren. Auch dieses Gespräch war relativ kurz, aber auch aufschlussreich. " ..... vielleicht sollten Sie erst mal bei einem Volumenhersteller das Verkaufen lernen...Sie können sich ja später noch einmal melden..."

Auch bei BMW versuchte er sein Glück " Ja wir bilden zum Verkäufer aus... wir haben die Bewerbungsphase noch nicht abgeschlossen.... Es liegen im Moment knapp 100 Bewerbungen für die Juniorverkäuferstelle vor.....senden Sie uns doch Ihre Unterlagen..."

Seine damalige Frau ermutigte ihn zum Schalten eines Stellengesuches in der örtlichen Tagespresse. "Handelsvertreter sucht Anstellung als Automobilverkäufer" und siehe da, es flatterten ca. 100 Briefe von möglichen Interessenten ins Haus. Exakt 2 davon stammten von Autohäusern. Der Rest kam von Versicherungen, Handelsvertretungen und all den Sachen vor denen man uns immer wieder warnt.

2 Prozent Ausbeute. Besser als nichts. Er rief zuerst bei einem Autohaus einer Marke an, die heute um Ihre Existenz und mögliche Investoren kämpft. Auch dieses Gespräch fand nach Schilderung seines Werdegangs ein recht schnelles Ende. " Sie können uns ja Ihre Unterlagen mal schicken.." Die kamen schneller zurück als sie versendet waren. Ja ja, die geeigneten Bewerber waren schon da.

50% Chance waren noch da. Nach einem kurzen Telefonat vereinbarte man tatsächlich einen Vorstellungstermin. Dieser lief auch nicht so schlecht. Allerdings kam dann doch ein paar tage später die Absage, man hätte einen alten Mitarbeiter zurück bekommen.

Eine gewisse Frustration machte sich breit

Wenige Abende später klingelte dann unerwartet das Telefon - Handys waren noch nicht so verbreitet. Er solle sich am nächsten tag mit dem Geschäftsführer verabreden, es hätte sich noch einmal etwas ergeben. Gesagt - getan. Noch am folgenden Tag führte er ein Gespräch mit dem Geschäftsführer und dem Verkaufsleiter. Man bot ihm eine Stelle als Gebrauchtwagenverkäufer an. Er wollte doch Neuwagenverkäufer werden und nicht "Holzhacker". Die Konditionen waren lukrativ und auch die Aussicht auf einen Geschäftswagen ließen ihn einwilligen und er war der festen Überzeugung bald in die Neuwagenabteilung zu kommen...

Die ersten Tage waren hart. Um genau zu sein die ersten Wochen. Die Kollegen waren nicht wirklich froh einen neuen Kollegen zu bekommen. Die einen wollten ihm nichts beibringen, die anderen erzählten täglich vom Untergang der Branche und das das alles ohne Sinn wäre....und Geld würde man da auch keins verdienen.

Er hatte genau 2 Anzüge aus dem Versandhaus, 3 Krawatten und zwei Paar Schuhe.
Sein kindliches Aussehen half nicht wirklich beim Verkauf von Fahrzeugen, die sich überwiegend zwischen 10000 und 30000 DM bewegten. Die Kunden ignorierten ihn und seine Kollegen - alte Füchse - wussten, wie sie die Kunden "schnappen" konnten.

Er war schon kurz davor wieder alles aufzugeben....


Nach exakt 2 Wochen verkaufte er sein erstes gebrauchtes Auto - einen VW Passat für damals 3500 DM und er Knoten platzte.

Jetzt kommt ein wenig die Story von unten nach oben.

Im Laufe der Zeit konnte er seine Verkaufszahlen von wirklich null bis auf 400 Fahrzeuge pro Jahr steigern. Sein Chef meinte - er wäre kein typischer Verkäufer - aber dafür sehr erfolgreich. Bei den jährlichen Ehrungen stand er immer oben auf dem Treppchen. Der zusätzliche Scheck wurde immer dicker.

Doch nun kommt das "Aber" an der Geschichte.

Ich lernte ihn kennen, da war er auf dem steilen Weg nach oben. Verheiratet, Kind, erfolgreich. Ein kleiner arroganter Sack. Kein Blick nach rechts oder links. Immer nur er, immer nur das Geschäft. Ich habe ihn gehasst, diesen arroganten Aufschneider, der mir immer die Mittagspausen genommen hat, gedacht hatte er sei der Größte und die Welt müsse sich nach ihm richten. Der sich ohne Anzug fast nackt gefühlt hat und dachte nur so bekäme er Achtung. Der zu seinen Eltern, zum privaten Essen, auf Geburtstage nur noch im Anzug erschien.

Die Firma, die er wie seine eigene behütete, die immer wichtiger war, als jeder private Termin. Wichtiger als Frau und Kind, wichtiger als alles andere.

"Ich ! Die Firma ! Dann wieder Ich ! Dann nix, dann Frau und Kind" so schätzt er sein eigenes Verhalten heute selber ein. Er sieht die Fehler, er weiß was schief gelaufen ist.
Es kam was kommen musste - Seine heutige Ex-Frau hat ihm die Koffer vor die Türe gestellt.
Da ist so einiges passiert. Er weiß selbst, dass er eben nicht noch in seiner Gier den letzten Kunden hätte schnappen sollen, wenn man für den Abend verabredet ist. Dass man nicht drei vor acht anruft und sagt man komme später, wenn man um acht Gäste zuhause hat, oder einfach die Familie mit dem Essen wartet.

Dass man eben nicht am freien Samstag arbeitet, weil ein Kunde sich angekündigt hat. Dass man in seiner Freizeit mal nicht von der Arbeit spricht, dass man auch dem Partner mal zuhört. Der Elternabend im Kindergarten auch wichtig ist, dass die Frau und das Kind nicht nur schmückendes Beiwerk sind. Geld ist nicht alles. Und der Erfolg auch nicht.

10, 12 oder auch mehr Stunden wurden gerne mal am Tag investiert. Auch ein Sonntag wurde immer wieder geopfert. Es dankt letztendlich keiner. Mehrere Kollegen sind jung gestorben, jedesmal war er das Herz. Ich glaube beim zweiten Kollegen hat es dann auch bei meinem Partner "klick gemacht"

Ich mache an dieser Stelle mal einen Cut.

Wisst ihr möglichen Interessenten, die ihr Autoverkäufer werden wollt, was auf Euch zukommt?

Die Zeiten haben sich gewandelt, mein Partner auch. Mehrfach zertifiziert von verschiedenen Marken, sonst dürfte er heute trotz anderer Aufgabengebiete gar nicht mehr verkaufen.

Wenn Ihr denkt, dass heute noch der gleiche Einstieg möglich ist, dass Ihr nur einen Anzug braucht und der Rest würde sich einfach geben. Wenn Ihr denkt Ihr verdient gleich ein vermögen und bekommt sofort ein dickes Auto..... wisst Ihr was? Macht mal die Augen zu !

Hier kommt die Realität

Ihr wollt Verkäufer werden? Dann geht es hier los.

Ein Abitur, besser noch ein BWL oder Marketing- Studium solltet Ihr bereits absolviert haben. Eine technische oder kaufmännische Ausbildung im Automobilhandel wäre zudem von Vorteil. Sollte ein Arbeitgeber Interesse an Eurer Person haben, so darf er heutzutage oftmals gar nicht mehr selbst über Eure Einstellung entscheiden. Der Hersteller, besonders im Premiumbereich, möchte auch zuerst mal auf den zahn fühlen. Ihr werdet in ein so genanntes AC (Assessment-Center = Auswahlverfahren)geschickt. Dort versuchen Bereichsleiter und Psychologen Euch zu durchschauen. Man versucht herauszufinden, ob Ihr zur Marke passt und ob sich eine Ausbildung zum Automobilverkäufer als langfristig sinnvolle Investition lohnt.
Wenn Ihr das erfolgreich geschafft habt, dürft Ihr Euch der Ausbildung zum geprüften Automobilverkäufer stellen, je nach Hersteller dauert diese zwischen 9 und 18 Monate.
Ihr verdient in dieser Zeit ein wenig Geld, ein Grundgehalt. Mancher Hersteller schließt die "Azubis" schon beim nicht 100 % igen Erledigen der gestellten Hausaufgaben, bei leichtem Fehlverhalten wieder von der Ausbildung aus. Pech gehabt.
Wer die Prüfung schafft, darf sich glücklich schätzen.

Aber.... Ihr werdet jetzt nicht das große Geld verdienen. Ihr dürft Euch sicher sein, dass die vorhandenen Kuchen bereits aufgeteilt sind. Ihr werdet Euch Euren eigenen Kuchen suchen müssen, die Hacken ablaufen, vielleicht fallt Ihr auf der großen Fluktuation zum Opfer. Vielleicht werdet Ihr auch wieder gegangen, mangels Erfolg.

Im Autohaus habe ich zuletzt gelesen, dass der Durchschnitt aller Kfz Verkäufer sich irgendwo bei 3500 Euro brutto einpendelt. Bei Massenherstellern bzw. Importeuren weniger, bei Premiumherstellern mehr. Zum Glück habe ich einen Partner, der noch nie zum Durchschnitt gehörte.

Eines habe ich auch feststellen können. Gehaltsmäßig hat er sich rasant nach oben entwickelt, aber ab einem bestimmten Level gibt es keine Steigerungsmöglichkeit mehr - bzw. es kann durch bestimmte Einflüsse auch wieder rückwärts gehen.

Vielleicht denkt Ihr auch bei einem anderen Hersteller ist alles einfacher. Wenn Ihr Pech habt, dürft Ihr noch eine Zertifizierung machen, oder noch einmal einen Teil der Ausbildung absolvieren, weil der Hersteller nur die eigene akzeptiert.

Nun stellt Euch noch folgendes vor. Ihr habt glücklicherweise ein Fahrzeug verkauft und ausgeliefert. Der Kunde schien glücklich und zufrieden. Nach zwei Wochen bekommt dieser einen Anruf von einer Agentur und läßt seinen Frust ab, weil gerade heute morgen irgendwas am Fahrzeug war und Ihr ihm nicht sofort helfen konntet. In der Befragung gibt er an, daß Ihr nicht so freundlich und so kompetent seid. Die Probefahrt habt Ihr ihm auch nicht angeboten --> und wenig darauf habt Ihr ein "nettes" Gespräch mit Eurem Chef, weil der einen seiner Boni schwinden sieht.

So - nun geht es mir erst mal besser.

Wenn Ihr Euch für diesen Beruf entscheiden wollt, dann überlegt Euch gut ob Ihr für diesen Job gemacht seid. Ihr werdet zu einer Art Prostituierter für die Branche und die Kunden. Jeden Tag aufs Neue.

Noch mal von vorn.
Erst bewerben.
Dann AC.
Danach eine Ausbildung mit Prüfung.
Nun dürft Ihr offiziell verkaufen.

Vielleicht kommt Ihr in eine Firma, in der Ihr einen Firmenwagen bekommt. Ihr bezahlt auch dafür. Es ist weniger als ein eigenes Fahrzeug kostet. Von Firma zu Firma wird dies aber völlig unterschiedlich gehandhabt.

Jeden Tag könnt Ihr Euch den sprichwörtlichen Hintern aufreisen, Ihr könnt alles geben und wenn Ihr Pech habt, kauft Euer Interessent letztendlich wegen 3 Euro weniger oder weil Ihm einfach Eure Nase nicht gepasst hat, im Internet oder beim Händler um die Ecke. Die Beratung, die Probefahrt und die Prospekte hat er sich bei Euch geholt. Aber letztendlich heißt es: Wer schreibt - der bleibt!!
Für drei Autos fast und zwei beinahe bekommt Ihr keinen Cent. Euer Chef wird auch nur bedingt Verständnis zeigen.

Junge Kollegen, frisch von der Ausbildung, hoch motiviert, denkend sie sind die besten der besten, merken auf einmal, dass ein Kunde auch mal NEIN sagen kann. Das bringt sie teilweise völlig aus dem Konzept.

Meine Botschaft an Euch:

Ihr wollt es, dann macht es. Vergesst aber bitte nicht nach rechts und links zu blicken. Vergesst nicht die Familie, vergesst nicht Eure Freunde. Vernachlässigt nichts und niemanden. Wenn es passiert ist, ist vieles kaputt.
Das wichtigste auf der Welt sind Freunde und Familie. Wenn Ihr Kinder habt, nehmt an Ihrem Leben teil. Sie sind wichtiger als jeder Euro mehr den Ihr heim bringt.

Schaltet ab. Euer Partner möchte nicht den ganzen Abend und das Wochenende von Euren Erfolgen oder Misserfolgen hören. Im Gegenteil - Ihr solltet auch mal zuhören. Schaltet Euer Diensthandy mal aus. Kein Kunde könnte nach Feierabend so wichtig ein, wie Euere Heimat, Euer Zuhause, Eure Familie, Euer Partner.

Und denkt immer an folgendes: Egal, wie Ihr Euch kleidet, Ihr werdet in Wahrheit immer Ihr selbst bleiben. Das kann man lernen

Alles was Ihr versäumt habt lässt sich nicht mehr nachholen.


Vielleicht ist alles ein wenig wirr geschrieben, ich glaube die Botschaft ist verständlich.


Danke fürs Lesen, Kommentieren und Bewerten.

Fazit: Es hat sich vieles verändert