
Kurzbeschreibung: Goldmann Wilhelm Verlag
Generation im Wandel der Zeiten (2)
Produkt:
Wilde Lupinen (Link, Charlotte)
Datum: 15.02.09, geändert am 15.02.09 (264 Lesungen)
Bewertung:
Vorteile: spannend zu lesende Romantrilogie, bester Teil der Trilogie
Nachteile: keine
>> Es war im Mai und die Rapsfelder blühten. Hellgrünes Laub leuchtete in der Sonne. Auf den Wiesen wucherten Klee und Löwenzahn und der Wind trug einen leisen Salzgeruch ins Land. Flimmernd fielen die Sonnenstrahlen des Frühsommerabends durch die Blätter der Eichen, die die Auffahrt zu Lulinn säumten. Am Ende der Allee konnte man das Gutshaus erkennen, efeubewachsen und verwittert. Entlang der Auffahrt grasten Pferde, Trakehner, zwei von ihnen galoppierten quer über die Koppel hintereinanderher...<< (1)
Und damit zum zweiten Drittel dieser dreiteiligen Buchrezension - ich hoffe, ich habe Eure Neugier erhalten können.
Und los gehts auch schon...
Das Buch zum Ersten:
Eine Idylle in Ostpreussen. Am Wegesrain wachsen Lupinen, wilde Lupinen.
Eine Idylle? Sicher wäre es das, wenn man nicht den Sommer 1938 schreiben würde. Adolf Hitler ist seit mehreren Jahren an der Macht und gerade dabei, mit seinen SA-Schergen Deutschland zu "säubern" von Juden und Kommunisten.
Felicia Lavergne, geb. Degnelly, bereits den Lesern aus dem ersten Buch "Sturmzeit" der Trilogie von Charlotte Link bekannt, ist auch die Hauptfigur dieses zweiten Teiles der Lebensgeschichte der Familie Degnelly.
Und doch geraten auch andere Familienmitglieder und Freunde der Familie Degnelly in den Mittelpunkt, so zum Beispiel:
* Tochter Belle, eine zweitklassige Schauspielerin, die mit einem Schauspieler verheiratet und mit einem Industriellen liiert ist,
* Tochter Susanne, die einen SS-Hauptsturmbannführer heiratet, der viel zu spät seinen Anteil der Schuld an dem Vernichtungswerk Hitlers erkennt,
* Cousine Modeste, die in dem Wahn, unbedingt dem Führer Kinder zu schenken und dafür mit Orden behängt zu werden, 6 Kinder in die Welt setzt und dabei gar nicht merkt, wie lächerlich sie sich macht
* Tom Wolff, der alte Geschäftspartner Felicias, der sich mit einer steinalten Fabrikbesitzerin einlässt und ins Bett steigt, nur um ihre Fabrik zu kriegen, der an seinem Tisch Gauleiter und andere Nazigrössen beköstigt und doch einen jüdischen Freund Felicias über Jahre beherbergt
* Maksim, der Freund Felicias aus Kindertagen, Belles Vater, mit dem Felicia so manch riskanten Rettungsversuch für verfolgte Menschen unternimmt
* Alex Lombard, der erste Mann Felicias, der aus USA zurückkehrt, um eine Buchdruckerei von einem jüdischen Freund zu übernehmen und der Felicia in schweren Kriegszeiten bester Partner, Freund und Helfer wird
* und viele anderen mehr, die bereits aus dem ersten Band "Sturmzeit" bekannt sind.
Mein erster Gedanke zum Buch:
Man sollte "Sturmzeit" kennen, um die Zusammenhänge in "Wilde Lupinen" zu verstehen. Es ist ein hervorragend zeitlich angepasstes, gut recherchiertes Buch, dass das Leben der Familie Degnelly verfolgt.
Lebendig erzählt wird die schwere Zeit der Jahre 1938 - 1945.
Der Inhalt fesselt, das Buch will gelesen sein, man giert nach der nächsten Seite, leidet mit den Personen und ist versucht, einzugreifen.
Das Buch zum Zweiten:
Auch die männlichen Mitglieder der Familie Degnelly kommen nicht umhin, in den Krieg zu ziehen. Und es ist überwiegend die Ostfront, an der sich die Männer wiederfinden, ein Umstand, der die zahlreiche Familie nach dem Kriege sehr dezimieren wird.
Max, der Mann Belles verübt, schwerverletzt und ohne Hoffnung auf Rettung, im Kessel von Stalingrad Selbstmord, Johannes, der Bruder Felicias, stirbt ebenso wie der Ehemann und der Sohn von Modeste.
Während die Männer an der Front kämpfen, versuchen Belle, Susanne und Felicia, wie alle anderen auch, so problemlos wie möglich, durch den Krieg zu kommen. Leider ist das nicht immer so möglich, vor allem dann, als Deutschland von den alliierten Truppen angegriffen und bombardiert wird.
Sowohl die Wohnung Felicias Mutter, als auch Belles Wohnung, die Fabrik Felicias und das Haus Susannes, werden von Bomben getroffen - und so flüchtet die Familie nach Lulinn - um feststellen zu müssen, daß sie von dort zurückfliehen müssen, denn Lulinn ist Ostpreussen - und somit von den Russen viel eher besetzt, als der Kern Deutschlands.
Auf der Flucht. Felicia hätte sich so etwas nie erträumen lassen. Sie hat Alex an ihrer Seite, doch sie hat auch die totkranke Enkeltochter Sophie bei sich, die auf dem Treck an einer schlimmen Lungenentzündung stirbt.
Irgendwie schrumpft die Familie Degnelly immer weiter - und doch, es gibt sie noch und sie versuchen, in diesen schweren Tagen zusammenzuhalten.
Mein zweiter Gedanke:
Ein unbedingt lesenswertes Buch! Die Handlung ist kein "Frauenroman", sondern eine historische Zusammenstellung neuerer deutscher Geschichte, in die Leben eingehaucht ist.
Einer meiner geschätzten Vertrauten sprach im Zusammenhang mit "Blanvalet"-Verlag von den Angelique-Romanen, irgendwo hat er gar nicht so unrecht...in "Wilde Lupinen" ist das Leben mit der Geschichte ähnlich verknüpft, wie in den Angelique-Romanen...nur ganz ehrlich stehen mir die Romane der Charlotte Link dann doch näher, weil zeitlich ganz einfach greifbarer.
Wer sich für Geschichte interessiert und gute Romane schätzt, sollte an dieser Romantrilogie wirklich nicht vorbeigehen.
Das Buch zum Dritten und Letzten:
Der Krieg ist aus, Lulinn für immer verloren. Felicia trifft Menschen wieder, die sie totgeglaubt hatte, jüdische Freunde. Alex Lombard wird bei einer Kneipenschlägerei von einem US-Soldat erstochen und stirbt. Belle macht sich mit ihrem Geliebten Andreas auf, um Hollywood zu erobern. Susannes Mann wird verhaftet und wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt.
Und Felicia? Sie erinnert sich ihres alten Freundes Tom Wolff, der inzwischen die Fabrik von seiner Ex-Geliebten geerbt hat und geht mit ihm eine neuerliche Partnerschaft ein, eine, die, wie sie hofft, dieses Mal im Frieden läuft.
Für die Familie kauft sie ein neues Anwesen am Starnberger See...denn die große Familie muß ja zusammengeführt sein.
>> Wie früher? dachte Tom. Und ehe er die Worte zurückhalten konnte, waren sie schon gesprochen. "Aber es wird keine Trakehner geben", sagte er leise.
Die Sonne malte eine breite, goldene Strasse auf den See. Felicia warf die im aufkommenden Abendwind flatternden Enden ihres Seidenschales zurück.
"Du hast recht", sagte sie, "es sind keine Trakehner" << (2)
- Ende des Romanes -
Mein letzter Gedanke:
Das Buch beinhaltet einen Familienstammbaum. Dieser ist insofern unverzichtbar, als daß die Schriftstellerin eine Menge Leute in den zweiten Romanband einführt, die offensichtlich in den Jahren 1930 - 1938 in die Familie dazugekommen sind, die Zeit, in der in der Familienchronik eine Lücke klafft.
Aber auch zum Blättern und Rückverfolgen finde ich diesen Stammbaum sehr wertvoll und unbedingt erwähnenswert.
Das Buch:
"Wilde Lupinen" ist der zweite Band einer Trilogie von Charlotte Link, ein Taschenbuch mit 543 Seiten, das im Blanvalet-Verlag unter der ISBN 3-442-35008,5 erschienen ist.
Viel Spass beim Lesen
Anette
Quellennachweise:
(1) Wilde Lupinen, Seite 8
(2) Wilde Lupinen, Seite 542
Fazit: Das Fazit kaut vor Verzücken Fingernägel.
Name des Mitglieds: AnetteW
Weitere Testberichte: im Bereich Belletristik


17.02.09
Net bös sein, aber auch wenn mir der Bericht super gefällt - ich bin heute maulfaul ;o()