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Was Hänschen nicht lernte, kann Hans immer noch lernen. Oder?
Hauswirtschafter/in

Name des Mitglieds: friedel1910
Produkt:
Hauswirtschafter/in
Datum: 19.06.09
Bewertung:
Vorteile: vielseitig einsetzbar
Nachteile: im Erwachsenenalter schwierig von den alten Gewohnheiten loszulassen
Vorab soviel:
Wie Stammleser bereits mitbekommen haben, absolviere ich gerade eine Aus- bzw. Weiterbildung zur Hauswirtschafterin.
Ich finde bzw. fand es schon immer bedauerlich, dass das Fach Hauswirtschaft nicht zum ganz normalen Lehrplan an unseren Schulen gehört. Mit dem ganzen Theoriekram, den man in der Schule lernt (der zweifellos auch wichtig ist), wird man einfach zu wenig auf das normale Leben vorbereitet. Natürlich ist es Aufgabe der Familien, ihre Kinder für das reale Leben vorzubereiten. Aber wer ist in unserem Zeitalter schon wirklich versiert in Hauswirtschaft, wer beherrscht alles perfekt? Hat nicht jede Familie ihre eigenen Standards entwickelt? Ich finde, die Vermittlung von Grundlagen im Bereich Hauswirtschaft wäre sehr von Vorteil.
Und noch eine Anmerkung:
Da ich die Ausbildung berufsbegleitend mache, sind sowohl die Voraussetzungen als auch der Lehrplan ein wenig anders als bei "richtigen" Auszubildenden (es werden weitestgehend theoretische Kenntnisse vermittelt). Die Inhalte des Berufsbildes sind aber identisch, ebenso die Prüfung vor der IHK.
Ich denke, dass ich - auch wenn ich noch am Anfang der Ausbildung stehe - trotzdem eine Einschätzung abgeben kann, da ich ja bereits seit vielen Jahren im hauswirtschaftlichen Betrieb tätig bin.
OOO Berufsbild OOO
Die Hauswirtschafterin findet ihr Tätigkeitsfeld in vielen unterschiedlichen Einrichtungen mit verschiedenen Zielgruppen. Ein paar Beispiele:
* Kindergärten
* Jugendwohnheime
* Behindertenwohnstätten
* Seniorenheime und Unterbringung mit betreutem Wohnen
* Krankenhäuser und Reha-Kliniken
* Cateringunternehmen und Kantinen
* Hotels und Tagungshäuser
* Dienstleistungsunternehmen zur hauswirtschaftlichen Versorgung
OOO Voraussetzungen OOO
Ich denke, dass für Schulabgänger mindestens Hauptschulabschluss Voraussetzung ist.
Natürlich kann man diesen Beruf auch als Realschulabgänger erlernen.
Nachweislich mitbringen muss man in unserem Fall:
4,5 Jahre Berufserfahrung in einem hauswirtschaftlichen Betrieb
d.h. in einem Betrieb in dem Menschen versorgt werden (klassisch in den Bereichen Speisenzubereitung, Hauspflege, Textilpflege und neu auch in der Betreuung).
Selbstverständlich sollte man in der Lage sein, mit Menschen umzugehen, denn sonst ist man hier definitiv fehl am Platz.
Der Umgang mit Technik sollte der angehenden Hauswirtschafterin keine Horrorvorstellung sein. Sie sollte einerseits mit dem Internet vertraut sein, andererseits aber auch vor Hausgeräten nicht zurückschrecken (Herd, Spülmaschine, Waschmaschine bedient heute wohl jeder, aber auch an die Nähmaschine muss man!).
Die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen sollte mitgebracht werden, denn gerade auch auf dem Gebiet der Hauswirtschaft gibt es ständige Veränderungen (neue Lebensmittel, veränderte Reinigungstechniken usw.).
OOO Ausbildung OOO
Für Azubi:
Die theoretische Ausbildung erfolgt in der Berufsschule.
Die praktische Ausbildung erfolgt in den o. g. Betrieben.
Für uns:
Die theoretischen Kenntnisse erlangen wir in einer Bildungseinrichtung (Den Namen möchte ich vorerst nicht nennen, jedoch kann ich mir vorstellen, nach Beendigung des Lehrgangs einen Bericht über diesen Bildungsträger zu schreiben. Bis dahin bitte Geduld.)
Die praktischen Fertigkeiten bringt man teilweise bereits mit (ich sage nur: "Lebenserfahrung") bzw. erlangt man im Betrieb bzw. im privaten Haushalt.
OOO Ausbildungsdauer OOO
Die Ausbildungszeit beträgt drei Jahre.
Bei uns ist es so, dass der Lehrgang 18 Monate dauert. Auf die genaue Gliederung gehe ich hier nicht ein, da dies wohl von Bildungsträger zu Bildungsträger verschieden sein kann. Da muss man sich dann halt beim Anbieter vor Ort erkundigen.
OOO Ausbildungsablauf / Ausbildungsinhalte OOO
Das Tätigkeitsfeld einer Hauswirtschafterin ist breit gefächert.
Man erwirbt neben allgemeinen Dingen (Wirtschafts- und Sozialkunde, Hygiene, Gesundheitsschutz, Umweltschutz, Arbeitsorganisation, Qualitätssicherung usw.) u.a. folgende Kenntnisse und Fertigkeiten:
*** Textilpflege ***
- Textilkunde
- Textilreinigung
- Textilverarbeitung
*** Hauspflege ***
- Reinigen und Pflegen von Räumen
- Gestalten von Räumen und des Wohnumfeldes
*** Ernährung und Speisenzubereitung ***
- Ernährungslehre
- Speisenzubereitung und -service
- Vorratshaltung
*** Betreuung von Haushaltsmitgliedern ***
- hauswirtschaftliche Betreuungsdienstleistung
- personenorientierte Gesprächsführung
- Motivation und Beschäftigung
- Hilfe leisten bei Alltagsverrichtungen
OOO Prüfungen OOO
IHK
OOO Abschluss OOO
Hauswirtschafter/-in
OOO (Versprochene) Berufsaussichten OOO
*** Einsatzmöglichkeiten ***
In "Großhaushalten" bzw. eben den Einrichtungen wie ich sie unter "Voraussetzungen" aufgelistet habe.
*** Weiterbildung ***
Meisterkurs
(Der dauert dann nochmals drei Jahre.)
OOO Meine Meinung OOO
Wenn man sich für diesen Beruf bewerben möchte, sollte man eine ausgeprägte Dienstleistungsmentalität mitbringen.
Die Bereitschaft zur Arbeit im Schichtdienst, an Wochenenden sowie Feiertagen sollte selbstverständlich sein.
Man sollte in der Lage sein, sich auf die verschiedenen Menschentypen einstellen zu können.
Man lernt auch vieles, was man für sein eigenes Leben gut gebrauchen kann.
Man muss sich von vornherein darauf einstellen, dass man Dienstkleidung tragen muss. Egal, ob Winter oder Sommer, um die Schürze in der Hauspflege oder Hose + Jacke + Kopfbedeckung + feste Schuhe kommt man in der Küche nicht drumherum.
Falls man es nicht als "richtige" Ausbildung macht, sondern sich für die berufsbegleitende Variante entscheidet, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass mehr dazu gehört, als nur die Schule zu besuchen. Der Unterrichtsstoff soll wiederholt werden. Es gibt wieder und wieder Hausaufgaben. Es ist schon sehr zeitintensiv und ich denke, das unterschätzt man leicht (ich übrigens auch).
Die Kosten - ich habe meinen Lehrgang selbst finanziert - sind auch nicht ganz ohne.
Die 300 Unterrichtsstunden kosten mich voraussichtlich:
1000 EUR Lehrgang
300 bis 400 EUR Materialkosten
Ca. 200 EUR Prüfungsgebühren (je nach IHK)
Dazu (und das hatte ich anfänglich auch nicht im Blick) kommen noch die Fahrtkosten.
OOO Tipps OOO
Es gibt einige Fachzeitschriften / Fachzeitungen. So man die Möglichkeit hat, diese zu lesen, ist es ganz nützlich (abonnieren würde ich sie nicht unbedingt). Man erfährt halt neue Bestimmungen aus der Branche und bekommt Tipps, wie dies oder jenes woanders gemacht wird. Die mir bekannte Zeitschrift wäre die "Rationelle Hauswirtschaft".
OOO Zuguterletzt OOO
Man wird immer angehalten zu sparen.
Sparen Sie Kraft!
Sparen Sie Zeit!
Sparen Sie Geld!
Fazit: ich versuche es durchzuziehen - auch wenn es nicht immer einfach sein wird
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