War das jetzt schon Sex? - Stefan Schwarz
Von scharfen Gedanken und einer spitzen Feder - War das jetzt schon Sex? - Stefan Schwarz Belletristik
Von scharfen Gedanken und einer spitzen Feder - War das jetzt schon Sex? - Stefan Schwarz Belletristik

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Kurzbeschreibung: Genre: Humor / Satire / Jahr: 2011

 
 

Von scharfen Gedanken und einer spitzen Feder

Produkt:

War das jetzt schon Sex? - Stefan Schwarz

Datum: 22.12.11

Bewertung:

Vorteile: Einfach nur ein herrlicher Humor!

Nachteile: Viel zu wenige Geschichten...

Manchmal will der Mensch erheitert werden. Das geht mir nicht anders. Und ich habe ein ganz spezielles Rezept für die eigene gute Laune: Ich greife zu einem guten Buch. In diesem Fall zu einem Buch, das Stefan Schwarz geschrieben hat, denn dieser Griff hat bislang immer das gewünschte Resultat hervor gebracht. Seine Werke "Ich kann nicht, wenn die Katze zuschaut", "Die Kunst, als Mann beachtet zu werden" und "Hüftkreisen mit Nancy" hatte ich bereits mit höchstem Wohlwollen gelesen. Nachdem dadurch allerdings zwischenzeitlich meine sämtlichen Schwarz-Bücher schon konsumiert worden waren, begab ich mich auf die Suche nach weiteren schriftstellerischen Ergüssen dieses Autoren - und wurde fündig. Ganz genau davon soll hier nun die Rede sein.

Der Kauf
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Fündig wurde ich einmal mehr beim Internet-Anbieter buecher.de, der das hier vorzustellende Taschenbuch mit 125 Seiten und einem Gewicht von gerade einmal 110 Gramm, erschienen 2011 im Rowohl-Taschenbuchverlag (erstmals wurde das Werk allerdings schon im Jahr 2003 aufgelegt), für 7,99 Euro anbot. Klar, dass da sofort bestellt und erfreulicherweise auch geliefert wurde, wobei kein Versandkostenanteil von mir eingefordert wurde. Inzwischen ist das kleine Werk auch gelesen.

Der Autor
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Stefan Schwarz wurde 1965 geboren. Er schreibt monatliche Kolumnen über das Familienleben im "Magazin", einer Berliner Traditions-Zeitschrift. Schwarz lebt mit Frau und Kindern in Leipzig. Er bezeichnet sich selbst gern als Allerweltsjournalist und Gelegenheits-Schriftsteller, während das Satire-Magazin Titanic ihn "den einzigen im komischen Sinne ernstzunehmenden Kolumnisten im Osten Deutschlands" bezeichnete. In seinen Kolumnen berichtet Schwarz über das letzte Abenteuer der Menschheit - das Familienleben.

Der Inhalt (Buchrücken)
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Was tun, wenn dringender Paarungswunsch besteht? Warum sollte am 14. Tag niemand seinen Turnbeutel vergessen? Und woher kommen die Partikel des Wahnsinns, die es auch in der allerlieblichsten Beziehung gibt? Ein mittelgroßer Mann erklärt Ihnen die mittelgroßen Probleme seiner Welt: Sex und andere Termine, Freuden und Katastrophen des Familienlebens und weitere kleinere bis mittelgroße Desaster des Alltags.

Leseprobe
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Wenn meine Frau schläft, wirft sie stets ein Bein auf die Bettdecke. Manchmal wirft sie das Bein auch auf meinen Bauch und nimmt es erst wieder runter, wenn ich ächzend nach Stift und Papier taste, um meinen Letzten Willen aufzuschreiben, weil ein spannungsloses Frauenbein nach einer Viertelstunde etwa eine Tonne wiegt. Ich selbst würde nie auf die verwegene Idee kommen, mein Bein auf die Bettdecke zu legen oder auch nur meinen Fuß unter der Bettdecke hervorlugen zu lassen, da ja allgemein bekannt sein dürfte, dass unter Betten schreckliche Monster hocken, die nur darauf warten, nach unachtsam freigelassenen Schläferbeinen zu grabschen.
Als ich eines Tages beim Frühaufstehen interessiert das nackte Freibein meiner Frau betrachtete, entdeckte ich im schrägen Morgenlicht einen gewissen Strukturwandel im geheirateten Oberschenkel. Ich wollte es eigentlich für mich behalten, weil ein Kavalier auch schweigt, wenn er nicht genießt, aber als mein schlafwuscheliges Weib am Frühstückstisch provozierend die bedenklichen Beine unters Kinn zog, um stabiler am Milchkaffee zu nippen, beschloss ich, ihr redlicher Spiegel zu sein. "Ich denke darüber nach, einen Heimtrainer zu erwerben", sagte ich kühn. "Heimtrainer können kein Geschirr spülen", erwiderte die Bewegungsarme, "aber Geschirrspüler können wundervollerweise Geschirr spülen, obwohl sie genauso viel kosten." - "Heimtrainer sind gut für die Gesundheit", scheuchte ich das flüchtende Gespräch wieder in mein Anliegen zurück. "Einfach mal so eine Viertelstunde standradeln fördert die Durchblutung ..." - ich quälte mir das Wort aus dem Mund - "der Haut und ... kräftigt, nun ja ... die Beine!" Ich sah sie an wie ein englischer Lord, der gerade wegen Spielschulden seinen Butler aus Kindheitstagen entlassen musste, aber die Frau verweigerte beharrlich die rechte Deutung. "Du bist nicht fett", lobte sie mich. Sie ließ mir keinen Ausweg. "Schatz! Das Unterhautgewebe deiner Oberschenkel beginnt, Andeutungen partieller Unebenheiten aufzuweisen."
Ihr Gesicht reichte die Scheidung ein.

Das Aussehen
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Das Buch mit den Abmessungen 19 mal 12 Zentimeter hat ein wirklich lustiges Titelbild, das zwei Murmeltiere beim Sich-Lieb-Haben zeigt, wobei besonders die Blicke der Tiere schon für ein Schmunzeln sorgen. Ansonsten werden auf dem Cover lediglich Titel und Name des Autoren genannt.

Meine Meinung
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Nein, politisch korrekt ist dieser Stefan Schwarz nicht. Muss er auch nicht sein, denn korrekt ist langweilig. Zumeist aber ist er sehr lieb, sucht in seinem Alltag das Gute im Menschen - und tut, sagt oder denkt damit stets genau das, was eigentlich kein Mensch tut, sagt oder denkt. Er schiebt alle Riegel zur Seite und hält uns und unseren Familien einen Spiegel vor, der lächeln oder auch laut lachen lässt. Der Mann ist zudem ein begnadeter Schöpfer neuer Wörter oder Satzgebilde, die zum Teil verschachtelt und kompliziert wirken, grammatikalisch aber stets korrekt sind.

Das Leben in und mit einer Familie - es birgt zweifelsohne Gefahren. Gefahren, die wir alle kennen, aber vielleicht gar nicht als solche wahrnehmen. Erst der Spiegel, den Stefan Schwarz uns vor Augen hält, macht sie deutlich und verkündet zugleich: Nimm sie nicht ernst! Ernsthaftigkeit nämlich passt zu diesem Satiriker einfach nicht, der die Übertreibung nicht übertreibt und das Understatement nicht zu niedrig ansiedelt. Es passt einfach alles. Stefan Schwarz ist der Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt und Themen aufgreift, die "man" eigentlich lieber verschämt zur Seite schiebt.

Das Taschenbuch ist in vier Teile ("Das Geschlecht im Gefecht", "Das Kind am Manne", "Neues von den Alten" und "Männersprechstunde" gegliedert und beinhaltet 34 Kurzgeschichten (die zumeist rund drei Seiten im Buch einnehmen), ein Vor- und ein Nachwort. Und jede, wirklich jede dieser Kurzgeschichten ist einfach brillant, beinhaltet eine Moral, die ohne das vorhergehende Problem erst gar nicht in Frage gestellt worden wäre. Aber Schwarz hat für jede Lösung auch ein Problem - einfach nur genial!

Natürlich ist dieses kein Buch, das der Konsument wie einen Roman lesen wird. Bei mir daheim liegt es auf einem kleinen Tischchen neben der Polstergruppe. Und dort greife ich gern einmal zur Seite, um mir einen kurzfristigen Lesegenuss zu gönnen. Zumeist blieb es bei einer Kurzgeschichte am Tag, manchmal wurden es auch zwei oder drei - das weiterer Vergnügen habe ich mir nur zu gern für die Folgetage aufgespart.

Ich bin also in der Summe völlig begeistert von Stefan Schwarz und seinem Humor, den er frech an den Mann oder die Frau bringt, der zudem auch manches Mal - passend zum Autorennamen! - ins Schwarze abgleitet. Insofern kann ich nur eine uneingeschränkte Kaufempfehlung abgeben, wobei das Werk auch als Geschenk für Männlein wie Weiblein gleichermaßen geeignet ist.

Fazit: Ich warte schon auf das nächste Schwarz-Buch

Name des Mitglieds: dik1609