Altenpfleger/in
Altenpflege ist so viel mehr von allem... - Altenpfleger/in Beruf / Tätigkeit

Neuester Testbericht: ... besseren Zukunft entgegen, von der ich zugleich berichten mag... ABER die OKTOBER/NOVEMBER-PHASE war der Horror, weil ich ja einige T... mehr

Altenpflege ist so viel mehr von allem...
Altenpfleger/in

katharocco

Name des Mitglieds: katharocco

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Altenpfleger/in

Datum: 10.05.08, geändert am 25.03.11 (4643 Lesungen)

Bewertung:

Vorteile: s.B.

Nachteile: s.B.

Ein freundlichen "Hallo" an den geneigten Leser!


Mein 100ster Bericht... Ich habe lange überlegt, was Thema dieses besonderen Berichts werden sollte. Ich erwägte verschiedene Kategorien und Themen, doch ich kam zu dem Schluss, dass ich meinen Bericht dem Beruf widme, dem ich mich verschrieben habe. Ein Beruf der weit mehr ist, und weit mehr bewegen kann, als man denken würde. Der Beruf Altenpflege.
Ich kann euch schon im Voraus warnen, dass es ein langer Bericht sein wird, also holt euch ein Tässchen Kaffee/ Tee oder sonst etwas zur Stärkung ;) Über Kommentare freue ich mich natürlich besonders! ;)


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Die Entwicklung des Berufs "Altenpflege":
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Die Altenpflege hat sich aus der Krankenpflege heraus entwickelt. Als Wegbereiter für die Krankenpflege kann man hier Vinzenz von Paul, Theodor Fliedner oder Florence Nightingale nennen. Der fortwährende und immer schneller werden Fortschritt in der Medizin und die sich schnell verändernde Altersstruktur führten dazu, dass sich die Altenpflege aus der Krankenpflege herausbildete. Hierin liegen teilweise auch die Probleme der beiden Berufsstände. Eine konkrete Abgrenzung beider ist leider schier unmöglich, da die steigende Professionalisierung auch immer wieder Überschneidungen beider Berufsgruppen provoziert.


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Ziele der Ausbildung (Quelle: Altenpflegegesetz §3):
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"Die Ausbildung soll Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermitteln, die zur selbstständigen und eigenverantwortlichen Pflege einschließlich der Beratung, Begleitung und Betreuung alter Menschen erforderlich sind. Sie soll befähigen, mit anderen in der Altenpflege tätigen Personen zusammen zu arbeiten und diejenigen Verwaltungsarbeiten zu erledigen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit den Aufgaben in der Altenpflege stehen. Dies umfasst insbesondere:
1.die sach- und fachkundige, den allgemein anerkannten pflegewissenschaftlichen, insbesondere den medizinisch-pflegerischen Erkenntnissen entsprechende, umfassende und geplante Pflege,
2.die Mitwirkung bei der Behandlung kranker alter Menschen einschließlich der Ausführung ärztlicher Verordnungen,
3.die Erhaltung und Wiederherstellung individueller Fähigkeiten im Rahmen geriatrischer und gerontopsychiatrischer Rehabilitationskonzepte,
4.die Mitwirkung an qualitätssichernden Maßnahmen in der Pflege, der Betreuung und der Behandlung,
5.die Gesundheitsvorsorge einschließlich der Ernährungsberatung,
6.die umfassende Begleitung Sterbender,
7.die Anleitung, Beratung und Unterstützung von Pflegekräften, die nicht Pflegefachkräfte sind,
8.die Betreuung und Beratung alter Menschen in ihren persönlichen und sozialen Angelegenheiten,
9.die Hilfe zur Erhaltung und Aktivierung der eigenständigen Lebensführung einschließlich der Förderung sozialer Kontakte und
10.die Anregung und Begleitung von Familien- und Nachbarschaftshilfe und die Beratung pflegender Angehöriger.
Darüber hinaus soll die Ausbildung dazu befähigen, mit anderen in der Altenpflege tätigen Personen zusammenzuarbeiten und diejenigen Verwaltungsarbeiten zu erledigen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit den Aufgaben in der Altenpflege stehen. "


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Voraussetzungen:
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Mittlere Reife, Hauptschulabschluss mit zweijähriger Berufsausbildung, Hauptschulabschluss mit einer Ausbildung zum Krankenpflegehelfer oder Altenpflegehelfer.
Kein Mindestalter, kein Höchstalter vom Gesetz her, aber manche Schulen haben ein Mindestalter von 16 oder gar 17 Jahren.
Man braucht noch ein ärztliches Attest über die gesundheitliche Eignung und muss ein polizeiliches Führungszeugnis aufweisen (wer hier Einträge wegen BtM- Verstoß oder Körperverletzung drin stehen hat, der braucht Glück, um aufgenommen zu werden.


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Eignung:
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Ihr solltet:
Sozial kompetent sein, Freude am Umgang mit alten und kranken Menschen haben, kreativ sein, euch nicht vor körperlicher Arbeit scheuen, ein hohes Verantwortungsbewusstsein besitzen, Freude an hauswirtschaftlichen Tätigkeiten haben, ordentlich sein. Darüber hinaus solltet ihr ein soziales Netzwerk haben, dass euch auffangen kann und ihr solltet ein Gemüt, das sich durch Geduld und Verständnis auszeichnet, haben. Ich persönlich lege bei meinen Kollegen ganz viel Wert auf die soziale Kompetenz. Mit hinterlistigen und durchtriebenen Kollegen kann ich persönlich ganz schlecht arbeiten. Ehrlichkeit und Direktheit ist wichtig und ihr sollet aber ebenso eine harte Haut besitzen, damit ihr auch mal Kritik abhaben könnt.


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Warum Altenpflege?
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Ich war in der Mittelstufe und es zeichnete sich ab, dass mein Taschengeld mir für meine Ansprüche nicht würde genügen. Also suchte ich mir in den Sommerferien im Jahre 2000 einen Ferienjob im Altersheim, in dem auch meine Mutter arbeitete. Die 3 Wochen gingen schnell rum, da ich mich ausschließlich mit einer dementen Frau beschäftigte. Ich ging mit ihr spazieren, spielte Flöte mit ihr und wir lasen gemeinsam aus Büchern oder schauten uns ihre alten Fotoalben an. Warum war ich nur für diese Frau zugeteilt? Da sie dement war und sich der Morbus Alzheimer schon im Stadium II befand, war sie unter anderem auch "Weglaufgefährdet", deshalb bedurfte sie ständiger Aufsicht und in dem Heim gab es damals noch keine "Beschützte Wohngruppe". Also erledigte ich alles und damit meine ich alles. Ich kam morgens um 7, wusch sie, zog sie an, half ihr beim Frühstücken, dann brachten wir den Vormittag mit verschiedenen Aktivitäten um, zwischenrein führte ich sie auf die Toilette, es gab Mittagessen, wieder half ich ihr. Dann legte sie sich zum Mittagsschlaf hin, der zugleich meine Mittagspause bedeutete. Etwa gegen 14:30 fing ich erneut an, holte sie aus dem Bett, Toilettengang, ich half ihr beim Mittagskaffe und wieder beschäftigten wir uns. Gegen 17Uhr hatte ich Feierabend. So gingen die 3 Wochen wie im Flug vorbei.
Und diese Zeit war unheimlich lehrreich für mich. Zugleich war diese Zeit genauso, wie ich mir Altenpflege vorgestellt hatte. Und sie war so, wie Altenpflege auch sein sollte! Dass man Zeit für die Menschen hat, die man betreut, dass man sich mit ihnen beschäftigen und eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Dass man ihnen genauso viel Zeit und Respekt entgegenbringen kann, wie sie es verdienen.
In den Sommerferien im Jahr darauf jobbte ich erneut, doch diesmal gab es eine "Beschützte Wohngruppe", die extra für dementiell Erkrankte Personen eingerichtet worden war. Nun war ich nicht nur mehr für eine Person verantwortlich, nein es waren 12 an der Zahl. Morgens waren wir zu zweit, wuschen also jeder 6 Bewohner und das von 6 bis 8. Das bedeutete 20mon pro Person für die Körperpflege. Hört sich viel an, ist aber für demente Menschen recht wenig, denn oft musste man sie erst überzeugen, sich zu waschen oder sich anzuziehen. Und dann vergehen 20min verdammt schnell! Diese drei Wochen waren, anders als im Jahr zuvor, die Hölle für mich. 21 Tage am Stück, ohne freien Tag zwischendurch, mit wechselnden Schichten, wobei aber das Jugendarbeitszeitgesetz beachtet worden war. Nach diesen drei Wochen war ich körperlich uns seelisch fertig. Ich schwor mir: Nie wieder Altenpflege! Mein 18ter Geburtstag war gekommen und ich bekam einen Job auf 400Euro- Basis (damals noch 630DM-, dann 325Euro- Basis) im Büro. Ich konnte mir meine Zeiten selbst einteilen und mein Arbeitsgebiet war recht vielfältig. Doch der Verdienst war zu wenig, ich hatte ein Auto und ich war auch kulturell interessiert, sodass das Geld immer schnell aufgebraucht war... Also beschloss ich, wieder im Altersheim zu arbeiten. An den Wochenenden und Mittwoch nachmittags, die restlichen Tage verbrachte ich in der Oberstufe meiner Ganztagesschule. Es war hart, aber ich war jung und brauchte das Geld ;)
Nach dem Abitur begann ich zunächst eine Lehre als Informatikkauffrau, doch nach einem Monat wusste ich: Büroarbeit füllt mich gar nicht aus. Ich schmiss die Lehre und arbeitete als ungelernte Kraft im Altersheim, allerdings auf einer normalen Station, wo der Anteil an dementiell Erkrankten recht niedrig war. Im Jahr drauf begann ich die Lehre zu Altenpflegerin.

Es sind die wenigen Momente, die mehr als Gold wiegen, wenn man spürt oder sieht, dass es dem Gepflegten gut geht. Ich ziehe meine Kraft aus der Freude und Zufriedenheit der Bewohner, die durch meinen Umgang mit ihnen zu Stande gekommen sind. Freue sie sich, freue ich mich mit.


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Was tun Altenpfleger/Innen?
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Altenpflege ist soviel mehr als Waschen, "Arschputzen" oder bezahlte Hausarbeit!
Altenpfleger betreuen, beraten und pflegen selbstständig und eigenverantwortlich betagte Menschen. Das umfasst Bereiche, wie Körperpflege, Nahrungsaufnahme, oder die Ausführung ärztlicher Anordnungen, wie Medikamentengabe, Verbandswechsel oder einfach Krankenbeobachtung. Des Weiteren beraten und helfen sie Menschen bei der Erhaltung ihrer Selbstständigkeit, indem sie sie zum Beispiel bei verschiedenen Tätigkeiten anleiten. Neben diesen medizinisch- pflegerischen Tätigkeiten umfasst die Altenpflege vor allem noch die sozialen Aufgaben, die die ganzheitliche Betreuung von Senioren umfasst.
Als Altenpfleger seid ihr weit mehr als minderwertige Krankenpfleger/innen oder bezahlte Hausmänner/- frauen!
Wir messen Blutdrücke, beobachten den körperlichen und geistigen Zustand von Bewohnern. Wir verbringen viel Zeit mit der Dokumentation dieser beobachtungen. Wir intervenieren in Krisensituationen und stehen Bewohnern bei Krisen bei. Manchmal müssen wir auch eine gewisse erzieherische Rolle einnehmen, wenn ein Bewohner sich nicht gut benimmt, aber das muss dann auf eine respekt- und würdevolle Weise geschehen. Wir übernehmen große Verantwortung und können in Regress gezogen werden, wenn wir nicht ordnungsgemäß gehandelt haben.
Wir sind sowohl das offene Ohr für die Bewohner und zugleich deren Sprachrohr, wenn es um ihre Wünsche und Bedürfnisse geht. Wir sind dazu da, dass sie sich in ihrem letzten Lebensabschnitt wohl fühlen und ihn, soweit es möglich ist, diesen genießen können.
Wir sind Helfer, die Schulter zum Anlehnen und Ausweinen, Betreuer, oft auch Kindersatz. Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen und ständig auf das schlimmste gefasst sein. Wir müssen immer mit allem rechnen, sei es nun eine akute Verschlechterung des Zustandes eines Bewohners, oder das sich zwei von vier Schwestern im Frühdienst krank melden. Wir müssen eine hohe Toleranz besitzen und dürfen nicht zu dünnhäutig sein. Wir müssen es sowohl abhaben können, dass ein Bewohner uns sexuell anziehend findet, als auch dass es Partnerschaften unter den Senioren gibt...


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Die Ausbildung:
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Der fachpraktische Teil findet im Betrieb, bzw. den Praktikabetrieben (ca. 2500Stunden) statt. Der theoretische Teil findet in staatlichen oder staatlich anerkannten Schulen statt (ca. 2100 Stunden).
Im Prinzip sollte die Lehre so ablaufen, dass man nur 25% arbeitet, das heißt, 40 Stunden im Monat arbeite, etwa 15 Stunden pro Woche Schule und der Rest bleibt frei für Lernen. Soweit die Wunschvorstellung an meiner Schule. Eine in meinem Jahrgang hatte diesen Traumzustand sogar... Wir anderen arbeiteten volle 100 bis 120, manchmal gar mehr Stunden neben der Schule. Mit Wechselschichten und allem drum und dran. Man könnte meinen, es bliebe uns keine Zeit zum Lernen, doch es ging. Nach einer Frühschicht oder vor einer Spätschicht konnte man sich durchaus auf den Hosenboden setzen und lernen.
Die Ausbildungsverordnung sieht vor, dass man eine gewisse Stundenanzahl Praktikas macht. Diese wären: Krankenhaus, Psychiatrie und ambulanter Bereich/ Sozialstation. Wir in unserem Haus konnten alle Praktikas, bis auf das im Krankenhaus Hausintern machen, denn wir hatten sowohl ein Betreutes Wohnen, was einer Sozialstation gleich kommt und auch eine Beschützte Wohngruppe, die den Psychiatrieteil abdeckte.
Was das Lernen angeht, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht unbedingt schwer zu verstehende Dinge sind, die man beigebracht bekommt. Natürlich spielen da dann auch die Lehrer eine große Rolle, aber auch in den Büchern (zumindest in Baden- Württemberg) steht alles in sehr verständlichen Worten.
Also 3 Jahre Ausbildung, dann macht man ein Examen und ist dann staatlich anderkannte/r Altenpfleger/in.


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Welche Fächer hat man?
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Gerontologie
Psychiatrie
Alten- und Krankenpflege (Pflege in Theorie und Praxis)
Krankheitslehre und Anatomie und Physiologie
Rechtskunde
Aktivierung
Religion
Deutsch


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Wo kann man überall arbeiten?
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Alten- und Pflegeheime, geriatrische Einrichtungen, gerontopsychiatrische Einrichtungen, Rehabilitationseinrichtungen mit geriatrischem Schwerpunkt, Sozialstation/ Betreutes Wohnen und pflegerischen Einrichtungen der Tages- oder Kurzzeitpflege von Senioren.


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Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis:
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Was wir in der Schule lernen ist schön und gut, doch in der Praxis tun sich Abgründe auf. Diesen Spagat zwischen Wunschtraum und Realität zu schaffen, kostet unendlich viel Kraft und hat schon den ein oder anderen in den Burn- Out oder aus dem Beruf getrieben. Wenn ihr diesen Beruf erlernen wollt, müsst ihr euch ganz darüber im Klaren sein, dass gerade das, was Altenpflege ausmacht, in der Praxis zu kurz kommt. Das mag zum Einen an den übergeordneten Stellen, wie Krankenkassen und Pflegekassen liegen, zum Anderen auch an fehlendem Zeitmanagement innerhalb einer Einrichtung oder dem Pflegepersonal liegen.

Zur Erklärung:

Gehen wir von einem Bewohner in einem Pflegeheim aus. Einem solchen Bewohner wird je nach Pflegestufe ein bestimmter Betrag und eine bestimmte Zeit zugesprochen.
- Pflegestufe I: 90min, davon mindestens 45min Körperpflege: 420Euro
- PS II: 180min, davon mindestens 120min Körperpflege: 1040Euro
- PS II: 300min, davon mindestens 180min Körperpflege: 1510Euro
Diese Leistungen werden bis 2012 stufenweise auf bis zu (PS I: 450Euro, PS II: 1100Euro, PS II: 1550Euro) für die vollstationäre Pflege erhöhte. Auf die Pflegesachleistungen etc. gehe ich nicht ein.
So weit, so gut. Nur kostet ein Platz in einem Pflegeheim heutzutage bis zu 3500Euro. Wer übernimmt den Rest? Die Angehörigen oder das Sozialamt.

Die Diskrepanz der Kosten wäre nun geklärt, es folgte die der Zeit. Hierzu gebe ich ein Beispiel für die Bemessung der Pflegedauer:

Ihr habt einen Bewohner, 80 Jahre alt, stark übergewichtig und bettlägerig. Dieser Mensch liegt schon so lange, dass seine Gliedmaßen steif geworden sind. Er presste Arme und Beine zusammen, Muskeln und Sehnen verkürzten sich im Laufe der Zeit und die Haltung blieb bestehen. So könnt ihr ihn auch nicht aus dem Bett holen. Beim Essen und trinken verschluckt er sich andauernd und ihr müsst ständig Angst haben, dass er aspiriert (Verschlucken, wobei Teile der Nahrung/ Getränke in die Lunge geraten können und dort zu einer Pneumonie oder zum Ersticken führen können). Reden kann er auch nicht mehr und er muss jede Stunde in seiner Lage verändert werden, weil er so dünne und empfindliche Haut hat, dass er sonst Druckstellen und böse Wunden bekommt. Jetzt kommt die Zeit ins Spiel:
Für eine Ganzkörperwaschung DURCH eine Pflegekraft kann man 20- 25min geltend machen, für eine Teilwaschung DURCH eine Pflegekraft gelten folgende Zeiten: Oberkörper: 8 bis 10 Min., Unterkörper 12 bis 15 Min., Hände/Gesicht 1 bis 2 Min.
Hört sich viel an, aber nun stellt euch einen Nun müsst ihr ihn Waschen, ohne ihm weh zu tun. Es geht in dieser Zeit, jedoch ist diese Waschung dann weder für euch, noch für den Menschen angenehm. Es folgt das Frühstück, hierfür kann man bis zu 20min veranschlagen, mit dem Anreichen der Getränke. Aber nach jedem Löffel verschluckt er sich und hustet heftig. Ihr habt ihm schon einen Latz angelegt und auch das Bett bedeckt, doch beim Husten kommt auch immer was aufs Bett und seine frische Kleidung, also müsst ihr ihn nach dem Frühstücken erneut umziehen und Teile des Bettes frisch beziehen. Außerdem steht noch der sterile Verbandswechsel an seinem Ulcus cruris an. Und schon braucht ihr eine WIRKLICHE Zeit für einen Menschen von rund 1,5 Stunden, wenn ihr es in einem für ihn und euch angenehmem Tempo durchführt. Aber ihr HABT nur 45min, denn es ist nicht euer einziger Bewohner, den ihr zu versorgen habt. Und so zieht sich auch die Diskrepanz der Zeit durch und durch.

Es ist nicht leicht für einen in der Altenpflege dieses Spagat zu ertragen. Denn schließlich hat man einen helfenden Beruf gewählt und keine Akkordarbeit. Man will sich mit dem Menschen und ihrer Geschichte befassen, doch für persönliche Gespräche bleibt kaum die Zeit.


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Weiterbildung etc.
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Es gibt eine Reihe von Fort- und Weiterbildungen, die eure berufliche Qualifikation erweitert.
Ich nenne nur einige Beispiele:
Qualitätsmanagement, Wundbeauftragte, Wohnbereichsleitung, Pflegedienstleitung, gerontopsychiatrische Pflegefachkraft, Stomabeauftragte, Pflegemanagement, Pflegewissenschaft, Lehrer für pflegerische Berufe.


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Berufsaussichten:
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Eingangs erwähnte ich, dass der Altersdurchschnitt sich weiter erhöhen wird, das bedeutet zugleich, dass der Anteil der Menschen, die Pflege bedürfen ebenso weiter ansteigen wird. Abgesehen von der Problematik das alles zu finanzieren, wir auch der Bedarf an Altenpfleger/Innen steigen.
Vor allem auch im Bereich der Studierten, wie zum Beispiel der Pflegewissenschaftler oder Pflegemanagementlern. Auch der Bedarf an Ausbildern, also Lehrern im Bereich der Altenpflege steigt an.



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Verdienst:
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In staatlichen Einrichtungen wir man meist nach Tarif bezahlt. Eine Vollzeitaltenpflegerin im ambulanten Dienst bekommt zwischen 1300 und 1600Euro netto. Je nach Tarifgruppen kann sich das steigern. In Heimen mit privater Trägerschaft wird man meist etwas schlechter bezahlt. So kenne ich Fälle, dass Vollzeitkräfte mit 15 Jahren Berufserfahrung und 2 Kindern Brutto 2000Euro für knappe 170 Stunden Arbeit im Monat bekommen. Es kommt einfach darauf an. In privaten Heimen ist man meist auch nicht Mitglied der Gewerkschaft, somit ist auch der Tarifvertrag nicht bindend.


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Links:
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Ich nenne euch ein paar Interessante Links, zum Teil die Ausbildung oder den Beruf an sich betreffend, teilweise interessant für Personen, die privat ihre Angehörigen Pflegen.
www.altenpflegeschueler.de
www.modernealtenpflege.de
www.altenpflegeexamen.de
www.pflegestudium.de
www.pflege-management.de
www.konfliktfeld-pflege.de
www.dbfk.de
www.thema-pflege.de
www.geroweb.de
http://bundesrecht.juris.de/altpflg/ (= Altenpflegegesetz)
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Altenpflege im Kreuzfeuer:
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Immer und immer wieder hört man negative Schlagzeilen über Pflegeheime oder einzelne Personen dieses Berufsstandes. Sei es nun, dass die Medien über einen "Todesengel" berichten oder aber schreckliche Mißstände in einzelnen Heimen aufzeigen.
Es ist hier, wie mit allem: Negative bleibt einfach besser haften, als Positives.
Sicherlich sind manche Vorwürfe durchaus gerechtfertigt. Allerdings lasst euch eines gesagt sein: Wenn ein Heim wegen schlechter Pflege in die Schlagzeilen gerät, dann liegt das meist an der Leitung. Denn wir Altenpfleger sind keine Übermenschen. Wenn uns die Leitung für 25 aufwändige Bewohner nur 1 Pflegekraft zugesteht, dann tun wir unser Bestes. Das es aber bei solchen Umständen die Pflegequalität leidet, dürfte jedem klar sein. Wir können nur so gut arbeiten, wie wir es zugestanden bekommen. Allerdings liegt es auch an dem einzelnen Mitarbeiter dann solche Mißstände gegenüber der Leitung zu verweisen.
Für Angehörige und auch für Menschen, die Altenpfleger werden wollen und die Qualität ihres Heimes im Voraus checken wollen, gibt es im Netzt zahlreiche Seiten, von denen man sich Checklisten herunterladen kann. Ich empfehle dies! Leider habe ich gerade keine dieser Seiten zur Hand.
Zu den Todesengeln: Es ist schrecklich, wenn man Menschen leiden und sterben sehen muss. Aber es ist und bleibt unsere Verpflichtung als Altenpfleger, diese Menschen auch in diesen Situationen zu begleiten und das respekt- und würdevoll. Wer im Vornherein schon weiß, dass er mit Sterben, Leiden und Tod nicht umgehen kann, der sollte diesen Beruf nicht wählen. Denn das Sterben und der Tod gehören einfach zum Leben dazu.

Altenpflege ist leider immer noch irgendwie ein Stiefkind, vor allem auch durch derartige negative Schlagzeilen. Es liegt an den einzelnen Altenpflegern dies zu verändern. Wir können nicht von der Außenwelt erwarten, dass man uns wahrnimmt, wenn wir uns immer verstecken und unseren Berufstand selbst als minderwertig verkaufen. Wie oft habe ich Menschen gefragt, was sie von Beruf sind und in einem schüchternen und fast beschämten Ton "Altenpfleger" zur Antwort bekommen.
Warum schämen sich manche Altenpfleger das zu sein, was sie sind? Schämt sich ein Zeizungsinstallateur? Eine Prostituierte?
Wir genossen eine professionalisierte Ausbildung und arbeiten in einem sehr vielschichtigem Beruf, der uns nicht nur eniges an körperlicher Arbeit abverlangt, sondern bei dem man auch noch Köpfchen haben muss und man flexibel bleiben muss. Jeden Tag gibt es neue Schwierigkeiten und Probleme, die zu meistern sind und auf die man nach Ende einer Schicht stolz sein kann.

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Film und Literaturtipps:
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Ist heute Montag oder Dezember von Erwin Böhm, ISBN: 3884140620

In Ruhe verrückt werden dürfen, ISBN: 3596105161


So 01.06.08 18:30 - 19:00 3sat: nano extra Das Rätsel Alzheimer
Do 05.06.08 21:45 - 23:12 ZDFdokukanal: Reise in die Dunkelheit
Do 05.06.08 21:00 - 21:45 ZDFdokukanal: Wege aus der Hilflosigkeit - Die Familienkrankheit Demenz

Ein ganz besonderer Tipp noch für alle, die besonders an Alzheimer interessiert sind: www.knotenpunkt.ch
Das ist die Internetseite des Improvisationstheaters Knotenpunkt. Ich war einmal bei einem Stück von ihnen, das Alzheimer zum Thema hatte. Die machen das wirklich allererste Sahne!


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Eigene Erfahrungen:
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Der Beruf ist hart. Ihr habt wechselnde Schichten, ein Klientel, das durchaus anspruchsvoll ist und das auch sein darf. Ihr müsst genau, schnell und wirtschaftlich arbeiten, dabei aber nicht aus dem Auge verlieren, dass ihr es mit Menschen zu tun habt. Und zwar ganz individuellen Menschen, die alle ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Probleme haben, die bewältigt werden müssen. Mitunter kommt ihr eventuell an eure eigenen körperlichen oder seelischen Grenzen. In einem sozialen Beruf zu arbeiten heißt immer auch, dass ihr selbst über ein hohes Maß an sozialer Kompetenz verfügen müsst. Wenn Samstag mittags die Kollegin anruft und fragt, ob ihr einspringen könnt, obwohl ihr doch eigentlich frei hättet und schon 12 Tage am Stück gearbeitet habt, dann müsst ihr abwägen. Entweder Familie oder Kollegen im Stich lassen. Ein sozialer Beruf bedeutet auch immer Abstriche zu machen, vor allem auf privater Ebene. Wenn ihr daheim Probleme habt, dann dürft ihr diese nicht in den Beruf mit reinschleppen. Das tut weder euch, noch vor allem den Bewohnern gut.
Seid euch auch immer im Klaren, dass es zu Situationen kommen kann, die juristische Konsequenzen für euch bedeuten können. Wenn ihr allerding gelernte Inhalte verinnerlicht, beherzigt und präzise und ordentlich arbeitet, kann so etwas nicht passieren.
Der von mir angesprochene Spagat zwischen Theorie und Praxis kann euch schier zerreißen, wenn ihr euch nicht dagegen wappnet. Es sind individuelle Persönlichkeiten, die individueller Pflege bedürfen, so wie auch ihr als individuell angesehen werden wollt. Mit der Brechstange bewegt man im wahrsten Sinne des Wortes, nichts in der Pflege!
Ebenso schwierig kann es für euch werden, wenn Mobbing ins Spiel kommt. Ein leider sehr häufiges Thema in pflegenden Berufen. Vermutlich als eine Art Spannungsabwehr.
Wenn ihr diesen Beruf für euch auswählt, müsst ihr euch klar machen, dass wenn ihr fair behandelt werden wollt, ihr auch andere fair behandeln müsst. Pflege ist ein Geben und Nehmen, sowohl zwischen euch und den Bewohnern, als auch zwischen euch und den Kollegen.
Altenpflege ist so viel mehr von allem!


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Fazit:
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Mein Fazit fällt kurz aus, aber es ist treffend, das meiste habe ich sowieso schon vorher geschrieben... Ich vergebe allerdings nur 3 Sterne, denn im Vergleich zu der Arbeitsintensität und dem Verdienst klafft ein großer Spalt.

Ein besonderer Beruf, der besondere Fähigkeiten voraussetzt und in dem man besonders handeln muss. Kein Beruf, den man nur mal so machen sollte!

Fazit: s.B.