Komparse/in bei Film/TV
Corona war als Komparse beim Filmdreh dabei - Komparse/in bei Film/TV Beruf / Tätigkeit

Neuester Testbericht: ... Da ich einen Fahrtweg auf mich nehmen musste, erhielt ich zudem ein paar Fahrtkosten, die mir zusammen mit der Gage überwiesen wurde... mehr

Corona war als Komparse beim Filmdreh dabei
Komparse/in bei Film/TV

Corona1983

Name des Mitglieds: Corona1983

Produkt:

Komparse/in bei Film/TV

Datum: 25.03.16

Bewertung:

Vorteile: Blick hinter die Kulissen möglich, sehr interessant zu sehen wie ein Film entsteht

Nachteile: Warten, Entlohnung, 2-Klassen-System,

Ich habe als Komparse bei dem Märchenfilm "Die sechs Schwäne" sowie später bei "Der Medicus" mitgmischt, die unter anderem auch in Querfurt (Sachsen-Anhalt) gedreht wurden. Dazu kam ich, weil ich auf der Internetseite "Filmissimo" registriert bin und ich wegen meines natürlichen Aussehens ausgewählt wurde. Für den Film "Die sechs Schwäne" wurden extra Frauen gesucht, die langes, nicht gefärbtes Haar und weder sichtbare Piercings noch Tattoos besitzen. Da ich sehr gern mal in einem Film mitspielen wollte, freute ich mich natürlich wie ein Schneekönig, als ich den positiven Anruf bekam. Leider wurde ich nur für einen Tag gebucht.

Zur Kostümprobe:

Da es sich bei den sechs Schwänen um einen Märchenfilm handelt, der nicht gerade erst gestern spielt, sind Jeans vor Kamera natürlich tabu. Für den Film musste ich mich in eine Frau verwandeln, für die ein historisches Gewand zur alltäglichen Kleidung gehörte. Ich bekam einen Termin und musste mich in einem Hotel in Nebra melden, wo ich mein Kostüm erhalten sollte. Dort angekommen, füllte ich zunächst eine Art Arbeitsvertrag für einen Tag aus. Dieser gleicht auch in etwa einem normalen Arbeitsvertrag. Da ich einen Fahrtweg auf mich nehmen musste, erhielt ich zudem ein paar Fahrtkosten, die mir zusammen mit der Gage überwiesen wurden. Dann hieß es zunächst erst einmal warten, denn ich war nicht der einzige Komparse, der eingekleidet werden musste.

Erst etwa zwei Stunden später wurde ich aufgerufen und musste einer Dame folgen, die mich in einem separaten Raum führte. Dort musste ich mich bis auf die Unterwäsche entkleiden und das große Anprobieren begann. Zwei weitere Damen brachten Kleidung, zahlreiche Kopfbedeckungen, Schuhe und Accessoires. Ich sollte im Film eine Frau des Volkes spielen. Nachdem ich fertig gekleidet war, wurden Ganzkörperfotos gemacht, damit jeder am Drehtag weiß, wie ich auszusehen habe. Anschließend durfte ich mich wieder umziehen. Das Kostüm erhielt eine Nummer, die ich mir bis zum Drehtag merken musste, und wurde zurück auf den Bügel gehangen. Damit war der Tag geschafft.

Der Drehtag:

Der Drehtag beginnt sehr zeitig. Bereits um 5 Uhr musste ich mich wieder im Hotel in Nebra einfinden und mein zugewiesenes Kostüm anziehen, nachdem ich nach der Kostümnummer verlangt hatte. Danach heißt es wieder warten, denn anschließend müssen alle Komparsen in die Maske, wo jeder geschminkt und gestylt wird. Bei etwa 50 anwesenden Komparsen kann das schon mal eine Weile dauern. Bestimmt gut zwei Stunden musste ich anstehen, ehe ich dran kam. In der Maske wurden mir dann Frostbeulen geschminkt und sämtliche Kratzer. Ich wurde ein wenig schmutzig geschminkt, wie eine Arbeiterin im Mittelalter und meine Haare wurden geflochten. Danach hieß es wieder warten, bis wir schließlich mit dem Bus zum Drehort nach Querfurt gebracht wurden.

Dort setzte sich das Warten fort. Zum Glück gab es jetzt Brote und auch Kaffee und Tee, denn das viele Warten macht ordentlich hungrig. Gegen Mittag kam nun endlich die Szene dran, in der wir Komparsen unseren Auftritt hatten. In einer Schar mussten wir vor der Kulisse, einer Burg in Querfurt stehen und jubeln, da der König geheiratet hat. Klingt vielleicht einfach, aber die Szene wurde x-Mal gedreht, denn immer wieder hatte der Regisseur etwas zu bemängeln. Mal erhob einer der Komparsen die Hand etwas unglücklich, mal schaute einer versehentlich direkt in die Kamera und mal verstummte der Jubel zu früh. Auf Dauer wurde die Zeit schon lang. Zwischendurch wurden wir Komparsen immer wieder nach geschminkt und die Frisuren korrigiert.

Als die Szene perfekt im Kasten war, hieß es, dass selbe wird nun aus einer anderen Perspektive gedreht. Wir mussten erneut jubeln, nur dass nun unsere Rücken gefilmt wurden. Dafür bekamen wir nun die Hauptdarsteller des Filmes zu Gesicht, die direkt vor uns standen und sich bei ihrer "Heirat" küssen mussten. Für mich war daher dieser Drehtag eine lohnenswerte Erfahrung. Es war aber auch sehr kalt, im Winter einfach nur so im Kostüm stundenlang draußen in der Kälte zu verbringen.
Das Essen ist auch nicht gerade schmackhaft gewesen, was uns Komparsen vorgesetzt wurde. Beim Team darf kein Komparse mitessen. Wir wurden immer von den Schauspielern getrennt. Für uns gab es nur einfachen Reis mit Hammelstücken drin, während das Team Schnitzel, Kartoffeln, Gemüse und Rohkost genießen durfte. Das ist aber normal in der Komparserie.

Den ganzen Tag über war ich insgesamt 10 Stunden auf den Beinen. Der Stundenlohn war mit 5 Euro eher gering, die Erfahrung am Set war allerdings schon lohnenswert. Insgesamt ist es ein interessantes Tätigkeitsfeld. Einstellungschancen gibt es keine, da man als Komparse meistens nur sehr selten gebucht wird. Es ist also kein vollwertiger Job. Meistens handelt es sich nur um einzelne Arbeitstage, falls man für einen Dreh in Frage kommt, der in Wohnort-Nähe stattfindet. Auch die Aufstiegschancen von der Komparserie als Schauspieler sind fast Null.

Fazit: Eine interessante Erfahrung im Leben