
Kurzbeschreibung: Fischer Taschenbuch Verlag
Wer von uns ist kein Farbiger?
Produkt:
Zwischen den Rassen (Mann, Heinrich)
Datum: 16.06.03, geändert am 16.06.03 (19 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: Respect all Coloures~!
Nachteile: .... if you wouldn' t!
Ich deutete auf einen der einfahrenden Panzer. Wir standen alle am Strassenrand als 1945 im unversehrt gebliebenen Regensburg als die erste amerikanische Besatzereinheit durchrollte. Was ich am Rockzipfel meiner Mutter staunend sah, kannte ich als 5jaehriger nur vom HoerenSagen. Ich sah eigentlich nur Zaehne, die weissesten zwei Zahnreihen ueberhaupt. Und wo die Augen sein sollten, ein Paar weiss-blitzende Punkte oder Schlitze. Der Rest des Gesichtes war kohlrabenschwarz. Einen Helm hatte er auch noch auf und er warf uns mit seinen Kameraden die Hershey-Schokolade herunter und lachte dabei so freundlich.
?Mutti, Mutti, schau doch mal, ein richtiger schwarzer Neger!? Kindliche, unschuldige
Einfalt.
Jahre vergingen. Auf der Schule lernte ich dann, dass man nicht so leichtfertig zu einem Neger Neger, und schon garnicht schwarzer Neger sagen sollte, das erinnere doch zu sehr an den Ausdruck Nigger in der Sklaverei/Cotton-Fields-For-Ever-Zeit. Und daran wollten weder die weissen noch die schwarzen Beteiligten indirekt laufend aufmerksam gemacht werden.
Und wie es das Schicksal so will, kam ich zwanzig Jahre nach meinem ersten persoenlichen Aufeinandertreffen zwischen Schwarz und Weiss in die Situation als Deutscher Luftwaffen Soldat zum damaligen NatoEuropaMitteLuftwaffenHauptquartier nach Fontainebleau versetzt zu werden und das waren wir nun auf einmal alle zusammen. Wir arbeiteten und lebten auf engstem Raume zusammen: Soldaten. Hollaender, Belgier,
Franzosen, Kanadier, wir Deutsche und die Amerikaner, ein Teil davon ?ganz klar- Coloured.
Wir schlossen automatisch Freundschaften. Viele liessen ihre Familien ins Camp kommen. Und ich hatte einen farbigen Freund, auch er war mit seiner farbigen jungen Frau und zwei putzige kleine farbige Toechter. The whole coloured family war schwarz, wie die Nacht nur dunkel sein kann. Und ich war ihr deutscher weisser Liebling.
Ich vergesse den Abend nie. Wir waren ein
Herz und eine Seele. Irgendwie kamen wir auf Themen wie ?verschiedene Nationalitaeten?, wobei mich Kathrin und Bill immer verschmitzt auf den Arm nahmen: ?Oh, come Fred, .... was machst Du denn eigentlich hier als Soldier, Du bist gar kein Fighter, Du bist ein Lover!?
Und so neckten wir uns halt gegenseitig. Und obwohl wir uns an einem Abend vor lauter Gelaechter die Traenen aus den Augen wischen mussten, steckte doch soviel Wahrheit im Inhalt der schwarzen Anspielung: Bill fing immer an mit ?Come on, Fred...?:
?Come on, Fred!
Wenn Du morgens aufstehst, dann bist Du fahl weiss im Gesicht.
Wenn Du Deinen ersten Kaffee getrunken hast, kriegt Dein Gesicht zum ersten Mal etwas Farbe.
Wenn Du im Buero bist, aergest Du Dich manchmal gruen und blau.
Das letzte Mal in der Kantine hattest Du Dich verschluckt, und Du warst purpur-rot!
An diesem Wochenende lagen wir alle zusammen am SeeUfer. Und schau doch Deinen scharlachfarbigen Sonnenbrand an! --
Als wir bei der letzten Geburtstagparty von unserem englischen WingCommander-Chef zuviel ueber den Durst getrunken hatten, haettest Du Dich im Spiegel sehn sollen: Du warst wie violett, my friend!
Dass ich Dir ein langes Leben wuensche, Freddy, you know that, aber solltes Du an einem Herzinfarkt von uns gehen, wird Dein Gesicht in kurzer Zeit schwarz!
Und nur dann haben wir eine gemeinsame Hautfarbe.///
Ich naemlich sterbe auch schwarz.
Ich komm allerdings bereits schwarz auf die Welt.
Ich wache mit meiner schwarzen Hautfarbe morgens auf.
Ich wasche mein Gesicht und bleibe ein Schwarzer!
Ich kann noch soviel schwarzen Kaffee trinken, ich bleibe natuerlich schwarz.
Ich bin noch nie vor Wut weiss angelaufen, schwarz bleib ich, schwarz.
Ich konnte noch nie roetliche Flecken der Aufregung an mir feststellen. Schwarz.
Ich hatte auch am Wochenende einen Sonnenbrand. Ein schwarzes Feuer spuerte ich.
Ich bin schwarz. That?s a fact.
But, come on, Fred! ?..Und ausgerechnet Du, Ihr Weisse, habt den Nerv (??.the motherfucking nerves? hi,hi) und nennt mich einen Farbigen???!!!!!!!!!!!?
Ja, wir wischten noch lange an unseren Gelaechter-Traenen.
Und es vergingen wiederum, viele, viele Jahre. Und wenn ich mich nicht taeusche, hab ich erst vor ein paar Jahren einen farbigen Saenger gehoert, dessen zum Hit gewordener Titel denselben Inhalt hatte, mit derselben Moral von der Geschicht> You got the nerves to call me a Coloured?! ANYWAY: RESPECT ALL COLOURS.
Euer farbiger Fred.
.Gesamturteil sehr gut fuer den Vergleich.
Fazit:
Name des Mitglieds: FredOnly
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


16.06.03
da mein früherer Freund auch schwarz war (coloured sagte man damals schon nicht mehr), weiß ich aber, dass auch Schwarze blass werden können, wenn es ihnen schlecht geht (das geht dann in Richtung grau) und Sonnenbrand gibt es auch ... Aber darauf kommt es bei deinem Bericht ja auch gar nicht wirklich an.