Bürokaufmann/frau
 Mein Erfahrungsbericht zum Beruf Bürokauffrau - Bürokaufmann/frau Beruf / Tätigkeit

Neuester Testbericht: ... gefallen hat war, dass zum Ende einer Abteilung immer Präsentationen von den Azubis vorbereitet werden mussten. Jeder von uns 10 KfB´s... mehr

Mein Erfahrungsbericht zum Beruf Bürokauffrau
Bürokaufmann/frau

angihofi

Name des Mitglieds: angihofi

Produkt:

Bürokaufmann/frau

Datum: 27.05.01, geändert am 11.06.01 (55102 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: man kann in den unterschiedlichsten Betrieben arbeiten, relativ guter Verdienst, guter Einstieg für eine kaufmännische Karriere

Nachteile: je nach Beschäftigung, teilweise Ablagearbeiten und wenig abwechslungsreich

Ich habe meine Lehre als Bürokauffrau gemacht und möchte Euch nun einiges darüber erzählen.

Der Beruf Bürokauffrau ist sehr vielfältig, man kann in Firmen jeder Branche in einer kaufmännischen Abteilung arbeiten wie z. B. Buchhaltung, Personalwesen, Materialwirtschaft (Einkauf und Lager) oder im Sekretariat.

Zur Ausbildung:
---------------
Die Ausbildung Bürokauffrau dauert normalerweise 3 Jahre. Mindestvoraussetzung ist der Hauptschulabschluß, jedoch wird von vielen Betrieben der Realschulabschluß verlangt.

Als Realschüler oder Wirtschaftsschüler kann man die Ausbildung auf 2 1/2 Jahre verkürzen. Hat man dann in der Berufsschule gute Noten (Durchschnitt 2,5) ist eine Verkürzung auf 2 Jahre möglich (habe ich so gemacht). Die Berufsschule findet normalerweise 1 - 2 x wöchentlich statt.

Berufsschulfächer sind u.a. Rechnungswesen, Bürowirtschaft, Textverarbeitung, Datenverarbeitung (Excel), Allgemeine Wirtschaftslehre, Sozialkunde, Deutsch, Englisch, Religion,....

Die Abschlußprüfung findet in 3 Teilen statt. Die schriftliche Prüfung in Allgemeiner Wirtschaftslehre, Rechnungswesen und WISO (Wirtschaft und Sozialkunde)(1 Tag), praktische Prüfung in Textverarbeitung und Datenverarbeitung (1 Tag) und mündliche Prüfung aus einem beliebigem Thema (1 Tag).

Als Realschüler hat man in der Berufsschule keinerlei Probleme, da z. B. Rechnungswesen auf den Stoff der Realschule zurückgreift! Auch in der Textverarbeitung erfährt man nur wenig Neues.

Der Verdienst liegt ca. bei 1.100 DM brutto im ersten Lehrjahr (je nach Größe des Betriebs). Der Verdienst nach der Ausbildung hängt von sehr vielen Faktoren ab, aber liegt in der Regel von 1.700 DM netto - 1.900 DM. Der Verdienst steigt natürlich mit den Jahren (je nach Betrieb).

Lernen sollte man den Beruf, wenn man Freude an der Arbeit am Computer hat (Word, Excel,...), das Rechtschreiben einigermaßen sicher beherrscht und auch mal langweilige Sac
hen wie z. B. Ablage machen will. Auch so Tätigkeiten wie Post kuvertieren und frankieren ist in jedem Betrieb einmal dabei.

In meiner Ausbildung bin ich in sämtlichen Bereichen meines Betriebes eingesetzt geworden. In der Buchhaltung habe ich
z. B. Belege geschrieben, die Kasse gezählt und die Vorgänge im Computer gebucht, Rechnungen kontrolliert und gebucht. In der Verwaltung Briefe getippselt und Ablage gemacht. Im Lager Materialstämme angelegt. Im Einkauf Bestellungen geschrieben und und und.

Es ist wie schon gesagt ein sehr vielfältiger Beruf. Ich weiß nicht ob ich ihn nochmal lernen würde. Zur näheren Auswahl standen noch Steuerfachangestellte, aber die verdienen so wenig. Vielleicht würde ich heute Industriekauffrau lernen. Aber jetzt bin ich im öffentlichen Dienst. Blöd ist es an dem Beruf Bürokauffrau, dass man in einem neuen Betrieb fast alles wieder neu lernen muss. Jeder Betrieb hat z. B. unterschiedliche Buchhaltungsprogramme oder Arbeitsmethoden.

Tipps:
------
Ich würde empfehlen die Ausbildung in einem großen Betrieb (ab 60 Mitarbeiter) zu machen, da die Gefahr besteht in einem kleinen Betrieb ausgenutzt zu werden. Ich habe das selbst gesehen (in meiner 2. Arbeitsstelle), dort durften die Lehrlinge nur Ablage machen und mussten Fenster putzen, etc. Auch die Sozialleistungen sind in einem großen Betrieb besser.

In einem großen Ausbildungsbetrieb wo es viele Abteilungen in der Verwaltung gibt lernt ihr auch die einzelnen Bereiche genauer kennen, als in einer kleinen Firma in der es nur 5 Mitarbeiter gibt.

Die großen Betriebe haben auch spezielle Software wie z. B. SAP R/3 und sind meist computertechnisch besser auf dem Laufenden. Hat man einmal in einer großen Firma gearbeitet, ist es viel leichter wieder in eine große Firma mit mehr Aufstiegsmöglichkeiten reinzukommen.

Eine kleine Firma hat noch einen entscheidenden Nachteil -> die Kollegen. Dort kann man ärgerlichen Kollegen ni
cht so einfach aus dem Weg gehen, als in einem größeren Betrieb.

Das sind natürlich meine persönlichen Erfahrungen, es gibt durchaus kleinere Betriebe in denen es Spaß macht zu arbeiten.

Einsatzgebiete:
---------------
Wie gesagt in jedem Betrieb, ob Autohaus, Industriebetrieb, Handwerksbetrieb einfach in jedem Bereich.

Als Sachbearbeiterin in der Buchhaltung, Einkauf, Sekretärin, Lager. In jeder kaufmännischen Abteilung also. Wie Ihr seht gibt es viele unterschiedliche Arbeits- und Einsatzgebiete.

Weiterbildungsmöglichkeiten
---------------------------
Die Weiterbildungsmöglichkeiten zum Beruf Bürokauffrau sind sehr gut. Nach der Berufsschule kann man z. B. für ein Jahr die BOS (Berufsoberschule) besuchen und dann die Fachgebundene Hochschulreife nachholen. Danach kann man irgendein kaufmännisches Studienfach studieren.

Auch neben der Arbeit gibt´s von der IHK einige Fortbildungskurse, Voraussetzung sind in der Regel 2 - 3 Jahre Berufserfahrung.

Man kann sich z. B. neben der Arbeit zur geprüften Sekretärin, Handels- oder Industriefachwirt, Eurokauffrau, Bilanzbuchhalter, Diplomkauffrau oder sogar zum Betriebswirt weiterbilden. Die Kurse gehen allerdings bis zu 2 Jahre und finden in der Regel 2 x wöchentlich abends statt.

Meine Erfahrungen nach der Lehre
--------------------------------

Da ich wegen Stellenabbau in meinem Ausbildungsbetrieb nicht übernommen wurde, musste ich also vor 2 Jahren auf Stellensuche gehen. Gelandet bin ich dann bei einem Feinkostunternehmen in der Abteilung Faktura (Rechnungserstellung). Ich musste dort Schicht arbeiten (Frühschicht von 05:00 - 13:00 und Spätschicht von 11:30 - 21:00) und hatte riesigen Streß. Die Kollegen waren allerdings sehr nett. Als man mich dann noch gegen meinen Willen wegen Personalmangel in eine total bescheuerte Abteilung versetzt hatte, reichte es mir total. Ich war mit meinen Nerven am Ende (der Chef war unsy
mphatisch, die Arbeit bescheuert). Also fing ich fleißig mit Bewerbungen schreiben an und hielt den Rest der Zeit zähneknirschend in der Firma aus.

1/2 Jahr hat es insgesamt gedauert bis ich trotz meines 1er-Realschulabschlusses und 1er-Ausbildungszeugnisses eine gute Stelle gefunden habe. Im öffentlichen Dienst fand ich meine Chance, als Verwaltungsangestellte. Jetzt habe ich bei weitem nicht mehr so viel Streß wie früher und bin viel glücklicher! :-)

Fazit:
------
Mit der Ausbildung Bürokauffrau kann niemand etwas falsch machen, im ländlichen Bereich sind allerdings die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sehr gering und die Chancen als ausgebildete Bürokauffrau auf dem Arbeitsmarkt sind unter Umständen auch nicht gut. Aber wer in der Berufsschule gute Noten hat und auch ein gutes Ausbildungs- bzw. Arbeitszeugnis hat auch dann nichts zu befürchten. Man kann ja zur Not immer noch auf die Schule gehen, falls nicht das Richtige dabei ist!

Als Einstieg in eine kaufmännische Laufbahn ist der Beruf jedem zu empfehlen, denn um lebenslanges Lernen und Weiterbilden kommt man heute nicht mehr herum.















Fazit: